Sammelkarten zu sammeln ist längst kein winziges Nischen-Hobby mehr. Die Jagd nach den begehrten Pappkarten mit und ohne Holoeffekt heizt mittlerweile Menschen fast jeden Alters ein. Dabei kann man sehr schnell ein kleines Vermögen verlieren, wenn man nicht aufpasst. Scalper und Sammler verzerren die Preise ins Unermessliche und an neue Kartenpacks zu kommen wirkt manchmal, wie ein Abenteuer das selbst Indiana Jones‘ Suche nach dem Heiligen Gral in den Schatten stellt.
In den vergangenen Monaten und Jahren sprossen jedoch zum Glück immer mehr Veranstaltungen und Läden aus dem Boden bei und in denen Sammler gezielter an Nachschub kommen. Darüber hinaus entstehen hier Treffpunkte für Gleichgesinnte, die wiederum miteinander tauschen oder ihre Karten zu ihrem eigentlichen Zweck nutzen können: das Spiel gegeneinander.

So ganz ohne persönlichen finanziellen Ruin geht das auch im TCG Card Shop Simulator. Wie der Titel unschwer erkennen lässt, baut man sich hier sein eigenes kleines Sammelkarten Imperium auf. Alles beginnt mit einem kleinen unscheinbaren Geschäft und einem Budget was einem Kartensammler nicht würdig ist. Nach und nach sollte man aber ein paar Nullen mehr auf dem Konto verzeichnen können. Dafür muss man aber nicht nur Karten verkaufen. Die Regale und Körbe kann man mit allerlei Merch und Spielzubehör füllen. Kuscheltiere, Deckboxen, Hüllen, Comics und noch mehr machen aus dem zunächst noch kahlen Verkaufsraum eine bunte Oase für Sammler und Scalper. Letzteres aber nur, wenn man nicht selbst schon exorbitante Preise festgelegt hat.
Die Preisgestaltung kann man sich einfach machen und auf den Einkaufspreis z.B. einfach 10% aufschlagen. Oder man zieht sich seine Denkerkappe an und vergleicht mit den aktuellen Preisen und Werten in der entsprechenden App. Dort gibt es tagesaktuelle Vergleiche für jeden einzelnen Verkaufsgegenstand. Möchte man das meiste aus seiner Auslage rausholen, sollte man darauf immer wieder einen Blick werfen.

Neben versiegelter Neuware kann man auch seine eigene Sammlung nutzen, um die Kasse klingeln zu lassen. Hierfür muss man Kartenpacks „rippen“, um eine gute Auswahl zu erhalten. Wie auch im echten Leben ist die Erfolgsquote auf seltene Karten nicht besonders hoch. Der Suchtfaktor ist aber dafür auch sehr hoch wie in der Realität. Auf speziellen Ausstellungsmöbeln lassen sich dann einzelne Karten ausstellen und verkaufen. Bei einigen lohnt es sich aber auch sie erst einmal bewerten („graden“) zu lassen, was ihren Verkaufswert erheblich steigert.
Meines Erachtens geht der Fortschritt allerdings anfangs sehr langsam voran. Vor allem das Grading benötigt einige Tage ohne, dass man darauf Einfluss nehmen kann. Dabei verschickt man die Karten an ein Unternehmen, dass die Bewertung vornimmt. Je nachdem wie schnell man die Karten wiederhaben möchte, kostet es mehr oder weniger Geld. Die Preise berechnen sich pro Karte und sind exorbitant. Aber nicht nur das braucht lange. Wenn man keine Karten sammelt und ausschließlich verkaufen will, kommt man schneller voran. Wenn man aber auch selbst sammelt und vielleicht auch Decks zum Spielen zusammenstellen möchte, dauert es ermüdend länger. Auch wenn man nach einer Weile auch Mitarbeiter einstellen, denen man Aufgaben zuteilen kann, wird es nicht angenehmer. Diese haben auch das Problem, dass sie – zumindest in den ersten Leveln – unglaublich langsam sind und einem dadurch eher mehr Arbeit machen als zu helfen.
Man schafft auch einen Ort, an dem sich Kartenzocker treffen und gegeneinander antreten. Dafür braucht es Tische. Und Duftspender. Ganz besonders Duftspender. Einige Kunden haben die nervige Angewohnheit zu stinken und wenn man nichts dagegen tut, ziehen sie den guten Ruf deines Ladens herunter. Also sollte man immer einige Dosen Duftspray dahaben, um die Kunden entweder durch die Duftspender oder manuelles Einsprühen der kompletten Person in gesellschaftsfähiges Publikum umzuwandeln.
Hat man die Atmosphäre gerettet spielt es sich auch an den Tischen schöner. Die beiden Spiele die zur Auswahl stehen sind jeweils ein Abklatsch von Pokémon und Magic: The Gathering. Zu letzterem kann ich leider nichts sagen aber die Ähnlichkeiten der Monster aus dem Pokémon-Abklatsch sind schon mehr als dreist. Manche mehr als andere, aber definitiv nicht gerade nur inspiriert von dem beliebten Taschenmonster-Franchise.

Insgesamt bin ich eher enttäuscht als überzeugt. Zwar erfüllt das Spiel grundsätzlich das, was es verspricht, jedoch gibt es einige Aspekte, die mir tierisch auf den Zünder gehen. Da wäre zunächst mal das offensichtliche: das Design der Menschen, die jeden Tag in meinem Laden ein- und ausgehen. Es grenzt beinahe schon an gruselig. Als nächstes stört mich das Pacing und das offensichtliche Rip-Off der Monster auf den Sammelkarten. Aber am meisten stört mich die Steuerung. Bei so viel Arbeit, die in das Spiel geflossen sein muss, um es stabil zu halten hätte es möglich sein müssen eine Steuerung zu implementieren, die nicht so extrem fummelig ist. Beim Stapeln von Boxen oder dem Versuch einzelnen Karten einen Preis zuzuordnen ist es unglaublich störend, dass man so oft nachjustieren muss.
Ich habe selbst viele Stunden in das Spiel investiert und hardere noch mit mir, ob ich noch weiter spielen soll. Allerdings sehe ich auch einen gewissen Hypefaktor der meiner Meinung nach allein durch das Suchtpotenzial des Öffnens der Kartenpacks getragen wird. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass das Spiel vielen Leuten durchaus gefallen kann. Ich selbst bleibe lieber bei meiner echten Pokémonkartensammlung.

Vielen Dank an TrueMotion Interactive für die Bereitstellung des Mustercodes. Getestet auf Nintendo Switch.