Donkey Kong Bananza (Review)

Beinahe 20 Jahre hat Donkey Kong seit seinem Nintendo 64-Abenteuer mit dem Bananenüberschuss auf einen neuen 3D-Ableger warten müssen. EPD Tokyo, das Studio hinter den 3D-Marios, hat sich des kräftigen Bananenfreundes angenommen und ihm mit Donkey Kong Bananza eine besondere Bühne bereitet als das erste große exklusive Einzelspieler-Abenteuer für die Nintendo Switch 2.

Donkey Kong ist gemeinhin bekannt für seinen unstillbaren Bananenhunger – in Donkey Kong 64 hat dieser zu einer schier exzessiven Sammelorgie geführt, bei der tausende bunte Bananen und 200 goldene Bananen zu ergattern waren. In Bananza entschließt sich Donkey Kong augenscheinlich, dass oberirdische Bananen nicht mehr ausreichend sind und er begibt sich kurzerhand unter Tage, um sich auf die Suche nach hunderten Banandium-Juwelen zu begeben. Dabei trifft er nach kurzer Zeit auf Pauline, bekannt aus dem ersten Arcade-Donkey Kong und Super Mario Odyssey. In diesem Spiel ist Pauline allerdings erst 13 Jahre und muss nicht nur ihren Weg zum Planetenkern mit Hilfe von DK finden, sondern zudem ihren Weg zu ihrer späteren Karriere als Musik-Diva.

Auffällig ist gleich, wenn man sich mit der Steuerung vertraut macht, der Schwerpunkt auf das Schlagen. Von den vier Facebuttons werden nämlich drei für verschiedene Schlagvarianten – nach oben, nach unten und nach vorn – verwendet, im Vergleich zu nur einem Sprungknopf. Zusätzlich kann Donkey Kong Geröll aufheben (mit ZR) und es werfen oder darauf mit ZL surfen – diese Technik nennt sich Brocksurfen. Wenngleich das Spiel auf diese Technik nur selten explizit verweist, ist es diese Technik, die Donkey Kong Bananza in Sachen Platforming zumindest eine gewisse mechanische Tiefe gibt, denn mit dem Brocksurfen kann Donkey Kong sich nicht nur deutlich schneller fortbewegen, sondern zudem auch viel weiter springen. Bei einem normalen Sprung fällt er schon nach einer äußerst überschaubaren Zeit nach unten wie ein nasser Sack.

Mechanisch ist Donkey Kong Bananza also ziemlich weit weg von EPD Tokyos letztem großen Titel, Super Mario Odyssey, nichtsdestotrotz ist die Verwandtschaft der beiden Spiele kaum zu leugnen. Im Besonderen wird das beim Leveldesign und der Verteilung von Sammelgegenständen ersichtlich. Die insgesamt 17 Level in Donkey Kong Bananza, genannt Ebenen, sind offen gestaltet und können nach eigenem Gusto erkundet werden, allerdings gibt es einen kritischen Pfad durch die Level, der eine kleine Geschichte erzählt und auch die wichtigsten Plattforming-Aufgaben des Levels beinhalten. Zusätzlich gibt es aber eine große Zahl an Sammelgegenständen zu finden, die Donkey Kong auf verschiedene Weise stärker machen können.

So gibt es insgesamt 777 Banandium-Juwelen (oder auch einfach Bananen) zu finden – der Hauptsammelgegenstand des Spiels. Hinzu kommen fast 700 Fossilien in drei verschiedenen Größen. Von den Fossilien, die man in einer Ebene findet, kann man sich Kleidungsstücke kaufen, die verschiedene Effekte, wie beispielsweise eine erhöhte Rate an Schatztruhen oder verringerten Schaden durch Dornenranken, haben können. Die Banandium-Juwelen hingegen erlauben es Donkey Kong, Fähigkeiten aus einer Liste von freischaltbaren Fähigkeiten auszuwählen. Dabei gibt es eher langweilige – wenngleich hilfreiche – Fähigkeiten wie mehr Lebensenergie, aber auch solche, die Donkey Kongs Mobilität erhöhen, wie beispielsweise eine Fähigkeit, Brocksurfen auch auf dem Wasser ausführen zu können. Grundsätzlich kann man alle Fähigkeiten im Spiel auch freischalten, dafür werden aber nicht nur alle 777 Banandium-Juwelen, die in der Spielwelt versteckt sind, benötigt, sondern man muss den Banandium-Zähler sehr nah an sein Maximum von 999 Bananen heranbringen um jede Fähigkeit freizuschalten.

Das Leveldesign setzt auf eine Kombination aus kontrollierten Spielerfahrungen und Erkundungsdrang. So hat jede Welt einen kritischen Pfad, auf dem eine Geschichte erzählt wird und Plattform- ebenso wie Klopp-Aufgaben zu erledigen sind, in aller Regel mit dem Ziel, anderen zu helfen, um dem Planetenkern näher zu kommen. Der größte Teil der Spielinhalte sind aber abseits des kritischen Pfades zu finden. Ähnlich wie die Monde in Super Mario Odyssey sind sehr viele Bananen im Vorbeigehen an verschiedenen mal mehr, mal weniger offensichtlichen Orten in der Spielwelt versteckt. Hinzu kommen aber auch Bananen, die ein kleines Rätsel darstellen, an schwer erreichbaren Stellen versteckt sind, oder aber – und das sind wohl die substanziellsten Aufgaben, die nicht zum kritischen Pfad gehören – in einem Subareal als Belohnung zu finden sind.

Subareale gibt es in zwei Ausprägungen – einer Kampfarena mit einer Banane als Belohnung und Platforming-Abschnitte mit drei Bananen als Belohnung. Letztere erinnern der Präsentation und Aufgabenstellung nach ein wenig an die Classic-Level in Super Mario Sunshine und entlohnen den Spieler üblicherweise in der Mitte und am Ende jeweils mit einer Banane. Zusätzlich gibt es eine versteckte Banane in jedem dieser Abschnitte. Die Kampfarenen beginnen ziemlich schlicht mit einer Reihe von einfachen Gegnern, teilweise in Wellen, die man besiegen muss – spielerischer Gehalt hier ziemlich nahe Null. Zum Glück werden die Kampfarenen sehr bald deutlich anders genutzt. Zwar ist das Ziel immer, eine gewisse Zahl an Gegnern zu besiegen, doch in einem großen Teil der späteren Arenen ist das an Rätsel, ungewöhnliche Geometrie oder Platforming-Aufgaben gebunden, so dass die Arenen trotz ihrer großen Zahl nicht zu einem Störelement wie die Kampfschreine in Breath of the Wild werden.

Auffällig ist, dass der Schwierigkeitsgrad von Donkey Kong Bananza äußerst niedrig ist. Es gibt zwar eine Hand voll anspruchsvollerer Aufgaben später im Spiel, aber Donkey Kong ist schnell so mächtig, dass man nie ernsthaft in Gefahr gerät, die Aufgaben nicht bewältigen zu können. Eine wichtige Rolle spielen im Aufgabendesign die Bananzas, die entscheidend zum Abwechslungsreichtum des Spiels beitragen. So kann Donkey Kong sich nach und nach in verschiedene Tiere verwandeln, beispielsweise einen großen Affen, einen Strauß oder einen Elefanten mit saugwütigem Rüssel. Diese Bananzas kommen nicht nur mit ihren eigenen Challenge-Räumen daher, sondern können zudem die Aufgabengestaltung in der Oberwelt genügend auflockern, dass das etwas schlichte Grund-Gameplay sich nicht abnutzt. Nichtsdestotrotz muss festgehalten werden, dass die Zerstörungswut Donkey Kongs sicherlich nicht das Dauerbrennerpotenzial auch in Sequels hätte, das Marios Moveset mit sich bringt. Leider werden die Bananza-Fähigkeiten auch nicht alle gleichermaßen gut genutzt – gerade die, die eher auf eine Erweiterung der Beweglichkeit ausgelegt sind, sind im Grunde nutz für einzelne für sie ausgelegte Aufgaben brauchbar, wohingegen Elefant und Kong Bananza zwar sehr umfassend einsetzbar sind, die Grundmechaniken aber nur sehr moderat erweitern.

Technisch ist Donkey Kong Bananza durchaus beeindruckend, kann allerdings leider in technisch aufwendigen Situationen die Ziel-Bildwiederholrate von 60 Bildern in der Sekunde nicht zuverlässig halten. Besonders wenn der Elefant-Bananza mit seinem Rüssel kräftig zulangt, fliegen so viele Partikel durch das Bild, dass nachvollziehbarerweise die Framerate in Mitleidenschaft gezogen wird. Zum Glück wirkt sich das nicht negativ auf die Spielbarkeit aus, aber in Anbetracht dessen, dass wir von EPD Tokyo eigentlich eine stabile Performance gewohnt sind, ist es doch erwähnenswert. Musikalisch wird solide Kost geboten, die aber nur selten hervorsticht. Die Highlights sind in der Tat Neuauflagen alter Musikstücke aus Rares Donkey Kong-Zeit – die in der Präsentation des Spiels darüber hinaus auch eine erstaunlich große Rolle spielt.

Donkey Kong Bananza ist ein frisches und gelungenes 3D Jump & Run, das aus meiner Sicht aber nicht mit den Mario-Spielen des Team mithalten kann. Wer besonders viel Freude an wilder Zerstörung hat, der wird das allerdings möglicherweise etwas anders sehen. Als erstes großes Singleplayer-Abenteuer der Nintendo Switch 2 ist Donkey Kong Bananza in jedem Fall eine tolle Wahl.

Getestet auf Nintendo Switch 2.