Als 2022 Cult of the Lamb erschien, war ich zunächst Feuer und Flamme. Das kurzweilige Dungeoncrawling kombiniert mit dem Basebuilding des Kultes war eine interessante Mischung, die mir von Anfang an viel Spaß bereitet hat. Und dann noch mit einem niedlichen Lämmchen! Immerhin ist mein Regenbogenschafi ja berühmt-berüchtigt und das nicht ohne Grund. Trotzdem habe ich das Spiel nach wenigen Stunden beiseite gelegt. Ihr erinnert euch, dass Sandra in ihrem Test davon geschrieben hat, dass das Spiel bei manchen Leuten arge technische Probleme hatte? Ich bin manche. Naja, mit Cult of the Lamb: Woolhaven, also dem großen DLC zum Spiel, war jetzt die ideale Gelegenheit einen Plattformwechsel zu vollziehen und direkt von vorne anzufangen. Hat sich gelohnt, wie ich finde!
Überhaupt hat sich seit damals aber einiges getan. Ich war eigentlich im Wiki Dauergast, um zu gucken, ob Inhalt xy, an den ich mich nicht erinnern kann, schon damals bei Runde 1 (retrospektiv war ich ungefähr zu ~80% durch) im Spiel enthalten war. Und meistens war die Antwort “nein”. Das liegt aber gar nichtmal am Woolhaven-DLC, sondern an den zahlreichen Updates in den letzten Jahren, die das Kampfsystem erweitert, Relikte und damit Zusatzeffekte hinzugefügt haben, sowie einen Haufen neue Doktrinen, Gebäude und eine neue Währung Sünde hinzugefügt haben. Und mal so nebenher Koop. Man merkt also, unsere Schäfchenschöpfer bei Massive Monster sind emsig bei der Sache.
Woolhaven bietet dabei einfach mehr von dem, was wir bereits kennen. Mehr Tarot-Karten mit neuen Effekten, neue Relikte, neuer Follower-Formen, neue Dekorationen für die Basis… aber wirklich interessant ist das, was komplett neu ist.
Der Winter naht
Bevor man den DLC überhaupt starten kann, muss man das Hauptspiel (fast) komplett abgeschlossen haben. Erst dann können wir uns in die zerstörte und verfallene Heimat der Lämmer – Woolhaven – wagen. Inmitten des Dorfes wartet eine große Statue auf uns. Ein Bildnis der Winter-Göttin Yngya. Sie hat nach uns, dem letzten Lamm, verlangt, ihr zu helfen. Der Berg Ewefall ruft nach uns. Dort, in ihrem ehemaligen Reich habe sich der Wolf Marchosias niedergelassen und haust nun dort mit seinem Rudel. Natürlich machen wir uns sofort auf, den Wolf vom Berg zu vertreiben und die Seelen der anderen Lämmer zurückzubringen. Diese sollen schließlich ihren Frieden finden können.

Doch kaum geleitet man als Hirte der verlorenen Schäfchenseelen eben jene zurück nach Woolhaven, so breitet sich Stück für Stück mehr Fäulnis über den Berg aus, so dass wir schon bald auch das zweite DLC-Biom erreichen können. The Rot. Das obrige Bild der Karte zeigt allerdings schon, dass sich die Navigation in den Gebieten ein bisschen anders gestaltet als im Hauptspiel. Dort hat man immer wieder das gleiche Gebiet betreten, das man mehrfach wiederholen musste bis man schließlich den Boss erledigen konnte. Im DLC hat man mehr Wahlfreiheit dabei welcher Pfad zuerst beschritten werden soll. Zugegeben, effektiv ändert das am eigentlichen Spiel nicht viel. Aber psychologisch sorgt diese kleine Änderung dafür, dass es sich nicht mehr so stark anfühlt als würde man immer wieder das gleiche machen, bis man schließlich auf den jeweiligen Levelboss eindreschen darf.
Apropos Boss! Sehr positiv hat mich überrascht, dass am Ende eines Runs nicht automatisch ein Boss gelauert hat, wie man es aus den Gebieten des Hauptspiels kennt. Natürlich warteten auch große Gegner und große Lebensleisten darauf weggekloppt zu werden. Oft genug gab es auch ein kleines Schalterrätsel als Abschluss. Diese sind zwar nie allzu komplex, lockern aber das Gameplay entsprechend auf bevor man sich kurze Zeit später wieder in den nächsten Durchgang stürzt. Gleichzeitig werden aber auch die Gegnergruppen aggressiver und stellenweise sogar zahlreicher. Man merkt deutlich, dass die neue Herausforderung an bereits erfahrene Kultisten gerichtet ist.
Wollige Wärme im Winter
Yngya ist bekanntermaßen die Göttin des Winters. Das hat auch auf uns und unseren Kult große Auswirkungen. Denn kaum sind die ersten Seelen zurückgekehrt, fällt auch der Winter über das Land. Dicke Schneeflocken bedecken das Land, tauchen die Kultbasis in ein Winterwunderland. Zunächst sind wir allerdings gar nicht auf die neuen Wetterverhältnisse vorbereitet. Gut, dass Yngya direkt einen Bauplan für einen Ofen bereit, mit dem Kälte zumindest etwas bekämpft werden kann. Doch dafür muss dieser auch ständig mittels Rotburn – einer Ressource, die man zunächst nur auf den Kreuzzügen finden kann, aber enorm wichtig für den weiteren Verlauf ist – befeuert werden. Ansonsten erstarren unsere Kultisten komplett zu Eis. Aber nicht nur das: der Winter macht auch der Landwirtschaft deutlich zu schaffen, die Felder sind nicht mehr ohne Weiteres nutzbar. Von was also sollen unsere Anhänger nun leben, wie sollen sie den Winter überstehen?

Zum Glück bietet uns Woolhaven auch genug Antworten auf diese Fragen. Manche Geister von Lämmern, die wir zurückbegleiten, wünschen sich, dass wir ihre Häuser wieder aufbauen. Kaum ist das geschehen, schalten sich weitere Quests und damit verbundene Möglichkeiten frei. Zu allererst bekommen wir nun die Möglichkeit Tiere zu halten. Und das ist auch dringend notwendig: denn diese produzieren regelmäßig Wolle bzw. spätere Arten auch Milch und andere Ressourcen. Insbesonders die Wolle ist dabei wichtig, da die (ehemaligen) Bewohner von Woolhaven mit Goldmünzen als Zahlungsmittel rein gar nichts anfangen können. Mit flauschiger Wolle hingegen…
Der Winter als Stresstest
Um den Auswirkungen des Winters wenigstens etwas zu entgehen und den Nahrungsvorrat aufzustocken, können wir die Tiere auch auf die Schlachtbank führen. Oder streicheln. Und reiten. Gut, letztere beiden helfen vielleicht nicht gerade bei einem Schneesturm oder bei einem knurrenden Magen. Aber ein kuhartiges Tier zu reiten ist trotzdem toll. Streicheln ja sowieso. Sollen meine Anhänger halt doch lieber Gras essen, ich tu doch meinen neuen Freunden nichts.
Je weiter wir auf unseren Reisen voranschreiten, desto intensiver wird allerdings auch der Winter. Aus der beißenden Kälte werden Blizzards in denen niemand mehr Arbeiten kann. Außerdem können auch Wölfe das Lager angreifen und die Ranch mit den Tieren angreifen. Gerade eben hab ich doch noch beschlossen, dass niemand ihnen etwas antut! Aber das war noch nichtmal alles was der Winter so mit sich bringt. Das dauert immer einige Tage, dann ist der aktuellste Winterzyklus wieder vorbei und wir können uns vor den Auswirkungen des letzten erholen und zugleich auf den nächsten vorbereiten.
Auch Kults, die bereits autark einwandfrei funktioniert haben und sich selbst erhalten konnten, werden hier auf eine harte Probe gestellt. Dieser Part hat mir an dieser Stelle auch besonders gut gefallen, da ich den Basebuilding-Teil zwar ganz gut fand, dieser aber zugleich die meiste Zeit vor sich hinplätscherte. Eine gute Nachricht für alle aber an der Stelle, denen das zu stressig klingt: hat man den DLC abgeschlossen kann man den Winter-Zyklus ganz einfach wieder deaktivieren. Dann kann man allerdings auch keine Schneelämmer mehr bauen.

Auch eine Schmiedin war in Woolhaven ansässig. Wenn wir ihr Fragmente von Legendären Waffen – eine pro Waffentyp – bringen, dann kann sie uns diese Restaurieren, dass sie auf Kreuzzügen auftauchen können. Und die haben es wirklich in sich! Nicht nur ist die Angriffskraft gut erhöht, es gibt auch noch potente Zusatzeffekte. Ich war ja schon vorher ein großer Fan der normalen Axt, aber die legendäre Variante ist nochmal ein ganz anderes Kaliber.
Der Traum vom Frühling
Ansonsten finden wir hin und wieder noch ein paar ganz besondere Anhänger auf unseren Reisen. Diejenigen, die bereits stark von der Fäulnis zerfressen wurden. Diese „verrotteten“ Anhänger müssen weder Schlafen noch etwas Essen und bleiben stets loyal – aber dafür ist ihre Lebenszeit stark verkürzt. Auch kann man aus ihnen kein Fleisch gewinnen, wenn ihre Zeit abgelaufen ist, sondern Rotburn um den Ofen am Laufen zu halten.
Ihr erinnert euch, dass ich am Anfang gesagt hab, dass ich damals zum Release technische Probleme hatte? Diesmal Nullkommanichts. Und im Internet gibt es Berichte, dass der DLC ziemlich verbuggt wäre. Das wollt ich aber nur am Rande mal erwähnt haben, mich freut einfach sehr, dass ich dieses Mal verschont geblieben bin. Vielleicht gibts ja in neuer Tradition einen zweiten DLC, wo jemand andres der hier ein super buggiges Erlebnis hatte und dann eine Offenbarung der Bugfreiheit erlebt.
Ohne groß drumherum zu reden: Cult of the Lamb: Woolhaven ist eine fantastische Erweiterung zu einem sehr guten Spiel. Alle Systeme greifen einwandfrei ineinander und sämtliche Neuerungen fügen sich organisch in das bisherige Konzept ein. Ganz besonders hat mir alles rund um den Winter gefallen, die stufenweise Eskalation – und die Erleichterung als endlich der Frühling wieder gekommen war. Ebenso natürlich, dass die beiden neuen Gebiete sich stark vom bereits Bekannten abheben. Ich kann an dieser Stelle nur eine klare Empfehlung für alle aussprechen, die bereits mit Cult of the Lamb ihre Freude hatten. Woolhaven lohnt sich!

Den Winter auf dem Steam Deck überlebt. Vielen Dank an Massive Monster und Devolver Digital für die Bereitstellung des Testmusters.