Demons‘ Night Fever (Review)

In so manchem rundenbasierten Strategie-Rollenspiel ist der Verlust eigener Einheiten unerwünscht. Aber in Demons‘ Night Fever von Arc System Works scheren wir uns wenig um das Leben unserer Peons. Denn je öfter sie sterben, umso stärker werden sie durch Reinkarnation. Und das hilft uns bei unserer Mission, einem bösen Gott wiederzubeleben. Ich habe also eventuelle Skrupel beiseite geschoben und viel Missetaten begangen. Aber es ist ja nur ein Spiel. Und der böse Gott eine Katze.

Die Geschichte vom Teufel, Mary und mir ist eine Erzählung über das Böse

Zu Beginn von Demon’s Night Fever ist der böse Gott Giga Super Deathums daran, Gott zu vernichten. Doch dann erwacht er geschwächt als Baby und wird verraten. Auf der Erde schuftet derweil Killshiro als Programmierer und verflucht die ungerechte Welt. Eines Tages werde er den zuständigen Gott dafür umbringen! Doch wie als Reaktion darauf schlägt prompt ein Meteorit ein und Killshiros Leben ist zu Ende.

Mary dagegen ist auf der Werbeanzeige draußen.

Aber er erwacht in der Astralen Ebene, seine Seele wurde von Giga Super Deathums gerettet. Dieser hat für seine eigene Wiederbelebung schnell das Programm Demons‘ Night Fever geschrieben, das Killshiro durchstehen solle. Dabei gilt es, den Werdegang von Giga Super Deathums grob nachzuverfolgen. Killshiro ist einverstanden.

Und somit geht es in verschiedenen Kapiteln durch unterschiedliche Stufen von Gigas Leben. Als Monster gegen die Pious Rangers, als Hexe gegen magische Mädchen und anderes steht auf dem Plan. Aber Gott ist nicht untätig und versucht per Hacking zu stören. Dafür nutzt er auch Seelen von lebenden Personen, die in Gegner geschickt werden. Darunter auch Mary Haley, die Killshiro aus Schultagen kennt. Sie ist aber schon lang in anderen Kreisen unterwegs als er.

Die Geschichte ist durchaus unterhaltsam, man sollte aber nicht viel Komplexität erwarten. Es gibt auch eine gewisse Menge Humor. Teilweise geht es aber etwas unter die Gürtellinie, gerade im zweiten Kapitel. Laut Story sollen dort eine millionen… männliche Körperteile abgetrennt werden. Unsere bösen Taten werden allerdings nicht detailliert dargestellt, es eignet sich also auch für empfindsamere Zeitgenossen.

Hattet ihr auch so eine Phase?

Wachstum und Zeitmanagement

In jedem Kapitel erhält Killshiro eine Deadline, um stark genug zu werden und nötige Storykämpfe zu bewältigen. Streng genommen hat man jeweils ein paar Tage mehr Zeit, aber es gibt Belohnungen für schnelleren Abschluss. Zum Beispiel bestimmt das darüber, wieviele Peons und Items wir in das nächste Kapitel mitnehmen können. Ein paar Gedanken sollte man sich bei der Auswahl von Aktionen also machen.

Als wichtige Grundlage als Handlanger des bösen Gottes stehen Missetaten zur Verfügung. Diese sind in mehrere Kategorien unterteilt, die jeweils mehrere Statuswerte von Killshiro erhöhen. Die Kategorien erhalten dabei auch Erfahrungspunkte und steigen im Level. Damit können sie wiederum höhere Effekte auslösen. Ein gewisser Zufallsfaktor besteht aber dabei. Wir können nicht frei bestimmen, wieviele Peons uns dabei unterstützen. Je mehr, desto besser. Die Missetaten haben jeweils eine kurze Beschreibung und eine eigene Illustration, die sich in verschiedenen Kapiteln unterscheidet. Die Illustrationen sind aber zahm statt eindringlich.

Nicht „Go go Pious Rangers“?

Missetaten sind auch die Hauptquelle für wichtige Perversion Points. Zum einen brauchen wir genug davon, um überhaupt an Storykämpfen teilnehmen zu dürfen, zum anderen werden sie für das Freischalten von Skills im Skillboard benötigt. Diese können Killshiro und die Peons stärken.

Rauben, entführen, plündern

Daneben gibt es weitere hilfreiche Aktionen. Wir können Items stehlen, die im Kampf oder beim Training helfen können. Dabei haben wir zwar meist verschiedene Optionen, sind aber vom Zufall abhängig. Wenn wir Glück haben, können wir ohne weitere Zeitkosten erneut stehlen. Dabei sinkt aber die Erfolgsquote. Scheitert ein weiterer Versuch jedoch, verlieren wir alle der gestohlenen Items und werden mit einer Zeitstrafe belegt. Aber wir können jeweils ein bis zwei Peons opfern, um die Chance zu verbessern. Und vielleicht bekommen wir sie später gestärkt zurück.

Manchmal zumindest.

Entführungen sind unsere Hauptquelle für Peons, die wir nicht gerade schonend behandeln. Es gibt verschiedene Schwerpunkte zur Auswahl, die nach mehreren Tagen wechseln. Besonders wichtig empfinde ich die Option, vorwiegend reinkarnierte Peons zu erhalten. Schließlich kommen so unsere geopferten Peons gestärkt wieder in unseren Dienst. Um erneut geopfert zu werden, im Dienst des Bösen. Wie auch beim Stehlen kann es auch bei Entführungen zu Bonuschancen kommen. Diese habe ich aber nicht so oft genutzt. Schließlich wollte ich nicht massig schwache Peons erhalten. Es gibt nämlich ein Gesamtlimit, und ich habe keine Option gefunden, Peons einfach so loszuwerden.

Als letzte Option steht Plündern bereit. Dabei können wir aus unterschiedlichen Karten wählen, um in Kämpfen Truhen zu öffnen. Neben nützlichen Items gibt es dort auch Mods für unsere Peons zu finden. Diese können starke Effekte haben und bleiben auch im Kreislauf von Tod und Reinkarnation erhalten. Zum Abschluss müssen wir entweder alle Gegner besiegen oder ein Tor zerstören.

Dafür haben wir nur bestimmt viele Runden zur Verfügung, die wir zu Beginn festlegen. Denn drei Runden Zeitlimit beim Plündern entsprechen einem Tag. Dabei wollen wir weder zu viele noch zu wenige Tage einplanen. Leider sind nicht auf jeder Karte Mods oder besonders erwünschte Items zu finden. Aber wer nicht vorher speichern und gegebenenfalls neu laden möchte, kann unter Umständen mit einem bestimmten Item schon vor Kampfstart nachsehen, was in den Truhen steckt.

Eine Übersicht eines Peons.

Wiederholung und permanente Boni

Wer Demons‘ Night Fever in einem Rutsch durchspielen möchte, dürfte wenig Erfolg haben. Denn so kommt man mit dem Stärken von Killshiro und den Peons bald nicht mehr an die Gegnerstärke heran. Stattdessen sollen wir durch Abschluss verschiedener Aufgaben bleibende Boni freischalten. Diese gelten dann auch, wenn wir erneut in ein freigeschaltetes Kapitel einsteigen. Die meisten lassen sich aber optional deaktivieren, wenn man etwas anpassen möchte.

Neben schnellem durchspielen von Kapiteln gibt es auch schwerer damit vereinbare Aufgaben wie bestimmte Mengen an Perversion Points zu sammeln. Auch eine Zielmenge reinkarnierter Peons zu erlangen oder genug Mods zu sammeln kann unter Umständen etwas Zeit kosten. Beim Sammeln von Perversion Points kommt teils neben dem Zufallsfaktor auch noch dazu, dass die Menge auch vom Level der Missetat-Kategorie abhängt. Dafür kann es sinnvoll sein, extra im ersten Kapitel zu starten und erweiterte Zeitlimits auszunutzen.

Später wird es noch einiges mehr.

Schon zwischendrin musste ich das ein oder andere Kapitel gestärkt wiederholen. Nachdem ich schließlich dennoch beim Endgegner keine Chance sah, habe ich dann noch verstärkt Boni freigeschaltet. Für Killshiro und Peons lassen sich dann gegen Ende auch Statusboni von über 200% erreichen, die das Durchspielen entsprechend erleichtern. Und um auf Nummer sicher zu gehen habe ich dann von ganz am Anfang gespielt und die Zeitlimits bis zum Äußersten ausgereizt. So hat es auch trotz nicht idealem Glück beim Entführen reinkarnierter Peons locker gereicht.

Kämpfe mit eigensinnigen Handlangern

Natürlich möchte ich auch etwas genauer auf die Kämpfe eingehen. Demons‘ Night Fever ist ein rundenbasiertes Strategie-Rollenspiel. Vor Beginn eines Kampfes platzieren wir Peons, denn Killshiro ist gerade anfangs nicht gerade stark. Wir können auch die Karte anschauen, bevor wir loslegen.

Zuerst sind die eigenen Peons dran. Leider können wir sie nicht direkt befehligen. Vielleicht hätten wir sie besser behandeln sollen? Abhängig von ihren Kampfpräferenzen bewegen sie sich innerhalb ihrer Reichweite und setzen einen Skill ein. Neben einfachen Angriffen gibt es auch Flächenangriffe, Buffs und Debuffs. Nicht immer scheint die Nutzung besonders intelligent zu verlaufen.

Ordentliche Reichweite – zum Preis eines Lebens.

Als nächstes folgt eine Phase für Killshiro. Auch er kann sich eine bestimmte Entfernung über die Felder bewegen und einen einfachen Angriff ausführen. Bewegen und andere Aktionen kosten Aktionspunkte. Manche Aktionen haben zudem ein Gesamtlimit für den Kampf, darunter auch die Nutzung von Items.

In einzelnen Kapiteln erhält er auch neue Fertigkeiten. Schon zu Beginn kann er Peons töten, auch in gewisser Entfernung. Das löst dann den Kill Skill des Peons aus. Schaden, Buffs und Debuffs mit unterschiedlichen Wirkbereichen können Peons haben. Eine Voraussage zeigt uns, welche Gegner wie stark getroffen werden. Um Peons ideal zu platzieren, können wir als Killshiro dorthin laufen und dann per Teleport mit dem Peon wechseln, solange er nah genug ist. Wenn das Maximum an Peons noch nicht ausgereizt ist, können wir aber auch Peons aus der Reserve beschwören. Und gegebenenfalls anschließend töten. Weitere nützliche Fertigkeiten treten im Verlauf dazu.

Wenn Killshiro besiegt wird, ist der Kampf verloren. Vorsorglich kann er von nahen Peons HP absorbieren. Da sie dann vermutlich beim nächsten gegnerischen Angriff besiegt würden, bietet sich das anschließende Töten für einen Kill Skill an.

Und Tschüss.

Anschliessend agieren die Gegner, und zuletzt dürfen wir erneut Killshiro steuern. Dabei werden Aktionspunkte aber nur zum Teil aufgefüllt. Sinnvoll ist dann zum Beispiel, wenn nötig neue Peons zu beschwören. Nach Abschluss dieser Phase ist die Runde vorbei und die nächste beginnt.

Die mangelnde Kontrolle über die Peons ist für mich etwas ärgerlich. Das Hinzufügen neuer Elemente in den Kapiteln und die relativ geringe Anzahl nötiger Storykämpfe vermindern aber die eventuelle Abnutzungsgefahr. Und mit bleibenden freigeschalteten Boni dauern Kämpfe beim Wiederholen oft nicht lange.

Fazit

Demons‘ Night Fever wusste mich durchaus zu unterhalten. Charaktere und Geschichte sind nicht komplex, aber unterhaltsam. Humor ist oft vorhanden, wenn auch teils für manchen von zu niedrigem Niveau. Der Stil sagt mir zu und die Musik passt auch. Die Kapitel sind in abwechslungsreichen Settings distinkt voneinander.

Oh nein.

In den Kämpfen mangelt es mir aber an Kontrolle über die Peons. Außerdem ist mir das Spielsystem etwas zu sehr darauf aufgebaut, Kapitel zu wiederholen und durch verschiedene Ziele bleibende Boni freizuschalten. Insgesamt habe ich knapp 30 Stunden benötigt. Optionale Herausforderungsmissionen und ein Devil Mode mit nur einem gesamten, knapperen Zeitlimit stehen noch zur Verfügung.

Insgesamt reicht es aber nur für eine eingeschränkte Empfehlung.

Vielen Dank an Arc System Works für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf PlayStation 5.