Pipistrello and the Cursed Yoyo – Nintendo Switch 2 Edition (Review)

Artwork Pipistrello and the Cursed Yoyo Nintendo Switch 2 Edition

Mit einem Jo-Jo konnte ich noch nie besonders gut umgehen. Der Protagonist meines zuletzt gespielten Topdown-Action-Adventures ist auch nicht gerade als Jo-Jo-Profi bekannt, aber immer noch deutlich fähiger als ich. Pipistrello and the Cursed Yoyo hat kürzlich eine Nintendo Switch 2 Edition erhalten, die mir die Möglichkeit gab, das Jo-Jo-Spiel zumindest digital zu üben. (Bitte zielt im echten Leben nicht mit dem Jo-Jo auf andere Leute.)

Ich muss zugeben, dass das sogenannte Jojovania bei mir lange Zeit unter dem Radar flog. Dann habe ich Anfang des Jahres einen Speedrun gesehen, der mit einer Laufzeit von einer halben Stunde freilich ein wenig von einem üblichen Spieldurchlauf mit 12 Stunden und mehr entfernt ist. Aber durchaus spannend, was sich mit einem Jo-Jo alles anstellen lässt.

Die Nintendo Switch 2 Edition von Pipistrello and the Cursed Yoyo bringt eine höhere Auflösung und Bildrate mit sich. Das bedeutet 120 fps im Handheld-Modus bei 1080p, HDR-Unterstützung und 4K am Fernseher. Was die 120 fps angeht, weiß ich ähnlich wie in Hollow Knight nicht, ob ich davon wirklich viel wahrnehme. Aber zumindest habe ich keinerlei Einbrüche bei der Framerate bemerkt. Wer das Spiel auf Nintendo Switch besitzt, profitiert zudem von der Möglichkeit eines Gratis-Upgrades auf die Nintendo Switch 2 Edition.

Geld, Macht, Energie

Pipistrello and the Cursed Yoyo folgt dem jungen Pippit, der zu seiner Tante in die Großstadt zurückkehrt, um sie um Geld zu bitten. Denn seine Tante, die Madame Pipistrello, ist Oberhaupt von Pipistrello Industries und beherrscht die Stadt mehr oder minder. Allerdings wird er in einen Zwischenfall verwickelt, bei dem vier Geschäftsleute aus der Stadt einen riesigen Laserstrahl auf seine Tante richten. Sein beherztes Eingreifen vermag zwar nicht, sie zu retten, aber eröffnet vielleicht die Chance, das Geschehen rückgängig zu machen.

Jedenfalls steckt fortan ein Teil von Madame Pipistrellos Seele in Pippits Jo-Jo. Sie meldet sich auch immer wieder meinungsstark zu Wort, allerdings kaum, um ungewollte Hinweise zu geben.

Dem noch nicht allzu dynamischen Duo steht nun bevor, die vier Megabatterien einzusammeln, die der Laser mit Madames Seelenenergie befüllt hat. Damit stellen die vier Geschäftsleute allerhand Unfug an, weshalb umso wichtiger ist, sie aufzuhalten.

Nachdem das Geheimversteck der Pipistrellos als Basis gesichert ist, wird Pippit auf die Großstadt losgelassen.

Grüner Schleimblob mit Bauarbeiterhelm: "Seufz! O Freitag ... Warum bist du noch so fern?"
… Ich habe gute Nachrichten für dich!
Großstadtleben

Mit der Großstadt erschafft Pipistrello ein sehr ungewöhnliches Setting. Für sich gesehen vielleicht ein wenig eintönig mit Straßen zwischen Häuserblöcken. Bei mir hat das dafür gesorgt, dass ich zur Orientierung draußen häufig die Karte öffnen musste, für die ich daher sehr dankbar bin. 

Abseits davon gefällt mir die Großsstadt. Es gibt Großstadttauben, die Hinweise geben, und Taxistände als Schnellreisefunktion. Manch überdimensionales Loch in der Straße mag vielleicht nicht ganz so überzeugend sein wie absackender Asphalt im direkten Umfeld einer Riesenbaustelle. Aber Wasserflächen, die auf versiegeltem Untergrund nicht versickern, überzeugen direkter. 

Zudem ist der Außenbereich nur ein Teil der gesamten Welt. In der Kanalisation umgehe ich so manche oberirdische Barriere (und vergesse nach dem Verlassen, den schnelleren Rückweg zu öffnen). Einzelne kleine Gebäude mit offenen Türen bieten Rätselräume, in denen ich Bestandteile für mehr Lebensenergie oder Abzeichenplätze erhalte. Auch außerhalb finde ich beides oder Geld, sobald ich die richtige Fähigkeit erlernt habe.

Vielmehr fallen obendrein die Dungeons ins Gewicht, die thematisch voll ins Stadtbild passen. Eine endlose Baustelle mit Baukränen und Stegen über dem Abgrund oberhalb der Stadt. Ein Stadion mitsamt Umkleide und Geldwetten. Auch viele Gegnerdesigns sind an den Ort angepasst, weshalb ich mal gegen Bauleute kämpfe, mal gegen Leute mit ferngesteuerten Autos.

Strukturell ist die Stadt so aufgebaut, dass ich jeweils zu zwei Dungeons Zugang habe, die ich in freier Reihenfolge angehen kann. In der ersten Runde benötige ich lediglich zuvor gelernte Fähigkeiten und solche, die ich im Dungeon selbst erlerne, um einen abzuschließen. Entsprechend bilden diese jeweils in sich geschlossene Einheiten, die ich in einem Anlauf abschließen kann. Backtracking beschränkt sich weitgehend darauf, innerhalb der Stadt an Orte zurückzukehren, um nun erreichbare Schätze zu sammeln. Dadurch kommt kaum ein Metroidvania-Gefühl auf, auch wenn das mich persönlich nicht stört.

Schlüssel, Schalter und versperrte Wege

Die Dungeons selbst erinnern an klassische 2D-Zeldatitel. Mein Ziel ist, die Megabatterie zu erreichen, die sich irgendwo innerhalb des Gebäudes befindet. Dies geht mit einem großen Bosskampf einher, auf halbem Wege zeigen Minibosse, dass den Geschäftsleuten Pippits Eingreifen durchaus auffällt.

Dazwischen gilt es nun, sich voranzukämpfen und zu rätseln. Wege durch Räume zu finden, teilweise mehrfach in unterschiedlicher Richtung. Unterwegs fallen mir vielleicht Stellen auf, an denen ich noch nichts tun kann. 

Irgendwann erhält Pippit eine neue Fähigkeit. Dabei handelt es sich zumeist um Jo-Jo-Techniken, die mir mindestens namentlich bekannt sind. (Auch wenn ich keine davon durchführen kann.) Seine Standardaktion ermöglicht Pippit, das Jo-Jo nach vorne gegen Gegner zu werfen oder mithilfe von Schrägen Geld in unzugänglichen Pfaden einzusammeln und Schalter zu betätigen. Doch schließlich lernt er, das Jo-Jo von der Schnur zu lösen und so eine höhere Reichweite zu erzielen. Oder sich vom Jo-Jo ziehen zu lassen. Die Fertigkeiten sind überzeugend umgesetzt, auch wenn mir durchaus aufgefallen ist, wie oft es darum geht, Abgründe zu überwinden.

Schlüssel sind in Pipistrello and the Cursed Yoyo ein physisches Objekt.(Genau wie allerhand Gegenstände, die Pippit auf Gegner werfen kann.) Wo der Schlüssel in Magical Blush der Spielfigur folgt, halte ich ihn hier über dem Kopf oder auf dem Jo-Jo. Um Schlüssel zu erreichen oder über Abgründe zu befördern, bis ich (oder der Schlüssel) das Schlüsselloch erreiche, entfaltet sich dadurch eine weitere Rätselebene über die Wegfindung für Pippit hinaus. Schlüssel und andere wichtige Gegenstände kann ich auch in einem Raum ablegen, ehe ich diesen verlasse, und finde sie bei Rückkehr wieder. Außerhalb der Dungeons gilt das beispielsweise für im Geheimversteck zwischengelagertes Popcorn.

Zudem sind auch die Wege in die Dungeons häufig versperrt, wobei ich sehr unterschiedliche Aufgaben erledige, um Zugang zu erhalten. Inklusive Einschleichen in die Polizeistation.

Pippit verlässt Burgerladen Burgão mit einem Burger. Seine großen, runden Augen blicken auf den Burger und seine kleinen Zähnchen sind zu sehen.
Kein Schlüssel, aber mit Burger sieht Pippit auch putzig aus.
Gegner um Gegner besiegen

Standardgegner und Bosse sind in Pipistrello and the Cursed Yoyo abwechslungsreich gestaltet. Nicht nur in ihrer weitgehend an den Ort angepassten Optik, sondern auch in ihren Angriffsmechaniken.

Über eine konventionelle Ausweichfähigkeit verfügt Pippit nicht. Doch ein Vogel hat mir gezwitschert, dass er in der Luft unverwundbar ist. Das bedeutet, dass ich nicht auf die Seite sprinte, um Angriffen zu entgehen, sondern Pippits Sprung ausnutze, bei dem er sich einrollt. Nach zwölf Stunden hatte ich das zwar immer noch nicht ganz verinnerlicht, aber dafür im Verlauf andere Wege gelernt, um Pippit vor Schaden zu schützen.

So erlernt Pippit verschiedene spezielle Aktionen, die auf X und Y liegen. Leider gefielen mir die ersten der entsprechenden Fähigkeiten bis zum Ende am besten, auch wenn ich alles ausprobiert habe, was ich gefunden habe. Besonders sagte mir die Fähigkeit zu, mit der Pippit das Jo-Jo im Kreis um sich herum schleudert, um Gegner von allen Seiten aufzuhalten.

Das ist gerade in den vielen Gegnerräumen hilfreich. Immer wieder wird Pippit kurz in einem Raum oder auf einem Abschnitt der Straße festgehalten, bis er alle Gegner besiegt hat. Diese treten in mehreren Wellen auf, dabei manchmal auch in großer Anzahl auf einmal. Dadurch ist es manchmal schwierig, Schaden komplett zu entgehen, was insbesondere zu Beginn schnell fatal endet für Pippit. Ehe ich die ersten acht Blütenblätter zusammengesammelt hatte, um einen weiteren Lebenspunkt zu erhalten, hat es doch eine Weile gedauert. 

Pippit schleudert sein Jo-Jo auf einen Gegner.
Fertigkeitenbaum

Hinzu kommt, dass der Fertigkeitenbaum nicht nur mit Geldschulden, sondern auch mit anderen negativen Effekten einhergeht. Um den Angriff zu stärken oder Modifikatoren zu erlangen, geht daher nicht nur die Hälfte alles nach Aktivierung erhaltene Geld für die Schulden weg. Darüber hinaus sind damit auch schnell Zusatzeffekte verbunden, die die Lebenspunkte bis zur Abzahlung verringern oder verhindern, dass Gegner Blüten fallen lassen, mit denen Pippit sich heilt. 

Auch wenn ich manchmal gerne eine Straße entlanggegangen wäre, ohne Gegner besiegen zu müssen, hat sich für mich irgendwann eine Balance eingestellt. Auch wenn mehr Lebenspunkte auch ermöglichen, dass ein Vertragskredit noch mehr abzieht und das Endergebnis nicht mehr Energie ist als zu Beginn. Aber die Anzahl an Gegnerwellen in einem Raum hält sich in Grenzen und bei einem Scheitern kann ich den Raum sofort erneut versuchen. So haben sie mich meist nicht lange aufgehalten, und wenn doch, dann musste ich zumindest nicht erst erneut dorthin gehen. Einzelne Gegner, die mich nicht in einem Raum festhalten, lassen sich zudem häufig einfach ignorieren.

"50 % von freshly-collected coins dienen zum Abbezahlen des Vertrags!"
Zwar sind die deutschen Texte manchmal merkwürdig, aber nur selten unübersetzt wie hier.
Persönlicher Schwierigkeitsgrad

Darüber hinaus bietet Pipistrello and the Cursed Yoyo viele Möglichkeiten, die Schwierigkeit des Spiels nach eigenen Bedürfnissen anzupassen. Erhaltener Schaden lässt sich ebenso modifizieren wie ausgeteilter. Dabei kann letzteres sehr gut ausgleichen, dass Pippits Jo-Jo gegen die Standardgegner kurz nach Spielbeginn sehr wenig Schaden anrichtet. Innerhalb des Spiels selbst gibt es jedoch auch Aktionen oder Angriffsstärkungen, die die Zeit verringern, die Pippit braucht, um einen einzelnen Gegner zu besiegen.

Über die Zugänglichkeitseinstellungen kann ich auch die Spielgeschwindigkeit verringern. Das kann gerade dann hilfreich sein, wenn sich Plattformen sehr schnell bewegen oder Pippit in der Luft vier Aktionen aneinanderreihen muss, ohne im Abgrund zu landen. Allerdings hat mich persönlich eine langsamere Spielgeschwindigkeit zu sehr irritiert, als dass ich damit zeitsensitive Herausforderungen einfacher gemeistert hätte.

Fiktiver Handheld Pocket Trap Game System, auf dem das Bild dann deutlich kleiner erscheint.
Wer noch mehr Herausforderung will, spielt verkleinert mit Handheldkonsole. Im Handheld-Modus.
Platforming

Daher habe ich mich weitgehend auf eine andere Option beschränkt, die den Fallschaden negiert. Weil ich aus Erfahrung weiß, dass ich in jeden Abgrund erst fünfmal tief eintauchen muss, ehe ich ihn überwinden kann. Dafür ist auch ein Abzeichen zu finden, das einmal pro Raum wirkt und eine bestimmte Anzahl an Abzeichenslots belegt.

So macht es mir auch wesentlich mehr Spaß, Pippit über Abgründe zu jonglieren. Zumal er gegen Ende vier verschiedene Fähigkeiten erlernt hat, die mit unterschiedlichen Knöpfen oder Knopfkombinationen auszuführen sind, bei denen ich grundsätzlich zuerst zweimal die falsche Aktion eingesetzt habe.

Gelingt mir das allerdings, dann macht das Platforming mit Pippit viel Spaß. Mit dem Jo-Jo lassen sich große Abgründe auf vielfältige Weise überwinden. Oft habe ich erst mitten in der Luft verstanden, welche Aktionen ich wie aneinanderreihen muss, um mein Ziel zu erreichen. 

Fazit

Mich hat das Weltendesign von Pipistrello and the Cursed Yoyo am meisten überzeugt. Die Großstadt ist ein cooles Setting, auch wenn ich mich ein wenig verirrt habe. Designs von Gegnern und Dungeons passen gut in die Stadt. Die Jo-Jo-Fähigkeiten innerhalb und außerhalb von Kämpfen sind vielfältig und passen nicht nur zumeist als Dinge, die Leute mit einem Jo-Jo anstellen könnten, sondern ermöglichen auch akrobatische  Platformingpassagen. Die Kämpfe begeistern mich nicht ganz, doch dank viele Einstellungsmöglichkeiten lassen sich Schadensparameter einstellen, um Langwierigkeit oder die Fragilität Pippits zu vermindern. Außerdem ist die Steuerung gegen Ende sehr komplex, doch auch dem lässt sich ein wenig Abhilfe schaffen. Daher ist der “Fluch” des Jo-Jos für Spielende auch in der Nintendo Switch 2 Edition der Segen, ein Topdown-Action-Adventure mit interessanten Rätseln, spaßigen Sprungpassagen und frischen Jo-Jo-Fähigkeiten zu erhalten, das von Anfang bis Ende sehr gut unterhält.

Herzlichen Dank an PM Studios für die Bereitstellung des Testmusters. Jo-Jo geworfen auf Nintendo Switch 2.