Bevor Yoshi Held einer eigenen Jump & Run-Serie wurde, hat er zunächst als Titelgeber für eine Reihe von Spin-Offs der Mario-Reihe fungiert. Besonders im Puzzle-Genre hat Yoshi eine Menge Erfahrung gesammelt, aber ein leider nie in Deutschland (schon aber in anderen Teilen Europas) veröffentlichter Titel ist wohl das größte Kuriosum der Yoshi-Reihe. Yoshi’s Safari ist nämlich ein Lightgun-Shooter für das kurzlebige Nintendo Scope und kann auch nur mit dieser Peripherie – die ebenfalls nicht in Deutschland erschienen ist – gespielt werden.
Die Geschichte von Yoshi’s Safari wird in kurzen animierten 2D Sequenzen mit Textunterschriften erzählt: Mario und Yoshi sind vom Pilzkönigreich in das Schmuckkönigreich gereist, um die dortigen royalen Herrscher zu retten. Bowser und seine Kinder haben nämlich die 12 Juwelen des Königreichs gestohlen und damit die Kontrolle über das Königreich an sich gerissen. Diesmal wird aber zu drastischeren Mitteln gegriffen, um Bowser und Co. das Fürchten zu lehren, denn Mario hat eine dem Nintendo Scope nachempfundene Schusswaffe dabei, mir der den Gegnern aus dem Pilzkönigreich mächtig eingeheizt wird.

Yoshi’s Safari ist wie ein Arcade-Spiel darauf ausgelegt, in einer einzigen Sitzung durchgespielt zu werden, was in Anbetracht eines Umfangs von etwa ein bis zwei Stunden aber auch kein Problem darstellen sollte. Einen Spielstand legt das Spiel nicht an. Der Spielaufbau ist in drei Phasen geteilt. Zunächst muss man sieben Level schaffen – die Reihenfolge kann man sich aussuchen, auch wenn es grundsätzlich empfehlenswert ist, sich an die Nummerierung zu halten, dann vier weitere und schließlich im letzten Level gegen Bowser antreten.
Spielerisch ist Yoshi’s Safari dabei ein sehr klassischer Lightgun-Shooter, bei dem man vorrangig auf den Bildschirm zielt und schießt. Das Nintendo Scope habe ich auf Grund seiner Größe als etwas unhandliche Light Gun empfunden, aber die Funktionalität der Lightgun ist, obwohl sie mittlerweile mehr als 30 Jahre alt ist, zuverlässig. Die Voraussetzung ist allerdings, dass man noch einen Röhrenfernseher sein Eigen nennt, denn mit modernen Fernsehern kann die Lightgun nichts anfangen. Leider hat es keine späteren Umsetzungen für Wii oder Nintendo Switch gegeben, die Bewegungssteuerungsalternativen für moderne Fernseher geboten hätten.

Neben Zielen und Schießen gibt es noch eine weitere Aktion, die man in Yoshi’s Safari ausführen kann, nämlich den Sprung. Dieser ist immer mal wieder erforderlich, um größere Abgründe zu überwinden und die Notwendigkeit für den Sprung wird optisch und akustisch deutlich kommuniziert. Der Sprung trägt tatsächlich auch nicht viel zu der Spielmechanik bei, da er abseits der klar angekündigten Sprungstellen keine Rolle spielt.
Das Leveldesign in Yoshi’s Safari ist spaßig, aber nicht allzu anspruchsvoll. Obwohl ich gewiss kein Shooter-Experte bin, bin ich im gesamten Durchlauf durch das Spiel nur zwei Mal gestorben und habe das Spiel mit neun verbleibenden Extraleben abgeschlossen. Allerdings wäre es in Anbetracht der Länge des Spiels auch vermutlich recht frustrierend, wenn man alle Leben aufbrauchen und komplett von vorn beginnen müsste. Ich habe mich gleichsam durch das Spiel nicht unterfordert gefühlt und durch die hohe Frequenz von Gegnern und die Balance des Cooldowns für die Waffe stets sehr konzentriert spielen müssen.

Um in wiederholten Durchgängen etwas Abwechslung ins Spiel zu bringen, bieten die Level mehrere Weggabelungen, an denen man per Schuss auf eine Schranke zwischen zwei Routen wählen kann, die dann jeweils andere Gegnerkonstellationen bieten. Insbesondere nach Zwischenendgegnern wird man zudem mit Items belohnt, die teilweise nur für das aktuelle Level dienlich sind, teilweise aber auch permanente Upgrades bieten.
Die permanenten Upgrades betreffen das Cooldown der Waffe. Man kann nämlich in Yoshi’s Safari nicht einfach durchgehend den Schnellfeuerknopf gedrückt halten, da man nur solange in annehmbarer Frequenz schießen kann, wie man Energie auf der Schussenergieleiste hat. Wenn man den Schussknopf kurz loslässt, erholt sich die Leiste sehr schnell, aber zu Beginn des Spiels ist die Leiste auch ziemlich kurz, so dass man schon bewusst auf Feuerpausen achten muss. Wenn man das Glück hat, eine Feuerblume aus der Itembox zu schießen, wird die Leiste aber jeweils ein kleines Stück erweitert, bis sie am Ende des Spiels sogar so lang werden kann wie die Lebensenergieleiste – die zum Glück ziemlich großzügig bemessen ist. Das ist auch der Grund, wieso es empfehlenswert ist, die Level der Reihe nach zu spielen, denn mit einer längeren Schussenergieleiste sinkt auch der Schwierigkeitsgrad.

Erwähnenswert sind in jedem Fall noch die abwechslungsreichen Endgegnerdesigns, die jeweils mit eigenen Schwächen und Angriffen daherkommen und das Bowsers Schergen auf gelungene Weise abbilden. Die Endgegnerkämpfe sind zwar nicht allzu schwierig, man muss aber einen guten Rhythmus aus Offensive und Defensive finden, damit man über den Kampf hinweg in Bedrängnis gerät. Das Zeitlimit, das jedes Level mit sich bringt, sorgt dafür, dass man sich bei den Endgegnerkämpfen nicht zu sehr auf die Defensive konzentrieren darf, denn wenn die Zeit abgelaufen ist, verliert auch Yoshi ein Leben. Apropos Yoshi: Es ist wichtig, darauf zu achten, seinen Dinofreund nicht anzuschießen, denn anderenfalls wird man mit einem Verlust von Lebensenergie bestraft, der je nach Spielsituation durch die niedliche Trefferanimation nicht ohne weiteres aufgewogen werden kann.
Yoshi’s Safari ist ein spaßiges, buntes Lightgun-Shooterspiel mit einem gelungenen Endgegnerdesign. Es ist zwar eine etwas eigenartige Entscheidung, Mario eine Bazooka in die Hand zu drücken, doch die Präsentation bleibt dennoch äußerst moderat. Wenn man größere Gegner besiegt, zeigen sie comichaft Verletzungen, werden aber offensichtlich nicht getötet und der Ton des Spiels ist insgesamt freundlich. Wer Yoshi-Fan ist, einen Röhrenfernseher besitzt und zu einem aushaltbaren Preis an Spiel und Scope gelangt, dem sei Yoshi’s Safari ohne Frage ans Herz gelegt, für die meisten Spieler dürften die Einstiegshürden für Yoshi’s Safari aber wohl etwas zu hoch sein, in Anbetracht der überschaubaren Spielzeit.

Getestet auf Super Nintendo.