Mehr als eine Dekade ist es mittlerweile her, seit Nintendo letztmals ein klassisches Zelda-Spiel veröffentlicht hat, aber leider ist diese Lücke bislang von Indie-Entwicklern nur sporadisch gefüllt worden. Inspiriert vom Game Boy Advance-Titel Minish Cap will Under the Island Zelda-Fans nun ein Wohlfühlspiel in den Fußstapfen der Traditionsreihe anbieten.
In Under the Island spielt man die junge Nia, die mit ihren Eltern auf eine abgelegene Insel zieht. Die Insel ist für die Eltern vor allem aus beruflichen Gründen – sie sind Archäologen – interessant, Nia hingegen hat wenig Lust, ihre Zeit auf der Insel zu fristen. Doch schon nach kurzer Zeit stellt sie fest, dass die Insel ein großes unterirdisches Geheimnis birgt und dass die Insel dem Untergang geweiht ist, wenn nicht alsbald vier wichtige Zahnräder wiedergefunden werden. Wenngleich Nia der Insel nicht viel abgewinnen kann: untergehen lassen möchte sie sie auch keineswegs und so beginnt ihr Abenteuer, das sie quer über die gesamte Insel führt.

Under the Island folgt der klassischen Struktur der Zelda-Reihe sehr genau. Das Spiel ist in eine weitläufige Oberwelt mit zahlreichen Geheimnissen, Minispielen und Nebenaufgaben und je nach Zählweise drei bis vier Dungeons unterteilt. In den Dungeons steht vor allem die Rätsellösung im Mittelpunkt. Dabei erhält man in der Mitte eines jeden Dungeons eine neue Fähigkeit, die essenziell ist, um den Dungeon erfolgreich abzuschließen, zudem aber auch in der Oberwelt neue Gebiete zugänglich macht und auch das Lösen zusätzlicher Rätsel erlaubt, die zuvor eine unüberwindbare Hürde dargestellt haben. Obwohl Under the Island im Grunde genommen eine kanonische Dungeon-Reihenfolge hat, kann man die vier Dungeons auch in abweichender Reihenfolge abschließen. So habe ich beispielsweise das dritte Zahnrad vor dem zweiten geholt und andere Spieler haben das vierte vor dem dritten geholt.
Die Oberwelt bietet, neben den Zugängen zu den Dungeons viele Rätsel für Herzteile – in diesem Spiel in Form von Medaillen, derer jeweils vier bei einem Trainer gegen einen Herzcontainer getauscht werden können – und vergleichbare Sammelgegenstände. Hierbei dürfte der Honig das wichtigste Objekt der Begierde sein, denn hiermit kann der Hockeyschläger, der als Schwert-Ersatz dient, zwei Mal verstärkt werden. Hinzu kommen einige Gebiete, die zwar keine Dungeons sind, aber durch besondere Bedingungen, beispielsweise aufmerksame Bauarbeiter, an denen man sich vorbeischleichen muss, oder gruselige Geister, die man sich mit einem Leuchtstein vom Hals halten muss (Final Fantasy Crystal Chronicles lässt grüßen), einen ähnlichen Charakter annehmen. Etwas schade fand ich allerdings, dass der dritte Dungeon quasi ausgefallen ist und durch eine Reihe von Oberweltaufgaben ersetzt wurde, die in meinen Augen nicht so eine zufriedenstellende Struktur geboten haben wie ein klassischer Dungeon.

Die Rätsel im Spiel sind zwar nicht allzu schwierig, entwickeln sich in Sachen Komplexität und Itemnutzung aber sinnvoll und erinnern dem Typ nach sehr eng an die klassischen Zelda-Spiele. Obwohl das Spiel nur vier Dungeons bietet, gibt es aber doch ein recht umfangreiches Item-Menü, was einerseits an Items liegt, die man im Verlauf der Story außerhalb von Dungeons erhält, andererseits aber auch an einer Reihe von komplett optionalen Gegenständen, die vor allem im Kampf hilfreich sind.
Obwohl man mit einem Hockeyschläger statt einem Schwert unterwegs ist, gleicht das Kampfsystem dem aus der Zelda-Reihe sehr eng. Allerdings ist auffällig, dass die Gegner recht viel Schaden einstecken können und dass das Spiel an einigen Stellen außerordentlich geizig ist, was Speicherpunkte anbelangt. Das ist vor allem deswegen äußerst ärgerlich, weil man alle Rätsel, die man seit dem letzten Speicherpunkt gelöst hat, erneut lösen muss – und das selbe Rätsel mehrfach hintereinander lösen ist keine allzu interessante Aufgabe. Besonders in dem bereits angesprochenen Gebiet mit den Geistern, die einen verfolgen, habe ich mich über diesen Umstand tierisch geärgert. In meinen Augen wäre ein großzügigeres Rücksetzsystem, das jedenfalls Rätsellösungen beibehält, oder ein etwas verzeihlicheres Kampfsystem wünschenswert.

Ein großes Problem der Nintendo Switch-Version von Under the Island war in meinem Test die hohe Menge an nicht-kritischen, aber doch störenden Bugs. Der erheblichste wurde just am Tag bevor ich diese Zeilen schreibe gelöst – zahlreiche Sprites wurden fehlerhaft angezeigt, was insbesondere in Wasserregionen dazu geführt hat, dass man den Weg durch Raten und Beobachten von Wassertropfen ermitteln musste. Andere Bugs sind weniger konsistent aufgetreten und darum ist es schwierig mit Sicherheit zu sagen, ob sie behoben wurden, aber einige Situationen haben zu Spielabstürzen geführt, die im Zusammenhang mit dem strengen Speichersystem ein echtes Ärgernis sein können. Davon ab ist die technische Umsetzung aber zufriedenstellend. Die Grafik ist ansehnlich und erinnert auf angenehme Weise an Minish Cap, ohne wie ein direktes Imitat zu wirken und die Musik unterstützt die Atmosphäre gut.
Under the Island ist ein gut designtes Action-Adventure im Zelda-Stil, das mit ungewöhnlichen Item-Ideen, gutem Leveldesign und einer nostalgischen Präsentation punkten kann. Die Rätsel sind für meinen Geschmack etwas zu einfach und das Speichersystem im Gegenzug zu streng, aber davon ab ist Under the Island ein empfehlenswertes Spiel gerade für Spieler, die die klassische Zelda-Formel vermissen.

Vielen Dank an Top Hat Studios für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Nintendo Switch 2 via Abwärtskompatibilität.