Ich kann nicht immer den Bauernhof meines Großvaters erben. Also verschlägt es mich diesmal auf See, wo ich in der Farmingsimulation Collector’s Cove Nutzpflanzen auf einem Boot anbaue, das von einem dinoartigen Wesen gezogen wird. Bei all dem Wasser darf das Fischen freilich nicht fehlen, auch wenn es mich hin und wieder auch auf eine Insel verschlägt.
Aufsteigen im Sammlerrang
Meine Eltern sind unterwegs als Sammler und nun darf ich selbst auch endlich aufbrechen und mein Notizbuch befüllen. Mit von der Partie ist mein Mytenmatz, der das Boot zieht. Ach, gäbe es doch nur andere Möglichkeiten, ein Boot über das Meer zu bewegen, dann müsste ich meinen tierischen Gefährten nicht ständig erschöpfen, wenn ich ihn nicht rechtzeitig füttere … Aber vielleicht ist er auch glücklich damit, wenn ich ihn einfach nur manchmal tätschle und mit lustigen Brillen und Hüten ausstatte.
Von meinem Mythenmatz einmal abgesehen, bin ich weitgehend allein unterwegs. Keine Freundschaften, kaum relevante Dialoge, nur ich und das Meer und die Inseln, die ich ihrer Ressourcen beraube. (Keine Sorge, ein erneuter Besuch der Region würfelt die Inseln auf der Karte erneut durch, wodurch es wieder neue Ressourcen gibt.) Na gut, meine Onkel sind auch mit von der Partie. Vorwiegend als Händler für Samen und für die wenigen Bootsverbesserungen. Oder als dritter Onkel für verschiedene Anleitungen und Tipps, doch der möchte erst einmal aufgespürt werden.
Also gibt es nicht viel, was mich von meinem einzigen Ziel ablenkt. Alles, was ich tue, dient letztlich dem Ziel, alles zu entdecken und sammeln. Steige ich ausreichend im Rang auf, schalte ich neue Gebiete frei, die an die vier Jahreszeiten angelehnt sind.

Mythische Wesen und Pflanzen
Nur die Angel auswerfen und irgendwann alle Fische gefangen zu haben, wäre allerdings zu einfach. Collector’s Cove lockert das stumpfe Sammeln durch ein paar Eigenheiten auf, die über Tageszeiten und Orte für Verfügbarkeit hinausgehen. Fange ich einen Fisch ausreichend oft, schalte ich ein Köderrezept frei. Mit dem Köder fange ich Fische gleicher Art in besserer Qualität, und bei ausreichend gefangenen guten Fischen lerne ich noch mehr. Stimmen Ort und Uhrzeit, fange ich mit dem Köder jederzeit den entsprechenden Fisch unabhängig von der Größe der Fischsilhouette im Wasser. Ohne Köder lassen sich kleine und mittlere Fische im übrigen nicht zuverlässig unterscheiden.
So erfahre ich, wie ich mythische Varianten der Fische fange. Die meisten Voraussetzungen sind selbsterklärend, etwa das Fangen von einem erhöhten Ort oder aus großer Entfernung. Um mythische Fische zu fangen, benötige ich weiterhin Köder. Anfangs sind die Anforderungen gering, so dass ich mit einer Ladung Köder, die für fünf Fische ausreicht, die Bedingung für die mythische Variante aufdecke und ihn anschließend auch fange. Später benötige ich mehr Köder, was auch mehr Pflanzen oder Fische benötigt, die ich dafür erst einmal auf Lager haben muss. Praktisch ist dabei allerdings, dass ich Fertigungsstationen auch mit Truheninhalten befüttere, so dass ich nicht erst suchen muss, was ich verarbeiten will.
Andere Voraussetzungen spielen mit der Möglichkeit, die Angel überallhin auszuwerfen. Das versehentlich tun können, stört leider ein wenig. Herauszufinden, was ich dabei für einen mythischen Fisch ausnutzen kann, macht mir an Collector’s Cove aber am meisten Spaß.
Äquivalent dazu verfügen auch Nutzpflanzen über mythische Varianten. Dafür ernte ich ausreichend Feldfrüchte ohne und mit Dünger. Manchmal ist es dabei allerdings etwas knifflig, eine Voraussetzung tatsächlich zu erfüllen. Mehrfach musste ich für eine mythische Pflanze aufgestellte Dekorationen aufheben und erneut platzieren, ehe die Bedingung als erfüllt galt.

Aufräumen
Abkürzen kann ich den Prozess, sobald ich in einer der vier Regionen den auf einer Insel versteckten Onkel gefunden habe. Allerdings benötige ich im Austausch die richtigen Ressourcen, weshalb es lange Zeit deutlich einfacher ist, die Fische direkt zu fangen oder die Pflanzen oft anzubauen.
Viele mythische Wesen fangen sich auch fast nebenbei. Mit ein wenig Pech kann es allerdings passieren, dass gegen Ende der Komplettierungsaufgaben einer Region viele Wartezeiten angesagt sind. Mal durch die falsche Tageszeit, mal durch reifende Feldpflanzen, die entweder selbst mythisch werden sollen oder die ich für Köder oder Dünger benötige. Oder ich suche nach Stein, Holz oder Erzen, die ich nur auf den Inseln oder in gelegentlichem Treibgut finde.
Tageszyklen in Collector’s Cove sorgen vorwiegend für den Wechsel zwischen tages- und nachtaktiven Fischen. Feldpflanzen benötigen zudem eine bestimmte Anzahl an Tagen und Stunden, ehe sie reif sind. Ich muss nicht zwingend schlafen (aber meine Eltern sind auch nicht da, um mich ins Bett zu schicken!), nach einem sechsstündigen Schlaf erhalte ich jedoch einen kurzen Geschwindigkeitsboost. Jedoch dauert die Reise zwischen zwei Inseln länger als eine Runde Schlaf und das Pflanzenwachstum erst recht. Und wenn ich nicht alles ausreichend gefüttert und gewässert habe, dauert es noch ein wenig länger.
Während der Boost aktiv ist, kann ich jedoch nicht wieder schlafen. Das Zeitfenster, das ich wach verbringen muss, ist allerdings so lang, dass ich nach dem Bewässern und Füttern und etwaigen Herstellungsaufträgen noch mehr Zeit überbrücken muss. Dann kann es schon ein wenig langweilig werden, wenn ich nichts mehr zu tun habe, als dieselben drei Meeresfische der Region zu fangen.

Kleine technische Probleme
Collector’s Cove speichert regelmäßig automatisch. Vor allem bei Wechseln zwischen Boot und Inseln oder beim Betreten und Verlassen des eigenen Zimmers. Aber auch zwischendurch immer wieder. Da ich nicht manuell speichern kann, bin ich dankbar für die häufige automatische Speicherung (auch wenn ich nur einen plötzlichen Spielabsturz erfahren habe). Allerdings ruckelt das Spiel bei jedem Speichern einen Moment lang, was fast durchgehend zu kleineren Störungen im flüssigen Spielablauf führt.
Daneben sind die Inseln gespickt mit unsichtbaren Wänden. Der begehbare Küstenverlauf ist dadurch sehr unruhig, aber vor allem bleibe ich dadurch regelmäßig an Hangaufstiegen oder zwischen Felsen stecken.
Zudem kann es passieren, dass die Fische in einem Teich auf einer Insel nicht wieder auftauchen. Während ich zwar alle Bäume fällen, alle Steine zerschlagen und jeden Erdhaufen ausheben kann, regenerieren sich Fische eigentlich regelmäßig. Das sorgt bisweilen dafür, dass ich erst eine andere Insel aufsuchen muss, ehe ich einen bestimmten Fisch endlich fangen kann.
Zudem ist die Standardhelligkeit in den meisten Gebieten unangenehm grell. Zwar lässt sich die Helligkeit deutlich verringern, doch das sorgt umgekehrt dafür, dass eines der Gebiete so düster ist, dass kaum noch etwas zu erkennen ist.

Fazit
Collector’s Cove setzt den Komplettierungsaspekt von Farmsimulationen in den Vordergrund. Zwischenaufgaben ergeben sich vorwiegend durch die Anforderungen für Köder, Dünger und mythische Wesen und Pflanzen. Daneben spielt die Handlung eine sehr untergeordnete Rolle. Bisweilen ist etwas zu viel Zeit mit zu wenigen Handlungsoptionen zu überbrücken und technisch läuft der Titel etwas holprig. Doch abseits davon wartet das Spiel mit einigen interessanten Ideen in Bezug auf mythische Anforderungen auf, was Collector’s Cove lohnenswert macht.

Herzlichen Dank an VoodooDuck für die Bereitstellung des Testmusters. Geangelt und gepflanzt auf PlayStation 5 Pro.