Neulich war ich im alten Ägypten. Um ausnahmsweise einmal meine Farm nicht in einem Tal oder in der Gegenwart oder mit Magie aufzubauen. In der Farmsimulation Ancient Farm stehen die gute alte Handarbeit und ein wenig Unterstützung durch Ochsen im Vordergrund.
Survival Crafting ohne Survival
Obwohl Ancient Farm nun bei Weitem nicht meine erste Farmsimulation ist, habe ich mit dem optionalen Tutorial angefangen. Zwar reicht es weitgehend aus, alle Texte zu Gegenständen zu lesen, aber ich fand das Tutorial durchaus hilfreich und ausführlich. Außerdem bietet der Titel keinerlei Story und lediglich ein einziges Ziel, auf das es hinzuarbeiten gilt. Zudem sind die Anforderung für dieses Ziel nur auf den ersten Blick anspruchsvoll. Entsprechend bietet das Tutorial fast den einzigen Anreiz, unterschiedliche Dinge auszuprobieren.
Als First-Person-Spiel mit Spitzhacke und Axt mag Ancient Farm auf den ersten Blick wie ein typischer Survival-Crafting-Titel anmuten. Zusätzlich erstelle ich im Rahmen des Tutorials ein Haus samt Einrichtung, in dem ich Mahlzeiten zubereiten kann. Allerdings esse und schlafe ich nicht. Eine Nacht gibt es noch nicht einmal. Stattdessen ersetzt ein Zyklus den Tag und mit jedem neuen Zyklus wollen Pflanzen und Tiere bewässert und gegebenenfalls gefüttert werden.
Doch bevor ich Bäume fällen und Steine klopfen kann, brauche ich natürlich das passende Werkzeug. Äste und kleine Steine sammle ich händisch auf (wobei nie Hände sichtbar sind). Die Gießkanne wird durch einen Wasserkrug aus Lehm ersetzt. Sicheln gibt es zwei verschiedene – eine für wild wachsende Gräser, die andere für erntereife Feldfrüchte. Ob beide Werkzeuge auch in anderen Sprachen dieselbe Bezeichnung nutzen, kann ich nicht sagen, allerdings gibt es andere Fälle, in denen das Tutorial andere Begriffe als die Herstellungsmenüs nutzt.
Bäume oder höhere Sträucher wie Kaffeepflanzen und Birnbäume ernte ich mit einem speziellen Werkzeug ab. Im Gegensatz zu anderen Nutzpflanzen lassen sich diese auch mehrfach ernten.
In einem sehr unglücklichen Moment habe ich leider einigen Fortschritt verloren. Im Menü befinden sich Speicher- und Ladeoption direkt untereinander und beide Optionen fragen nicht nach. Ein einzelner, falscher Klick sorgt also dafür, dass das Spiel zum letzten Speicherpunkt zurückgesetzt wird.

Drei Jahreszeiten
Ancient Farm ist in drei Jahreszeiten aufgeteilt. Wetter gibt es keines, dennoch gilt shemu im Spielrahmen als Trockenzeit und ist die kürzeste Jahreszeit. Akhet und peret sind die beiden anderen Jahreszeiten. Samen lassen sich zu jeder Jahreszeit einpflanzen, vertrocknen jedoch, stecke ich sie zur falschen Zeit in die Erde.
Zumeist wachsen die Pflanzen in zwei Jahreszeiten gut, außerdem hält sich der Händler auf dem Fluss nur zu Beginn einer Jahreszeit am Steg auf, sodass die einmalig wachsenden Pflanzen rechtzeitig erntebereit sind. Abhängig davon, wie zuverlässig ich Pflanzen in jedem Zyklus bewässere, verändert sich der Ertrag.
Pflanzen wie Papyrus und Zuckerrohr weisen andere Besonderheiten auf. Sie wachsen zu jeder Jahreszeit, allerdings nur im flachen Wasser. Dafür säe ich die Samen am Fluss aus. Anschließend lasse ich sie unbeachtet wachsen, bis sie erntebereit sind, schließlich stehen sie im Wasser.
Ist einmal versehentlich das falsche Werkzeug ausgerüstet, passiert es schnell, dass eine Pflanze nicht bewässert, sondern zerstört wird. Daher habe ich es mir schnell angewöhnt, sofort zurück zum Krug zu wechseln, sobald ich mit einer anderen Tätigkeit in Pflanzennähe fertig war. Und darauf zu achten, dass ich das richtige Feld ausgewählt habe, wenn ich mit etwas interagieren möchte.

Werkzeuge, Werkzeuge und Werkzeuge
Automatisieren lässt sich in Ancient Farm kaum etwas. Die Pflanzen im Flussbett sind zwar am pflegeleichtesten, darüber hinaus wird sich jedoch zumeist um eine einzelne Pflanze oder ein einzelnes Feld auf einmal gekümmert. Mit den Ochsen und ziehbaren Bewässerungssystemen lässt sich das Gießen der Pflanzen etwas beschleunigen, das Lenken geschieht dabei händisch. Das passt gut ins Setting und notwendig sind groß angelegte Felder ohnehin nicht. Weitgehend finde ich es angenehm, mich eher in kleinerem Rahmen zu kümmern und nur so viel anzubauen und so viele Tiere zu besitzen, wie ich innerhalb eines Zyklus’ händeln kann.
Das sorgt auch dafür, dass die äußerst zerbrechlichen Werkzeuge etwas länger als einen Zyklus halten. Als ich kurzzeitig ein größeres Feld angelegt hatte, musste ich nicht nur ständig neues Wasser holen, sondern auch Lehm, um schon wieder einen neuen Krug herzustellen.
Allerdings sind die Mechaniken teilweise etwas überkompliziert gestaltet. Ich benötige mehr Werkzeuge, als in meine Werkzeugleiste passen, entsprechend bin ich regelmäßig im Inventar, um Werkzeuge auszutauschen. Das auch daran, dass ich nicht einfach mit meinem Krug Wasser sammle, mit dem ich auch Pflanzen gieße. Stattdessen hole ich das Wasser mit einem Eimer aus dem Fluss. Um Tieren Wasser zu geben, kann ich ein weiteres Werkzeug nutzen, allerdings benötige ich dieses immerhin nicht, um die Tränke zu befüllen.
Gleichzeitig nutze ich für Tierprodukte von Rind und Schaf dasselbe Messer. Als ich im Tutorial meine Kuh schlachten musste, habe ich mich nicht besonders gut dabei gefühlt, aber bei den Schafen, die ich später benötigt habe, wurde das noch schlimmer. Eigentlich brauche ich nur ihre Wolle, allerdings erhalte ich ihr Vlies nur, wenn ich sie töte. Die armen Tierchen.

Crafting und Produktion
Als Crafting-Spiel benötigt der Alltag in Ancient Farm auch unterschiedliche Werkbänke und Produktionsstätten. Für die Werkzeuge baue ich eine Hütte, in der zwei Werkbänke stehen, an denen ich verschiedene Werkzeuge herstelle. Draußen stelle ich einzelne Produktionsstätten für Holzbretter, Steinwürfel und Tonziegel her. Heu, Fleisch, Wolle und verschiedene andere Stoffprodukte haben ebenso ihre eigenen Produktionsstätten für einzelne Produkte. Auch hier gilt, dass sich der Vorgang nicht automatisieren lässt und ich abwarte, bis ein Produkt fertig ist, ehe ich die nächste Runde Rohstoffe einsetze.
Die Küche befindet sich in meinem Haus, wobei verschiedene Gerichte an verschiedenen Stellen zubereitet werden. Bei allem, was ich produziere, gilt, dass ich die benötigten Rohstoffe in meiner Tasche haben muss. Das führt allerdings sehr schnell dazu, dass ich zu viel Gewicht mit mir herumtrage. Durch das Nichtvorhandensein weiterer typischer Survival-Aspekte fühlt sich das ein wenig unpassend an. Zwar ist das ein weiterer Anreiz, nicht zu viel auf einmal zu wollen, wenn ich nicht durch die Gegend kriechen möchte, allerdings sind die Gewichtskapazitäten doch etwas gering geraten. Schließlich muss ich Bretter, Steine und Ziegel durch die Gegend tragen, sobald ich ein Gebäude oder einen Stall errichten will. Ganz zu schweigen vom Wasser für meine Pflanzen.
Entsprechend habe ich mich sehr kurz über mein Lager gefreut, weil eine Hütte dafür im Grunde nur Aufwand bedeutet.
Nach dem Tutorial ist der Anreiz, die komplexeren Mechaniken auszunutzen, im Grunde nicht gegeben. Ich muss nichts kochen, ich benötige keine Hühner, fast alles ist optional. Zwar muss ich Geld verdienen für das einzelne Ziel, allerdings geht das auf unterschiedliche Art. Und es ist sehr einfach, auf zusätzliche Ställe, Koppeln und Produktionsstätten zu verzichten. Zumal dafür erst einmal eine Fläche von Bäumen, Steinen, Ästen und Gräsern befreit werden muss, die anschließend schwer im Inventar liegen. Das ist schade, weil sich viele Aspekte überflüssig anfühlen.

Fazit
Ancient Farm ist eine durchwachsene Farmsimulation. Dass ich bis auf das Handelsschiff allein auf meiner Farm bin, stört mich dabei nicht einmal. Das Tutorial ist ausführlich gestaltet, allerdings fehlen darüber hinaus Anreize, sich mit unterschiedlichen Spielmechaniken auseinanderzusetzen. Insbesondere die Beschaffung und Nutzung von Wasser ist überkompliziert gestaltet, wodurch zu viele Werkzeuge benötigt werden. Zudem zerbrechen die Werkzeuge sehr schnell. Jahreszeiten unterscheiden sich lediglich in den anbaufähigen Pflanzen. Entsprechend fühlt sich das Spiel ein wenig dünn an und ich kann nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen.

Herzlichen Dank an Ultimate Games S.A. für die Bereitstellung des Testmusters. Gepflanzt auf PC via Steam.