Der Sommer geht fließend über in die Weihnachtszeit. Und doch wird diese Zeit für einen Monat unterbrochen. Der Oktober ist die Zeit des Gruselns, des Horrors und des Wartens auf Spiele, die trotz des passenden Themas nicht in diesem Monat erscheinen. Im letzten Jahr habe ich zur Halloween-Zeit Silent Hill 2 begonnen und ich bin bis heute traumatisiert von den Euroboxen, die James davon abhalten, Treppen zu besteigen. Also gehe ich es in diesem Jahr etwas langsamer an. Da kommt mir Bandagenhund Viktors Wunsch nach einem Ferienhaus, bei dem er in Ruinen ruhen kann, gerade recht. Unter dem Motto “Wiege der Zivilisation” wünscht er sich eine altägyptisch inspirierte Unterkunft.
An Prinzessinnen traue ich mich noch nicht heran, aber mit einem Sarkophag komme ich hoffentlich gerade noch zurecht …
In den Ruinen
Wüstennnächte sind kalt. So kann ich behaupten, mein Zittern liege an den Temperaturen und nicht an diesen verfallenen Ruinen. Das umrankte Ruinentor hat sich Viktor gewünscht, allerdings bietet der kleine Hügel aus Sand nicht sonderlich viel Platz dafür. Ansonsten hätte ich die Hütte nach Möglichkeit hinter den Torbögen und einer Handvoll Säulen versteckt. Nun steht eben ein Haus in den Ruinen.
Die sind dafür möglichst ruinös. Die zwei Torbögen bieten heute keinen Durchgang mehr, früher war das bestimmt anders. Vielleicht sind auch die Ruinen der unteren Ebene älter. Ein paar Säulen rahmen das Ferienhaus so gut ein, wie es auf dem engen Platz möglich ist. Ich kann schon richtig sehen, dass das früher einmal nichts war und die Säulen und Bruchsäulen nachträglich aufgestellt wurden!

Unten rahmen zwei Säulen den Eingang des Grundstücks ein. Eine davon ist schon halb verfallen, um die Symmetrie ein winziges bisschen aufzubrechen. Eine umgedrehte Höhle dient als Steinhaufen, weil die fröhlich verteilten Ruinenhocker und (Bruch-)Säulen schließlich auch aus Stein sind.
Erreichbar sind die Abschnitte zu beiden Seiten der Rampe nicht (dafür sorgen die Säulen), also brennt die Fackel hoffentlich noch eine Weile. Doch falls nicht, so ist die immerwährende Nacht in dieser Wüste zumindest durch den sternenklaren Himmel nicht ganz undurchdringlich.
Nicht nur die falschen Ruinen spielen auf eine lange Historie dieses Ortes an. Auch eine gigantische Pflanze ist hier schon vertrocknet. Nur noch ihre Überreste stehen noch hier als graue Ranken. Kaum zu glauben, dass in der staubtrockenen Wüste eine Pflanze überhaupt so groß geworden sein soll. Vielleicht hat sie aber auch jemand eingepflanzt und sie ist sofort eingegangen.

Hoffentlich ist der Sarkophag leer
Eigentlich sollte es in der Hütte nicht so kalt sein. Immerhin brennen hier einige Kerzen an den Wänden. Aber wenn die Nacht ewig dauert, dann gibt es auch keine durch die Sonne aufgeheizten Wände, die sich nur langsam abkühlen. Jedenfalls zittere ich bestimmt nicht wegen des goldglänzenden Sarkophags in der Ecke!
Der lässt sich nicht öffnen, was fast ein wenig enttäuschend ist. Andererseits möchte ich aber auch gar nicht wissen, was darin modert. Oder ob sich darin eine brandneue, in Plastik eingeschweißte Puppe befindet. Ich kann es schon fast riechen.
Der von Viktor gewünschte Goldsarkophag ist jedenfalls bestens ausgeleuchtet. Der warme Schein könnte beruhigend sein, befände ich mich nicht gerade in einem künstlichen Grab.
Ich möchte gar nicht wissen, was für Flüche an den Wänden stehen. Zum Glück kann ich die Hieroglyphen nicht nur nicht lesen (für hylianische Zeichen brauche ich schon immer Übersetzungstabellen), im Dunkel erkenne ich sie auch gar nicht richtig. So kann ich auch nicht versehentlich etwas vorlesen und uralte Pharaonen heraufbeschwören.
Der Obskuraltar beleuchtet den dritten Gegenstand, den sich Viktor gewünscht hat. Eine Pharaomaske, berüchtigt dafür, zum häufigen Stolpern zu verleiten. Brrr. Hinzufallen und dabei einen Luftballon zu verlieren, ist der allerschlimmste Horror. Dagegen ist der Schmerz aufgeschürfter Handflächen nichts.

Die Wiege der Zivilisation wäre ohne eine Wiege nicht komplett. Oder zumindest etwas in der Art. Damit Viktor in seine Ferienhütte auch tatsächlich ruhen kann, braucht er eine Schlafmöglichkeit. Unter den vorgeschlagenen Möbelstücken befand sich ein Schlafsack, der passt ästhetisch allerdings noch weniger als das Möbelstück, für das ich mich schließlich entschieden habe. Wenn ihn der starre Blick der Pharaomaske nicht für immer wachhält, bringt ihm das Strohbett bestimmt erholsamen Schlaf.

Mir nicht, und auch Viktor wird mir allmählich etwas unheimlich (was ist dieses Leuchten, das auf einmal von ihm ausgeht?!), also flüchte ich lieber schnellstens.


