The Day I Became a Bird (Review)

Artwork The Day I Became A Bird

Der kleine Frank hat sich verliebt. Seine Angebetete, die Mitschülerin Sylvia, interessiert sich jedoch nur für Vögel. Wie also kann Frank auf sich aufmerksam machen? Davon handelt das rund anderthalbstündige Abenteuerspiel The Day I Became a Bird. Das Spiel basiert auf dem gleichnamigen Bilderbuch der französischen Autorin Ingrid Chabbert mit Illustrationen von Raúl Nietro Guridi. Stilistisch angelehnt, ähnelt das Spiel auch einem Kinderbuch mit handgezeichnetem Stil und einzelnen Kinderbuchseiten mit kurzen Sätzen.

Fliegen lernen

The Day I Became a Bird verleiht der Geschichte über das erste Verliebtsein etwas Spielerisches. Schon zu Beginn bewege ich den Stick, um Frank zu wecken, der unsanft aus dem Bett rollt, und um ihm aufzuhelfen. Sein Hund lässt sich nicht nur streicheln, sondern möchte auch gefüttert werden. Der Schulweg auf dem Rad ist ein Minispiel, verschiedene Szenen Puzzlebilder. Entwickler Hyper Luminal Games gelingt hier der Spagat zwischen Aufgaben, die zunehmend schwieriger werden, obwohl kaum ein Scheitern möglich ist.

Fahrradminispiel in The Day I Became a Bird. Blick von hinten auf Frank, der sich nach rechts und links bewegen kann. Es gibt Tore zum Durchfahren und Federn zum Sammeln.

Eine kleine Ausnahme bietet dabei allerdings das Zeichen- oder Schneide-Minispiel. Per Knopfdruck zeichne bzw. schneide ich, während ich mit dem Stick nur in zwei Richtungen bewegen kann. Gerade beim Zeichnen fiel mir dabei schwer, im erlaubten Bereich zu bleiben und gleichzeitig im Kopf zu behalten, wohin sich der Stift bewegt, wenn ich den Stick nur seitlich bewegen kann. Aber was ich in ähnlicher Form als Frosch nicht kann, fällt mir auf dem Weg zum Vogeldasein wohl einfach genauso schwer. Da ein neuer Versuch schnell beginnt und das nur vereinzelte Minispiele sind, hält sich der Frust jedoch in Grenzen.

So begleite ich Frank durch vier Kapitel, die jeweils einen Tag umfassen. Dass er sich in Sylvia verliebt hat, erzählt er beinahe sofort, und doch dauert es eine Weile, bis auch ich einen Blick auf sie erhasche. Stattdessen lerne ich sie durch Franks Beschreibungen und durch Gespräche anderer Kinder im Klassenzimmer kennen. Ihre Begeisterung für Vögel, die zwar irritiert, aber auch dafür sorgt, dass eines der Kinder die Vögel vor dem Fenster mit neuen Augen betrachtet. In den Dialogen, in denen die Kinder auch darüber reden, welche Erwachsenen in Wirklichkeit Außerirdische sind und ob es Hausaufgaben gab, steckt viel Charme. Leider taucht immer für einen kurzen Moment die letzte Dialogzeile aus dem vorigen Gespräch auf, wenn ich einen neuen Dialog lese, was ein wenig irritiert.

Amara: "... Er hat die Antennen der Schulleiterin unter ihrem Hut gesehen."
Vogel werden

Einen großen Teil seiner Zeit verbringt Frank in The Day I Became a Bird allerdings mit seinem Vorhaben, Vogel zu werden. So will er schließlich Sylvias Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch seine Sicht auf Vögel verändert sich dadurch allmählich.

Im Park sammelt er Materialien, um ein riesiges Vogelkostüm zu basteln. Während im Klassenzimmer die Wege zwischen den Tischen sehr eng sind, verteilt sich im Park alles auf mehr Freiraum. So eckt Frank beim Steuern weniger an und der Rennknopf erfüllt eine Funktion. Auch werden die Aufgaben etwas komplexer. Auf einem der benötigten Kartons steht ein Junge, um ein Fußballspiel auf der anderen Seite einer Mauer zu sehen, also muss ich Ersatz finden.

Gleichzeitig bieten sich auch ein paar optionale Interaktionsmöglichkeiten, wie auch schon in den anderen Kapiteln. Neben den Gesprächen der anderen Kinder setzt sich Frank mal auf die Wippe, mal zieht er ein Buch aus einem Stapel heraus. Oder er spielt Hüpfkästchen. Belohnt werde ich dann mit Federn, die nichts tun und teilweise auch auf dem Boden liegen und bei der Wegfindung helfen. Aber sie sammeln sich nebenbei und es gibt eine Gesamtanzahl inklusive Errungenschaften, was im kleinen Rahmen als Anreiz reicht.

Spätere emotionale Momente sind eindrücklich gestaltet und bleiben dabei spielerisch angenehm. So ist es einfach, mit Frank mitzufiebern und mitzufühlen.

Bild von Sylvia mit Vogel auf dem Kopf, umgeben von gezeichneten Vögeln, Bildern und Heften. Überschrift: "Sie trägt Vogelhaarspangen in ihrem Haar."
Fazit

The Day I Became a Bird setzt das gleichnamige Kinderbuch erfolgreich ins Videospielformat um. Die Kinderbuch-Kinderwelt überzeugt nicht nur optisch, sondern auch mit verschiedenen Dialogen und Spielereien. Dabei entfaltet sich eine warmherzige Geschichte mit thematisch passenden Minispielen. Mit den Sammelgegenständen passiert zwar nicht viel, doch sie passen in die Geschichte und stören nicht.

Herzlichen Dank an Numskull Games für die Bereitstellung des Testmusters. Zum Vogel geworden auf PC via Steam.