Verde (Review)

Artwork Verde

Ich bin kürzlich unter die Städtebauer gegangen, weil ich das ausnahmsweise als Gärtner machen konnte. Und das ist ja fast schon Farmarbeit, was ich gern mache, oder? Jedenfalls verspricht Verde von Antimeta Studio, ein entspannter Citybuilder zu sein. Das bedeutet anpflanzungstypisch, dass viel Stress möglich ist beim Versuch, möglichst viel Geld zu verdienen. Nicht, dass das hier notwendig wäre, denn niederschwelliges Stadtmanagement ist hier völlig ausreichend.

Verde verfügt über drei Spielmodi. Die Kampagne dient als Tutorial und folgt dem namensgebenden Verde beim Lernen. Im Sandkasten-Modus setze ich um, was ich gelernt habe, mit allen Kosten und Bedürfnissen. Der Kreativ-Modus erlaubt gänzlich freies Bauen unabhängig von Einschränkungen, die über den vorhandenen Platz hinausgehen. Zudem stehen mir drei unterschiedliche Karten zur Auswahl, die sich beispielsweise in der Flussführung unterscheiden.

Gärtnerei-Club

Der junge Verde wird vom Gärtnerei-Club der Schule rekrutiert. Das wirkt ein wenig unfreiwillig, aber er ist schnell mit Begeisterung dabei. In der Story lernt er die Grundlagen, um für die winzigen Saatlinge blühende Städte zu bauen.

Die Geschichte wird dabei weitgehend in comicartigen Bildern erzählt, die sehr niedlich und amüsant sind. Hin und wieder spricht Verde auch mit der Eule Fa, die ebenfalls Teil des Clubs ist. Während die Comics das Zwischengeschehen erzählen, sind die Dialoge eher auf das Geschehen innerhalb der kleinen grünen Stadt und deren Entwicklung fokussiert. Dabei sind auch die deutschen Texte weitgehend gelungen, allerdings gibt es einzelne Textstellen, insbesondere während der Aufgabenhinweise von Verde, die trotz der Spracheinstellung auf Englisch bleiben. Die Aufgaben selbst, die ich über den Briefkasten oder eine Anzeige am oberen Bildschirmrand einblenden kann, sind alle übersetzt.

So begleite ich Verde bei seinen ersten Schritten im Saatling-Städtebau. Lerne, dass auch Saatlinge Wasser brauchen, um zu gedeihen. Daneben zählen zu ihren Bedüfnissen auch Nahrung, Einkaufsmöglichkeiten und Orte für soziales Miteinander sowie eine dekorierte Umgebung.

Comicbilder zu den beiden Mitgliedern des Gärtnerei-Clubs, die Verde entdecken und einladen.
Blühende Städtchen

Entspannt ist Verde vor allem in dem Sinn, dass es keine großen Nachteile gibt, Bedürfnisse nicht zu erfüllen. Es geht lediglich langsamer voran. Werden Bedürfnisziele nicht erreicht, ziehen weniger Saatlinge in aufgestellte Häuser und bringen mir weniger Blätter pro Minute ein, die als Währung dienen, um weiterzubauen. Aber das einzige, was mich ein schlechtes Management kostet, ist Zeit, und ich stehe nicht unter Zeitdruck. Zudem sind die Kosten für neue Gebäude, Dekorationen und Nutzgegenstände nicht so hoch, dass ich mehr als ein paar Minuten warten müsste, um etwas Bestimmtes kaufen zu können. 

Mit den Blättern kaufe ich zudem auch weitere Landflächen, die mir mehr Platz bieten, um die Stadt zu vergrößern. Ein komplettes Land kann dabei erstaunlich groß werden, aber selbst bei über zweitausend Saatlingen im Städtchen läuft Verde bei mir jederzeit flüssig.

Die Story führt nach und nach auch weitere Biome ein, die sich um das Grasland herum befinden. Die beiden Wohngebäudetypen lassen sich überall aufstellen, doch darüber hinaus gibt es verschiedene Nutzgegenstände, Dekorationen und Geschäfte, die nur auf bestimmten Untergründen stehen können. Zudem bringen die beiden späteren Biome besondere Bedürfnisse mit, die ich für die Saatlinge ebenfalls erfüllen sollte.

Um voranzukommen, baue ich die gewünschte Mindestanzahl an bestimmten Gebäuden und eingezogenen Saatlingen und erhöhe deren Zufriedenheit ausreichend. Dabei kann ich mich weitgehend auf die Zahlenwerte konzentrieren und daneben auf die Bedürfnisse, die ich beim Anklicken eines Hauses anzeigen lassen kann. Oder ich nutze die Lupe, die mir mit einer Art Wärmebildkarte anzeigt, wie gut verschiedene Bedürfnisse auf einem Feld erfüllt sind. Während des Tutorials ist das ebenso wie eine feinmaschige Platzierung von Objekten aber noch nicht ganz wichtig. Schließlich lerne ich gerade erst. So ist die Erfüllung der Aufgaben niedrigschwellig und gibt gleichzeitig die Freiheit, darüber hinaus viel frei zu gestalten.

Aufgabenbilschirm in Verde.
Dekoobjekte

Neben den Hauptaufgaben bietet die Story in Verde auch verschiedene Nebenaufgaben. Diese beziehen sich zumeist auf die Platzierung von Dekorationen. Dazu zählen Büsche und Bäume, aber auch Straßenlaternen oder Strandstühle. Jede Dekoration erhöht den Dekorationswert in einem Umfeld ein wenig. 

Während der Handlung oder beim freien Bauen eines Städtchens kann ich unterschiedlich dekorieren. Es gibt verschiedene Wege, die ich platzieren kann, um Häuser und Geschäfte zu verbinden. Notwendig ist das nicht, da sich die Saatlinge nicht daran stören, über Gras zu laufen. Oder an einer engen Bebauung, bei der Haustüren direkt am Rand der freigeschalteten Flächen stehen und eigentlich in den Abgrund führen. Wenn man einmal davon absieht, dass bei mir später viele Saatlinge über leere Flächen gelaufen sind, um weit entfernte Läden zu erreichen, statt denen in der Nähe ihrer Wohnhäuser, finden sie sich überall gut zurecht.

Erfülle ich diese Nebenaufgaben, erhalte ich weitere Dekorationen, Spezialobjekte und neue Rähmen für den Fotomodus. Mit den Laternen schalte ich beispielsweise die Möglichkeit frei, den ewigen Tag im Saatling-Städtchen in eine Nacht zu verwandeln.

Gleichzeitig sorgen die Aufgaben auch dafür, dass ich mehr unterschiedliche Dekorationen platziere. Das fällt mir insbesondere im Vergleich mit dem letzten Zustand der Tutorialstadt auf, nachdem ich die Handlung abgeschlossen hatte. 

Gestaltung des Fotomodus' mit Rahmen und verschiedenen Bildfiltern oder Ausschnitten.
Optionales Maximieren

Denn nach zwei Stunden hatte ich zwar ein niedliches, chaotisches Städtchen und die Grundaufgaben abgeschlossen. Aber danach gibt es nicht nur eine weitere Aufgabe, die ein wenig bewussteres Bauen und Platzieren benötigt. Da ich im Verlauf schon einige Errungenschaften erreicht hatte, wollte ich auch noch die übrigen sammeln. Das hat schließlich vier weitere Stunden gedauert, insbesondere wegen einer einzelnen Errungenschaft.

Hatte ich zuvor vereinzelt Gebäude und Dekorationen umgeräumt, um Bedürfnisse gezielter zu erfüllen, statt Notwendiges irgendwo zu platzieren, erreicht die Neuorganisation nun ein neues Level. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, komplett neu zu beginnen und gleich bewusster zu bauen. Aber letztlich hat es mir sehr viel Spaß gemacht, auf neu gekauftem Land zu planen und die zuvor von mir eingerichteten Gebiete nach und nach zu verbessern.

Das gab mir die Möglichkeit, zu sehen, wie viel ich während des Tutorials gelernt hatte. Wild platzierte Bäume und Strandstühle überall erfüllen zwar die Anforderungen der Storyaufgaben (ebenso wie hübsch angelegte Wege und mit Freiraum platzierte Häuser!), aber für mehr Saatlinge und mehr Blätter ist etwas mehr verlangt. 

Dann ist der großzügige Platz doch auf einmal sehr knapp. Aber das Überlegen und Umsortieren hat mir großen Spaß bereitet. Zu schauen, wo ich noch ein Häuschen dazwischenquetschen kann, ohne dass es den darin einziehenden Saatlingen an irgendetwas mangelt. Stellen zu suchen, die zu chaotisch gebaut sind. Wo kleine Wälder stehen, die Platz für noch mehr Wohnraum und Geschäfte bieten könnten. Herauszufinden, wie ich Dekorationen besonders effizient einsetze. Besonders schön mag das dann nicht mehr sein, insbesondere weil einzelne Dekorationen immer mehr Punkte einbringen als andere. Aber einmal nach immer mehr zu streben, war sehr unterhaltsam.

Weitere Gestaltungsmöglichkeiten

Gestalten kann ich in Verde nicht nur durch unterschiedliche Dekorationen, die Platzierung von Objekten oder durch Wege. Wohnhäuser, Geschäfte und Dekorationen kann ich häufig darüber hinaus optisch anpassen. Das betrifft unterschiedliche Dächer oder Fassaden, die sich teilweise sehr stark unterscheiden, und ihre Farbgebung. Bei Bäumen kann ich oft die Baumart ändern. 

So kann ich meine kleinen Städtchen noch ein wenig persönlicher gestalten. Schließlich möchte ich vielleicht nicht nur immer mehr Blätter sammeln und ausgeben, sondern zwischendurch auch einmal schauen, was sich in der Stadt so tut.

Die Saatlinge bewegen sich eigenständig durch die Stadt, verlassen ihre Häuser, setzen sich auf Bänke, manche sind auch zum Arbeiten eingekleidet. Daneben entdecke ich auch immer wieder kleine Vögel oder andere Tiere, wenn ich mir die Zeit nehme, mich umzuschauen. Auch wenn das auf Dauer nicht besonders spannend ist, gefallen mir doch die kleinen Details.

Objekte kann ich auch um ein Viertel rotieren, um beispielsweise Haustüren anders auszurichten. Bei mir allerdings funktionierte das nicht per Maus, sondern lediglich über die Tastatur oder nach der Platzierung über ein Icon.

Zudem sorgt die feste Perspektive auf die Stadt dafür, dass sich Objekte überlappen können. Dadurch ist es bisweilen schwierig oder unmöglich, mit den hinteren Objekten zu interagieren, ohne die vorderen zu bewegen oder zu verkaufen. Davon abgesehen funktionieren Interaktionen und Menüführung einwandfrei.

Zudem ist mir einmal aufgefallen, dass Fa während der Geschichte von noch größeren Häusern spricht. Diese werden allerdings nie freigeschaltet und fehlen auch nicht für die Errungenschaft, alles freigeschaltet zu haben.

Verde: "Was macht man so am Strand?"
Warten.
Fazit

Verde ist ein entspannter Citybuilder mit wimmelnden kleinen Wesen, bietet aber gleichzeitig auch Potenzial für das große Geldverdienen. Ich kann niedlich dekorieren und damit viel erreichen, das Bedürfnissystem ist verständlich und einfach. Oder ich versuche, möglichst viele Saatlinge komplett zufriedenzustellen. Die unterschiedlichen Biome bringen Eigenheiten für eine zusätzliche Herausforderung mit, ohne zu überfordern. Zudem ist die kleine Rahmenerzählung niedlich. Auf Dauer mag die Auswahl an Gebäuden oder Anpassungsmöglichkeiten etwas zu gering werden, doch für einige Stunden Stadtbauspaß lohnt sich Verde allemal.

Herzlichen Dank an Assemble Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters. Städtchen gebaut auf PC via Steam.