Einer der ersten großen Hits der französischen Spielschmiede Ubisoft war Michel Ancels Rayman, das im Original für den kurzlebigen Atari Jaguar erschienen ist, dann aber schnell auch auf Sega Saturn, PlayStation und PC verfügbar gemacht wurde. Im vergangenen Jahr hat Rayman seinen dreißigsten Geburtstag gefeiert und um diese Gelegenheit angemessen zu würdigen, hat Ubisoft eine Sammlung von emulierten Spielversionen des Original-Raymans veröffentlich.
Rayman Anniversary Edition konzentriert sich zwar ausschließlich auf den ersten Teil der Reihe, schöpft diesen in seinem Spielangebot aber ziemlich aus. Zunächst einmal ist das erste Rayman in allen wesentlichen Versionen in der Sammlung enthalten. Spielbar sind die Versionen für den Jaguar, die PlayStation, den PC und den Game Boy Advance. Auch der gleichnamige Game Boy Color-Titel, der allerdings mit einem vollständig eigenen Leveldesign daher kommt und daher meines Erachtens nicht als eigene Spielversion, sondern als separates Spiel zu verstehen ist, ist enthalten. Hinzu kommt eine ganz frühe Rayman-Demo für das Super Nintendo, die vor einigen Jahren von einigen Originalentwicklern bekannt gemacht wurde, allerdings noch einen sehr unvollständigen Prototypen-Charakter hat.

Erstmals auf Konsolen verfügbar – und in vielen Ländern der Welt auch erstmals überhaupt – sind die drei Erweiterungspakete, die in den Jahren nach dem Erscheinen des ersten Raymans veröffentlicht wurden. Rayman’s New Levels aus Rayman Designer (in Deutschland: Rayman Gold), Rayman by his Friends und Rayman 60 Levels bieten insgesamt ca. 120 zusätzliche Level. Insbesondere die Rayman’s New Level fallen hierbei über einen ziemlich hohen Schwierigkeitsgrad auf, der den ohnehin knackigen Schwierigkeitsgrad des Hauptspiels noch einmal in den Schatten stellt. Eine wichtige Rolle spielt dabei, dass man in Rayman’s New Levels und Rayman by his Friends nicht einfach nur das Ziel des Levels erreichen muss, sondern unterwegs auch alle blauen Tings – 100 an der Zahl – auflesen muss, damit das Zielschild überhaupt erscheint. Mit einem knappen Lebensvorrat je Level und unzähligen äußerst fiesen Sprungpassagen ist der Druck auf den Spieler enorm hoch. Immerhin: Die Emulation erlaubt es, optional unendlich Leben einzustellen, oder aber mit der LT-Taste bei einem Fehler ein paar Sekunden zurückzuspulen.
Diese Optionen stehen auch bei den verschiedenen Versionen des Hauptspiels zur Verfügung, allerdings wird bei der Verwendung der Modifikationen das Achievement-System deaktiviert. Die Rückspulfunktion kann man allerdings dessen ungeachtet dennoch verwenden, was etwas kurios anmutet, da diese Funktion im Regelfall einen deutlich größeren Einfluss auf das Spiel hat, als die übrigen Modifikationen – mit Ausnahme der Freischaltung aller Level. Die Umsetzung der verschiedenen Rayman-Versionen ist originalgetreu, wobei man bei allen Spielen die Wahl hat, das Spiel mit einem Rahmen, der an den jeweiligen Bildschirm erinnert, zu spielen, oder aber zu zoomen. Die PlayStation-Version von Rayman bietet zudem die Möglichkeit, sie in 16:9 statt in der eigentlich üblichen 4:3 Ansicht zu spielen. Dadurch dürfte sie für Spieler, die nur eine Version spielen wollen, wohl die beste Wahl sein.

Dass die anderen Versionen ebenfalls enthalten sind, hat aber durchaus einen Sinn, denn die verschiedenen Versionen von Rayman unterscheiden sich an einigen Stellen drastisch. Die Game Boy Advance-Version ist etwas leichter, mit mehr Leben und Lebenspunkten, verliert aber leider eine Hand von Levelabschnitte und zeigt auch einen kleineren Bildausschnitt als die anderen Versionen. Inhaltlich basiert sie auf der PC-Version. Diese unterscheidet sich von der PlayStation-Version vor allem dadurch, dass die Käfige – die Hauptsammelgegenstände in den Levels, die man sämtlich sammeln muss, um den letzten Endgegner zu bekämpfen – teilweise anders platziert wurden. Hinzu kommen kleinere Unterschiede im Leveldesign.
Noch einmal erheblicher ist der Unterschied zur Atari Jaguar-Version, die eine andere Spielphysik bietet und sich allein dadurch schon erheblich anders spielt. Auch einige Levelabschnitte wurden deutlich anders gestaltet und die Musik ist, dem Modulformat geschuldet, etwas schlichter als auf PlayStation und PC. Egal für welche Version man sich entscheidet, Rayman ist bis heute ein äußerst hübsches und abwechslungsreiches 2D Jump & Run, das aber stellenweise durch enorme Schwierigkeitsspitzen auffällt und ohne Zuhilfenahme der Unterstützungsfunktionen einige ausführliche Suchen nach Extraleben mit sich bringen dürfte. Nervig ist hierbei insbesondere, dass volle Extraleben nur einmalig aufgelesen werden können. Einzig durch das Sammeln von 100 blauen Tings kann man Leben „farmen“.

Die Umsetzung der Spiele ist gut gelungen, es gibt aber eine Hand voll Ärgernisse, die die Rayman 30th Anniversary Collection derzeit noch zurückhalten. Zunächst wäre da der Umstand, dass die gesamte Musik – selbst die der Game Boy Color Fassung – neu aufgenommen wurde. In vielen Fällen werden hierzu die Original-Kompositionen nur leicht neu interpretiert, bei einigen Stücken wurde aber eine komplett neue Komposition eingesetzt. In meinen Augen ist die neue Musik gut gelungen, so dass mich das nicht sonderlich gestört hat, aber manche Fans sind ziemlich unglücklich darüber, dass die Originalmusik nicht enthalten ist.
Ein weiteres Problem ist, dass jedenfalls auf der Xbox ein Level, „Scale the Scales“ aus dem Bonusmaterial nicht geladen werden kann. Das Spiel stürzt bei jedem Versuch, das Level zu starten, ab. An Scale the Sacles hängen außerdem noch zwei Nachfolgelevel in der gleichen Welt von Rayman’s New Levels, so dass dringend zu hoffen ist, dass Ubisoft dieses Problem alsbald behebt. Schließlich gibt es derzeit noch einen Speicherbug, so dass man seinen Fortschritt in der PC- und der Atari Jaguar-Version des Spiels nicht speichern kann. In Anbetracht dessen, dass das Spiel recht umfangreich ist und die Quick Start Funktionalität der Xbox bei dem Spiel offenkundig nur sehr sporadisch funktioniert, ist das ziemlich ärgerlich. Immerhin kann man in der PS1-Version aber problemlos speichern.

Rayman: 30th Anniversary Edition ist etwas schwierig zu bewerten. Dem Inhalt nach ist es eine nahezu perfekte Sammlung rund um das erste Rayman-Abenteuer zu einem fairen Preis. Die fehlende Originalmusik ist ärgerlich, aber verschmerzbar und bis hierhin wäre das Spiel aus meiner Sicht auch klar mit der grünen Ampelwertung zu bewerten. Der Speicherbug und das nicht ladende Level aus Rayman’s New Level stehen dem aber derzeit noch im Weg. Daher vergebe ich zum jetzigen Zeitpunkt die gelbe Ampelwertung; wenn Ubisoft die Fehler behebt, würde ich die Wertung auf grün angeben.

Vielen Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Xbox Series X.