Mit Wimmelbildspielen verbind ich immernoch diese super generischen Titel, bei denen man einfach 1:1 ein paar vorgegebene Gegenstände finden muss und das ganze dann noch unter Zeitdruck. Das Genre wirkte damals auf mich schon so trivial und uninteressant wie weniges, und es wundert mich kein Stück, dass die Hauptzielgruppe vor allem Wenig-Spieler oder sogar Non-Gamer waren. Ein paar wenige Wimmelbildspielchen interessieren mich aber dann trotzdem. Vor allem die, die dann mehr in die niedliche Cozy-Ecke rücken und am Besten dabei auch noch eine oder mehrere niedliche Geschichten erzählen. Nippets gehört da eindeutig dazu.
Quer durch die Jahreszeiten
Wir starten also im Frühling. Wir werden in eine belebte Stadt geworfen, jede Menge Menschen und Tiere tummeln sich auf den Straßen. Am unteren Bildschirmrand zeichnen sich schemenhafte Objekte ab, ein Rechtsklick verrät uns ein bisschen mehr darüber wo wir sie finden können. Der kleine Billy hat den Ball also ganz hoch geschossen? Hmm… Ah! Da ist doch in dem einen Baum ein komisches rotes Ding! Aber mit Anklicken kommen wir nicht weit. Also wird kurzerhand einfach der Baum geschüttelt. Der Ball fällt herab, wir sammeln ihn mit einem Klick ein. Geschafft! Jetzt schnell noch die Kinder suchen die so wirken als hätten sie gerade Ball gespielt, scrollen wir doch noch ein bisschen über die Karte. Ah, genau! Gefunden! Juhu, Billy und sein Freund können wieder weiterspielen!

Und ungefähr so läuft dabei jeder einzelne Sammelgegenstand ab. Viele kann man schon erahnen ohne dass man sich den Start der Geschichte ansieht, indem man einfach ein bisschen die Karte überfliegt und durch die Gegend klickt. Fenster können geöffnet und die Rollläden hochgeschoben werden. So erhalten wir auch ein paar privatere Einblicke in die Wohnungen der Bewohner der Stadt. Und entdecken Katzen, die wir natürlich sofort streicheln. An manchen Orten können wird dabei auch Gebäude betreten und in den Innenräumen noch mehr Gewusel, Easter Eggs und wichtige Gegenstände entdecken.
Vom Suchen und Finden
Ein Zeitlimit gibt es in Nippets nicht. Um eines der vier Level – eines für jede Jahreszeit, plus je eines für Prolog und Epilog – abzuschließen reicht es ungefähr drei Viertel aller Fundstücke aufzuspüren. Dafür kann man sich so viel Zeit lassen wie man möchte und auch so viele Fehler machen wie man möchte – denn im Vordergrund stehen die kleinen, lebendigen und auch handgezeichneten Welten, die Blink Industries hier geschaffen haben und die niedlichen Häppchen von Geschichten, die mittels der Sammelaufgaben Stück für Stück enthüllt werden. Tatsächlich hat mich Nippets stark in seinen Bann gezogen, dass ich es am liebsten direkt am Stück verschlungen hätte.

Ein paar Erfolge gäbe es für mich noch zu erobern, sowohl Steam-Errungenschaften, als auch Ingame-Achievements. Vielleicht sind die auch identisch, ingame steht keine Erklärung dabei. Aber ansonsten habe ich innerhalb von 3 Stunden das Spiel komplett abgeschlossen und alle vier großen Jahreszeiten-Level zu 100% komplettiert. Ich glaub sogar, dass ich damit eher auf der langsamen Seite war, direkt im ersten Level habe ich wirklich lange alles für das letzte Objekt – ein Buch! – durchkämmt. Überhaupt empfand ich die Länge dabei als sehr angenehm. Das ist jetzt nicht die Art von Spiel in die ich Dutzende Stunden noch und nöcher hineinstopfen kann, gleichzeitig hat es mich lange genug unterhalten und motiviert, so dass ich wirklich auch die letzte Katze streicheln und den letzten Schneeball suchen wollte.
Nippets ist ein Paradebeispiel für ein Ich-Kuschel-Mich-In-Meine-Kuscheldecke-Und-Schlürfe-Heiße-Schokolade-Dabei-Wenn-Alles-Draußen-Eisig-Kalt-Ist Spiel. Die liebevollen Zeichnungen und putzigen kleinen Geschichten hinter den Objekten die wir aufsammeln und wieder in die richtigen Hände zurückgeben, haben mir so manches Mal ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Entsprechend kann ich Suchenthusiasten und Wimmelbildfreunden Nippets wärmstens ans Herz legen. Aber vergesst nicht alle Katzen zu finden!

Vielen Dank an Blink Industries für die Bereitstellung des Testmusters. Vögelchen auf einem Windows Laptop verjagt.