Super Meat Boy 3D (Review)

In frühen Jahren der Downloadspiele war einer der ersten großen Hits Super Meat Boy, ein 2D Jump & Run, das mit einer Kombination aus hohem Schwierigkeitsgrad, kurzen Levels und minimaler Zeit zwischen Tod und nächstem Versuch den Reiz „nur noch einen Versuch“ zu wagen, maximiert hat. In drei Dimensionen hat dieses Konzept bislang keiner ernsthaft angefasst, nun schickt sich Super Meat Boy 3D aus dem Hause Sugarfly (zuvor: Hell Pie) an, das zu ändern.

Wenngleich die Geschichte von Super Meat Boy 3D sicherlich keinen Innovationspreis gewinnt, haben die Entwickler sich nicht lumpen lassen und dem fleischigen Gesellen eine Reihe vorgerenderter, aber textfreier, Sequenzen spendiert, die die Hintergründe seiner Hatz durch die Level beleuchtet. Doktor Fetus, ein fieser Typ im Zylinder, hat Meat Boys Freundin entführt und nun ist es an Meat Boy, sie zu retten. In jedem Level wartet Meat Boys Freundin sehnlichst und geduldig auf ihren Erretter, nur um dann in letzter Sekunde wieder ins nächste Level entführt zu werden. Wie frustrierend!

Der Aufbau von Super Meat Boy 3D ist einigermaßen klassisch, bietet aber eine entscheidende Unterstützung für weniger geübte Spieler an. Jede der fünf Welten des Spiels besteht aus 15 Levels, die in beliebiger Reihenfolge gespielt werden können, und einem Endgegner. Um gegen den Endgegner anzutreten, muss man allerdings nicht alle 15 Level erfolgreich absolvieren, sondern nur einige der Level erfolgreich abschließen. So kann man einzelne Level, die man partout nicht übersteht, auslassen, ohne Meat Boys Freundin dauerhaft im Stich lassen zu müssen.

Die Level sind strikt linear und nutzen eine statische Kamera, so dass die Entwickler stets in der Hand haben, dass man die ideale Sicht auf das Spielgeschehen hat. Wenn gelegentlich doch einmal ein Hindernis die Sicht blockiert, wird dieses in aller Regel von einem kreisförmigen Ausschnitt durchlöchert, durch den man Meat Boy weiterhin Auge behalten kann. Gelegentlich verstecken die Entwickler auf diese Weise Hindernisse, insbesondere Lücken, aber im Regelfall ist Super Meat Boy 3D optisch sehr transparent, was in Anbetracht der hohen Spielgeschwindigkeit auch essenziell ist.

Im Verlauf des Spiels werden immer wieder neue interaktive Levelelemente eingeführt, die den Spieler dazu zwingen, stets in Bewegung zu bleiben. Ob gefährliche Flammensäulen, die rhythmisch auftauchen, Sprungplattformen oder Antigrav-Blasen, mit dem Spielfortschritt werden die Level immer feindseliger. In der Konsequenz kann man später im Spiel nur an wenigen Stellen kurz durchschnaufen. Ob das aber eine gute Idee ist, sei dahingestellt, denn wieder in den Rhythmus der dynamischen Elemente der Level zu gelangen, kann ziemlich schwierig werden. In aller Regel sind diese nämlich so optimiert, dass man in einem Rutsch durchlaufen kann. Vereinzelt gibt es aber Levelelemente die augenscheinlich gezielt so justiert wurden, dass man seine Aktion marginal verzögern muss, um nicht in den Tod zu springen. Insbesondere in einem Level, das stark an Donkey Kong Countrys Schussfässer angelehnt ist, spielt das eine Rolle.

Neben der Erreichung des Ziels eines Levels gibt es noch zwei weitere Aufgaben, die allerdings optional sind. Einerseits kann man versuchen, eine Zielzeit zu unterbieten, um eine Bewertung mit „A+“ zu erhalten andererseits gibt es in jedem Level ein verstecktes Pflaster zu finden – im Regelfall sind diese beiden Ziele widersetzlich, können also nur schwer oder gar nicht in einem einzelnen Lauf gemeinsam erledigt werden. Die Zeiten für die Bewertung mit A+ sind, in Relation zum Schwierigkeitsgrad des Spiels im Allgemeinen, meistens recht kulant und gelegentlich war es mir sogar möglich, die Zielzeit um ein Viertel oder mehr zu unterbieten. In manchen Levels, gerade solchen mit sehr starren Abläufen der Levelelemente, sind die Zeiten aber auch mal ziemlich knapp.

Wem das noch nicht reicht, der kann jedes Level noch in einer Dunkelvariante unter verschärften Bedingungen absolvieren. Der generelle Ablauf des Levels bleibt hierbei identisch, allerdings werden Plattformen entfernt oder zusätzliche Hindernisse wie Dornen im Level platziert, die oft auch bestimmte Routen unmöglich machen, die in der Standardvariante des Levels noch zugänglich waren. Achievement-Sammler müssen in dieser Hinsicht stark sein, denn die meisten Achievements sind hinter den dunklen Levels verborgen. Ich habe beispielsweise beim vollständigen Durchspielen des Spiels mit einem A+-Rang in allen Levels (in der Lichtvariante) nur ein einzelnes Achievement für den Spielabschluss erhalten.

Technisch ist Super Meat Boy 3D über weite Teile sehr gut gelungen, es gibt allerdings in der ersten Hälfte des Spiels eine Reihe von Levels, die auf der Xbox Series X die Zielframerate von 60 Bildern in der Sekunde nicht halten können. Das ist etwas kurios, weil die Level in Super Meat Boy 3D recht überschaubar sind und bei dem hohen Schwierigkeitsgrad des Spiels die Framerate schon recht wichtig ist. Zum Glück legen sich die Performance Probleme aber in der zweiten Spielhälfte. Die Musik im Spiel hat mir gut gefallen und ist durchweg im Rockstil gehalten, was zu dem etwas überzeichnet martialischen optischen Stil des Spiels passt. Nichtsdestotrotz kommt mir die Altersbegrenzung ab 16 verhältnismäßig hoch vor, da Meat Boy selbst keinerlei Angriffsmöglichkeiten hat und man somit selbst nie Gewalt ausübt, sondern allenfalls selbst Opfer der zahlreichen Fallen wird, die Doktor Fetus aufgestellt hat.

Super Meat Boy 3D ist ein anspruchsvolles aber auch sehr motivierendes 3D Jump & Run mit einem gelungenen Leveldesign und einer eingängigen Spielphysik. Ich bin persönlich kein großer Freund davon, wiederholte Wandsprünge an der selben Wand zu erlauben, in 3D und im Zusammenspiel mit dem Wandlauf ist das in Super Meat Boy 3D für meine Begriffe aber in Ordnung. Davon ab ist auch die hohe Spielgeschwindigkeit und der nahtlose Neustart nach einem Fehler eine Stärke des Spiels. Ich kann Super Meat Boy 3D allen, die vor häufigen Neustarts nicht zurückschrecken, ans Herz legen.

Vielen Dank an Headup Games für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Xbox Series X.