The Mermaid Mask (Review)

Vielleicht klingelt bei euch noch etwas beim Namen „Detective Grimoire“ – vor knapp 10 Jahren erschien vom dreiköpfigen Team SFB Games, den Entwicklern von The Mermaid Mask, dass wir uns heut anschauen, ein kleines Flash- Browsergame mit dem titelgebenden Detektiv, der sich über die nächsten Teile doch stark verändert hat. Aus dem etwas amateurhaft anmutenden Original ist nach zwei weiteren (diesmal kommerziellen) Teilen nun der neueste Ableger entstanden: Mit dem Rätsel um die titelgebende Maske der Meerjungfrau erwartet euch der vielleicht beste Teil der Serie bisher.

Ihr übernehmt die Rolle von Grimoire, der mit Kollegin Sally ohne ausladende Vorgeschichte direkt in einem neuen Fall landet. Kapitän Seafoam, ihres Zeichens U-Boot-Pilotin, möchte das Rätsel um den Tod vom offenbar gewaltsam von uns gegangenen Ex-Kapitänskollegen Mortuga gelöst wissen, und ihr seid ihre beste Chance dafür.

Die Story ist nett, wenn auch nicht umwerfend, aber sie hält euch entsprechend bei der Stange. Im Laufe des Abenteuers lernt ihr zahlreiche andere Charaktere kennen, hauptsächlich die restlichen Teile von Mortuga’s Crew und die Passagiere des Schiffs. Die Damen und Herren sind allesamt sehr unterhaltsam und interessant, und da jeder hier am Fall beteiligt sein könnte, werden die schrägen Leutchen schnell allesamt verdächtig. Überhaupt bietet die Geschichte ein sehr nettes Gefühl der „Detektiverei“, bei dem ihr euch trotz vergleichsweise abstraktem Gameplay oft als Comic-Columbo fühlt.

Was sich schon recht positiv durch die letzten Teile gezogen hat, bleibt größtenteils: Auch mit teils knackigen Rätseln richtet sich die Serie hauptsächlich an Genreneulinge. Die Kontrollen sind dementsprechend einfach und von Pixeljagden winziger Gegenstände auf superdetaillierten Hintergründen bleibt ihr verschont, stattdessen erwartet euch ein fast Mobile-mäßiges Interface mit großen Icons und klaren Kontrollen. Das ist zwar manchmal etwas umständlich, wenn es um das weitere Untersuchen gefundener Gegenstände geht, aber dafür jederzeit verständlich auch für ungeübte Abenteurer.

Wesentlich hübscher ist dagegen der Rest der Aufmachung. Die Hintergründe sind wunderbar bunt und lebendig, kleine Animationen lockern viele der Zeichnungen aus, und die Farben springen geradezu aus dem Bildschirm. Der Sound ist großteils eher zweckmäßig, hat aber in einigen Musiktracks und spukigen Soundeffekten klare Höhepunkte, die im Gedächtnis bleiben. Auch die englische Synchronsprache ist sehr viel besser klingend, als man es bei einem ersten Blick auf The Mermaid Mask erwarten würde.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist ein Großteil der Puzzles – statt kontextbezogener Gegenständsrätsel, wie sie in vielen Adventures üblich sind, erwarten euch relativ viele kleine Logikaufgaben und -Tests, die von der eigentlichen Szene ziemlich unabhängig sind und oft etwas fehl am Platz wirken und aus der Story reißen. Wohlgemerkt: Die Puzzles sind auch dann meist nicht übel und clever designt, aber wollen nicht so ganz in die Umgebung und den Kontext passen. Wenn ihr an die Professor Layton-Serie denkt, seid ihr nicht ganz falsch.

Zusätzlich gibt es immer wieder zusammenklickbare Theoriebäume, bei denen ihr diverse Charaktere oder Inventargegenstände mit einer Verbauswahl zu Sätzen zusammenklickt, um neue Vermutungen anzustellen. Diese sind ein wenig speziell: Wenn ihr einfach noch nicht auf die richtige Lösung gekommen seid und zunächst gefühlt kein Satz wirklich Sinn ergibt, kann dies etwas frustrierend sein. Aber – und hier drehen wir uns wieder ins Positive – der meiste Frust wird durch ein sehr angenehmes Tipps-System, bei dem euch das Spiel auf Wunsch Hinweise gibt, wieder entschärft.

Überhaupt trifft das Wort „Angenehm“ The Mermaid Mask sehr gut. Die Story, die Charaktere, der Sound und die Grafik sind genau das. Angenehm. Nicht umwerfend, aber sehr, sehr nett. Adventure-Profis als auch Neueinsteiger werden mit dem Spiel mit Sicherheit einige spaßige Stunden verbringen können.

Vielen Dank an SFB Games für das Testmuster.