Two Point Museum – Attraktionen und Relikte (DLC-Review)

Two Point Museum: Attraktionen und Relikte Artwork

In den letzten Monaten habe ich als Stern am Museumsleiter-Himmel ja schon bewiesen, dass ich wirklich alles schaffen kann. Ich mein, wenn ich Pandabären auf Leinwand bannen kann und Musen züchten kann, wie schwer kann es denn sein, einen Freizeitpark zu managen? So ein paar fahrbare Attraktionen und hier und da alte Relikte. Was soll denn schon schiefgehen?

Neues Leben eingehaucht

Sofort stürze ich mich also auf einen neuen Museumsbauplatz. Gearbox Fairgrounds, ein alter, schon lange stillgelegter Freizeitpark, der nur darauf wartet, dass jemand ihm neues Leben einhaucht. Ich starte mit einem kleinen, rudimentären Museum, hangle mich durch die ersten Aufgaben und baue erst einmal die altbekannten Grundlagen. Ich brauche also einen Flughafen, um Inspirationen zu sammeln, ein ordentliches Weiterbildungszimmer, damit das Personal auf Zack bleibt, Toiletten, denn die Hausmeister werden bald schon anderweitig beschäftigt sein, und noch ein bisschen mehr.

Ganz wichtig ist natürlich auch jemand, der sich besser als ich selbst mit Freizeitparks auskennt. Aber dafür gibt es doch schließlich Personal! Direkt mal auf den Jobmarkt geguckt und die ersten Park-Experten angeheuert. All das Wissen hilft aber erst einmal nichts, wenn sie keine Blaupausen von Fahrgeschäften haben. Also ab in den Helikopter und auf ins Abenteuer! Eine komplett neue Karte wartet darauf, erkundet zu werden. Übervolle Taschen mit klimpernden Schätzen warten allerdings nicht am Ende des Trips auf mich. Dafür aber die erste Blaupause, ein ganz klassisches Karussell!

Screenshot #8
Ich muss zugeben, das Promomaterial sieht halt schon hübscher aus als das, was ich da zusammenbaue

Kurze Zeit später steht nun mein allererstes Fahrgeschäft als Park-Museums-Managerin. Hui! Da der Adrenalinkick besonders viele Menschen anlocken kann, darf ich nicht vergessen, die Warteschlange entsprechend zu planen und ein bisschen über das Gelände schlängeln zu lassen. Aber Vorsicht – bei einer zu langen Schlange wird den Besuchern schnell langweilig. Wie gut, dass die Museumsassistenten wahre Tausendsassas sind! Die können halt wirklich alles, insbesondere die zahlende Kundschaft unterhalten! Natürlich nur mit meiner Hilfe, versteht sich. Denn als bester Arbeitgeber Two Points Countys – und ihr könnt mich nicht vom Gegenteil überzeugen! – biete ich direkt besonders tolle neue Schulungen an. Zum Beispiel als Maskottchen! Wer also schon lange davon geträumt hat, im übergroßen Seepferdchenkostüm lustige Kunststückchen vor meinen Besuchern zu vollführen: Bewerbungen sind immer gern gesehen!

Für Familien und Adrenalinjunkies

Bei einem simplen Karussell bleibt es aber nicht. Was wäre das denn für ein Freizeitpark Museum, wenn man nicht das Adrenalin in jeder Faser des Körpers spüren könnte!? Die nächste Expedition steht also schon in den Startlöchern – und nach und nach schalten sich auch weitere Ziele frei. Mehr Blaupausen, mehr Kostüme und auch mehr Attribute, mit denen beeinflusst werden kann, wie Besucher auf die Attraktionen reagieren, warten darauf entdeckt und eingesackt zu werden. Reisen zu den immer gleichen Zielen zahlen sich aber auch aus: Zwar können Blaupausen und Kostüme nur einmalig gefunden werden, aber mit der Erkundungsstufe eines jeden Ziels werden auch hochrangigere Blaupausen der gleichen Attraktion gefunden. Mit einem einfachen Upgrade – und das ganz ohne sie vorher abzureißen! – lassen sich also ganze Begeisterungsstürme von der Besucherschar erzielen. Und neue Attributslots gibt es noch oben drauf.

Na endlich! Der erste Plan einer Achterbahn! Hier reicht es auch nicht einfach die Attraktion zu platzieren und eine Warteschlange anzulegen – nein, hier gibt es volle Kontrolle über den Streckenverlauf. Einzelne Pfeiler lassen sich frei setzen und sind automatisch mit dem vorherigen Streckenabschnitt verbunden. Dabei lassen sich Höhe und Neigung frei einstellen und auch der Ein- und Ausgangswinkel in eine Kurve obliegt komplett mir. Dazu können Ketten angebracht werden, die den Wagen auch steile Anstiege nach oben ziehen können. Auch sind Beschleunigungsbooster im Repertoire für den ultimativen Kick. Und zum Schluss lassen sich auch Bremsklötze hinzufügen, wenn es dann doch einfach einmal mit der Geschwindigkeit reicht.

Ein Screenshot aus dem Attraktionen und Relikte DLC von Two Point Museum. Er zeigt meine Achterbahn.
Also ich würde damit fahren…

Allerdings… habe ich es wohl bei meiner ersten großen Achterbahn ein bisschen übertrieben. Klar, die Begeisterung war hoch und der Nervenkitzel erst recht. Allerdings wurden 99 % meiner Besucher nach einer Fahrt so schlecht, dass sie sich erst einmal übergeben mussten. Entsprechend waren also meine Wege erst einmal grün gepflastert. Danach hat sich meine Hausmeisterflotte erst einmal verdreifacht…

Im Deckmantel des Museums

Eigentlich führen wir ja ein Museum. Und eigentlich sollte da das oberste Gebot sein, dass den Menschen Wissen geschenkt wird. Die typischen Tafeln helfen aber zunächst eher wenig, denn inhärent bieten die Attraktionen kein Wissen für die Besucher. Dieses wird hier erst mit besonderen Auszeichnungen vermittelt, denn erst dann bieten all die Informationstafeln einen besonderen Mehrwert für die Gäste.

Was dafür erreicht werden muss, ist allerdings von Attraktion zu Attraktion unterschiedlich. Mal reicht es wenn einfach nur x Leute gefahren sind, ein andermal wird ein Band verliehen, wenn ein Fahrgeschäft zwei Jahre lang keinen Unfall verursacht hat. Und mal reicht es, wenn es einfach bereits seit fünf Jahren den Park bereichert. Bis zu drei Bänder können dabei pro Attraktion verliehen werden – und habe ich einmal eine Auszeichnung erhalten, dann bleibt diese auch dauerhaft. Wäre ja wohl noch schöner, wenn man mir die einfach so wieder wegnehmen könnte!

Leeret die Taschen!

Vielleicht liegt es daran, dass ich inzwischen mehr als nur eingespielt bin. Ich mein, inzwischen habe ich die 100 Stunden schon locker geknackt, während Artefakt um Artefakt in meine heiligen Hallen wandert. Schon die letzten Ausflüge, egal ob Hauptspiel oder die vorherigen DLCs, empfand ich als ziemlich einfach. Wirklich dauerhafte Geldprobleme hatte ich nie – und kurzfristige Flauten konnten sehr leicht überbrückt werden. Bei meinem Parkseum habe ich allerdings nie aufs Geld geachtet. Kein bisschen. Gäbe es Geld als Ressource gar nicht, dann hätte es für mich keinen wirklichen Unterschied gemacht.

Das liegt allerdings auch daran, dass es eine klare zusätzliche Einnahmequelle gibt: Jeder einzelne Abenteurer zahlt für jedes Fahrgeschäft noch einmal extra. Ist doch normal für ne Achterbahnfahrt direkt 600 Dollar zu zahlen, oder? ODER? Mein derzeitiges 6-Sterne-Museum erzielt ungefähr 90.000 Dollar Gewinn pro Monat. So hoch kam ich bei den anderen Bereichen nicht im Ansatz. Schon schade, denn ein bisschen mehr Herausforderung hätte „Attraktionen und Relikte“ durchaus gutgetan. Am Ende ist ja schließlich immer noch eine Wirtschaftssimulation, da hätte ich es mir gewünscht, wenn ich vielleicht auch mal die ein oder andere Investition überdenken müsste. Two Point Humor hin oder her.

Ein Screenshot aus dem Attraktionen und Relikte DLC von Two Point Museum. Er zeigt ein Teetassenfahrgeschäft.
Zwischen den irrsinnigen Ideen wirkt eine klassische Teetassenfahrt schon etwas arg gewöhnlich.

Apropos Humor! Hier schraubt der DLC seinen Ton etwas zurück. Klar, die üblichen schrulligen Radiodurchsagen und Co. bleiben auch weiterhin erhalten, dafür sind einige Attraktionen – nein, nicht alle! – eher auf der gewöhnlichen Seite, ohne serientypische Quirks. Ein Riesenrad darf eben auch einfach mal nur Riesenrad sein. Gleichzeitig sind viele andere wieder herrlich absurd und es ist schon unterhaltsam genug zu sehen, wie Besucher sich an schwebenden, magnetisierenden Zahnrädern festhalten, die durch die Luft gewirbelt werden. Aber gerade diese Unterschiede lassen die wesentlich zahmeren Fahrgeschäfte halt doch mehr auffallen. Nicht in einem Rahmen, in dem ich es wirklich allzu stark kritisieren würde. Dennoch fällt es mir stark genug auf, dass ich es nicht einfach unerwähnt lassen kann.

Blaupause oder fertiges Konstrukt?

Aber ich sags ganz ehrlich: Bei der Ankündigung war ich ein bisschen enttäuscht. Find ich Freizeitparks super? Hell, yeah! Aber nichtsdestotrotz habe ich mir gewünscht, dass die Two Point Studios dem Thema einen eigenen Teil widmen. Entsprechend sind hier die Möglichkeiten beschränkt und die Anzahl der Attraktionen ist überschaubar. Gerade der Achterbahn-Streckeneditor gefällt mir besonders gut und zeigt, wo hin die Reise hätte gehen können. Oder noch gehen wird? Ausgeschlossen ist ein Two Point Themepark ja dennoch nicht. Auf der anderen Seite bin ich aber davon überzeugt, dass da noch genug Ideen schlummern, auf die sich alle Two-Point-Fans freuen können. Vielleicht ein Flughafen? Ein Gefängnis? Oder ein Filmstudio?

Was hätte sein können und was noch sein wird, ist aber jetzt unerheblich. Was zählt, ist schließlich das, was wir haben. Denn im Hier und Jetzt liefern die Two Point Studios mit „Attraktionen und Relikte“ wieder ein überzeugendes Paket, das mit einigen neuen Mechanismen aufwartet und genug Möglichkeiten bietet, einen richtig fantastischen Freizeitpark aufzubauen. Ob mit oder ohne großartig ausgebautem Museum ist da eigentlich schon fast egal, an Möglichkeiten mangelt es nicht. Nur lassen sich die Besucher zu sehr schröpfen und auch der typische Humor rutscht etwas mehr in den Hintergrund. Für Museumsbesitzer, die mehr wollen, ist insgesamt auch dieser DLC wieder einen Blick wert!

Auf dem Windows-Laptop via Steam sehr gründlich den Boden schrubben lassen. Ein herzlicher Dank geht an Sega für die Bereitstellung eines Mustercodes.