Nachdem es um die „Memories Off“-Reihe länger still wurde kam vor ein paar Jahren mit SINce Memories: Off the Starry Skies ein Titel, der in Japan nicht einmal das „Off“ im Namen trug. Im Zuge des 25. Reihenjubiläums gab es 2025 mit Memories Off Sousou ~ Not always true~ wieder einen Vertreter, der auch das Off trägt. In ein paar Tagen kommt mit Break Out of my Shell die FanDisk beziehungsweise After Stories dazu heraus, zu diesem Anlass habe ich mir den neusten Hauptteil aktuell angesehen. Bis dahin konnte mich die Reihe immer überzeugen. Stimmt das auch diesmal?
Auch wenn das Spiel hierzulande auf Steam erschienen ist und Spiele in der Regel zumindest eine englische Lokalisation haben, ist das eben nicht immer wahr. Das kennen wir von bisherigen „Memories Off“ und auch diesmal sollte man idealerweise Japanisch oder Chinesisch verstehen. Ich bin bei Japanisch geblieben, auch wenn das Spiel bei jedem Spielstart erneut versucht hat, mir Chinesisch näherzubringen. Wenigstens das Hauptmenü ist Englisch, weshalb die Option problemlos zu finden ist.

Kein Interesse an Liebe und Romantik?
Der Protagonist diesmal ist Itsuki Kusumegi, Schüler in der vorletzten Stufe der Oberschule. Zwar hat er mit Nene Amaha eine sehr anhängliche Kindheitsfreundin, doch Liebe und Romantik sind ihm fern. Denn er ist ja seit seiner Kindheit verlobt, auch wenn er die Verlobte nicht kennt. Und da wäre es ja unhöflich, wenn er sich mit jemand anderem einließe, oder? Klingt komisch, ist aber so. Abseits der Hauptrouten der beiden Heroinnen des Covers wird der Sachverhalt auch gar nicht so genau beleuchtet.
Itsuki ist der Ansicht, anderen zu helfen, mache nicht nur diese, sondern auch ihn glücklich. Und da es ihn glücklich mache, brauche er keine Belohnung. Es kommt natürlich, wie es kommen muss. Je nach Auswahl möchte er in den Routen verschiedenen Heroinnen helfen. Trotz seines mangelnden Interesses an Romantik muss er sich ja nicht von Mädels fern halten. Oder?

Diverse Nebenrouten
Je nach Entscheidungen kann man nicht nur auf die Hauptroute einbiegen. Durch manche Entscheidungen trifft Itsuki auch auf andere Mitschülerinnen und gerät näher in Kontakt.
Die aus Deutschland stammende Akira Marie Förster ist zwar eine Jahrgangsstufe unter ihm und er hat keinen direkten Bezug. Er ist zum Beispiel in keinem Schulclub, im Fußballklub der Mädchen logischerweise sowieso nicht. Aber auf Drängen seines Freundes Arata kann er mit ihm das Team beim Fußballtraining betrachten. Arata hat im Gegenzug zu Itsuki deutlich mehr Interesse am anderen Geschlecht, wenn auch erfolglos. Und nur wenige Szenen später möchte Akira schon, dass Itsuki mit ihr ausgeht. Itsuki hat zwar daran kein Interesse, aber Akira bleibt hartnäckig. Sie ist sehr von sich überzeugt, und hat ihre eigenen Hintergedanken. Mit etwas Druck schafft sie es, dass Itsuki ihr hilft. Wo ist er da reingeraten?
Auch wenn Akira aus Deutschland stammt, streut sie nur vereinzelt deutsche Worte wie Danke schön ein. Dabei fiel mir nichts negativ auf.

Kazune Kitakata ist in der Klasse eigentlich sehr zurückhaltend und in Bücher vertieft, aber da Itsuki auch Lightnovels und Webnovels mag, ergibt sich je nach Entscheidung die Chance, mit ihr zu interagieren. Etwas unangenehm folgt er ihr in einen Bücherladen und erfährt dort von ihrer geheimen Otaku-Natur. Natürlich möchte er das Geheimnis wahren und sie nicht unglücklich machen. Aber sich gemeinsam über Leseerfahrungen austauschen, das möchte er. Und so kommen sich die beiden näher und er möchte bald Kazune bei ihrem Traum unterstützen. Aber Träume können auch zu Albträumen werden. Wie wird es hier laufen?
Setsuka Nakamori schließlich ist eine etwas rebellische Schülerin, die sich mit fragwürdigen Gesellen rumtreibt und in Konflikte gerät. Im Auftrag der Lehrerin Tsubame Minami soll Itsuki ihr nachspüren. Erst der Duft von Zitronen hat mir ins Gedächtnis gerufen, dass mir nicht nur ihr Vorname bekannt vorkommt; Tsubame Minami kam schon im zweiten Reihenteil vor und nutzte auch dort bisweilen schwer verständliche Aussagen. Auch einen Nakamori gab es. Setsukas rebellische Art ist ungewohnt für Itsuki. Kann er im Mutter-Kind-Konflikt helfen?

Die Nebenrouten bieten Abwechslung und wissen zu unterhalten. Die anderen Charaktere spielen meist keine oder nur eine geringe Rolle. Das Verlobungsthema spielt dort zwar teils auch eine gewisse Rolle, aber die Hintergründe bleiben unklar. Und dann löst es sich auch praktisch in Wohlgefallen auf, wenn es problematischer würde. Abseits davon ist es auch nicht schwer, die guten Enden mit passenden Auswahlmöglichkeiten zu erreichen.
Bewunderung oder mehr?
Die Hauptrouten in Memories Off Sousou ~ Not always true~ dagegen sind nicht voneinander unabhängig sondern ineineinander verwoben. Genauer gesagt muss man die Route von Sae Sunomiya erst einmal abschließen, um überhaupt die Auswahlmöglichkeit zum Routenwechsel freizuschalten; mitgeteilt wird das nicht. Lustigerweise hatte ich an der Stelle, an der die Auswahl dann eingefügt wird, beim ersten Mal schon den Eindruck, da müsse eigentlich eine Auswahl kommen. Ich dachte erst, die sei wegen früheren Entscheidungen eben nicht da.

Sae Sunomiya kommt in Itsukis Wahrnehmung, als sie ihn in einem Familienrestaurant zurechtweist. Er hat mit Freunden zu viel bestellt und Reste übrig gelassen. Sae arbeitet in diesem Restaurant. Danach geht sie ihm nicht aus dem Kopf. Eigentlich möchte er seine Kindheitsfreundin Nene um Rat fragen. Aber er kann auch stattdessen verspätet seinen Freunden in das Restaurant folgen. Erneut haben sie Reste gelassen, aus schlechtem Gewissen kümmert sich Itsuki darum und isst. Als er Sae so erneut trifft, ist sie freundlicher. Damit festigt sich in ihm das Bild, sie sei viel erwachsener als er. Somit fragt er Nene und seinen besten Freund Arata um Rat, wie er ihr näher kommen und von ihr lernen könne. Aber bitte „natürlich“, als sei es Zufall.
Der Weg der Wahl ist es dann, auch in diesem Familienrestaurant zu arbeiten. Dort arbeitet übrigens gerade auch der reihenbekannte Shin Inaho. Zwar ist die Arbeit ungewohnt, aber Itsuki fest entschlossen, von Sae zu lernen. Als er feststellt, dass auch sie Probleme hat, möchte er ihr helfen. Geht das gut aus? Bei mir… mehrfach nicht. Ich habe mir dann Notizen zu den Auswahlmöglichkeiten gemacht und überlegt, was richtig sein könne. Schließlich habe ich es geschafft.

Hat man die Route erfolgreich beendet, kann man zwischendrin auf Nenes Route abbiegen. Auch wenn Nene ihm mit Sae viel geholfen hat, geht es ihr eben mehr um ihn. Und eine enge Kindheitsfreundin ist in VNs auch oft eine gute Wahl als romantische Partnerin?
In diesen Hauptrouten werden das Verlobungsthema und dessen Hintergründe stärker thematisiert und es wirkt fast schon konträr zu den Nebenrouten, in dem es sich später einfach bequem in Luft auflöst. Auch wird klar, warum Itsuki Nene als „family“ mit dem englischen Wort bezeichnet, statt dem japanischen. Es offenbaren sich Schatten und mancher Charakter gerät in ein etwas anderes Licht. Jetzt könnte man natürlich überlegen, ob das nicht auch in Nebenrouten stärker vorkommen müsse, ich bin aber eher froh, dass dem nicht so ist.
Not always true und 0 Route
Durch Erreichen mehrerer oder bestimmter Enden wurden im Menüpunkt Continue auch zwei weitere Routen freigeschaltet. Not always true bietet eine etwas andere Sicht auf Nene, die in den Hauptrouten schon durchschimmerte. Es gibt nur anfangs eine Entscheidung, die entweder zu Saes schlechtem Ende oder zum Ende von Not always true führt. Somit ergibt sich ein Erlebnis ohne weitere Einflussmöglichkeiten. Als nettes Extra schaltet man damit auch Notizbuchseiten von Nene frei inklusive Durchgestrichenem und Kritzeleien.

In 0 Route darf man endlich mehr über das Mädchen erfahren, dass nach dem ersten Ende in neuen Durchgängen ganz früh für wenige Sekunden auftaucht. Arata erzählt von einem Vermisstenfall von vor 25 Jahren an der Schule, die die Gruppe besucht. Noch heute soll die Vermisste durch die Schule streifen. Ein unheimliches Lachen erschrickt die Gruppe, woraufhin Rei Shinonome erschrocken zu Boden fällt. Sie mag unheimliche Geschichten und urbane Legenden sehr, leider keiner sonst aus ihrem Bekanntenkreis. Deshalb freut sie sich umso mehr, vermeintlich Gleichgesinnte getroffen zu haben, wenn auch in einer höheren Jahrgangsstufe. Itsuki, Nene und Arata sind freundlich genug, mehr Zeit mit ihr zu verbringen. Rei möchte als Leiterin (und einziges Mitglied) des Okkult-Klubs dem Vermisstenfall nachspüren.
Leider erweisen sich Nene und Arata als zu ängstlich, aber in Itsuki sieht Rei Potenzial. Natürlich hilft er ihr gerne, denn Helfen macht alle glücklich. Auch wenn es darum geht, nachts urbanen Legenden nachzuspüren oder an Mutproben erinnernde Rituale in der Schule zu vollführen. Schon bald hat er jedoch das Gefühl, dass sich die Umgebung ändert. Hat er eine Grenze überschritten, die es nicht zu überschreiten gilt? Aber alle Mutproben müssen bestanden werden, denn sonst…

Die 0 Route hat mich um eine angebrachte Menge Schlaf gebracht, aber nicht weil sie mir zu gruselig gewesen wäre. Ich wollte sie nur noch eben beenden, und dann war es plötzlich früher Morgen. Stimmungsmäßig geht sie in eine etwas andere Richtung als reihenüblich, hat mir aber gut gefallen.
Fazit
Memories Off Sousou ~ Not always true~ hat mir wie die Vorgänger im großen und ganzen gefallen. Auf Saes Route hätte ich etwas mehr Klarheit bei den Auswahlmöglichkeiten bevorzugt, auch per Skipfunktion für schon gelesenes im Schnelldurchlauf hat es einige Zeit gedauert, bis ich das gute Ende erreicht hatte. Die neue Abzweigung für Nene wurde dann auch nicht extra kommuniziert, weshalb ich erst „Not always true“ für ihre Route hielt. Die Übersicht über die Enden ließ dann anderes erwarten und ich habe im Internet (auf Japanisch) nachgelesen. Die Benennung der Steam-Achievements hat bei mir übrigens nur seltsame englische Namen, vielleicht hat da das System Probleme gehabt. Chinesisch hätte mir freilich auch nicht geholfen.

Es gibt wieder viel Unterhaltung, eine Portion Humor, herzwerwärmende oder auf die Tränendrüsen drückende Szenen. Es gibt aber auch diverse „belastende Themen“, die angesprochen werden. Zwar geht es nicht allzu sehr ins Detail, aber kommt vor. Und das nicht nur in schlechten Enden. Diese können auch mal den Tod von Charakteren beinhalten. Das Spiel hat laut Steam auch erst eine Freigabe ab 18 Jahren. Dass laut Spielbeschreibung die Charaktere alle über 18 sein sollen, lässt mich mittlerweile fast schon eher schmunzeln. Meiner Meinung nach müsste bei dem Dargestellten beides nicht sein, aber es stört mich auch nicht besonders.
Die Musik unterstützt die Stimmung gut und die japanische Sprachausgabe gefällt mir. Nenes Sprecherin kenne ich auch aus anderen Spielen, in denen sie teils grob ähnlich spricht. Deshalb hatte ich bis zum Abspann zumindest die Vermutung, dann Gewissheit.

Ich würde bei Memories Off Sousou ~ Not always true~ eigentlich aufgrund des Unterhaltungswerts für mich insgesamt gerne eine Empfehlung aussprechen, auch wenn manche Elemente wie die Verlobungssache mir über die Routen hinweg nicht so ganz rund vorkommen. Aber zusammen mit den unterstützten Sprachen reicht es auch diesmal nicht dafür.

Getestet auf PC (Steam Deck).