Wenn ein Spiel in nur einer Region erschienen ist, dann denkt man meistens an die USA oder Japan, Europa-exklusive Spiele haben hingegen Seltenheitswert. Auf dem Nintendo 64 ist mit Taz Express von Infogrames aber sogar ein Spiel mit international sehr bekannter Marke ausschließlich in Europa erschienen. Folgerichtig hat das Spiel einen gewissen Seltenheitswert. Als 3D Jump & Run musste Taz‘ Ausflug als Paketbote sich natürlich der kritischen Betrachtung stellen.
Die Geschichte von Taz Express ist simpel, wird aber mit für Nintendo 64-Verhältnisse ausdrucksreichen Echtzeitvideosequenzen erzählt. Taz verdient sich als Paketbote und muss ein überaus wertvolles Paket sich an seinen Bestimmungsort bringen. Dabei lauern allerlei Gefahren auf ihn, die von anderen bekannten Figuren des Loony Tunes-Universums ausgehen. Wenngleich es einige ganz lustige Animationen zu sehen gibt, muss man aber auch sagen, dass man als Comic-Fan hier auf den bekannten Serienhumor weitgehend verzichten muss.

Spielerisch ist das Paket das große Alleinstellungsmerkmal von Taz Express, denn in den meisten Levels muss Taz nicht nur für sich selbst einen Weg über gefährliche Plattformen finden, sondern auch seine Kiste wohlbehalten ans Ziel bringen. Hierbei wird er in vielerlei Hinsicht behindert. Einerseits kann er mit der Kiste über dem Kopf nicht springen, andererseits ist es nicht ohne weiteres möglich, seine Kiste unbeobachtet in der Gegend stehen zu lassen, weil diebische Vögel sich die Kiste schnappen oder aggressive Gegner die Kiste zertrümmern können. Aber auch wenn Taz die Kiste in der Hand hält, ist sie nicht zwingend in Sicherheit, denn wird Taz von einem Gegner getroffen, fällt die Kiste auf den Boden und wird in aller Regel ihrer Zerstörung nähergebracht. Gelegentlich gibt es aber sichere Stellen, an denen man für eine beschränkte Zeit oder sogar unbeschränkt lange seine Kiste lagern kann, um den Weg für die Kiste freizulegen.
In der Konsequenz sind die Level in Taz Express sehr kompakt gestaltet und verändern sich im Verlauf eines Leveldurchlaufs signifikant, um den Weg für die Kiste freizumachen. Es gibt auch einige spaßige Minirätsel und Plattformaufgaben, die die Dynamik mit der Kiste auf gelungene Weise ausnutzen. Allerdings überwiegt meiner Erfahrung nach der Frust gegenüber dem Spielspaß.

Das liegt einerseits daran, dass der Schwierigkeitsgrad wild fluktuiert und gerade in der ersten Hälfte des Spiels immer wieder bemerkenswerte Höhen erreicht. Andererseits haben die Entwickler wenig Mühe darin investiert, doppelte Wege und Redundanzen durch die Kiste zu vermeiden. Ganz besonders bemerkenswert fand ich eine Stelle in der dritten von fünf Welten, wo man die Kiste über ein Katapult in den nächsten Raum befördern muss, bevor man selbst den Raum betritt. Dort ist die Kiste dann umgeben von ca. 30 anderen gleich aussehenden, falschen Kisten, die nicht unterscheidbar vom Original sind, außer dadurch, dass man nur mit dem Original das Levelende betreten kann. Man darf hier also eine Kiste nach der anderen in einem fummeligen Prozess eine Pyramide hoch befördern, bis man die richtige Kiste errät.
Taz Express ist ein passables 3D Jump & Run mit einer frischen Idee, das aber durch seinen wild fluktuierenden Schwierigkeitsgrad und zahlreiche sehr unsauber designte Stellen kaum zu empfehlen ist. Um das beste Ende zu erreichen, muss man das Spiel überdies vier Mal durchspielen. Schwer vorstellbar, dass es viele Leute gibt, die Taz Express lang genug bei der Stange hält. Gerade in Anbetracht des hohen Gebrauchtpreises würde ich Taz Express höchstens großen Fans von Genre und Marke nahelegen.

Getestet auf Nintendo 64.