Manairons (Review)

Wenngleich die meisten 3D Jump & Runs auf eine fröhliche Atmosphäre und bunte Comicwelten setzen, gibt es immer mal wieder ein Spiel im Genre, das in der Hinsicht eine Ausnahme bildet. In Manairons spielt man zwar auch ein kleines Fantasiewesen – den Manairo Nai – doch das Spiel sieht bedeutend düsterer und bedrohlicher aus als die meisten Genrekollegen.

Nai muss den bösen Großgrundbesitzer Llorenç stoppen, der ein ganzes Dorf unter seine Kontrolle bringen möchte. Hierzu steht Nai nicht nur sein Sprungtalent, sondern überdies eine magische Flöte zur Verfügung, mit der er je nach gespieltem Lied verschiedene Effekte in der Spielwelt auslösen kann. Die Geschichte des Spiels wird vorrangig durch Unterhaltungen in der Spielwelt vorangetrieben, die immer wieder in die Level eingestreut sind.

Strukturell ist Manairons ein strikt lineares 3D Jump & Run. Es gibt zwar eine Oberwelt, in der man das jeweils nächste Level auswählen kann, die Level können aber nur in einer fest vorgegebenen Reihenfolge absolviert werden. Man kann allerdings bereits gespielte Level erneut betreten, um die Sammlung wertvoller Sammelgegenstände zu vervollständigen. Bei wiederholtem Betreten des Levels kann man direkt einen der Speicherpunkte im Spiel auswählen und muss so nicht das ganze Level erneut absolvieren, nur weil man in einem Abschnitt einen Sammelgegenstand vergessen hat. Ein Interface zeigt dabei an, wenn man einen Abschnitt bereits komplett abgegrast hat.

Spielerisch setzt Manairons auf eine Mischung aus klassischem Platforming, leichten Rätseln und leider ziemlich hakeligen Kämpfen. Die Rätsel beschränken sich meist darauf, einen Schlüsselgegenstand an die richtige Stelle zu tragen. Durch die recht niedrige Spielgeschwindigkeit kann das vereinzelt schon eine Geduldsprobe werden, intellektuell überfordern werden die Rätsel aber sicherlich niemanden. Allerdings hat das Spiel derzeit noch einen Bug, der jedenfalls im Moment für mich unmöglich macht, das Spiel auf der PlayStation 5 abzuschließen. Das Spiel speichert sehr hochfrequent den Fortschritt, den man gemacht hat und bei einem Rätsel, bei dem man drei Mechanismen mit Batterien versorgen muss, um eine Tür zu öffnen, hat das Spiel die Tür einfach nach Einfügen der Batterien nicht geöffnet, wenngleich die Stromversorgung optisch hergestellt ist. Entfernen und erneutes Einsetzen der Batterien löst das Problem nicht und da das Spiel jeden Einzelschritt speichert, hilft auch ein Neustart leider nicht.

Auch davon ab hat Manairons eine recht große Zahl an Bugs, die aber wesentlich weniger drastisch sind. So ist es mir beispielsweise mehrfach passiert, dass Nai nicht mehr auf die Steuerung abseits des Analogsticks reagiert hat und statt beispielsweis eines Sprungs eine Musiknote gespielt wurde. Gelegentlich, ich vermute, wenn Nai eine Position einnimmt, die von den Entwicklern nicht antizipiert wurde, verliert die Kamera ihre Position und kann nur durch einen Neustart des Levels wieder beruhigt werden und auch der eine oder andere Spielabsturz ist in meiner Spielzeit von nur circa drei Stunden aufgetreten. Diese Fehler sind ärgerlich, auf Grund des großzügigen Speichersystems aber nicht so schwerwiegend, dass Manairons sich dadurch disqualifizieren würde.

Das Leveldesign von Manairons ist etwas wechselhaft. Artistisch kann das Spiel immer wieder überzeugen und schafft es, eine düstere, etwas skurrile Atmosphäre zu schaffen. Die Perspektive des Zwerges in der Menschenwelt ist eine, die für leicht surreale 3D Jump & Runs sehr geeignet ist und die Entwickler nutzen die Idee auch immer wieder auf interessante Weise. Spielerisch leidet das Spiel allerdings ein wenig darunter, dass keine der Spielkomponenten sonderlich poliert ist. Das Kampfsystem ist starr und gerade Gegner, die man durch Projektile treffen muss, leiden unter recht hohen Anforderungen an die Präzision, die mit der acht-Wege-Steuerung gleichsam nur mühsam erreicht werden kann. Die Rätsel bedürfen oft sehr langer Laufwege, die durch ihren eigentlichen Gehalt schwer zu rechtfertigen sind und das Platforming ist zwar der unterhaltsamste Teil des Spiels, leidet aber teilweise unter ungünstigen Kameraperspektiven, die es sehr schwer machen, Abstände ordentlich einzuschätzen.

Manairons ist insgesamt ein ordentliches 3D Jump & Run mit düsterer Atmosphäre, das aber von zahlreichen Bugs – darunter wie gesagt einem für mich fatalen – und mangelndem Feinschliff in den Spielmechaniken zurückgehalten wird. Spieler, die Atmosphäre und Thema des Spiels ansprechend finden, können mit Manairons nichtsdestotrotz durchaus ihren Spaß haben. Wer hingegen vor allem an dem Gameplay interessiert ist, findet zahlreiche rundum bessere Alternativen.

Vielen Dank an Jandusoft für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf PlayStation 5.