God of War: Sons of Sparta (Review)

Artwork zu God of War: Sons of Sparta

Da ist es ja endlich! Meine Güte, wie lange hat uns das ominöse „2D God of War Metroidvania“ aus der Gerüchteküche begleitet. Seit knapp einem Jahr verging keine Sony-Präsentation ohne enttäuschte Stimmen, dass wir wieder nicht mit Kratos nach Griechenland zurückkehren können. Und jetzt plötzlich, als das „One more thing“ bei der letzten State of Play neben den Remakes der Originaltrilogie, war es schließlich da. God of War: Sons of Sparta. DAS Metroidvania auf das viele Fans des Kriegsgottes gewartet hatten! Direkt, als Shadow-Drop, sofort verfügbar! Nur machte sich schnell auch Unmut und Ernüchterung breit. Gerechtfertigt? Na, das schauen wir uns doch einmal an!

Für Sparta!

Zugegeben, der erste Trailer sorgte bei mir zunächst auch für Skepsis. Zum einen fehlte mir im Gezeigten die Wucht, wie ich es eigentlich von den Abenteuern des (zukünftigen) Gott des Krieges kenne. Eine große, bekannte Marke ist dabei Fluch und Segen zugleich, wenn man diese aus dem Bekannten herauslöst und etwas Neues versucht. Aber auch inhaltlich, war ich erstmal vorsichtig. Allein schon wegen der zeitlichen Einordnung. Ein gutes Stück, bevor die blinde Wut auf das Pantheon ihn so rasend gemacht hat, dass kaum ein Funke Menschlichkeit übrig war, gegipfelt in absoluter Grausamkeit, die nicht nur für Sebastian zu weit gingen. Und auch bevor er zu einem General für Sparta ernannt wurde und mit uns in Chains of Olympus oder Ghost of Sparta durch Griechenland gezogen ist.

Nein, dieser Kratos hier ist noch inmitten seiner Ausbildung, ein Kadett bei der Armee. Gerade einmal 13 Jahre alt. Den Kopf voll mit spartanischem Gehorsam, aber auch hier und da etwas jugendlichem Leichtsinn. Immer dabei: sein jüngerer Bruder Deimos.

Kratos berichtet seiner Tochter Calliope von einem Abenteuer als junger Spartaner

Typisch für das God of War Franchise werden wir direkt in einen Kampf geworfen. Eine Auseinandersetzung mit einem gewaltigen Zyklopen entfacht und bringt uns direkt das Kampfgefühl näher. Auf den ersten Blick wirkt es typisch: schnelle, schwächere Hiebe – oder stärkere, aber dafür langsamere. Im Sprung ändern sich die Angriffsmuster ein bisschen, dazu kommen noch Schild-Blocks, inklusive Pariermöglichkeit und Ausweichrollen.

Interessanter wird es aber, wenn man Spirit-Attacken dazu rechnet. Diese teilen zwar etwas weniger aus, sorgen aber dafür, dass die Widersacher grüne Orbs fallen lassen, die die eigene Lebensenergie auffrischen. Gleichzeitig sorgt ein Treffer mit einer Spirit-Attack auch dafür, dass die Stun-Leiste des Gegners deutlich ansteigt. Ist diese voll, kann mittels Dreieck ein Finisher ausgelöst werden, um einen großen Schwall verschiedenfarbiger Orbs zu ergattern. Eigentlich recht ähnlich zu den großen Titeln der Reihe, nur ohne das darauffolgende Quick-Time-Events oder allzu grafisches Auseinanderfriemeln der Gedärme. Überhaupt ist God of War: Sons of Sparta was Gewalt und Brutalität angeht wesentlich zahmer als man es von der Franchise gewohnt ist.

Kämpfe als Gedächtnistest

Dass jeder einzelne dieser Spirit-Angriffe die eigene goldene Spiritleiste schrumpfen lässt sorgt dafür, dass diese nicht ununterbrochen gespammt werden können. Auffüllen lässt sich diese wieder mit Standardangriffen, so dass ein stetiger Wechsel sinnvoll ist. Oder naja, meistens reichen zugegebenermaßen normale Speerpikser vollkommen aus. Allzu viel halten die meisten Kreaturen sowieso nicht aus und der höhere Schaden macht dabei die fehlende Heilung deutlich wett.

Screenshot aus God of War: Sons of Sparta. Zeigt einen Bosskampf.
Braves Vögelchen!

Zusätzlich blitzen um die einzelnen Widersacher bei Angriffen regelmäßig verschiedenfarbige Auren auf. Neben den aus vielen Spielen bekannten, „roten“ Angriffen, die nicht geblockt werden können, also ein gekonntes Ausweichen erforderlich wird, gibt es aber noch weitere Farbkodierungen, auf die man als Kadett achten muss. Und ob es nun die Blauen sind, bei denen man zwingend den Schild zum Block erheben muss, die Gelben, die sogar pariert werden müssen oder die lila-farbenen, wo gar nichts hilft, außer schlicht aus dem Angriffsbereich ganz zu verschwinden – es läuft dabei die meiste Zeit auf einen Gedächtnistest hinaus, ob man sich die passende Aktion zur Farbe merken kann.

Diese ewige Checkliste sorgte bei mir dafür, dass sich beim Kampf oft kein natürlicher Flow entwickeln konnte und was sich auf dem Papier nach taktischer Vielfalt anhört, fühlt sich in der Praxis eher nach Farbvokabeltest an. Irgendwann habe ich die Farben größtenteils ignoriert und bin einfach fast nur noch bei Farbangriffen ausgewichen. Im Zweifelsfall eben mit entsprechendem Sicherheitsabstand. Wahrscheinlich mag der ein oder andere Kampf sich dadurch mehr in die Länge gezogen haben als notwendig, dennoch sorgte es dafür, dass mir das Kämpfen wieder wesentlich mehr Spaß bereitet hat. Hin und wieder wurde es noch ein bisschen unübersichtlich. Der Bildausschnitt ist schließlich recht groß, und Kratos im Verhältnis eher klein, aber bis auf ein paar wenige Fälle mit sehr viel Gewusel auf dem Bildschirm war das kein großes Problem.

Die Gunst der Götter

Aber wir sind ja nicht nur im Antiken Griechenland um Satyrn, Medusen und co. zu erledigen oder mit Circe Schweine zu zählen. Viele Ländereien wollen auf der Suche nach dem vermissten Kadett Vasilis durchstreift werden, Herausforderungen gemeistert und Rätsel gelöst. Auf der Wanderschaft kommen wir an verschiedenen Tempeln vorbei und Erbitten den Segen der Götter. Der junge Kratos ist noch sehr gläubig, ehrt die Götter und bringt ihnen regelmäßig Opfergaben, wenn wir diese auf den Abenteuern finden. Im Gegenzug erhält der Spartaner neue Kräfte, die dafür Sorgen, dass bisher nicht erreichbare Wege plötzlich passierbar werden. Plötzlich können wir Dornen verbrennen und mit einer Schleuder bestimmte Schalter betätigen um nur zwei der zusätzlichen Fähigkeiten zu erwähnen.

Screenshot aus God of War: Sons of Sparta. Zeigt einen Moment in einem Göttertempel, bei dem Kratos und Deimos sich verneigen.
Kratos und Deimos zollen den Göttern Respekt

Ich persönlich bin ja immer ein großer Fan davon, dass diese typischen Metroidvania-Upgrades perfekt in das bisherige Gameplay eingewebt werden und effektiv nicht nur fancy unterschiedliche Schalter darstellen. Bonuspunkte, wenn das Movement des Charakters sich drastisch anpasst. Das ist jetzt die Gelegenheit um Silksong, aber auch Prince of Persia: The Lost Crown lobend zu erwähnen, als typische Positivbeispiele. God of War: Sons of Sparta schafft dabei diesen Sprung leider nicht wie ich es mir gewünscht hätte. Allerdings bekommt man im Spielverlauf eine Fähigkeit, die voll in dieses Raster fällt und von dort an das Traversal drastisch verändert.

Es ist aber nicht so, als wären zum Beispiel die bereits genannten Feuer- Angriffe oder die Schleuder ansonsten nutzlos: den meisten Gegnern kann man sogar hervorragend Feuer unter dem Hintern entfachen. Gibts natürlich auch nicht unbegrenzt – dafür gibt es eine begrenzende Mana-Leiste. Aber je nach Situation können diese trotzdem eine ordentliche Hilfe im Kampf darstellen.

Im Labyrinth von Sparta

Nun eröffnet sich also mit jedem bisschen göttlicher Magie oder den Artefakten, die wir finden, die Welt ein bisschen mehr, wir weichen Umgebungsgefahren aus und lösen Rätsel – allen voran Navigationsrätsel, nutzen dabei Kisten, Windstöße und unsere Fähigkeiten um sich den Weg vorwärts zu bahnen. Zugegeben, ein paar Rätsel hätten durchaus knackiger sein dürfen, aber nichtsdestotrotz freue ich mich jedes Mal über eine gelungene Abwechslung. Dabei grasen wir jeden noch so kleinen Teil der Karte ab. Und die ist ganz schön groß! Zum Entdecken gibt es dabei auch so einiges. Neben den Tempeln, in denen wir Kratos‘ Repertoire erweitern, finden wir unterwegs Ausrüstungsgegenstände, Kisten mit roten Blutorbs, jede Menge Crating Material und einiges mehr. Unter anderem auch Olivenbäume, bei denen wir erst besondere Kampfherausforderungen bestehen müssen, bevor wir die begehrten Früchte pflücken können. Diese sind nämlich die perfekten Opfergaben für die Götter, die im Gegenzug verschiedene Werte von Kratos verbessern.

Besonders gut haben mir dabei Herausforderungsräume gefallen, bei denen zur Abwechslung der Fokus nicht auf den Kämpfen lag. Stattdessen gilt es einen Zielpunkt so schnell wie möglich zu erreichen und sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eine ideale Route zu erschaffen. Als kleiner Bonus gibts für Kompletionisten auch für jeden Kartenbereich eine Auflistung was es noch zu finden gibt, inklusive Prozentanzeige. Da ich gerne dazu neige, wirklich alles finden zu wollen, ist das natürlich eine tolle Sache. Ich bin nämlich gut darin mich zu verzetteln, weil irgendeine Ecke etwas verdächtig aussieht.

Kratos bastelt

Während wir also mit Kratos weiter durch Laconia streifen machen wir regelmäßig an Lagerfeuern halt. Diese füllen sämtliche Energiebalken wieder komplett auf, lassen aber die erledigten Gegner erneut spawnen. Ganz so, wie wir es inzwischen eh aus vielen weiteren Titeln kennen. Als fleißiger Spartaner ist es natürlich auch möglich neue Talente zu erlernen, die uns im Kampf behilflich sein können. Dafür steht ein kleiner Skilltree bereit, bei dem wir gegen Blutorbs ein paar neue aktive und passive (Angriffs-)Techniken freischalten können. Also so wie bereits seit dem allerersten God of War. Gleichzeitig ist so eine Ruhepause ein idealer Zeitpunkt um ein bisschen am Speer zu Schrauben, Teile auszutauschen und diese aufzuwerten. Besonders die passiven Perks mancher Einzelteile sollte man im Blick behalten, so ein bisschen zusätzlicher Flammenschaden kann manchmal schon ganz hilfreich sein.

Screenshot aus God of War: Sons of Sparta. Zeigt eine Landschaft durch die Kratos läuft.
Laconia kann sich sehen lassen

Beim Menüinterface, insbesondere wenn es ums Schmieden und Crafting geht, sieht man auch klar, dass die nordischen Teile die Muse waren. Blockiger, mit klaren Kanten, beißt es sich auch etwas mit dem Pixelstil des Spiels. Und klar, spätestens hier kommen wir in absolutes „Geschmackssache“-Territorium, aber ich finde den stellenweise richtig hübsch! Vor allem die Hintergründe können sich an so manchen Stellen wirklich sehen lassen! Nur so manche Animation – insbesondere die Laufanimationen der Charaktere – wirken mir etwas zu hektisch und unnatürlich.

Oh, und bevor ich es noch vergessen: Lasst euch im Übrigen nicht davon verwirren, dass das Spiel mit einem Koop-Modus angepriesen wird. Erst nach Beenden des Hauptspiels schaltet man einen Challenge-Modus frei, bei dem man mit beiden Brüder allerlei Herausforderungen angehen kann. Das Hauptspiel selbst ist nur solo Speer-Pikserei.

Kein Segen vom Olymp

Wenn ich jetzt auf OpenCritic klicke – und keine Sorge, ich habe zwei, drei Fazits direkt zu Beginn gelesen, aber mich nicht durch andere Texte beeinflussen lassen – hüpft mir eine 67 ins Auge. Ein ziemlicher Tiefpunkt für eine so große Reihe. Ich will gar nicht groß darüber debattieren, ob diese gerechtfertigt ist oder nicht. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass das Spiel, würde es nicht diesen großen Namen tragen, besser wegkommen würde.

Ich nehme mich dabei nicht aus. Man lässt sich nun mal gerne von Namen blenden. Ob in die eine oder andere Richtung. Denn hätte man mir das gleiche Spiel vorgesetzt, bei dem man einfach nur zwei junge Spartaner bei einem Abenteuer durch ihr Land begleitet, dann wäre das Spiel zwar fast identisch, aber die Erwartungen an ein bombastischeres (doch, doch, das geht auch in 2D!) und wuchtigeres Abenteuer würden nicht die ganze Zeit im Hinterkopf lauern. Als Metroidvania selbst ist God of War: Sons of Sparta solide Standardkost in all seinen Teildisziplinen. Und während nichts besonders negativ hervorsticht, sticht auch kein Teilbereich besonders positiv hervor. Durch die hohe Metroidvania-Dichte auf dem Indie-Markt ist es schwer, gerade Sons of Sparta zu empfehlen. Auch wenn es ein gutes Stück besser als sein Ruf ist.

Vielen Dank an Sony für die Bereitstellung des Testmusters. Den Speer auf PlayStation 5 geschärft.