Nach über drei Jahren bin ich nun endlich bereit, etwas zu dem VR-Titel zu schreiben, den ich mit Abstand am längsten spiele. Dabei handelt es sich um das Rhythmusspiel Synth Riders von Kluge Interactive. Allein dafür hat sich PSVR2 für mich im Grunde bereits gelohnt.
Um ehrlich zu sein, das hier ist jetzt bereits mein dritter Anlauf, ein Review zu Synth Riders zu schreiben. Weil es jedes Mal kurz nach dem Schreiben ein größeres Update für das Spiel gab. Einmal der Wechsel auf 90 Hz mit knalligeren Lichteffekten und später ein komplett neues Levelsystem. Auch eine deutsche Übersetzung ist hinzugekommen, die eher zweckmäßig und inzwischen nicht mehr gsnz vollständig ist.
Rhythmus
Als VR-Rhythmusspiel ist Synth Riders sehr bewegungsintensiv. Noten sind hier Kugeln, die ich entweder mit einer oder mit beiden Händen berühre. Zusätzliche Linien fahre ich in der Bewegung nach, während ich bei einem Notentyp selbst entscheide, mit welcher Hand ich die Noten berühre. Hindernisse befinden sich seitlich oder oben. Einige Notenlinien ziehen sich sogar direkt durch Hindernisse hindurch, was nur deshalb funktioniert, weil Hindernisse nur auf Berührungen mit dem Kopf reagieren. Im linearen Modus sind dabei alle Kugeln aus einer stationären Position gut zu erreichen.
Unter den fünf Schwierigkeitsgraden gibt es zwei einfache und drei zunehmend herausfordernde. Anfangs habe ich noch auf Normal gespielt, inzwischen bin ich aber schon lange auf Meister gewechselt. Dabei empfinde ich Meister als spürbar entspannter als den höchsten Schwierigkeitsgrad in Audio Trip. Lediglich einzelne besonders hektische Lieder stechen in Bezug auf die Schwierigkeit heraus.
Der Trefferbereich dere Noten ist in Synth Riders sehr verzeihlich. Insbesondere, wenn sich beide Hände nahe aneinander befinden, fällt das auf, weil es dann auch möglich ist, die Hände vertauscht zur Notenposition zu halten und trotzdem Treffer zu erzielen. Um das auszugleichen, lässt sich der Trefferbereich jedoch auch verkleinern (oder bei Bedarf vergrößern).
Für mich sind die Beats nicht immer direkt eingängig, als Rhythmusspiel stört das jedoch nicht. Immerhin spiele ich dennoch beinahe fehlerfrei auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Einige Tracks fühlen sich stärker wie Tanzen an als andere, die Bewegungen sind aber immer rhythmisch. Besonders gefallen mir die Momente, in denen die Bewegungen auch auf die Liedtexte abgestimmt sind und ich beispielsweise passend in die Hocke gehe.
Bei all der gebotenen Liedervielfalt ist es vor allem das Mapping der Noten, weshalb ich Synth Riders immer noch regelmäßig spiele. Auch wenn mir ein Lied vielleicht nicht auf Anhieb gefällt, habe ich doch unheimlich viel Spaß beim Spielen.

Liedauswahl
Bei über 81 Liedern im Basisspiel ist die Auswahl wirklich groß. Dabei werden auch einige unterschiedliche Musikgenres geboten und immer eine Handvoll Lieder wird als Paket zusammengefasst. Diese lassen sich auch ohne Pausen am Stück spielen.
Inzwischen habe ich mein Spiel aber auch um einige der DLC-Inhalte erweitert (die Gesamtzahl an Liedern wird mit allen DLC auf über 200 erhöht). Einige DLC-Packs erweitern dabei vorhandene Alben, während andere eigenständig stehen.
Spielerisch fällt dabei im direkten Vergleich durchaus auf, dass gerade die neueren Tracks noch viel besser gelungen sind als ältere DLC oder Lieder aus dem Basisspiel. Aber in meiner langen Favoritenliste sind auch viele Tracks aus dem Basisspiel dabei, also kann es auch für sich stehen.
Spielmodi
Lange Zeit hatte ich in Synth Riders die Wahl zwischen linearen und gedrehten Strecken. Im Drehmodus nähern sich die Noten aus unterschiedlichen Richtungen an, weshalb ich mich auf der Stelle drehen muss, um alle zu sehen und zu erreichen. Wegen des Kabels und meiner schlechten Orientierung in einem Raum, den ich nicht sehe, tue ich mich damit ein wenig schwer. Aber einmal davon abgesehen, reagiert das Spiel einwandfrei auch auf Drehbewegungen. Beim linearen Modus nähern sich die Noten ausschließlich von vorne an.
Damit war ich vollauf zufrieden. Vor ein paar Tagen habe ich allerdings einen neuen Modus entdeckt. Beim Spiralmodus stehe ich auf einem Zylinder. Die Noten nähern sich vorne an, allerdings nicht in einer geraden Linie, sondern der Kurve der Zylinders folgend. Um von der Standardposition weiter entfernte Noten zu treffen, neige ich mich zur entsprechenden Seite.
Hätte mich vorher jemand gefragt, hätte ich nicht sagen können, dass mir etwas gefehlt hätte (auch wenn noch mehr 80er-Jahre-Lieder niemals schaden würden). Aber jetzt möchte ich den Spiralmodus nicht mehr missen. Er fühlt sich unglaublich frisch an.
Der Spiralmodus bietet drei Intensitätsstufen, die ich nacheinander freigeschaltet habe. Das war das einzige, was mich daran hindern konnte, sofort auf Wild und dem Schwierigkeitsgrad Meister zu spielen. Ruhig und Mix sind wesentlich entspannter und damit für den Einstieg auch deutlich besser geeignet.
Auf Wild muss ich mich weit und auch mal schnell zur Seite neigen, was in Kombination mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad durchaus fordernd wird. Nicht nur muss ich die Noten treffen, was ich inzwischen gewohnt bin, sondern bei den Bewegungen auch noch das Gleichgewicht halten. Auch körperlich ist das wesentlich anstrengender. Aber ich war lange nicht mehr so euphorisch bei einer VR-Erfahrung wie beim ersten Mal, als ich im Spiralmodus ins Schwanken geraten bin. (Auch wenn ich das Gleichgewicht nach wenigen Tagen schon wesentlich besser halte.)

Die Strecken
Die Strecken, auf denen ich mich in Synth Riders fortbewege, wähle ich unabhängig von den Liedern aus. Entsprechend sind die Zusammenhänge zwischen Rhythmus und Umgebungsgeschehen zumeist eher gering. Ein wenig ausgeglichen wird das durch pulsierende Farben, die auf vielen Strecken die Farben der aktiven Noten widerspiegeln. In anderen Fällen bilden die Hinderniswände Motive aus den Liedern nach.
Die Strecken selbst sind dabei zumeist große Orte, oftmals in einer Mischung aus Schwarz und Neonfarben gehalten. Als stationäre Umgebung gibt es eine Stadtumgebung mit vielen Hochhäusern, Neonreklame und lesbaren Werbetexten. Das lädt zum Umschauen ein, wenn der gespielte Track gerade ein wenig ruhiger ist.
Besondere Umgebungen sind dabei die Experiences. Diese sind spezifisch an ein einzelnes Lied angepasst und optisch noch ein wenig beeindruckender. Allerdings sind Experiences fast reine DLC-Erfahrungen. Doch zumindest lässt sich Lindsey Stirlings Underground als Experience ausprobieren, auch wenn nur das Basisspiel vorhanden ist. Mit großen Geigerinnen und einer eindrucksvollen Rückwärtsbewegung bietet diese Experience aber schon einen guten Ersteindruck. Inzwischen sind die Experiences vorwiegend einzeln zu kaufen, statt als Teil eines Packs erhältlich zu sein.

Aufleveln
Seit ein paar Monaten kann ich in Synth Riders auch aufleveln. Spiele ich Lieder, sammle ich Erfahrungspunkte. Zudem schalte ich tägliche und wöchentliche Belohnungen frei, wenn ich das Tutorial abschließe. (Das ich nach über hundert Spielstunden dann erst einmal suchen und neu abschließen musste …)
Die Aufgaben variieren in ihrer Schwierigkeit und dem Aufwand. Mal spiele ich einfach nur ein Lied, mal mehrere, mal mit bestimmter Mindestschwierigkeit. An manchen Tagen sammle ich zusätzliche Punkte, indem ich Challenge-Lieder spiele, die regelmäßig wechseln. Dabei spiele ich Lieder mit unterschiedlichen Modifikatoren, darunter gern auch einmal Sudden Death, der eine Challenge schnell zum Scheitern bringen kann. Mit hohen Präzisionsanforderungen habe ich allerdings deutlich größere Schwierigkeiten, weil ich zwar treffe, aber nicht sonderlich präzise.
Zwar können unter den Challenge-Liedern auch DLC-Tracks sein, doch für die wechselnden Tages- und Wochenziele sind diese nicht von Bedeutung. Die Ziele kann ich (Fertigkeiten eventuell vorausgesetzt) immer auch mit dem Basisspiel allein erreichen.
Hinzu kommen ein paar Statistiken wie die längste Serie nacheinander getroffener Noten (über Liedgrenzen hinweg). Das ist zwar beschränkt auf die Zeit seit dem Update, was die Werte etwas verzerrt, aber ich mag solche Statistiken trotzdem. Vor allem, weil ich dann neben Online-Bestenlisten und eigenen Höchstwerten noch ein paar weitere Vergleichswerte habe.
Auch wenn ich ohnehin regelmäßig Synth Riders gespielt habe, habe ich bemerkt, dass ich das Spiel manchmal etwas häufiger starte als früher. Es gibt zwar keine Spielserie, die für regelmäßiges Spielen belohnt, aber ich nehme gerne tägliche und wöchentliche Aufgaben mit. Und seitdem ich den Spiralmodus entdeckt habe, möchte ich noch viel mehr spielen.
Optionen
Nachdem ich ein Lied gespielt habe, suche ich das nächste wahlweise selbst aus oder lasse ein zufälliges Lied spielen. Da mir das die Wahl abnimmt und zudem dafür sorgt, dass ich viel mehr unterschiedliche Lieder spiele, mag ich die Zufallsfunktion. Einzig hätte ich gern die Möglichkeit, dabei auch Experiences ausgewählt zu bekommen, doch die entsprechenden Lieder spielen stattdessen auf den Standardstrecken.
Unabhängig von den Schwierigkeitsgraden und der Linearität (oder deren Fehlen) spiele ich in einem von zwei Modi. Beim Rhythmus-Modus geht es lediglich darum, die Noten möglichst im Rhythmus zu treffen. Beim Kraft-Modus sollte hinter den Bewegungen etwas mehr Kraft stecken, also eine schnellere Bewegung. Da ich Synth Riders primär als Rhythmusspiel spiele, bevorzuge ich den Rhythmus-Modus, auch wenn beide gut funktionieren.
Ein Online-Modus ist ebenfalls vorhanden. Bisweilen dauert es allerdings sehr lange, bis offene Gruppen gefunden werden, und mit Headset auf dem Kopf stehe ich nicht allzu gern untätig herum. Das Onlinespiel selbst funktioniert einwandfrei und bietet ein paar Möglichkeiten, Gegner zu beeinflussen, die bei guter Kenntnis der Lieder allerdings kaum stören. Spielende, die nicht PSVR2 nutzen, sind dabei deutlich häufiger anzutreffen und nutzen manchmal auch ein Mikrofon.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Modifikatoren wie Noten, die ihre Farbe ändern oder ein einhändiger Modus, um das Spiel wahlweise einfacher oder schwieriger zu gestalten.

Fazit
Synth Riders ist mit Abstand mein meistgespieltes VR-Spiel. Bereits das Basisspiel bietet eine breite Auswahl an Liedern, auf die die DLC weiter aufbauen. Es ist nicht mehr ganz das Spiel, das ich damals gekauft habe, aber für mich wurde das VR-Rhythmusspiel nur besser. Das Mapping und die verschiedenen Spielmodi wissen zu überzeugen. Ein wenig schade ist, dass die Experiences als Herausstellungsmerkmal etwas in den Hintergrund treten. Im Gesamterlebnis ist das mittlerweile der einzige verbleibende Störfaktor und fällt für mich kaum noch ins Gewicht. Gerade auch durch die aktive Unterstützung mit Updates und neue DLC-Packs ist Synth Riders für mich die beste VR-Rhythmusspielerfahrung auf PSVR2.

Gespielt auf PlayStation 5 und PlayStation 5 Pro mit PSVR2.