Here Comes Niko! (Review)

Die Kombination von 3D Jump & Run und Cozy-Spiel erscheint stilistisch einigermaßen naheliegend, spielerisch ist das aber eine gewisse Herausforderung. Wir haben in der Top 100 3D Jump & Runs-Reihe in der Vergangenheit mit Lil Gator Game bereits einen Anlauf für eine solche Kombination unter die Lupe genommen. Here Comes Niko! geht nun einen Weg, der sich etwas stärker an etablierten Jump & Run-Designkonzepten orientiert.

In Here Comes Niko! schlüpft man in die Rolle des namensgebenden Niko, der eine Karriere als professioneller Freund ergreifen möchte. Ein professioneller Freund ist im Grunde genommen so etwas wie ein Hochzeitsschwindler, nur ohne böse Absichten, das heißt, dass man anderen Menschen gegenüber freundlich ist und im Gegenzug Münzen kassiert. Diese eigenwillige Kommerzialisierung von Freundschaft wird in Here Comes Niko! allerdings durchaus niedlich präsentiert und dient wohl mehr dazu, das Cozy- und das Collectathon-Spielkonzept zusammenzubringen, denn als zynischer Kommentar zu Freundschaft an sich.

Farbgebung und auch einige Anspielungen in der Geschichte auf Schwierigkeiten in der Selbstfindung und der Kommunikation mit der Mutter Nikos legen nahe, dass Niko transident ist. Wem diese Thematik am Herzen liegt, der kann also sicherlich in dieser Hinsicht etwas aus dem Spiel mitnehmen, wem das Thema als Videospielthema nicht wichtig ist, dem wird das Thema aber auch nicht allzu offensiv zugetragen.

Strukturell ist Here Comes Niko! im Grunde genommen ein klassisches Collectathon-3D Jump & Run. Es gibt mehrere weitgehend offen gestaltete Level, die jeweils eine Reihe von Aufgaben – Freundschaftsdiensten – beinhalten. Jede erledigte Aufgabe wird mit einer Münze entlohnt und nur, wer genügend Münzen sammelt, der kann von der Giraffe ein Ticket zum nächsten Level erstehen. Die Münzen zählen auf einem gemeinsamen Zähler über alle Level ein, so dass man durch zusätzliche Münzen in einem früheren Level einige Münzen in einem späteren Level liegen lassen kann. Am Ende des Spiels ist mir aufgefallen, dass es in den früheren Levels – die ich jeweils leergeräumt hatte – beim erneuten Besuch noch zusätzliche Münzen zu verdienen gab. Ich kann aber leider nicht sagen, ob diese Möglichkeit erst nach dem Abspann eröffnet wurde, oder ob im Verlauf des Spiels die früheren Level bereits mit zusätzlichen Aufgaben versehen wurden. Offenkundig ist es allerdings so, dass man auch ohne Rückreise weitgehend problemlos durch das Spiel kommt.

Bei dem Aufgabendesign setzt Here Comes Niko! auf eine Mischung aus individuellen Aufgaben in den einzelnen Levels und Aufgaben, die in Form einer Serie kommen. So gibt es beispielsweise in jedem Level einen schwierig zu erreichenden, hoch gelegenen Ort, an dem man von einem Abenteurer eine Münze erhält – für mich die Highlight-Aufgabe eines jeden Levels – oder eine Figur, die in jedem Level eine andere Ballspielvariante in loser Anlehnung an Volleyball mit einem spielen möchte. Neben diesen wiederkehrenden Aufgaben gibt es aber auch eine Reihe von Aufgaben, die nur einmalig vorkommen, beispielsweise eine Mordermittlung im Pool-Level.

Leider sind viele Aufgaben spielerisch ziemlich unspektakulär und erstrecken sich im Wesentlichen darauf, mit bestimmten Personen zu sprechen oder Items aufzusammeln. Hierzu sind in den meisten Fällen keine kniffligen Sprungpassagen zu bewältigen, sondern einfach ein offenes Auge zu bewahren. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad des Spiels sehr niedrig, was einem Cozy-Spiel durchaus angemessen erscheint, stellenweise aber auch dafür sorgen kann, dass das Spiel etwas langweilig wird.

Interessant ist allerdings, dass die Spielmechanik für ein Cozy-Jump & Run erstaunlich gründlich ausgearbeitet ist. Gerade im Vergleich zu Lil Gator Game kann die Agilität Nikos glänzen. So kann Niko beispielsweise einen Wandsprung ausführen, der viel dazu beiträgt, auch luftige Höhen im Spiel erreichen zu können. Der Hechtsprung erlaubt in bester Mario 64-Manier, sich schneller fortzubewegen und auch wenn Niko sicher nicht an die Präzision eines Marios herangelangt, im Vergleich zum wackeligen Gator ist Niko ein äußerst stabil laufender Plattformheld.

Optisch setzt Here Comes Niko auf eine Mischung aus 3D-Comicwelten und 2D-Spielfiguren im Stil von Paper Mario. Durch den Drop-Schatten ist die Orientierung im Raum zum Glück weitgehend problemlos, selbst, wenn es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, eine 2D Figur in einem 3D Jump & Run zu steuern.

Here Comes Niko! ist ein ordentliches, wenn auch stellenweise etwas langweiliges 3D Jump & Run mit einer niedlichen Hauptfigur und einigem skurrilen Humor. Die etwas zu große Zahl an belanglosen Spielaufgaben stößt etwas sauer auf, doch wird insgesamt solide Kost geboten. Wer Jump & Runs und Cozy-Spiele mag, dürfte mit Here Comes Niko! gut bedient werden, auch wenn es in den einzelnen Genres merklich bessere Spiele gibt.

Getestet auf Nintendo Switch.