Baradroid (Review)

Visual Novels haben den Ruf eine Story durch die visuelle Unterstützung auf eine andere Ebene zu heben. Konsumenten werden noch viel leichter in eine andere Welt entführt. Mal von einem mörderischen Teddybären, mal von paarungswilligen Monstern und manchmal sogar von Tauben. Weniger skurril und mehr futuristisch geht es in Baradroid zur Sache. 

Man erlebt die Geschichte aus der Sicht von Evan, einem bescheidenem Computergenie. Viel erfährt man nicht über ihn. Aber er ist immerhin spontan genug seinem gut bezahlten Job den Rücken zu kehren und dafür eine Stelle bei dem größten Tech Konzern überhaupt anzutreten.  

Nur geht es hier nicht um die Entwicklung von Smart Wasserkochern oder Sofas, die sich automatisch in ein Bett verwandeln, wenn man kräftig genug gähnt. Schade eigentlich. Aber Baradroid bietet eher einen Fokus auf die Zukunft der KI, die für uns weit mehr übernehmen soll als nur irgendwelche Knöpfe zu drücken. Es geht um Androiden die sich optisch nur noch minimal von Menschen unterscheiden. Evan hat die Aufgabe sich mit ihnen auseinanderzusetzen, um sicherzugehen, dass sie keine Gefahr für sich selbst oder die Allgemeinheit darstellen.  

Drei Androiden sollen sich diesem Prozess unterziehen und obwohl sich Evan zu jedem einzelnen schlagartig hingezogen fühlt, sollte erwähnt werden, dass es nur einen einzigen Storystrang mit zwei verschiedenen Enden gibt. Dieser ist dafür sogar recht spannend. Ich hatte mit mehr Innuendo gerechnet, aber der “Schärfegrad” ist minimal. Insgesamt würde ich das Spiel auch eher als Visual Novella bezeichnen. Mit geschicktem Speichern an den leider sehr selten eingebauten Entscheidungspunkten hat man Baradroid in etwa einer Stunde durchgespielt.  

Mir gefiel die Umsetzung der philosophischen Frage “Ab wann ist ein Mensch ein Mensch?” in Bezug auf KI sehr gut für so ein kurzes Spiel. Es ist bei weitem nicht so oberflächlich wie andere Dating Sims und auch nahezu komplett frei von Humor. Wer also einen eher ernsten, aber nicht düsteren Gay Dating Sim für zwischendurch sucht, wird hier fündig. Leider kann ich nicht mehr über die Story schreiben ohne zu spoilen. Technisch gibt es nichts zu bemängeln, der Zeichenstil ist ansprechend und die Musik ist auch passend und nicht aufdringlich.

Aufgrund dessen, dass es nur einen Handlungsstrang gibt, muss ich aber der Wertung einem fetten Abzug geben. Evan hätte sich bestimmt auch mit den anderen Androiden amüsiert. 

Ein herzliches Dankeschön an Eastasiasoft für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Nintendo Switch.