Die erste Review zu einem Testmuster eines neuen Jahres ist immer wieder aufregend, auch über ein Jahrzehnt nach meinem allerersten Artikel. Nicht ganz so spannend finde ich allerdings, dass ich im Grunde eine Abwandlung meiner Einleitung zu The Roottrees are Dead letztes Jahr schreiben könnte. Tolles Jahr 2025, check! Die Pflicht ruft und ich lass ein Nachholspiel des letzten Jahres dafür liegen? Check! Armes The Seance of Blake Manor… Und wieder bereue ich es nicht! Wieder wegen eines Recherche-Spiels à la Her Story! Das Murmeltier lässt freundlich grüßen. Und sollte meiner Ansicht nach ein Auge auf TR-49 werfen, denn was Inkle Ltd. da wieder einmal entwickelt hat, hat mein Herz aufgehen und mein Hirn dampfen lassen.
Der allwissende Computer von TR-49
Das Adventure mit dem leicht von der Zunge gehenden Namen TR-49 entführt uns in eine dunkle Kammer unter einer Kirche. Hier steht ein antiquarischer Computer, der über die Jahrzehnte der Kriege hinweg mit Büchern und anderen Dokumenten gefüttert wurde. Wir werden von der Stimme Liams geweckt. Er bittet uns um unsere Hilfe, denn nur wir haben Zugang zu diesem Computer. Auf dessen Festplatten ist nämlich ein Buch gespeichert, was die Welt verändern kann. Wir müssen es identifizieren, aufspüren und anschließend löschen.
Dies ist allerdings leichter gesagt, als getan (wie so oft in Videospielen, duh!). Der Computer wird durch vierstellige Codes bedient, die Zugriff auf die Archivseiten bieten oder Programmausführungen steuern. TR-49 ist dabei das Startmenü des Computers und unsere Startlinie. Mit der Zeit entdecken wir weitere, teils sehr wichtige Befehle sowie eine ganze Reihe von Seiten. Ob nun nähere Informationen zu den Inhalten oder die damit einhergehenden Codes, sofort notiert das Spiel automatisch, was wir neu entdecken. Diese Notizen sind unser Ausgangspunkt, wenn wir einmal feststecken sollten und waren in den ersten Stunden überwältigend.
TR-49 hat viel Text und somit mehrere Ebenen der Narrative. Auf der obersten Ebene befinden wir uns mit Liam im Dialog. Per Tastendruck können wir den Kontakt aufnehmen und diese Geschichte weiter wahrnehmen sowie Welt und Charaktere kennenlernen. Dann gibt es selbstverständlich die Dokumente, die für sich stehenden nicht viel erzählt haben. Dafür sorgen stattdessen die Kommentare der Personen, welche damals den Computer bestückt haben. Deren Notizen fassen Bücher zusammen, erstellen Querverbindungen und erzählen darüber hinaus eine eigene, kleine Geschichte. Dies kann beizeiten etwas unübersichtlich werden. Vor allem wenn man, wie ich, sofort den Dialog fortsetzt, sobald möglich. Während gerade gefundene Objekt der Begierde als Lesestoff ebenfalls neu ist. Yeah, Ich-Probleme!

Auf Kriegsfuß mit den Codes
Wie bei vielen Genrevertretern besteht der Gameplayloop aus Recherche in den verfügbaren Materialien – hier die eigenen Notizen sowie die bereits gefundenen Dokumente -, sowie der mentalen Deduktion, wo sich die nächste Brotkrume finden ließe. Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Codes und manche sind mal mehr, mal weniger offensichtlich herauszufinden. Grundsätzlich gibt es bestimmte “Kategorien”, eingeleitet durch die Buchstaben. Die Zahl bezeichnet dann den Ablageort innerhalb dieser Kategorie im Archiv. Das sorgt dafür, dass es in der Regel meistens beim Finden einer neuen Kategorie schwierig ist, folgende Informationen sich aber aufgrund der Kenntnis dieses neuen Ausgangspunktes leichter entdecken lassen.
Wenn ein solcher Gameplayloop so richtig in Fahrt kommt, gibt es in der Regel häufig Aha-Momente, die uns ganz Freudetrunken als Intelligenzbestie feiern. Nur um dann an der nächsten Mauer zu scheitern und sich Dummdepp zu schimpfen. Auch TR-49 gelingt Ersteres sehr gut, auch wenn sich mancher Code auch durch Bruteforcing erzwingen lässt. Wirklich dumm fühlt man sich allerdings in TR-49 selten, weil in der Regel – mir fiele spontan nur eine größere Nuss ein – das Entdecken neuer Hinweise oft in eine Sackgasse führt. Wir wenden uns dann eher anderen Themenbereichen unseres Notizbuches zu und mit gut Glück führt uns dieser Pfad näher an das Ziel. Ob man sich darauf einlassen kann, oder lieber verzahntere Recherchen hätte, dürfte wohl persönliche Präferenz sein.
Luft nach oben und trotzdem toll
Gleichzeitig würde ich aber auch sagen, dass es TR-49 an den großen, erinnerungswürdigen Highlights mangelt. Die Atmosphäre ist gut und stimmig, mir gefielen die unterschiedlichen Narrativen. Aber Momente wie die Entdeckung des Kraken in Return of the Obra Dinn oder gefühlt jedes Geheimnis in Outer Wilds fühlen sich stimmig ins Gameplay eingebunden an. Hier fällt diese Aufgabe dem Plot der Narrative abseits des Computers zu, was mich ein wenig betrübt und ich als verlorenes Potenzial betrachte.

Dieser kleinen Ernüchterung zum Trotz ist TR-49 über weite Strecken ein richtig tolles Adventure geworden. Eventuell spricht da aus mir der Fan dieses Subgenres, aber das Aufspüren der Codes fühlte sich auch nach mehreren Stunden nicht langweilig an. Es zerrt ein wenig an den Nerven, dass es so viele Sackgassen gibt und das Gefühl einkehrt, wieder von vorne beginnen zu müssen. Doch im Verlaufe des Spiels puzzlen sich die einzelnen Elemente Stück für Stück zusammen und geben ein stimmiges Gesamtbild ab. TR-49 ist somit für Freunde des Genres definitiv einen Blick wert.
Auf dem PC und Steam Deck codige Codes entcodet. Ein herzlicher Dank geht an inkle für die Bereitstellung eines Mustercodes.