Lil Gator Game: In the Dark (Review)

Der verspielte Kleine Alligator aus Lil Gator Game hat es zwar geschafft, seine Schwester allen Studienbemühungen zum Trotz wieder zum Spielen zu bewegen, doch damit ist die Geschichte unseres grünen Freundes nicht auserzählt. Dieser Tage wurde nämlich ein umfangreicher Downloadinhalt für Lil Gator Game mit dem Namen „In the Dark“ veröffentlicht, der das nächste Abenteuer des Alligatoren erzählt.

Wenn man In the Dark spielen möchte, muss man zunächst das Hauptspiel von Lil Gator Game durchspielen. Wichtig für Besitzer des Hauptspiels ist, dass In the Dark in zwei verschiedenen Fassungen erhältlich ist. Einerseits gibt es In the Dark als Downloadinhalt für das Hauptspiel, andererseits im Paket mit dem Hauptspiel unter dem Namen Gator of the Year Edition. Die Gator of the Year Edition ist allerdings nicht kompatibel mit den Spielständen des alleinstehenden Hauptspiels. Wenn man seinen Spielstand also fortsetzen möchte, muss man zum alleinstehenden Downloadinhalt greifen. Wichtig ist das vor allem für Freunde physische Datenträger, denn physisch ist In the Dark ausschließlich in der Gator of the Year Edition erhältlich.

Obwohl In the Dark als Downloadinhalt verkauft wird, nutzt es die Spielwelt des Originals nicht und hätte genauso gut auch als Sequel erscheinen können. In einem kurzen Einführungsgespräch auf dem Spielplatz erfährt man von einem umfangreichen Höhlensystem, das man natürlich gleich erkunden möchte. Dieses Höhlensystem ist der eigentliche Schauplatz des Geschehens. Unmittelbar nach dem Eintreffen im Höhlensystem macht man Bekanntschaft mit dem fiesen Dunkelmeister, der mit einer ganzen Gefolgschaft von Vasallen das Höhlensystem beherrscht.

Hierbei handelt es sich aber natürlich nur um die Fantasie eines anderen Kindes – einem sehr jungen Kind zumal – das mit seinen Freunden den fiesen Dunkelmeister spielt. Es ist nun an unserem schuppigen Freund, die „Vasallen“ des Dunkelmeisters umzustimmen und für den strahlenden Helden der Geschichte den Sieg über den Dunkelmeister davonzutragen.

Spielerisch knüpft In the Dark natürlich eng an Lil Gator Game an, das heißt, dass der Alligator springen und rennen kann, aber auch alle Fähigkeiten, die man im Hauptspiel freigeschaltet hat, nutzen kann. Hinzu kommen eine Reihe neuer Spezialfähigkeiten. So erhält man beispielsweise früh im DLC eine Spitzhacke die es einem nicht nur erlaubt, im hohen Bogen in der Luft hackend nach vorne zu schnellen, sondern zudem ermöglicht, Steinhaufen zu zertrümmern. Diese Fähigkeit ist essenziell für den DLC, denn immer wieder muss man durch Steinhaufen durchbrechen, um einen weiteren Abschnitt der Welt zu entdecken.

Die Untergrundwelt von Lil Gator Game ist in drei Areale unterteilt, die aber nahtlos ineinander übergehen. In jedem dieser Areale gibt es einen eigenen Satz Freunde zu gewinnen. Hat man mindestens vier der Freunde in einem Areal hinter sich vereint, kann man sich an die Hauptmission des jeweiligen Gebiets begeben und den jugendlichen Chefvasallen des jeweiligen Gebietes in einer Art Minispiel für sich gewinnen. Hat man alle drei Vasallen auf seine Seite gebracht, kann man dem Dunkelmeister entgegentreten.

Wie schon das Hauptspiel ist auch In the Dark weitgehend anspruchslos und stelle vor allem die niedliche Präsentation und die Geschichte über Freundschaft – in diesem Fall mit einem Schwerpunkt auf das Respektieren der individuellen Interessen im gemeinsamen Spiel – in den Mittelpunkt. Eine Ausnahme stellt hier die Mission im blauen Gebiet dar, in der man an einem Rennen teilnehmen muss, in dem man sich schon ein wenig konzentrieren muss, zügig von Checkpoint zu Checkpoint zu gelangen.

Die Aufgaben, die man für die einzelnen Freunde erledigen soll, sind meistens sehr überschaubar und nur selten gehen diese Aufgaben über das Beantworten einiger Fragen oder wiederholtes Ansprechen der Spielfigur hinaus. Die flache Schwierigkeitskurve hat aber zur Folge, dass das Spiel problemlos vollständig offen gestaltet sein kann. Welche Freunde man in welcher Reihenfolge gewinnt und welche Missionen man zuerst angehen möchte, ist jedem Spieler individuell überlassen und keine Reihenfolge führt zu einer unsteten Spielerfahrung.

Die Spielwelt in In the Dark ist etwas kleiner als die Spielwelt des Hauptspiels und auch die Zahl der Freunde ist etwas geringer. Im Gegenzug ist das Spiel etwas strikter dahingehend geworden, welche Freunde man rekrutiert. Während man im Hauptspiel abgesehen von den drei großen Missionen die Freunde weitgehend beliebig wählen konnte, muss man in In the Dark die Freunde in dem jeweiligen Gebiet gewinnen. Ein ernsthaftes Hindernis stellt das aber nicht dar und thematisch ist es auch plausibel, dass man die Freunde aus dem jeweiligen Abschnitt benötigt, um den Hauptvasallen für sich zu gewinnen.

Technisch ist In the Dark trotz des Wechsels vom Außen- zum Innengebiet überzeugend. Insbesondere die niedlichen Animationen stechen nach wie vor hervor. Auf der Nintendo Switch gibt es in der Präsentation nur zwei kleine Mängel. Einerseits ist es so, dass das Spiel beim Nachladen der Musik an den Gebietgrenzen sichtbar ins Stocken gerät – das deutet auf einen kleinen Konfigurationsfehler hin – die Hintergrundmusik scheint nicht auf Streaming sondern auf Laden beim Abspielen gestellt zu sein, was auf der Nintendo Switch durch die notwendige Dekodierung leider nicht ohne Framerateeinbuße möglich ist. Das andere kleine Problem ist die recht geringe Sichtweite, die bei der Orientierung von hohen Aussichtspunkten ein wenig im Weg steht – ohne die Spielerfahrung im Ganzen aber sonderlich zu beeinträchtigen.

Lil Gator Game: In the Dark ist ein DLC, der ohne weiteres auch als Sequel durchgehen könnte und das Hauptspiel mit neuen Fähigkeiten und einem komplett neuen Gebiet mit eigener Geschichte erweitert. Wer das Originalspiel gemocht hat, wird auch an In the Dark mit Sicherheit seine Freude haben. Die Schwächen des Spiels – die sich im Grunde auf die mangelnde spielerische beschränken – sind ebenfalls nach wie vor mit von der Partie, so dass umgekehrt In the Dark Spieler, die das Original langweilig fanden, keineswegs wird begeistern können. Wie schon das Hauptspiel kann auch der DLC stark abhängig davon bewertet werden, was man von dem Spiel erwartet. Als Cozy-Spielerfahrung kann sich In the Dark eine grüne Ampelwertung verdienen, aus spielmechanischer Sicht eines 3D Jump & Runs reicht es hingegen nur für gelb.

– als Emotionale Spielerfahrung.

– als 3D Jump & Run.

Vielen Dank an Playtonic Friends für die Bereitstellung des Testmusters.