Ich habe in den letzten Tagen viel über Darts gelernt. Dass es ideal ist, wenn das dominante Auge und der Wurfarm auf unterschiedlichen Seiten liegen. Welche Haltungen üblich sind und dass der gegebenenfalls vordere Fuß auf derselben Körperseite liegt wie der Wurfarm. Dass man sich mindestens zwanzig Minuten einspielen sollte. All das für das VR-Sportspiel Darts VR2: BullsEye. So viel Aufwand, um mich in einem Videospiel zu verbessern, betreibe ich eher selten. Hat sich das gelohnt?
Darts in VR
Wer mit Darts gar nichts anfangen kann, wird mit Darts VR2: BullsEye auch nicht warm werden. Drei der vier Modi sind klassische Dartspiele mit unterschiedlichen Regelungen. Der vierte ist ein Zombiemodus mit Gegnerwellen (zum Glück habe ich schonmal Zombies in VR bekämpft!), was die Zielscheiben beweglich macht.
Ich habe kaum Bezug zu Darts, was mir den Einstieg ins Spiel sehr erschwert hat. Nicht, wenn es darum geht, die Regeln der einzelnen Modi zu verstehen, die sind simpel genug. Aber Darts VR2 geht davon aus, dass die Basics sitzen. Armhaltung, Fußposition, ein Verständnis dafür, wie ich wenigstens ungefähr halbwegs den gewünschten Sektor treffe.
Beim echten Darts fällt vermutlich auch der Dartpfeil wesentlich seltener auf den Boden.
Okay, es gibt Ladebildschirmtipps, die mir sagen, ich solle meine Punktzahl tracken und Doppelfeldtreffer üben. Allerdings … kann ich nur in einem aktiven Spielmodus Pfeile werfen. Weder kann ich mich entspannt warmspielen, noch gezielt einzelne Felder üben, ohne dass das hinterher meinen Score beeinflusst. Außerdem trage ich ein Headset, was das Schreiben von Notizen nicht unbedingt vereinfacht.
501
501 ist mein Erzfeind. Hierbei geht es darum, mit möglichst wenig Würfen 501 Punkte zu erreichen und das Spiel mit einem Doppelfeld zu beenden. Ich habe drei Dartpfeile, die ich bei gedrücktem Knopf automatisch nacheinander in die Hand nehme und loslasse, drücke ich den Knopf nicht länger. Nach diesen drei Würfen verkündet ein Ansager die in dieser Runde erzielte Punktzahl, die von der Gesamtzahl abgezogen wird. Verbleiben nur so wenige Punkte, dass ich mit einem Doppelfeld das Spiel beenden kann, leuchtet das entsprechende Feld.
Nun ist ein Doppelfeld sehr klein und befindet sich am äußeren Rand der Dartscheibe, was das Treffen doch ein wenig erschwert. Bei jedem Treffer außerhalb des Spielfelds oder bei fallengelassenen Dartpfeilen ist das Publikum hörbar schockiert, was beim ersten Mal lustig ist, beim hundertsten Mal allerdings weniger. Treffe ich dagegen den richtigen Sektor, aber zu weit ins Innere, halbiert sich die verbleibende Punktzahl, wie auch andere Felder mit niedrigerer Anzahl die Restpunktzahl weiter senken. Dadurch ändert sich das Doppelfeld, das ich treffen muss.
Bis irgendwann nur noch die doppelte 1 übrig ist.
Die befindet sich sehr weit oben und nach rechts versetzt. Ich weiß nicht, ob die Dartscheibe so weit oben hängen sollte, da sie das in anderen Modi nicht tut. Aber allein schon, nur noch ein einzelnes Feld übrig zu haben, das ich treffen muss, um das Spiel zu beenden, erzeugt einen gewissen Druck. Wenn ich zusätzlich nicht weiß, wie ich ein kleines Feld treffe, werfe ich höchstwahrscheinlich überallhin, nur nicht auf dieses Feld. Mitsamt wiederholter Publikumsreaktion bei kompletten Fehlwürfen. Mit wiederholter Wartezeit nach drei Würfen. Außerdem ist das Werfen auf Dauer überraschend anstrengend.
Das sorgt bei einem Treffer irgendwann nur noch für Erleichterung und nicht für ein Erfolgsgefühl (bei dem obendrein die Wurfzahl miserabel aussieht).
Außerdem bin ich bei meinem ersten BullsEye furchtbar erschrocken.

Killstreak
Bei Killstreak geht es darum, wiederholt dasselbe Feld zu treffen. In der Theorie ist das ganz gut, um in Darts VR2 gezielte Treffer zu üben. Allerdings ist eine Spielrunde sehr schnell vorbei, werfe ich ein paarmal daneben. Bis ich erneut loslegen kann, dauert es für meinen Geschmack etwas zu lange.
Das entsprechende Feld ist immer optisch markiert, wobei Effekte bei zunehmender Trefferanzahl intensiver werden. Irgendwann wird sogar die Dartscheibe größer.
Wäre ich schneller wieder im Spiel, würde mir Killstreak mehr Spaß machen. Gute Punktzahlen erreiche ich sobald ohnehin nicht, also würde ich wenigstens gern schneller einen neuen Versuch wagen.

Around the World
In Around the World ist das Ziel, jede Zahl nacheinander in aufsteigender Folge zu treffen und mit einem Treffer in die Mitte abzuschließen. Fehlwürfe bedeuten Punktabzüge.
Was bei mir bedeutet, dass ich meine ersten Gehversuche mit negativen Punktzahlen abgeschlossen habe. Die Position der Dartscheibe empfinde ich aber als deutlich angenehmer als in 501.
Hier schafft Darts VR2 auch eine virtuelle Pub-Umgebung mit schwebenden Köpfen und klatschenden Händen hinter mir. Außerdem sorgen Treffer der richtigen Felder für Lichteffekte und Partikeln in der Luft.
In diesem Modus habe ich auch am unmittelbarsten meine eigenen Fortschritte gesehen. Wenn auch vorwiegend deshalb, weil ich mir Tipps von außerhalb geholt habe. Wiederholung allein half mir nämlich nur sehr begrenzt dabei, zielsicherer zu werden.
Aber ich konnte zusehen, wie ich immer häufiger mehrere Treffer hintereinander erzielt habe. Die ersten Male, bei denen ich nach Feld 20 eine Punktzahl über 0 hatte, habe ich zwar anschließend so viel daneben geworfen, dass ich doch wieder in den negativen Zahlen gelandet bin. Aber über den ersten Sieg mit Punkten habe ich mich sehr gefreut.

Walking Darts
Ein wenig ungewöhnlicher (außer vielleicht für VR-Spiele) ist der Zombiemodus Walking Darts in Darts VR2: BullsEye. Hier stehe ich in einem verfallenen Gebäude, während aus allen Ecken im Halbkreis vor mir grüne Zombies in meine Richtung wanken. Treffer in Kopf, Körper und Gliedmaßen erzielen unterschiedliche Punktzahlen und richten gleichzeitig unterschiedlich viel Schaden an. Für je drei Kopftreffer erhalte ich einen explosiven Dartpfeil (also in meinen ersten Spielrunden eher wenige).
Je näher ein Zombie, desto einfacher ist er zu treffen. Zu nahe allerdings, und ich werde besiegt. Bei der Menge an beweglichen Zielen kann es im ersten Moment schon herausfordern, den Überblick zu behalten, wenn die Zielsicherheit noch nicht mitspielt. Ab der zweiten Welle treten zudem schnellere Zombies auf, die mich so manches Mal überrascht haben, wenn ich gerade eine andere Ecke von Zombies befreit habe.
Abseits von meiner Treffsicherheit hat der Zombiemodus allerdings ein großes Problem. Bei seitlichen Würfen passiert es sehr schnell, dass die Armbewegung nicht als Wurf zählt und der Dartpfeil direkt vor mir auf dem Boden landet. Dadurch sind die äußeren Zombies sehr schwer zu treffen.

Fazit
Darts VR2: BullsEye spielt sich weitgehend überzeugend, bietet aber nicht allzu viel Mehrwert gegenüber einem physischen Dartspiel. Gezieltes Üben ist schwierig und ein wenig mehr Anleitung über die Spielregeln hinaus würde nicht schaden. Der Zombiemodus hat zudem einige Probleme bei Würfen auf von der Seite kommenden Zombies. Daher reicht es nur für eine eingeschränkte Empfehlung.

Herzlichen Dank an Gamitronix für die Bereitstellung des Testmusters. Virtuelle Pfeile geworfen auf PlayStation 5 Pro mit PSVR2.