Christian Wasser ist nicht nur ein bekannter Youtuber (Kanalname: Samb), sondern auch ein erfahrener Videospielentwickler. Bislang hat Wasser sich vor allem auf Auftragsarbeiten von Größen der deutschen Videospielindustrie konzentriert, mit Super Chipflake Ü: Quest for the Uncooked Schnitzel hat er jetzt aber ein komplett eigenes Konzept auf die Beine gestellt. Das 3D Jump & Run mit der Katze in der Titelrolle verbindet Open World-Designansätze mit klassischer 3D-Hüpferei und einer gehörigen Portion Humor.
In Super Chipflake Ü schlüpft man in die Rolle einer Katze, die ein Problem hat, das vermutlich jeder kennt – oder jedenfalls jeder der Fleisch isst. Sie möchte nämlich unbedingt ein Schnitzel essen, nur leider stellt sich heraus, dass sie gar kein Schnitzel im Haus hat. Also muss sie wohl oder übel vor die Tür gehen und sich ein Schnitzel kaufen. Zum Glück ist Schnitzelville, die Heimatstadt der besten Schnitzel der Welt, gleich um die Ecke, also sollte das ein leichtes Unterfangen sein.

Leider stellt sich schnell heraus, dass das köstliche Mahl noch eine ganze Weile auf sich warten lassen muss, denn der Weg nach Schnitzelville ist blockiert und obendrein fehlen dem Koch in Schnitzelville auch noch alle Zutaten, die er benötigt, um ein schmackhaftes Schnitzel zuzubereiten. Also heißt es suchen und Handel treiben, um schlussendlich die Geschmacksknospen doch noch triumphieren zu lassen.
Hierzu muss man in der komplett offen gestalteten Welt von Super Chipflake Ü allen möglichen anderen Katzen ihre Wünsche erfüllen, in der Hoffnung, die wertvollen Zutaten zu ergattern. Neben Springen und Rennen, den Pflichtfähigkeiten eines jeden Jump & Runs, kommt Super Chipflake Ü aber noch mit einer eher ungewöhnlichen Idee daher. Man kann nämlich alle möglichen Objekte im Spiel aufheben und vor sich hertragen. Neben den Zutaten zum Schnitzel Wiener Art können das beispielsweise Vasen, Honigwaben oder Stöcke sein. Diese Gegenstände kann man anderen Leuten bringen und ihnen so eine Freude bereiten, oder aber sie mit Druck auf den X-Knopf kombinieren. Auf diese Weise kann man einige sehr hilfreiche Utensilien erhalten, die einem den Weg durch die offene Welt bahnen können. Zum reinen Abschluss des Spiels ist die Kombinationsfähigkeit zwar nicht allzu wichtig, aber wer alle zusätzlichen Aufgaben erledigen und ein volles Stickerbuch haben möchte, der sollte sich doch mit der Mechanik auseinandersetzen.

Neben den Items, die man mit sich herumträgt, gibt es auch eine Reihe permanenter Upgrades, von Rennschuhen über einen Enterhaken bis hin zu einer vergrößerten Tragekapazität kann man eine Menge Upgrades erlangen. Hierzu muss man aber fleißig die Währungen im Spiel auflesen. Das wären einerseits Münzen, die man für das Sammeln von Stickern erhält, und andererseits Edelsteine, die es überall in der Welt zu finden gibt, die aber auch gelegentlich an recht knifflige Sprungpassagen gebunden sind.
Apropos Springen: Wenngleich Super Chipflake Ü unzweifelhaft ein 3D Jump & Run ist, sind schwierige Sprungsequenzen eher nicht der Schwerpunkt des Spiels. Es gibt zwar, wie bereits angesprochen, einige schwierigere optionale Sprungpassagen, aber in Anbetracht des überschaubaren Move-Repertoires und des wenig aufregenden Standardsprungs in Super Chipflake Ü sollte man hier keine großen Sprünge erwarten. Stattdessen ist der Platforming-Aspekt stärker darauf ausgelegt, herauszufinden, wie man an einen Ort gelangen kann, an dem man wertvolle Sammelgegenstände wittert.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Spiels sind Minispiele – von einem Wario Ware-Klon über ein Liebesquiz bis hin zu einem Suchspiel gibt es allerlei kleine Spiele im Spiel zu spielen. Leider ist die Qualität der Minispiele ein wenig schwankend. Während das Wario Ware- und das Minigolf-Spiel beispielsweise sehr unterhaltsam sind, ist das angesprochene Suchspiel die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen (wird allerdings durch spaßige Musik aufgewertet) und die Pizza-Auslieferung wäre, wenn das Zeitlimit funktionieren würde, wohl eine echt knappe Kiste. Tut es aber nicht und daher wird das Minispiel trivialisiert.
Das offene Design des Spiels gibt dem Spieler viel Freiheit, sorgt aber auch dafür, dass nicht immer so recht klar ist, wo man als nächstes sinnvoll Fortschritt machen kann. Auf Grund der vielen Nebenaufgaben war ich selten unbeschäftigt, aber hin und wieder kann es schon frustrierend sein, wenn man keinen sinnvollen Interaktionspunkt findet. Hervorzuheben sind allerdings zweierlei Qualitäten des Spiels. Einerseits der anarchische Humor, der immer wieder deutlich durchscheint, und vor allem auch in den optionalen Katzenvideos und dem Wario Ware-Minispiel zum Tragen kommt. Andererseits die äußerst gelungene Technik. Ein Unity-Open-World-Spiel ohne sichtbare Ladezeiten, mit einer später enorm hohen Spielgeschwindigkeit, einer hohen Weitsicht und stabilen 60 Bildern in der Sekunde – jedenfalls auf der Switch 2 – ist ziemlich ungewöhnlich. Man merkt, dass Christian Wasser die Switch und Unity sehr gut kennt und programmiertechnisch mit allen Wasser gewaschen ist.

Super Chipflake Ü hat mich gut unterhalten, wenngleich die Qualität der Einzelaufgaben und auch die Spielführung noch einigen Raum zur Verbesserung bieten. Der starke Humor, die beeindruckende Technik – gerade, aber nicht nur für ein Indie-Spiel – und die beeindruckende Welt wissen zu gefallen. Die etwas zu simple Platforming-Mechanik und einige erhebliche Bugs stehen der grünen Wertung aber leider im Weg. Nichtsdestotrotz, wer Open World-Spiele und 3D Jump & Runs mag und hervorragend optimierte Indie-Spiele goutieren mag, kommt hier auf seine Kosten.

Vielen Dank an SalsaShark Studios für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Nintendo Switch 2 via Abwärtskompatibilität.