Schon zur Pre-3D-Ära gab es mehrere Mario Kart Konkurrenten. Einer davon war Street Racer, welcher neben SNES auch für diverse andere Abspielgeräte erschien. Mit der Street Racer Collection bietet uns QUByte Interactive nun eine Neuauflage von vier Versionen dieses Fun Racers aus den 90ern.

4 äußerst unterschiedliche Versionen von Street Racer
In der Street Racer Collection finden wir vier Versionen vor, welche mit N8, N16, S16 und DOS betitelt sind. Mein „geschultes Auge“ hat daraus die GameBoy, Super Nintendo, Sega Mega Drive und DOS Versionen heraus erkannt. In der Auswahl ist auch direkt ersichtlich, ob die jeweilige Version im Mehrspieler spielbar ist und eine Rückspulfunktion bietet.
Innerhalb der Spiele werden über ein gesondertes Menü (auf PS5 über Touchpad erreichbar) einige nützliche Optionen geboten. Neben den üblichen Savestates, hat jedes Spiel noch eine Bedienungsanleitung und mehrere nette Grafik-Optionen für ein besseres Retro-Feeling. Für die N8 Version gibt es sogar eine freie Farb-Wahl.
Die Unterschiede der vier Version sind jedoch äußerst stark. Also so stark, wie ich es eher nicht erwartet hätte, was die Collection durchaus interessant in seiner Art macht. Daher mal alle kurz einzeln beschrieben:

N16 – das Street Racer vom SNES
Dies ist wohl die erste Version von Street Racer. Die Konzeption und Darstellung geht in Richtung von Super Mario Kart: 8 Fahrer, flache Strecken, Items sind flache Sprites auf dem Boden (anstatt schwebend in der Luft).
Hier hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf, denn Street Racer bietet allerlei eigene Ideen. Items sind nicht zufällig sondern einfach nur Boost, Heilung und eine Bombe zum Einsammeln. Der Boost, welchen man auch jede Runde 1 bekommt, wird simpel mit einem Tastendruck ausgelöst. Heilung ist relevant um seine Energy aufrecht zu halten (da man mit leerer Anzeige schlechter fährt).
Die Bombe aber ist das meist besondere Item: Bei dieser startet ein Timer überm Kopf und wenn dieser 0 erreicht, wird man ausgebremst. Dies kann man jedoch verhindern, in dem man einen Kontrahenten mit Rechts oder links schlägt und damit die Bombe an diesen weiter reicht.
Denn in Street Racer kann jeder Fahrer mit den beiden Schulter-Tasten kontinuierlich nach links oder rechts zuschlagen. Sehr witzig und äußerts chaotisch. Daneben hat jeder Fahrer zwei zusätzliche eigenen Fähigkeiten. Diese sind unterschiedlich, aber teils auch recht ähnlich unter den Fahrern. Manche bringen einen zum Fliegen, andere Attackieren rundherum und wieder andere geben einen Schuss nach vorne ab.

Eine letzte äußerst interessant Funktion ist der manuelle Sprung mit Richtungstaste oben. Anders als in Super Mario Kart springt man hiermit sehr hoch, also eher vergleichbar mit den Sprungschanzen von Super Mario Kart. Dies kann auf viele Weisen genutzt werden, zum Abkürzen von Ecken oder Ausweichen von Attacken, aber muss später sogar für Hindernisse genutzt werden.
Im Spielumfang bietet N16 Street Racer die besagten 8 Fahrer und 24 Rennstrecken (verteilt zu je 3 auf Themen der Charaktere). Wobei man 4 Strecken erst irgendwie freischalten muss, aber ich weiß nicht genau wie. Man kann hierzu auch über ein Cheat-Menü diese einfach aktivieren, wenn man so will (sowie andere Cheats).
An Modi gibt es Practice, Head to Head, Championship, Rumble und Soccer. Die Namen beschreiben hierbei schon recht klar was gemeint ist: Training, 1gegen1 Rennen, Cups, ein Battle Modus und ein Fußball Modus. Im Championship gibt es drei Cups, jedoch mit der Eigenart, dass jeder Cup mehr Strecken hat. Wer sich also Street Racer zu Gemüte führt, sollte damit rechnen im Gold-Cup 15 Strecken zu fahren! Im Übrigen gibt es dazu noch einen Custom Cup, der mir aber scheinbar nur zufällig Strecken ausspuckt, anstatt dass man sie selbst wählen kann.
Im Artstyle kommt mir Street Racer so vor, als wollten die Entwickler Street Fighter auf die Rennstrecke bringen (wurde wohl auch so beworben). Denn das Charakter-Design und natürlich die Prügel-Idee erinnern schon ordentlich an Street Fighter. Liegt vielleicht aber auch nur an dem Sumo-Ringer, der zur Auswahl steht. Die Charaktere sind jedenfalls alle menschlich, aus verschiedenen Kulturen.

S16 – das Street Racer vom Sega Mega Drive
Die Version des damaligen Sega Mega Drive ist an sich eigentlich inhaltsgleich zur N16 Version. Jedoch ist hier der Aufbau der Optik bzw. der Strecken komplett anders.
In dieser Version sieht es nämlich so aus, als wenn die Strecken unter einem durch läuft und wir lenken nur rechts/links auf der Bahn. Es ist nicht einfach zu beschreiben, aber wer Sonic Drift (o.Ä.) kennt, weiß vermutlich was ich meine.
Generell empfinde ich diese Version in allen belangen der N16 Version unterlegen und es kaum wert diese zu spielen, außer natürlich zwecks der Neugier und so.

N8 – das Street Racer vom GameBoy
Selbst die Version vom GameBoy ist inhaltsgleich zu den vorherigen Versionen. Die Basis und Umgang des Gameplays basiert hierbei jedoch auf der Mega Drive Version. Außerdem ist dies der einzige Street Racer Teil, welcher nicht mit 4 Spielern, sondern nur alleine gespielt werden kann.
Dies ist klar die schlechteste Version des Spiels, auch wenn ich finde, dass das Spiel für den GameBoy schon ein wenig beeindruckend war, besonders wegen den 24 Strecken und so. Witzig hier im Remaster: Man kann die 4 Farben frei anpassen oder interessante Pre-Sets auswählen, die an verschiedene GameBoys oder sogar an den Virtual Boy erinnern.

DOS – das Street Racer vom … naja DOS
Die damalige DOS Version gefällt mir unter der Auswahl am Besten. Diese Version ist nicht mehr ganz inhaltsgleich. Zwar gibt es selbige Anzahl an Strecken, doch gibt es hier einen Bonus-Charakter und einen gesonderten Cup (der scheinbar nur über Cheat erhältlich ist).
Hier gibt es tatsächlich leider den Fußball-Modus nicht mehr, doch das kann ich für den eigentlichen Vorteil verkraften: Diese Version ist nämlich ein früher Ansatz von 3D! Klar, auch die N16 Version bzw. Super Mario Kart sind schon ein gewisser 3D-Ansatz, doch hier gibt es nun richtige Polygon-Objekte in der Umgebung sowie hübschere schwebende Items.
Im Gameplay macht dies keinen direkten Unterschied, weil die Strecken dennoch komplett flach sind, aber es wirkt alles dynamischer und interessanter. Auch sind die Strecken dadurch schöner aufgebaut, wenn auch teils etwas weniger bunt. Ein Manko ist jedoch, verglichen zur N16 Version, dass die Steuerung rutschiger. Wer jedoch Super Mario Kart gewöhnt ist, sollte damit wenig Probleme haben.
Innerhalb der Rennen hat man hier eine neue Fähigkeit, mit der man schrumpfen kann, um so Gefahren auszuweichen. Und Stichwort Schrumpfen: es gibt einen sogenannten „Micro“ Modus, welcher das Fahren in einer Top-Down Ansicht erlaubt.
Abschließend hat man in erweiterten Einstellungen die Möglichkeit die Form der Fahrzeuge anzupassen, was mich wirklich sehr überrascht hat. Dem entgegen ist diese Version jedoch die einzige, welche kein direktes Zurückspulen erlaubt, wobei normale Savestates dennoch möglich sind.

Schwierigkeit und Cheats
Neben den bereits angesprochenen Optionen in den Menüs überm Spiel, hat man Zugriff auf mehrere Cheats, die man einfach anhaken kann. Tatsächlich finde ich es sehr gut, dass diese Option gegeben ist, denn:
Zwei der Spiele sind unglaublich schwer. Die S16 und DOS Version sind so schwer an, dass sie sich fast unmöglich anfühlen. Das mag mit seeeehr viel Übung ausgeglichen werden können, aber die KI ist hier wirklich extrem penetrant. Vor allem in einem Cup mit 15 Rennen kann das schon sehr nervenaufreibend sein.
Außerdem noch interessant: In den Cups bekommt man nicht nur für die Platzierung Punkte, sondern auch für Sammeln von Sternen, Prügeln und weiterem. Das ist witzig, kann aber dazu führen, dass die Bots mal einfach mehr Punkte sammeln, als man erwartet hätte.

Wo sind die Saturn und PS Versionen?
Street Racer hatte neben den vier gegeben Versionen noch ein paar weitere. Doch vor allem vermisse ich eben diese beiden Versionen. Warum? Weil sie die besseren Versionen der DOS Version darstellen.
Die PS1 Version scheint nicht viel anders zu sein, hat jedoch mehr Szenerie-Objekte auf den Strecken, was einfach hübscher aussieht. Die Sega Saturn Version hingegen treibt dies auf die Spitze und scheint die mit Abstand beste Version zu sein (nach Videos Online zu urteilen).
Doch vor allem schade: Diese beiden Version waren mit bis zu 8 Spielern spielbar. Das ist so eine verpatzte Chance, diesen besonderen Modus mit besserer Technik nicht anzubieten. Denn (soweit ich weiß) hatte dieser 8-Spieler Splitscreen erhebliche technische Probleme auf den alten Geräten – einfach nur schade.

Fazit – eine schöne Collection, die noch mehr hätte sein können
Generell kann ich zur eigentlichen Umsetzung nicht viel Negatives sagen. Die Remaster-Funktionen sind üblich, aber super und teils auch besonders mit den Cheats etc.. Vier Spiel-Versionen zur Auswahl zu haben ist auch nett und Street Racer (zumindest N16 und DOS) ist eines der besten 2D-Racer die ich bisher gespielt habe.
Doch es ist wirklich enttäuschend, dass die augenscheinlich besten Versionen nicht in der Collection enthalten sind. Zumindest die PS1 Version werde ich mir wohl irgendwann mal nachkaufen. Dennoch ist die Collection eine feine Sache.

Mag ich
– DOS und N16 Version sind tolle Spiele
– Viele Komfort-Optionen
– 4-Spieler Splitscreen in drei Titeln
– Allgemein witziger Artstyle
– Spielversionen recht unterschiedlich
– Jedes Spiel mit mehreren unterschiedlichen Spielmodi
Mag ich nicht
– PS1 und Sega Saturn Version fehlen
– Lässt sich zwar durch Cheats ausgleichen, aber zwei der Spiele sind übertrieben schwer (vermutlich wegen Gummiband KI)
– S16 und N8 Versionen sind ziemlich langweilig
Vielen Dank an QUByte Interactive für die Bereitstellung des Testmusters. Gespielt auf PlayStation 5.