Manchmal möchte man sich am liebsten vor aller Welt verschanzen. Einfach Türen zu, Kopfhörer auf und die Welt da draußen draußen lassen. Wie schön wäre es, wenn man da einen Bunker hätte! Einen Bunker voller Essen, frischem Wasser und vielleicht der ein oder anderen Ablenkung. All dies haben wir natürlich in Underchoice gar nicht! Hier geht es um das blanke Überleben und wir haben die Schicksale verzweifelter Menschen in den Händen. Im Playtest habe ich mich für euch mit bissigen Ratten, radioaktiver Strahlung, explosiven Freiheitskämpfern und nörgelnden Bunkerbewohnern auseinandergesetzt.
Die Welt am Abgrund in Underchoice
Und so begann meine Arbeit als hilfreiche KI im Dienste des mächtigen Konkordats! Welche schwierigen Zeiten wir überstehen müssen. Atombomben regnen auf dem Land und Schutzsuchende stehen täglich vor unserem Bunker. Doch wir haben nur sehr wenige Räume zur Verfügung. Darum obliegt es uns, dass wir neue Bewohner*innen rekrutieren und ihre individuellen Stärken und Schwächen taktisch ausnutzen, um unvorhergesehene Ereignisse überleben zu können. Selbstverständlich müssen wir auch immer ein Auge auf den Zustand des Bunkers und die verfügbaren Rationen werfen. Alles leichter gesagt, als getan.

Ein Durchgang in Underchoice besteht darin, die einzelnen Tage einer Woche anhand von zufälligen Ereignissen zu überstehen. Manche Ereignisse schröpfen die Energie oder den allgemeinen Zustand des Bunkers. Wieder andere geben uns Rationen zurück oder schaden unseren Schützlingen. Zwischen den Tagen können wir Items nutzen oder die Anordnung unserer Bewohnenden ändern. Letzteres kann von großer Bedeutung sein, um von deren individuellen Fähigkeiten zu profitieren. Oder diese nicht zu triggern, was definitiv über Wohl und Wehe entscheiden kann.
Zusätzlich zu diesen Fähigkeiten haben alle Menschen gewisse Eigenschaften, die als Icons symbolisiert werden. Diese werden in einzelnen Ereignissen relevant, in denen diese Icons Punkte erzielen. Jeder Punkt ist dabei wichtig, um die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses zu manipulieren. Doch Vorsicht, nehmen wir die Eigenschaften eines Menschen an der falschen Stelle, kann oder wird er Schaden nehmen.
Apokalyptische Gefahr Monotonie
Und so gilt es in Underchoice diverse Zahlen im Blick zu behalten und jede Woche neu zu überleben. Wir erhalten dann Geld und können uns beim Händler neue Items leisten. In den wenigen Wochen, die mir der Playtest geboten hat, war dies von großer Bedeutung, um gegen die Zufälligkeit der Ereignisse wirklich eine Chance zu bekommen. Denn wenn es Underchoice noch an etwas mangelt, sind es Balancing und Wiederspielwert.

Neun Wochen boten mir die Durchgänge von Underchoice jeweils (sofern ich den gewonnen habe, was nicht immer vorkam) und irgendwann stellte sich leider Monotonie ein. Rations- und Energiemanagement sind solide planbar und auch die Fähigkeiten meiner Überlebenden waren stellenweise zu effektiv, um hier relevant zu werden. Gleichzeitig sehe ich aber noch keine Notwendigkeit, alle Betten im Bunker auszufüllen, vor allem nicht, wenn ich bei einem neuen Bewerber null Hinweise darauf habe, was diese mir für meine Aufstellung bringen. Am Ende ist es zufällig, ob ich nicht dieselbe Fähigkeit erhalte, welche Icons mir gewährt werden, oder ob mir eine Fähigkeit sogar schaden kann. Wie soll ich mich entscheiden, wenn ich keine ernsthaften Hinweise habe? Die Dialoge schienen mir nicht solide genug gewesen zu sein, um das plausibel einschätzen zu können.
Dazu kommt auch, dass manche Events aufgrund ihrer Zufälligkeit zu Zeitpunkten erscheinen, an denen sie kaum bis gar keine Wirkung erzielen. Dies ist leider schade und sorgt dafür, dass sich Leerlauf in manchen Wochen bildet. Okay, wenigstens keine Ressourcen unnötig verschwendet!
Potenzial ist da, aber das braucht Zeit
Diesen Leerlauf würde ich Stand jetzt definitiv als größtes Manko bezeichnen. Denn zusätzlich dazu, dass manche Ereignisse im Sande verlaufen oder man aufgrund der Zufälligkeit gar keine Bewohner für den Bunker bekommen kann, wiederholt sich enorm viel. Ich habe in zwei Durchgängen den oben abgebildeten Text gezählt und in den neun Wochen kam es jeweils acht Mal vor. Dies trifft auf nahezu alle Ereignisse zu. Würde dies im vollständigen Spiel so sein, könnte ich Underchoice nur sehr schwer empfehlen.
Und das wäre schade. Die Idee, den Bewohnern Fähigkeiten zu geben und diese von ihrer Position im Bunker abhängig zu machen, fühlt sich frisch an. Zudem hat die Welt Potenzial und ein wenig mehr Charakterisierung der zufälligen Personen könnte durchaus noch Einzug erhalten. Leider ist zu schnell die Luft raus, wenn sich die Wiederholungen nach bereits zwei Durchgängen so stark häufen (ich hatte knapp 10). Ein Auge werde ich auf Underchoice werfen. Aber da muss definitiv noch viel Feinschliff angesetzt werden, um den Bunker wirklich stabil und fest zu verankern.
Mich auf PC vor der Apokalypse im Bunker verschanzt. Ein herzlicher Dank geht an Targem Games für die Bereitstellung eines Teilnahme-Codes für den Playtest.