Steins;Gate RE:BOOT (Review)

Artwork zu Steins;Gate Re:Boot

Nein, Bananen gehören nicht in die Mikrowelle. Von mir aus kann man Bananen gerne backen, auf die Art schmecken sie auch wirklich gut. Aber einfach nur in der Mikrowelle labbrig aufgewärmt? Wirklich? Wer will denn das überhaupt noch essen? Moment. Wo ist die denn hin? Wo … – die war doch eben noch hier? Meine Banane ist weg!

Verwirrt? Naja. Das ist schon in Ordnung. Denn wir waren alle verwirrt. Hauptsache die Organisation kommt nicht dem großartigen Hououin Kyouma auf die Schliche. Der verrückte Wissenschaftler hat nämlich eine ganz hervorragende Entdeckung gemacht. Wir reisen… durch die Zeit!

Zeit der Future Gadgets!

… aber vorher ist erst einmal ein Vortrag wichtiger. Ein renommierter Wissenschaftler hält direkt vor seiner Nase einen Vortrag über Zeitreisen, wie aufregend! Natürlich kann sich das Kyouma nicht entgehen lassen. Ein paar Diskussionen später, kurz nach dem Vortrag, hört dieser einen Schrei – und sucht nach der Quelle. Was er vorfindet ist dabei niemand anderes, als die hochintelligente Wissenschaftlerin Makise Kurisu. Tot. In einer großen Lache ihres eigenen Blutes. Kurze Zeit später schickt er eine Nachricht an seinen besten Freund und Laborkollegen Daru – doch auf einmal ändert sich die Welt um ihn herum. Alle Menschen auf den Straßen von Tokio sind urplötzlich verschwunden. Doch niemand, nicht einmal seine Kindheitsfreundin Mayuri, die ihn begleitet, scheint etwas davon mitbekommen zu haben.

All die Unstimmigkeiten sind ja das eine – aber dass sogar Tote wieder auferstehen? Denn obwohl er sie eindeutig tot gesehen hat, steht die 18-jährige Kurisu plötzlich wieder vor ihm, hält einen Vortrag darüber, dass Zeitreisen physikalisch unmöglich sind, und zerstört gleichzeitig auch noch sämtliche Argumente, die Kyouma verzweifelt versucht dem gegenzuhalten. Wer denkt die eigentlich, dass sie ist!? Rintaro Okabe – denn kaum jemand nennt ihn bei seinem Hirngespinst Kyouma – ist absolut außer sich. Natürlich müssen Zeitreisen real sein! Aber dass er es bereits mit seiner SMS geschafft hat die Vergangenheit zu verändern, das wird ihm erst nach und nach klar…

Töte Mädchen lügen nicht. Aber scheinbar ist Kurisu gar nicht tot?

Ich weiß, das war jetzt auch eine etwas längere Inhaltsangabe. Kein Wunder, denn Steins;Gate RE:BOOT ist natürlich auch in seinem Remake wieder ein Visual Novel und dreht sich von vorne bis hinten nur um seine Geschichte. Entsprechend steht und fällt auch alles damit. Der Anfang mag vielleicht ein bisschen langsam vonstatten gehen, aber spätestens im dritten Kapitel entwickelt das Spiel eine so enorme Sogwirkung, dass ich mich jeden Tag sehr darauf gefreut habe weiterzulesen – und das, obwohl ich die Geschichte nicht zum ersten Mal erlebe.

Exzellente Lektüre

Das liegt aber nicht nur am Spannungsbogen, nein Steins;Gate ist schlichtweg hervorragend geschrieben. Besonders der starke Wissenschaftsbezug hat es mir angetan und nichts wird einfach so hingenommen. Insbesondere nicht die Zeitreisen. Nein, ständig sieht man die Mitglieder des Future Gadget Labors beim Forschen und Werkeln, Experimente werden durchgeführt, Thesen aufgestellt und verworfen – bis sich schließlich nach und nach die Puzzleteile zusammenfügen. Und regelmäßig Bananen nachgekauft werden.

Gerade auch die Charaktere sind ebenso eine ganz große Stärke von Steins;Gate – denn selbst wenn diese zu Beginn stellenweise exzentrisch wirken, so wuchsen sie mir dennoch so unglaublich schnell ans Herz. Der Trupp aus den unterschiedlichen Persönlichkeiten, vom hochtrabenden Okabe, der naiven, ruhigen Mayuri, über den nerdigen Super-Hacka Daru und der wissensdurstigen Kurisu, funktioniert dabei perfekt. Gerade die Dialoge sind da meist so natürlich geschrieben, dass es sich tatsächlich wie ein richtiger Dialog zwischen Menschen anfühlt – und nicht nur wie ein steifer Austausch an Fakten, die für den Spieler wichtig sind.

Das gesamte Skript von Steins;Gate RE:BOOT basiert auf der ersten Neuerzählung, also Steins;Gate Elite, das wiederum auf der Animefassung aufbaut. Genau das Elite-Skript steht bei vielen Fans auch ziemlich in der Kritik, da an vielen Stellen der Rotstift angesetzt wurde und Okabes Mikrowellenreise deutlich gekürzt wurde. Elite selbst habe ich nicht gespielt – wohl aber das Original auf der PlayStation Vita sowie den Anime gesehen. Und sicherlich, auch wenn es jetzt schon so einige Jahre her ist, an einigen Punkten fehlten mir kleinere Szenen und Momente.

Gleichzeitig liegt das aber nur daran, dass ich eine „Langfassung“ vor Äonen bereits gespielt habe, nicht daran, dass es tatsächlich unvollständig oder unrund wäre. Denn Steins;Gate RE:BOOT ist für sich genommen fantastisch geschrieben und wirkt auf mich nicht überhetzt, sondern stets kongruent und nachvollziehbar. Ein paar Momente und Charaktere bekommen nur in der gekürzten Fassung etwas weniger Raum. Das ist mir vor allem bei Faris stärker aufgefallen, einer Maid aus dem Maid-Café, das Okabe und Daru regelmäßig besuchen. Diese könnte ein bisschen besser ausgearbeitet sein – denn hier merkt man die Skriptkürzungen am ehesten. Kennt man die Geschichte um das Future Gadget Laboratory allerdings noch gar nicht, dann bezweifle ich, dass das wirklich ins Gewicht fällt.

Audiovisuell re:booted

Dafür umso relevanter: Die Neuauflage verdient diese Bezeichnung zu Recht. Eigentlich alles… ist neu. Die beiden Grafiken direkt hierüber zeigen den alten und den neuen Artstyle im direkten Vergleich – mit deutlich schärferen Kanten und klareren Farben. Persönlich gefällt mir der alte Stil einen Tick mehr. Dieser wirkt zwar deutlich weicher und verwaschener, aber genau dadurch auf mich besonderer und einzigartiger. Der Grafikstil ist und bleibt allerdings Geschmackssache – etwas auszusetzen habe ich an dem Neuen auch nicht. Insbesondere nicht, wenn viele neue Event-Artworks hinzugefügt wurden, um das Geschehen noch einmal deutlicher zu untermauern und die Charakterportraits nun auch animiert sind. Diese kleinen Bewegungen hauchen dabei den Charakteren deutlich mehr Leben ein, ohne aufdringlich zu wirken und zu stark abzulenken.

Es wurde allerdings nicht nur die Optik deutlich überarbeitet, auch die Ohren werden voll verwöhnt. Nicht nur wurde der gesamte Soundtrack neu aufgenommen, auch sämtliche japanische Voicelines wurden komplett überarbeitet und frisch eingesprochen. Überhaupt – sämtliche Dialoge sind weiterhin voll vertont, das ist für mich immer ein besonderer Pluspunkt. Das gilt allerdings nur für japanische Sprachausgabe, weitere Sprachen werden nicht angeboten. Das halte ich auch bei eher nischigerem Spiel für eine nachvollziehbare Entscheidung.

Ein paar neue Dialoge hier und da gibt es ansonsten noch zu entdecken – für Steins;Gate-Kenner dürfte aber vor allem ein neues Ende mit einer neuen Weltlinie besonders interessant sein. Ich will an dieser Stelle natürlich nicht zu viel verraten, da das Ende erst sehr spät im Spiel erreicht werden kann. Ich fand die neue Perspektive allerdings sehr erfrischend und interessant, besonders da in dieser Weltlinie vieles sehr abweicht von dem, was ich in Alpha und Beta kennengelernt habe.

Alles schon mal erlebt?

Seien wir mal ehrlich – ob man Bücher mehrfach lesen möchte, ist oft eine Sache der Persönlichkeit. Ich lasse mich gerne auf Geschichten ein, in die ich bereits vor vielen Jahren eingetaucht bin. Gleichzeitig kenne ich viele Menschen, die lieber ausschließlich neue Geschichten Erleben. Wenn du, lieber Leser, auch zu diesen Menschen gehörst und bereits alles über Mikrowellen herausgefunden hast, dann wird dich ein weiteres Ende – selbst wenn es sehr gut ist! – eher nicht überzeugen. Ach, es ist dir unbekannt? Und du interessierst dich auch noch für Science-Fiction, Wissenschaft und/oder Zeitreisen? Na, dann lies doch mal rein – Steins;Gate wird dich nicht enttäuschen!

Den Hang zu aufgewärmten Bananen auf der Switch 2 entdeckt. Ein herzlicher Dank geht an Spike Chunsoft für die Bereitstellung des Testmusters.