Stackmon (Review)

Stackmon Artwork

Seit ich denken kann, hab ich Dinge gesammelt. Diddl-Blätter, allgemeine Sticker, dann Digimonsticker, Pokémon-Karten, Yu-Gi-Oh!-Karten, Videospiele oder schlicht Trophäen bzw. Achievements. Zwar hat sich das WAS über die Jahre immer wieder verschoben, aber gesammelt wurde die meiste Zeit irgendwas. Dass mich da Monstersammelspiele auch leicht in den Bann ziehen konnten, ist eigentlich richtig offensichtlich. Und da gibt es inzwischen soooo viele verschiedene auf dem Markt! Diese Kombi aus Karten-Stapelei und Monstersammelei hab ich bisher allerdings noch nicht gespielt – ein guter Grund also, sich Stackmon einmal näher anzuschauen!

Die ganze Welt ist eine Karte

Sofort nach dem Starten des Spiels wird klar: Alles ist eine Karte. Professor Pine, jedes einzelne Monster und selbst das eigene Ebenbild, als Trainerin. Entsprechend kann auch wirklich alles davon mit der Maus geschnappt und durch die Gegend gezogen werden, um alles ganz nach den eigenen Wünschen anzuordnen. Natürlich gibt mir der Professor noch einen Auftrag: Ich soll mich als Harmoniepfadfinder bei den anderen Pfadfinder-Klans vorstellen und direkt meine Kampfkünste unter Beweis stellen. Und ganz nebenbei natürlich einen Haufen Daten für seine Stackopedia sammeln. Na, das kriege ich doch hin, oder? Natürlich nicht ohne weitere Hilfe, denn ich darf mich direkt für einen Weggefährten entscheiden, der mich auf meinen Abenteuern begleitet. Niedlich sind sie ja alle – Schnabeltier Platy fand ich aber besonders süß. Also Wasser marsch!

Screenshot aus Stackmon. Es zeigt die Starter-Kreaturenwahl.
Die wichtigste Entscheidung im ganzen Spiel steht an!

Auf ins Abenteuer!

Natürlich möchte ich sofort losziehen, Routen erkunden und Stackmon entdecken… aber da macht mir das Spiel einen Strich durch die Rechnung. Aber gut. Dann sammel ich die ersten Ressourcen. Durch kleinere Aufgaben – kombinieren dies, erhalte das, erhalte ich die ersten Belohnungs-Boosterpacks, in denen sich erneut neue Ressourcen finden lassen. Ich stapel Bäume und mein Ebenbild, um Holz zu fällen und eventuell auch mal eine apfelähnliche Frucht zu finden. Schüttel an Sträuchern und bearbeite Steindepots. Natürlich hilft auch Platy eifrig mit, so ein Stackmon kann in fast allen Fällen genauso gut anpacken wie die Trainerkarte. Noch bevor ich überhaupt in die Freiheit entlassen werde, merke ich: Das Management der Basis spielt eine ziemlich große Rolle.

Ich beginne also Ressourcen zu verkaufen und leiste mir davon erste Booster-Packs, kloppe noch mehr Bäume, verkaufe Holz und erhalte auch immer wieder neue Rezepte um mehr Dinge bauen zu können. Dazwischen ploppen auch erste kleinere Missionen auf: Ich soll drei Zweige auf dieser Missionskarte ablegen. Gesagt getan – und flugs erhalte ich auch meine ersten AP-Punkte, die ich sogleich verkaufen kann. Und mit diesen Punkten kann ich dann endlich auf mein allererstes Abenteuer starten, hurra! Also den Rucksack voll beladen, Platy eingepackt und los gehts!

Unterwegs auf unentdeckten Pfaden

Unterwegs finde ich vor allem wieder Booster Packs vor. Mit einem kurzen Klick offenbaren sich Ressourcen, Trainer oder Orte, mit denen ich erst explizit interagieren muss. Ziehe ich zum Beispiel ein Stackmon auf Hohes Gras, so zeigt sich ein wildes Monster und geht sofort zum Angriff über. So ein Kampf funktioniert dabei größtenteils ganz automatisch. Bei allen Kampfteilnehmern füllt sich nach und nach eine Leiste basierend auf dem eigenen Tempo. Ist diese voll, dann wird eine Attacke ausgeführt, die den Grundschaden des Monsters anrichtet. Zusätzlich kann dieser noch durch kritische Treffer variieren oder basierend auf dem Typen Vor- oder Nachteil. Ihr kennt es – ein Feuer-Stackmon ist besonders effektiv gegenüber Pflanzen-Stackmon, zieht aber bei Wasser-Stackmon den Kürzeren. Verfügt ein Stackmon über eine Fähigkeit, dann kann ich sie mit einem kurzen Klick auf die jeweilige Schaltfläche jederzeit aktivieren – ansonsten noch durch Items unterstützen.

Ist ein Stackmon dann besiegt, kann ich es für einen kurzen Zeitraum mittels eines selbst hergestellten Stack-Totems einfangen. Ansonsten ergreifen sie die Flucht und lassen Stack-Essenz in verschiedenen Raritäten zurück. Diese nimmt dabei die Rolle von Erfahrungspunkten ein und kann frei auf jegliche Stackmon angewandt werden. Heißt wer kämpft, muss am Ende nicht einmal davon profitieren. In Trainerkämpfen läuft das alles sehr ähnlich ab, nur dass ich die Stackmon am Schluss nicht einfangen kann, sondern direkt mit einer großen Portion Essenz belohnt. Um weiterzuziehen muss meine Trainerin erst eine Gebietskarte ganz genau studieren. Diese kann sich ganz normal in einem Boosterpack befinden – oder aber ich muss sie mir erst erkämpfen, da der jeweilige Pfadfinderleiter des Gebiets zwischen uns und dem nächsten Ziel steht. Ist ein Ziel aber erst einmal erforscht, so lässt es sich bei der nächsten Expedition auch direkt ansteuern. So ein Glück!

Die Uhr tickt

Wir können uns mit all dem aber nicht ewig Zeit lassen. Die AP-Punkte stehen für Tage in denen ich unterwegs sein kann, denn die ganze Zeit tickt unermüdlich ein kleiner Timer. Es kommt Tag, es kommt Nacht. Ich kann aber auch jederzeit pausieren und ein paar Aktionen vorausplanen – nur tatsächlich ausgeführt wird alles erst, wenn die Uhr tickt.

Spätere Gebiete haben dabei auch ein paar Besonderheiten. So ist im Felsgebiet eine ständige Steinschlaggefahr und jede Aktion kann für einen Felsrutsch sorgen – dann muss ich augenblicklich sofort zum Lager zurück. Da muss ich also schon besonders aufpassen! Und im Feuergebiet ist es so heiß, dass Stackmon Feuer fangen und dadurch ununterbrochen ein bisschen Schaden nehmen – Eile ist also angeraten. Doch trotz dieser sich ändernden Randbedingungen bleibt der Loop an sich stets derselbe.

Aller Anfang ist kompliziert

Mir war ehrlich gar nicht bewusst, dass diese Stacking-Spiele für sich genommen fast schon ein eigenes Genre abbilden. Und genau das war zu Beginn auch mein Fehler, weshalb ich erst einmal eher ernüchtert war. Erwartet habe ich ein Rollenspiel, das sich offensichtlich stark an Pokémon orientiert, mit Stapel-Twist. Bekommen habe ich ein Stacking- und Crafting-Spiel mit zusätzlichen Monstersammelmechaniken. Klar, klingt erst einmal ähnlich, verschiebt aber den eigentlichen Fokus. Entsprechend kann ich an dieser Stelle auch klar sagen, dass jemand, der aus dem Mikromanagement und dem Crafting keine Freude ziehen kann, auch allgemein mit Stackmon nicht glücklich werden wird.

Screenshot zu Stackmon. Er zeigt das Lager und sehr viele sortierte Karten.
Karten soweit das Auge reicht

Aber wie ging es also dann mit mir weiter, nachdem dieses Missverständnis aus dem Weg geräumt war? Ich musste – aus anderen Gründen! – erst einmal ein paar Tage eine Pause machen. Als ich dann allerdings das Spiel wieder gestartet habe, konnte ich mich viel mehr auf den eigentlichen Kern einlassen, statt dran vorbei arbeiten zu wollen. Heißt also, dass ich mich darauf gestürzt habe, mein Lager direkt etwas zu optimieren und mich besser gerüstet für die bevorstehenden Erkundungstouren. Und siehe da – irgendwie funktioniert auch plötzlich alles besser, wenn man Spielmechaniken nicht bewusst ignoriert. Komisch. Wobei das für mich mein Problem mit der Wiederholung nicht aushebelt – ich kann mich nur besser damit arrangieren.

Stackmon in Hülle und Fülle

Mit einem Mal hab ich dann binnen gerade einmal zwei Stunden direkt zwei neue Orden an mich gerissen und habe auch die ersten Ruß-Risse geschlossen. Obendrein auch noch die Stackopedia gewaltig vorangetrieben und einige neue Stackmon registriert. Ganze einhundert verschiedene warten darauf von mir entdeckt zu werden. Die Designs reichen dabei von ziemlich kreativ bis richtig cool – getragen durch den recht markanten Stil, durch den sie sich leicht wiedererkennen lassen. In einer Welt, in der bereits über 1000 Pokémon, unzählige Digimon und viele weitere Kreaturen aus anderen Monstersammelspielen existieren, ist das, wie ich finde, ein relevanter Pluspunkt.

Diese lassen sich auch nicht nur in ihrer typischen Grundform sammeln – sondern existieren ebenso als Foil oder sogar Shiny-Variante. Allzu selten sind diese allerdings nicht. Bereits mein allererstes Stacka – das sind legendäre Stackmon – zeigte sich in einem alternativen Farbschema. Die Stacka-Kämpfe waren dabei im Übrigen mein persönliches Highlight: Denn da diese so überaus stark sind, reicht es nicht, ihnen ein einzelnes Mon gegenüberzustellen. Nein, ich benötige ganze drei Angreifer auf einmal, die nach und nach die Lebenspunkte des legendären Monsters dezimierten. Zum Glück war es nicht notwendig, die drei dauerhaft aktiv zu halten, zu schnell waren zwei davon außer Gefecht gesetzt. Das kommt wohl davon, wenn man vor allem auf zwei Angriffskarten setzt, die den Weg für alle anderen ebnen. Gefangen werden Stacka ganz regulär, wie bereits andere Stackmon mittels eines Stack-Totems. Puh. Ich hatte schon Sorge, dass ich hier auch mehrere bräuchte…

Wenig taktische Tiefe

Überhaupt habe ich meine Stackmon nicht so oft durchgewechselt wie wahrscheinlich angedacht. Platy war von Anfang bis Ende mein treuer Begleiter – mein Starter wird unter gar keinen Umständen zurückgelassen. Und dazu kam meistens noch irgendein besonders ausgewähltes Monster mit einem passenden Attribut, um Schwächen auszugleichen. Heißt also, wenn ich mich in einer Wasser- und Küstenregion herumtreibe, dann sollte eines meiner Stackmon besonders elektrisierend sein. Die verbleibenden Plätze? Hier kommen Stackmon mit, die sich noch entwickeln müssen. Also wird Essenz abgegriffen und diese angewandt, bis sie sich entwickelt haben. Rinse and Repeat, bis das Stackopedia auch wirklich prall gefüllt ist. Mehr war aber meistens auch gar nicht notwendig.

Screenshot zu Stackmon. Er zeigt einen Stackmon-Kampf.
Die gegnerischen Stackmon kriegen wir schon noch klein!

Gleichzeitig hatte ich anfangs auch noch jede Menge Essen und weitere Heilitems für meine Stackmon im Gepäck. Aber schnell merkte ich, dass meine Mitstreiter das meiste auch untereinander lösen konnten. Sicherlich hat geholfen, dass mein Platy über eine starke Heilfähigkeit verfügt. Aber durch die sie einfach erhaltbare Essenz, waren meine Kernangreifer eigentlich dauerhaft auf dem maximalen Level und durch den Typvorteil so überlegen, dass ich eigentlich nur hin und wieder die Heilfähigkeiten ausgelöst habe – einfach um Items zu sparen – und ansonsten die Kämpfe nur beobachtet habe.

Lediglich die Ruß-Risse, die ich ja bereits erwähnt habe, brachten dabei etwas mehr Gefahr in das System. Diese wenden nämlich einen Debuff auf ihre Gegner an, der ihre maximalen HP senkt – mit jedem Kampf aufs Neue. Dass der Status nicht einfach so geheilt werden kann, sorgt dafür, dass man sich hier deutlich aktiver auf seine Stackmon achten muss. Gleichzeitig sind diese Risse aber auch ziemlich hektisch: Um einen Riss zu schließen, müssen ein oder mehrere Arbeiter ein Riss-Totem abreißen – und das braucht Zeit. In der Zwischenzeit kommen mehrere feindliche Stackmon aus einem Spawnpunkt und versuchen mit allen Mitteln die Arbeiterschaft daran zu hindern. Heißt, ich muss einen eigenen Angriffs- und Verteidigungstrupp abstellen, um meinen Fortschritt nicht zu gefährden. Und genau das artet sehr schnell in Hektik aus.

Ausgestapelt

Einige Stunden, Orden und ein großer Haufen gefangener Stackmon später schreibe ich nun also diese Zeilen und bin zwiegespalten. Das Karten- und Stapelkonzept mit dem altbekannten Monstersammeln zu verbinden, gefällt mir außerordentlich gut und fühlt sich sehr frisch an. Zu hundert Prozent konnte mich Stackmon dann allerdings doch nicht abholen, selbst nachdem ich die ersten Startschwierigkeiten überwunden hatte, obwohl es mir eigentlich sogar entgegenkam. Da war es mir dann doch insgesamt etwas zu repetitiv im Gesamten und gleichzeitig zu passiv bei den Abenteuern.

Auf dem Steam Deck Monster als Holzarbeiter versklavt. Ein herzlicher Dank geht an Riftpoint Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters.