Alle Passagiere bitte einsteigen! Auf Gleis fünf fährt der Clawville-Express ein! Auf besonderer Mission sind natürlich auch wir mittendrin statt nur dabei. Das Ermittlerduo Fuchs Moses und Kater Plato hat eine ganz besondere Mission und schärfen passend dazu auch schon einmal die Spürnase. Und da es Detektivgeschichten schließlich wie Sand am Meer gibt, startet Moses & Plato: Last Train to Clawville direkt nicht ganz so alltäglich. Denn der titelgebende Fuchs ist direkt Hauptverdächtiger in einem Mordfall.
Aber drehen wir die Taschenuhr doch erst einmal ein Stückchen zurück. Zurück zu dem Zeitpunkt, als Moses und Plato überhaupt erst in den Orient… eh Clawville-Express einstiegen. Ihr Ziel? Den Botschafter von Stowonia zu beschützen, er müsse nur die Zugfahrt zu den bevorstehenden Friedensverhandlungen überstehen. Schnell allerdings zeigt sich, warum Botschafter Ignat diese Garde auch benötigt. Er selbst begegnet uns arrogant und abweisend und schnell wird klar, dass er sich mit seinem Charakter mehr Feinde als Freunde gemacht hat. Als dann auch noch die Gerüchte aufkommen, dass er sich in akuter Lebensgefahr befindet und er ermordet werden soll, sind wir als Hüter des Gesetzes natürlich sofort mit Feuereifer dabei, genau dieses zu verhindern. Und doch. Nach einer ausgelassenen Party auf dem Zug finden wir uns im royalen Schlafzimmer wieder. Vor uns: der sibirische Tiger Ignat. Ein klaffendes Loch ins seiner Brust. Blut. Und die Pistole direkt in unserer Pfote. Waren wirklich wir das? Und natürlich ist die Erinnerung so nebelig…
Es gibt nur eine Wahrheit und ich finde sie!
Natürlich ist für die anderen Tiere eines ganz offensichtlich. Selbstverständlich muss Moses den Botschafter kaltblütig ermordet haben. Und jetzt? Jetzt sind nicht nur die Friedensverhandlungen in Gefahr, nein, eigentlich ein erneuter Ausbruch des Krieges absolut gewiss. Also, außer wir können die Umstände früh genug aufklären und Licht ins Dunkel bringen. Das heißt, wir haben also nur wenige Tage Zeit. Denn sobald der Clawville-Express in die gleichnamige Stadt einfährt kann jegliche Geheimhaltung nicht mehr garantiert werden.

Was machen wir also nun? Irgendwie schaffen wir es trotz Generalverdacht zumindest so viel „Vertrauen“ zu sammeln, dass wir wenigstens ermitteln dürfen. Ja, auch gegen uns selbst. Denn auch wenn eine Möglichkeit unbequem ist, wir dürfen sie nicht ausschließen solange eine gewisse Restwahrscheinkeit besteht.
So laufen wir als nun durch den Zug. Von Kabine zu Kabine, von Wagon zu Wagon. Und treffen dort die unterschiedlichsten Fahrgäste. Schnell merken wir, dass der Tod des Tigers allerdings nicht für jeden eine Katastrophe ist. Nein, denn vom Botschafter Mujara aus Togoro über den Schmuggler HonkHonk und die beiden Schauspieler Cassidy und Cassandra – alle haben eines gemeinsam: sie alle hätten durchaus ein Motiv. Selbst Ignats eigene Tochter Cunnia sagte zuvor noch klar, dass sie ihren eigenen Vater verabscheue.
Alles unter die Lupe genommen
Also machen wir das, was alle guten Detektive so machen! Wir wühlen uns von vorn bis hinten durch den Zug, nehmen jeden Winkel unter die Lupe und quatschen so lange jeden einzelnen Passagier an, bis diese uns genervt all ihre Geheimnisse verraten. Zumindest würden wir so vorgehen, wenn wir denn mehr Zeit dafür hätten. Denn die Uhr steht niemals still und tickt fröhlich weiter. Okay, nur wenn wir mit Leuten reden. Und okay, nur bei bestimmten Konversationen. Und die sind auch klar gekennzeichnet, dass wir genau wissen auf was wir uns einlassen. Aber nichtsdestotrotz: entscheiden müssen wir uns trotzdem, welche Charaktere wir genau aushorchen und wo wir uns die hilfreichsten Informationen versprechen.

Das Zeitlimit ist aber sehr verzeihlich. Man kann sich immer zwischen bestimmten Schlüsselsequenzen frei bewegen und eine festgelegte Anzahl an zeitkritischen Interaktionen ausführen, in der Regel Personen befragen. Danach geht es direkt weiter zum nächsten Schlüsselereignis. Wirklich Fehler machen kann man dabei eher nicht. Natürlich gelangt man so an unterschiedliche Informationen, das große Ganze lässt sich aber auch mit unterschiedlichen Puzzlestücken einwandfrei entziffern. Das liegt aber auch daran, dass die Wahlfreiheit zunächst größer scheint, als sie tatsächlich ist. Mehrfach bin ich von vorne bis nach hinten den Zug entlang geschlichen und habe all meine Möglichkeiten evaluiert, um dann zu merken, dass ich die Zeit habe drei Personen näher zu befragen. Vier standen zur Auswahl. Genug Beweise purzeln dabei immer heraus.
Die Ohren gespitzt
Aber wir sind ja ein Fuchs und haben unser wichtigstes Detektivwerkzeug immer bei uns: die Nase! Naja, und die Ohren und die Augen. Denn unsere animalischen Instinkte helfen stets dabei noch ein paar Hinweise mehr aufzuschnappen. So fällt schnell auf, dass Cunnias Herzschlag noch immer sehr entspannt ist und der Vagabund Basil trotz seines Äußeren ziemlich gut riecht. Ob das alles am Ende eine Bewandnis hat? Na, wenn mich zahlreiche Ermittlungsabenteuer eines gelehrt haben, dass wirklich jedes Detail unter den richtigen Umständen die Wahrheit ein Stück näher bringen kann.
An ein paar festgelegten Punkten der Geschichte schnappen wir uns eines der Tiere und nehmen es deutlich in die Mangel. Bei so manchen Antworten gehen wir kurz in uns: klingt das wirklich plausibel? Schnell wird widersprochen und die Lüge aufgedeckt. Selbstverständlich brauchen wir aber auch Beweise oder zumindest starke Indizien, um unser Gegenüber zum Reden zu bringen. Es ist dabei auch gar nicht SO wichtig, ob wir in jedem Dialog die perfekte Antwort auf alles haben. Korrekte Widersprüche (oder zuzustimmen, dass die Wahrheit gesagt wird!) gibt uns Punkte und am Ende wird das Verhör auf einer Skala von eins bis fünf bewertet, wie ergiebig es für uns war. Wir können es aber jederzeit wiederholen um mehr Informationen herauszukitzeln und eine bessere Punktzahl zu erzielen.

Gerade hier ist mir durch mehrfaches Wiederholen aufgefallen, dass ich zu einem Statement ganz klar nicht den richtigen Beweis parat hatte. Wenn man also wirklich alle Dialoge erleben will – und auch alle Facetten um den Mord erfahren möchte, so muss ein weiterer Durchgang her. Für das große Ganze reicht ein einzelner allerdings vollkommen aus.
Verkleidungsparty und Trankbrauerei
Ein bisschen Körpereinsatz ist hin und wieder auch gefragt. So findet Plato einmal ganz, ganz typisch ein paar Fetzen eines Papieres im Mülleimer, den wir wieder zusammenpuzzlen müssen, wir entschlüsseln Codes oder müssen strikt nach Anleitung einen Trank brauen. Besonders unterhaltsam war einmal, als wir Platos Verkleidungskünste austesten wollten und mit allerlei Alltagsgegenständen die Silhouette eines anderen Passagiers nachbildeten. Das war schon herrlich albern und bot einen wunderbaren Gegensatz zum sonst eher trockenen (aber gut passendem!) Humor. Auch wenn das Spiel ansonsten in den meisten Fällen eher ernst bleibt. Und wenn wir mal nicht so Lust auf Mord, Todschlag und Ermittlungszeug haben, dann können wir stattdessen auch einfach ein bisschen Karten Spielen. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Ich habe auf den ungefähr 8 Stunden die Passagiere wirklich sehr ins Herz geschlossen. Egal ob es sich um mein charmantes Duo handelte mit dem zurückhaltenden Fuchs und dem manchmal etwas übereifrigem Plato oder dem arroganten Schmuggler und Kunsthändler HonkHonk, der die ganze Zeit nur mit uns spielt. Besonders angetan hat es mir der Zugführer Pierre, der vor Stolz nur so platzte, dass er – obwohl er doch ein Insekt ist! (Spinnen sind KEINE Insekten! Das stört mich mehr als es sollte!) – eine so wichtige Aufgabe ausführen durfte. Und dann auch noch für einen so wahnsinnig tollen Zug, in wichtiger Mission. Auch wenn dann nach und nach sein Selbstbewusstsein immer mehr schwindet. Armer Kerl.
Auch der Plot weiß zu gefallen. Keine Sorge – trotz aller bewussten Parallelen zum Mord im Orient Express von Agatha Christie, ist die gesamte Auflösung und was mit dem Botschafter Ignat passiert ist eine ganz eigene Geschichte. Und dabei eine, die weniger mit großen Twists aufwartet, sondern mehr ein „Aha! Hab ich’s mir doch gedacht!“ am Ende mit sich bringt. Das Geschehen wirkt logisch ohne zu konstruiert zu sein und zieht sich wie ein roter Faden hindurch. Ganz so, wie es bei einer Detektivgeschichte eben sein sollte. Wären ein paar besondere Überraschungen noch schön gewesen? Na klar! Aber mir sind logische Zusammenhänge immer wesentlich wichtiger als aufgesetzte Wendungen.
Am Zielort angekommen
Fans von Detektivgeschichten bekommen mit Moses & Plato ein neues Duo vorgesetzt, das sie für ein paar Stunden in ein tolles Abenteuer eintauchen lässt. Die tollen Charaktere tragen eindeutig das Geschehen, während all die anderen Puzzleteile sich einwandfrei in das Gesamtbild einfügen. Empfehlen kann ich es also auf jeden Fall. Und ich freue mich schon sehr darauf noch ein paar Fälle mehr mit den beiden zu erleben. Denn die Wahrheit schläft nie!

Vielen Dank an The Wild Gentlemen und Toge Productions für die Bereitstellung des Testmusters! Auf einem Windows-Laptop nach verräterischen Fährten geschnüffelt.