Donkey Kong Country Tropical Freeze (Review)

Nachdem Retro Studios auf der Wii die Donkey Kong Country-Reihe wiederbelebt hat, haben sie auf der Wii U das Konzept noch etwas weiter ausgearbeitet und mit Dixie und Cranky zwei neue Partner für Donkey Kong eingearbeitet. Mit einer noch detailverliebteren Präsentation, einem Soundtrack von Dave Wise und umfangreichen, aber dicht designten Levels sollte Tropical Freeze das fulminanteste Abenteuer der Affenbande werden.

Donkey Kongs geliebte Heimatinsel wird bei einem Angriff der Viehkinger von einem eisigen Schneesturm überrollt. Das ist für Donkey und seine Freunde natürlich völlig inakzeptabel und so machen sie sich auf, die Viehkinger zu vertreiben, um wieder bei gewohnt paradiesischen Temperaturen in ihrem Dschungel durch die Luft zu schwingen zu können. Wie gehabt spielt die Geschichte im Verlauf des Spiels nahezu keine Rolle und wird im Wesentlichen nur zu Beginn und Ende des Spiels in kurzen Videosequenzen erzählt. Im Mittelpunkt steht ganz klar das Gameplay.

Grundlegend hat sich in dieser Hinsicht im Vergleich zum Vorgänger Returns zunächst nicht viel geändert. Allerdings wurde der Schwerpunkt auf Bewegungssteuerung aufgegeben, so dass alle Aktionen schon in der Ursprungsversion für die Wii U über Buttoneingaben ausgeführt werden können – eine Änderung, die zweifelsohne willkommen ist – nicht nur, weil Off-TV-Play mit Schüttelsteuerung und hohem Anspruch an die Präzision und das Timing des Spielers nur schwer in Einklang zu bringen ist. Während man im Wii-Vorgänger noch einzig die Wahl zwischen Wii-Remote und Wii-Remote mit Nunchuk als Steuerungsoptionen hatte, kommen auf der Wii U mit dem Pro Controller und dem GamePad gleich zwei Steuerungsvarianten hinzu. Was in Tropical Freeze wirklich positiv auffällt, ist die Konfigurierbarkeit der GamePad- bzw. Pro Controller-Steuerung. Ähnlich wie in der 3DS-Fassung des Vorgängers kann man wahlweise per Steuerkreuz oder per Analogstick die Richtung vorgeben – im Fall dessen, dass man sich für das Steuerkreuz entscheidet, samt obligatorischem Rennknopf.

Eine willkommene Neuerung ist aber vor allem die Möglichkeit, die Funktionen der Schultertasten und X / Y auszutauschen. Standardmäßig führt man die Rolle mit X oder Y aus und kann sich mit den Schultertasten an Lianen festhalten oder Fässer aufnehmen. Im Optionsmenü gibt Retro dem Spieler nun die Auswahl, ob man diese Funktion lieber tauschen würde. Dadurch hat der Spieler im Endeffekt so viele Steuerungs-Alternativen, dass wohl für jeden Spieler die optimale Konfiguration mit dabei sein dürfte.

Die große Neuerung sind die neuen spielbaren Partner-Affen. An verschiedenen Stellen im Spiel stößt man jetzt nicht nur auf klassische DK-Fässer, sondern auch solche, die den Wechsel zu einem anderen Partner-Kong ermöglichen. Statt Diddy Kong nimmt dann Dixie oder Cranky Platz auf Donkey Kongs Rücken. Während Diddy genau wie im Vorgänger mit einem Raketenrucksack einen etwas längeren Sprung erlaubt, kann Dixie mit ihrem Propeller-Haarschweif DK einen Schwung nach oben geben, wohingegen Cranky Kong wie Dagobert Duck in den DuckTales-Spielen auf seinem Gehstock hüpfen kann. Auf diese Weise können die Kongs gefährliche Untergründe wie Stachelböden und Dornen überqueren. Wenngleich die neuen Kongs natürlich eher eine situative Änderung darstellen, bringen sie genug frischen Wind in den Spielablauf, dass Tropical Freeze sich im Spielgefühl deutlich von seinem Vorgänger abhebt.

Alle drei Kongs machen eine Menge Spaß und kommen mit ihren eigenen Steuerungsfeinheiten daher, die man erlernen muss, um im Time Attack zu Höchstleistungen aufzufahren. Glücklicherweise haben die Entwickler dabei auch daran gedacht, dass nicht jeder Spieler dazu bereit ist, ein Level noch einmal von vorn zu spielen, nur weil er nicht korrekt erraten hat, welchen Kong er im Folgenden benötigt. Mit nur sehr wenigen Ausnahmen warnt das Spiel den Spieler vor, wenn ein bestimmter Kong für einen Sammelgegenstand benötigt wird, indem ein Fass auf dem Weg liegt, das nur einen der Kongs enthält – eben jenen, den man im Folgenden benötigen wird.

Auffällig ist, dass die Level in Tropical Freeze noch einmal ein gutes Stück umfangreicher sind als in Donkey Kong Country Returns, ohne aber eine störende Überlänge aufzuweisen. Die thematische Aneinanderreihung der Level und deren optische Entwicklung tragen zudem wieder dazu bei, dass Tropical Freeze dem levelbasierten Ansatz zum Trotz den Eindruck einer nahtlosen Reise durch die Welt der Affenbande vermitteln kann.

Weitere Neuerungen sind in den Levels versteckte Geheimausgänge, denn in jeder Welt gibt es zwei Geheimlevel, die über die normalen Level erreicht werden können, sowie für den Time Attack Modus eine Online-Funktionalität. Diese erlaubt es, seine Rekorde online zu teilen und sogar Replay-Videos hochzuladen, so dass andere Spieler den besten Durchlauf durch ein Level begutachten können.

Was Donkey Kong Country Tropical Freeze wirklich zu einem absoluten Pflichttitel für jeden Jump & Run-Freund macht ist das abermals absolut herausragende Leveldesign. Spielt man das Spiel normal durch, so stecken die Level voller Geheimnisse, kniffliger Fallen und kreativer Ideen. Ob tanzende Bäume, über die man hüpfen muss oder trompetende Gegner, die für starke Luftströme sorgen: Jedes Level kann mit ganz eigenen ausgefallenen Ideen aufwarten, die sowohl spielerisch als auch optisch zu gefallen wissen. Doch jedes Level birgt auch noch ein ganz anderes Potential, das sich offenbart, wenn man sich am Time Attack-Modus versucht. Jedes Levelelement ist nämlich perfekt darauf abgestimmt, einen idealen Spielfluss zu gewährleisten. In jedem Level gibt es eine Route, die zeitlich genau auf die Fähigkeiten Donkey Kongs abgestimmt ist und einen vollkommen flüssigen, schnellen Durchlauf durch das Level garantiert. Es ist wirklich beeindruckend, wie das Leveldesign beide, eigentlich fast konträre, Designziele scheinbar mit Leichtigkeit erfüllt und genau diese Finesse im Leveldesign ist es, die Retro Studios seit Metroid Prime auszeichnet und auch in Tropical Freeze wieder in besonderer Weise strahlt.

Ein für Nintendo ungewöhnliches Problem in Tropical Freeze sind die enorm langen Ladezeiten. Startet man Donkey Kong Country Tropical Freeze erstmals, so darf man sich auf eine ordentliche Wartezeit gefasst machen. Um nach Auswahl des Spiels im Wii U-Menü zum Titelbildschirm zu gelangen, muss man etwa eine halbe Minute Geduld aufbringen. Eine weitere halbe Minute dauert es dann, vom Titelbildschirm in das eigentliche Spiel zu gelangen, hierbei spielt allerdings auch die Auswahl der Steuerung und des Bildschirms noch mit hinein, es ist also keine Netto-Ladezeit. Nichtsdestotrotz, um auf die Oberweltenkarte in Donkey Kong Country Tropical Freeze zu gelangen, muss man eine volle Minute Wartezeit einkalkulieren, die im Kontext sonstiger Nintendo-Spiele schon ziemlich gewaltig wirkt.

Auch das Laden eines neuen Levels schlägt noch einmal mit fast 17 Sekunden zu Buche. Im Gegenzug ist Donkey Kong Country Tropical Freeze allerdings optisch wie akustisch auch besonders üppig ausgestattet. Immerhin, Retro hat erkannt, dass bei den schwierigen Time Attack-Vorgaben solch lange Wartezeiten dem Spielspaß doch allzu abträglich wären. Erkennt man im Time Attack-Modus, dass der aktuelle Durchlauf nicht sonderlich erfolgsversprechend ist, kann man komfortabel mit der kurzen Button-Folge Start-A-A neu starten und befindet sich binnen 8 Sekunden wieder am Beginn des Levels. Auf Grund von Musik und Soundeffekten ist es sogar so, dass diese Wartezeit im Falle eines Lebensverlusts gefühlt auf fast null sinkt, denn das Spiel lädt dann den Start des Levels schon neu, während die Musik den Spieler noch für sein Versagen entlohnt. Tropical Freeze wird durch seine langen Ladezeiten gewiss nicht unspielbar – besonders zumal diese im Spiel selbst dann doch recht human sind – nichtsdestotrotz ist man in dieser Hinsicht von Nintendo definitiv deutlich besseres gewohnt.

Ein besonderes Lob verdient der phänomenale Soundtrack aus der Feder von David Wise, jenem Komponisten, der schon mit Donkey Kong Country 2 unzählige Spieler verzaubert hat. Ich habe mich in den vielen Spielstunden vor dem Review nicht nur ein Mal dabei erwischt, mitten im Level stehen geblieben zu sein, um die grandiose Musikkulisse zu genießen. Jedes einzelne Stück trifft die Atmosphäre seines Levels ideal, jede Komposition nistet sich im Ohr ein.

Es wäre leicht, Donkey Kong Country Tropical Freeze als einfachen, schnell gemachten Nachfolger zum Wii-Titel Returns abzustempeln. Doch Retro Studios beweist ein weiteres Mal, dass wohl kaum ein Studio solch ein Gespür und solch eine Leidenschaft für ausgefallenes, multifunktionales Leveldesign hat. Egal wie erfahren man mit 2D Jump & Runs ist, für jeden Spieler wird hier erstklassige, fordernde Unterhaltung geboten, die ihresgleichen sucht. Donkey Kong Country: Tropical Freeze ist der wohl beste Teil in einer Reihe exzellenter 2D Jump & Runs und kann vor allem mit seinem famosen Leveldesign brillieren.

Getestet auf Wii U.