Dragon Quest XI S: Streiter des Schicksals – Definitive Edition (Review)

Artwork Dragon Quest XI S: Streiter des Schicksals - Definitive Edition

Dragon Quest XI S: Streiter des Schicksals – Definitive Edition war mein Einstieg in die Welt von Dragon Quest. Nachdem ich 90 Stunden in Erdria verbracht hatte, war ich ein wenig traurig, dass das RPG bereits vorbei war. Nach fünf Jahren, einigen Spin-Off-Spielen und ein paar Hauptspiel-Remakes bin ich nun zum Release des elften Teils auf Nintendo Switch 2 zurückgekehrt. 

Grafik vs. Performance

Dabei bleibt der Spielinhalt derselbe wie in jeder anderen Spielversion gleichen Namens. Neu sind Grafik- und Performance-Modus. Ersterer bietet am TV 1440p bei 30fps, letzterer 1080p bei 60fps. Im Handheld-Modus schafft das Spiel im Grafik-Modus scharfe 1080p und läuft durchgehend flüssig. Der Performance-Modus weicht wenig davon ab, allerdings werden die Schatten weniger detailliert und hin und wieder fallen ein paar Kanten oder niedriger aufgelöste Texturen auf, während die 60fps eingehalten werden. Da bei rundenbasierten RPGs die Framerate ganz besonders wichtig ist, habe ich mich schnell für den Grafik-Modus entschieden und bin nach dem Ausprobieren des Performance-Modus auch gern dabei geblieben.

Damals auf Nintendo Switch war die Auflösung nicht die beste, auch wenn mich das nie besonders gestört hat. Mit Handheldboost sieht das Spiel auch in Ordnung aus, aber die Nintendo-Switch-2-Version ist wesentlich hübscher. Das Grafik-Upgrade lohnt sich also.

Einen Upgrade-Pfad oder eine Übertragungsmöglichkeit für Speicherstände gibt es nicht. Das ist natürlich schade und bei Square Enix auch keine Seltenheit, aber mich amüsiert zumindest, dass ich jetzt zwei identische Icons in meinem Menü auf Nintendo Switch 2 habe. Ich weiß aber auch, dass ich in dieser Hinsicht sehr entspannt eingestellt bin.

Streiter des Schicksals

Im idyllischen Eschenburg wird ein Junge mit einem Mal auf dem Handrücken geboren. Dieses zeichnet ihn aus als Lichtbringer, wie es bereits der große Held vor Urzeiten war. Doch das Schicksal dieses Jungen scheint nicht unter einem guten Stern zu stehen. Eschenburg geht unter und er wächst in einem weit entfernten Dorf auf. Gerade erwachsen geworden, bricht er auf, seine Bestimmung zu ergründen, und findet heraus, dass er als unheilbringender Spross der Finsternis angesehen wird.

Glücklicherweise sind nicht alle dieser Meinung, daher findet er schon bald Unterstützung. Leute, die dem Lichtbringer helfen wollen, die Welt vor der Finsternis zu retten. Auch wenn niemand so genau weiß, wie das anzustellen ist.

Erik und der Held stehen nebeneinander vor einem NPC mit Halbglatze. NPC: "Santo cielo! Was für ein hübsches Paar! Ich glaube, ich habe noch nie solch üppiges Haar gesehen! Molto splendente!"
Die Haare ziehen häufig Aufmerksamkeit auf sich.

Anschließend beginnt die Suche nach bestimmten Objekten, doch was schon ein ganzes Spiel sein könnte, ist in Dragon Quest XI lediglich die Ausgangslage. Jetzt weiß ich es natürlich besser, aber wann immer ich damals dachte, das Spiel sei zu Ende und ich müsste mich verabschieden, ging es immer noch weiter. Und weiter. Dabei gibt es auch bis zum Schluss immer viel zu tun.

Der Held ist dabei die typische stumme Hauptfigur, die allerdings weniger unter der Wortkargheit leidet als unter einem wenig expressiven Gesicht. Auch bei anderen sind die Emotionen im Gesicht eher zurückhaltend animiert, also ist er damit zumindest nicht allein. Aber er gleicht das eben nicht durch Worte oder eine Stimme aus und auch wenig durch große Gesten. Dadurch irritiert seine sehr dezente, aber durchaus vorhandene Charakterisierung manchmal. Für mich funktioniert die Identifikation als Held viel mehr in den Momenten, in denen es durch Kameraeinstellungen so wirkt, als sprächen andere Charaktere mich direkt an. (Aber ich lege auch nicht viel Wert darauf.)

Mitstreitende

Grob betrachtet, ist die Geschichte von Dragon Quest XI S sehr klassisch. Das Gute bereitet sich darauf vor, das Böse zu bekämpfen. Es bleibt nicht so schwarz-weiß und an jedem neuen Ort, den die heldenhafte Truppe besucht, entwickelt sich ein eigenes Abenteuer, in dem die Probleme ausgeleuchtet werden und auch die Gegenseite ausgebaut ist. Gleichzeitig finden sich auch immer wieder Andeutungen dafür, dass der erste Besuch vor Ort nicht der letzte bleiben wird. Und immer wieder gibt es Wendungen, wenn gerade alles aufgelöst zu sein scheint.

Bei all der fröhlich-bunten Grafik überzeugen doch auch die ernsten Momente, von denen es viele gibt. Die Gesichtsregungen mögen zwar sehr zurückhaltend sein, doch die vertonten Dialoge, die orchestrale Musikuntermalung und immer wieder geschickt eingesetzte Kameraführungen tragen die Atmosphäre. Ganz zu schweigen davon, dass die vielen amüsanten Ereignisse und besondere Sprechweisen einen Gegenpol bilden, durch den das ernste Geschehen besonders eindrücklich wird.

Sehr stark bereichert wird die Geschichte zudem durch die anderen Mitglieder der Gruppe rund um den Helden. Auch wenn sie sich ihm letztlich anschließen möchten, weil sie den Lichtbringer unterstützen wollen, haben alle ihre eigenen Geschichten und Hintergründe. Schon mit Dieb Erik machen gemeinsame Abenteuer viel Spaß (der auch in einem Spin-Off mit Spoilern auftritt), aber Rionaldo ist mein absolutes Highlight. Als Zirkusstar erweckt er den Eindruck, seichter Spaßcharakter zu sein, ist dabei aber ein tiefgründiger Spaßcharakter. Es ist eine wahre Freude, ihn als Teil der Gruppe zählen zu dürfen. Ihn mochte ich beim ersten Spielen schon sehr, inzwischen schätze ich aber auch den alten Reisenden Bodo mit seiner beruhigenden Art. Aber auch die anderen Mitstreitenden und die Gruppendynamik der sehr unterschiedlichen Charaktere mag ich sehr. 

Auf in den Kampf

Anders als beispielsweise Dragon Quest VII Reimagined, nutzt Dragon Quest XI kein Jobsystem. Die Truppe besetzt unterschiedliche Rollen, die verschiedenen Jobs ähneln, erweitern sie aber charakterspezifisch. So beherrschen sie unterschiedliche Waffen (wenngleich beispielsweise mehrere Charaktere Schwerter nutzen können) und sind magisch unterschiedlich begabt. Auch lernen sie durch das Aufleveln verschiedene Fähigkeiten und im Fähigkeitenbaum lassen sich weitere freischalten. 

Die Fähigkeitenbäume sind aufgeteilt in die nutzbaren Waffen und in charakterspezifische Kategorien wie Kleptomanie bei Erik. Mit den Fähigkeitenbäumen erhöhe ich Werte oder schalte neue Fertigkeiten für den Kampf frei. Dabei grenzen Felder an mehrere andere an, sodass ich manche Fertigkeiten auf unterschiedliche Weise freischalten kann. So kann ich Charaktere auf gewisse Waffen spezialisieren, gleichzeitig erhalte ich aber auch ausreichend Punkte, um weite Felder ausreichend abzudecken.

Die Kämpfe sind rundenbasiert, wobei ich die Aktionen jedes Charakters unmittelbar dann auswähle, wenn dieser agieren kann. Zudem wähle ich den anzugreifenden Gegner direkt aus, wenn Angriffe einen einzelnen Gegner treffen. Oder ich nutze die unterschiedlichen Kampftaktiken, die auch hier vertreten sind.

Gegner sind auf dem Feld sichtbar, lassen sich also oftmals umgehen. Oder ich setze einen Präventivschlag mit viel Reichweite ein, der die Gegner schon ein wenig schwächt. Jedenfalls im 3D-Modus. Daneben kann ich das Spiel auch im 2D-Modus spielen, der Topdown-Pixelgrafik bietet, inklusive angepasster Menüs. Für das richtige Retrogefühl sind die Kämpfe in 2D Zufallsbegegnungen. Gleichzeitig wird die Welt auch etwas weniger weitläufig.

Verursachen Charaktere ausreichend Schaden oder stecken ausreichend ein, werden sie gestärkt. Das verstärkt für ein paar Runden ihre Werte. Daneben ermöglicht die Stärkung auch mächtige Koop-Angriffe, für die entweder einer oder alle Beteiligten gestärkt sein müssen. Nach deren Einsatz hört die Stärkung auf. Dadurch erhalten die Stärkungen eine gewisse strategische Tiefe.

Kampf in Dragon Quest XI S mit Kampfarena in echter Umgebung.
Hobbyschmied

Neue Waffen, Rüstungen und Accessoires finde ich nicht nur in Truhen und Geschäften oder nach dem Besiegen von Gegnern. Sofern ich die passende Anleitung habe, die ich vorwiegend in Bücherregalen finde, kann ich sie auch selbst herstellen. 

Das Schmieden ist ein Minispiel, bei dem ich durch unterschiedliche Schläge Leisten bis zu einer bestimmten Stelle fülle. Je genauer ich die Zielvorgabe erreiche, desto besser wird das Endergebnis. Dadurch steigern sich einzelne Werte der Ausrüstungsgegenstände.

Die Schmiede ist dabei nicht nur an jedem Lagerplatz verfügbar, sondern jederzeit über das Menü auswählbar. Neue Anleitungen tauchen dabei in einer eigenen Kategorie auf, sodass ich sie schnell finde, wenn ich etwas gleich herstellen möchte.

Fehlen mir bestimmte Materialien, kann ich diese direkt kaufen, sofern sie zu kaufen sind. In der Regel ist das auch nicht besonders teuer. Alternativ lasse ich mir anzeigen, wo ich die fehlenden Materialien finde, um sie selbst zu besorgen.

Viele Ausrüstungsgegenstände habe ich auf solche Weise selbst hergestellt oder mit Hilfe von Perfektionistenperlen verbessert. So habe ich auch manches Ausrüstungsstück noch ein wenig länger genutzt, ehe ich es durch eines mit höheren Werten ersetzt habe.

Held vor einem Schrank, um diesen zu öffnen. NPC daneben: "Frechheit! Da sind Privatgegenstände drin!"
Es gibt viele Schränke zum Öffnen und Töpfe zum Zerdeppern.
Drakonische Missionen und Strafen

Schwierigkeitsgrade bietet Dragon Quest XI nicht an. Falls die Herausforderung zu gering ist (und es dauert bis auf einzelne Ausnahmen lange, bis Kämpfe fordernd werden), stehen jedoch zu Spielbeginn drakonische Missionen zur Verfügung. Darunter sind so merkwürdige Einschränkungen wie ein Einkaufsverbot, als würde ich mein hart verdientes Geld ausgeben (na gut, ich habe tatsächlich ein paar Waffen gekauft). Aber auch geringere Erfahrungspunkte oder stärkere Gegner. Oder lügende Einwohner, falls die vielen Hinweise zu hilfreich sind. Denn es gibt auch nur wenige Momente, in denen nicht sofort klar ist, wo die nächsten Ziele sind.

Scheitere ich in einem Kampf, kann ich hier noch nicht wie in den HD-2D Remakes sofort den Kampf neu starten. Stattdessen stehen mir zwei Möglichkeiten zur Wahl, bei denen mir Fortschritte bleiben, ich aber die Hälfte des Geldes in der Tasche verliere. Oder ich kehre zu einem Speicherpunkt zurück, was danach erzielte Fortschritte ungeschehen macht und mein Geld auf den entsprechenden Stand zurücksetzt. Um Geldverluste zu vermeiden, kann die Bank also hilfreich sein.

Ticklingen

Ein Teil von Dragon Quest XI S ist immer in 2D. Dabei handelt es sich um die Stadt Ticklingen, die von merkwürdigen kleinen Wesen bevölkert wird. Ticklingen ist vorrangig dazu da, mich an Orte aus anderen Dragon-Quest-Titeln zu bringen. Für jeden Titel gibt es drei Orte, die jeweils von einem Unheil heimgesucht werden. Missionen rangieren dabei von einzelnen Kämpfen über kleine Dungeons mit Boss am Ende bis hin zu Itemsuchen an ganz anderen Orten. 

Bei meinem ersten Spielen habe ich Ticklingen ein wenig vernachlässigt, aber damals hatte ich auch noch nicht viele Berührungspunkte mit Dragon Quest. Inzwischen erkenne ich viele der Orte und der vorkommenden Charaktere wieder. So kann ich nicht nur mehr mit dem Rückblick auf die Reihe anfangen, sondern auch viele der kurzen Szenen wertschätzen. Aber auch ohne Vorkenntnisse lassen sich in Ticklingen einige hilfreiche Ausrüstungsgegenstände finden.

Kampfbildschirm in 2D im Stil alter Dragon-Quest-Titel.
Kämpfe in 2D im Retro-Look.
Fazit

Dragon Quest XI S: Streiter des Schicksals – Definitive Edition ist auch auf Nintendo Switch 2 ein sehr gutes RPG. Klassische Elemente werden hervorragend umgesetzt und die Hauptcharaktere rund um den Helden lassen die Geschichte besonders glänzen. Spielerisch ist es weitgehend eher einfach geraten, doch die drakonischen Missionen bieten Möglichkeiten zum Ausgleich. Hinzu kommen gelungenes Voice Acting an vielen Stellen und eine Untermalung mit hervorragender Orchestermusik.

Im Grafik-Modus wie auch im Performance-Modus läuft der Titel jederzeit stabil. Bei Besitz der Nintendo-Switch-Version ist ein komplett neuer Kauf des Spiels auf Nintendo Switch 2 rein für Auflösung und Framerate weniger lohnenswert, doch für den Neueinstieg ist es die besser aussehende Erfahrung.

Herzlichen Dank an Square Enix für die Bereitstellung des Testmusters. Abenteuer erlebt und Musik mitgesummt auf Nintendo Switch 2.