Tales of Berseria Remastered (Review)

Annähernd zehn Jahre ist es her, als Tales of Berseria in Japan erschienen ist. Da man damals noch monatelang auf eine Lokalisation warten musste, hatte ich kurzerhand die PS3-Version importiert. Die PlayStation 4 habe ich offenbar erst spät gekauft, nämlich im Dezember 2016. Mir hatte das Spiel dann auch gut gefallen. Nun ist mit Tales of Berseria Remastered eine überarbeitete Version erschienen. Diverse ehemalige DLCs und „Quality of Live“-Verbesserungen sind dabei enthalten. Kann das Spiel auch heute noch überzeugen?

Alles für Rache?

In der Welt von Tales of Berseria Remastered sind vor ein paar Jahren massenhaft „Daemons“ erschienen, die die Menschen gefährden. Exorzisten, die diese bekämpfen könnten, waren knapp. Auch die Protagonistin Velvet hat dabei ihre Schwester verloren. Seitdem lebte sie mit ihrem kleinen Bruder Laphi und ihrem Schwager Arthur bescheiden in einem kleinen Dorf.

Unheilvoller Mond, unheilvolle Ereignisse.

Aber dann bricht das Unheil erneut herein. Daemons überrennen das Dorf, und Arthur opfert Laphi für ein Ritual. Dabei wird Velvet in einen Daemon verwandelt. Ihr linker Arm wird monströs und kann Daemons verschlingen. Ihr Angriff auf Arthur dagegen, der sich nun Artorius nennt, scheitert.

Jahrelang in einem Kerker gefangen und mit Daemons gefüttert sinnt Velvet auf Rache. Eine Chance eröffnet sich, als Seres sie befreit. Seres war als malak, eine art übernatürliches Wesen, Partnerin des Exorzisten Artorius. Doch sie kann seinen Weg nicht mittragen und bittet Velvet, ihn zu stoppen. Dafür opfert sie sogar ihr Leben, um Velvet Kraft zu geben.

Mit dem Daemon-Schwertkämpfer Rokurou und der selbsternannten Hexe Magilou gelingt die Flucht von der Gefängnisinsel.

Ich bleibe beim kurzen Namen.

Auf dem Weg der Rache erfährt Velvet mehr über die aktuelle Welt und Artorius Einfluss, den er über die Kirche mit den Exorzisten erlangt hat. Diese benutzen willenlos gemachte malakhim, um Daemons zu bekämpfen. Strenge Ordnung und Verstand sollen die Welt retten, das Ganze über dem Einzelnen stehen. Opfer seien nötig. Damit sind nicht alle einverstanden, und Velvet erlangt weitere Mitstreiter. Auch wenn die Welt sie als Feind sehen sollte, geht sie zielstrebig voran.

Die Geschichte und Charaktere wissen mich noch immer zu unterhalten. Auch wenn Velvet auf Rache sinnt, blitzen immer wieder positivere Emotionen durch. Auch weitere Charaktere wachsen im Verlauf der Geschichte, wobei andere Teile der Gruppe dagegen schon sehr gefestigt sind. Ernsthaftigkeit und Drama wird aufgelockert durch positivere Zwischenmenschlichkeit (Daemons und malakhim mit eingeschlossen) und auch Humor. Gerade Magilou wirkt oft nicht sehr ernsthaft, teils auch absichtlich um die Stimmung aufzuhellen.

Seltsamer Vergleich.

Quer durch die Welt

Tales of Berseria Remastered hat optisch abwechslungsreiche und teils auch schöne Gebiete, die in ihrem Aufbau aber meist eng gestaltet sind. Etwas weitere Abschnitte gibt es zwar, ohne aber unnötig groß zu sein. Abzweigungen für Truhen oder andere Belohnungen, auch kosmetische Accessoires, finden sich bisweilen. Kleinere „Rätsel“-Aufgaben sollten keinem zu schwierig sein. Einzig in einem optionalen Gebiet hielt ich ein farbkodiertes Hindernis noch für unüberwindbar. Als ich später für eine Nebenquest dorthin sollte habe ich mich nochmal genauer umgesehen und die Lösung auch schnell gefunden.

Kartenicons helfen bei der Wegfindung, außerdem werden Truhen, Statusupgrade-Kräuter und Quest-NPCs angezeigt. Nützliche Schnellreisefunktionen werden zudem früh freigeschaltet. So kann man Dungeons verlassen und außerhalb von Dungeons zu schon besuchten Städten reisen. Je nach Storyabschnitt sind natürlich nicht alle Orte verfügbar. Innerhalb von Dungeons gibt es teilweilse auch Warppunkte zu finden. Im späteren Verlauf erhält man auch ein „Geoboard“, mit dem man schneller über dem Boden schweben und bestimmte Abgründe überwinden kann. Dessen Verwendung muss aber in verschiedenen Gebieten jeweils per Interaktionspunkt freigeschaltet werden. Schwache Gegner kann man mit dem Geoboard direkt auf der Oberwelt vernichten, erhält dabei aber keine Erfahrung.

Für das Geoboard sind übrigens auch alternative Formen und Designs enthalten.

Ich habe die Welt gerne erkundet und optionale Aufgaben darin bestritten. Für den ein oder anderen wären komplexere Rätsel vielleicht wünschenswert. Ich persönlich fand es lediglich nicht so gut, dass man für bestimmte Truhen mit kosmetischen Accessoires jede Menge Katz-Seelen sammeln muss. Wer alle öffnen möchte, wird wohl sehr oft bekannte Gebiete durchstreifen, um erneut erschienene Seelen einzusammeln.

Auf in den Kampf

Tales of Berseria Remastered beinhaltet reihentypisch ein Action-Kampfsystem mit Artes. Gegner vorher auf dem Feld von hinten zu berühren bringt Vorteile, von hinten berührt zu werden Nachteile. Wer für bessere Belohnungen mehr Risiko möchte, kann auch mehrere Gegnergruppen zusammen herausfordern.

Bis zu vier Charaktere nehmen gleichzeitig am Kampf teil. Hier kann man standardmäßig Kombos mit bis zu vier Artes hintereinander einsetzen, die jeweils mit einem der vier Facebuttons gewählt werden. Die Artes für die vier Knöpfe und Kombostufen kann man im Menü zuweisen. Je nach Schwierigkeitsgrad ist das unterschiedlich wichtig. Da Artes unterschiedliche Elemente haben können und oft stark gegen bestimmte Gegnerkategorien sind, habe ich manchmal je nach Gebiet Anpassungen vorgenommen. Zumal jeder getroffene Schwachpunkt den Schadensmultiplikator erhöhrt.

Darüber hinaus haben Artes auch Zusatzeffekte wie stärkeres Stun-Potential, Buffs und Debuffs sowie Statusveränderungen.

Bei blockenden Gegnern einfach weiter drauf zu schlagen war nicht die effizienteste Entscheidung.

Artes sind in martial artes, hidden artes und malak artes (Zauber) eingeteilt. Martial Artes sind schnell, Hidden Artes sind stärker und dauern etwas länger. Zauber zu wirken dauert und kann unterbrochen werden, aber nach mehreren anderen Artes in einer Kombo werden sie schneller gewirkt.

Etwas eingeschränkt wird man durch das Soul- und „Soul Gauge“-System. Standardmäßig startet man mit drei Souls und kann mit diversen Kampfaktionen wie Besiegen von Gegnern, Guard Breaks und knappem Ausweichen auf bis zu fünf erweitern. Kombos werden durch die Anzahl der Souls begrenzt, außerdem kosten Artes auch noch Soul Gauge, jede Soul entspricht 30 Einheiten Soul Gauge.

Ohne Soul Gauge kann man zwar weiter angreifen, allerdings werden Angriffe dann leichter geblockt, und man kann selbst nicht blocken. Deshalb sollte man das nur in vorteilhaften Situationen wie bei gestunnten Gegnern einsetzen. Wenn man halbwegs vernünftig kämpft, ist das System in der Regel kein Problem. Man kann aber durch Statusveränderungen und brechen des eigenen Blocks Souls verlieren, was dann stark einschränkt. Wenn man Glück hat, sind andere Charaktere besser dran und man wechselt einfach. Dafür braucht man aber eine Einheit BG. Ein bisschen erhält man zu Kampfstart, aber auch durch Break Souls.

Größere Gegner dürfen nicht fehlen.
Break it

Man kann Souls nämlich auch gezielt opfern, mit charakterspezifischen „Break Soul“-Fertigkeiten. Diese können hilfreich sein und füllen die BG zudem etwas auf. Velvet erhält bei ihrem Break Soul je nach getroffener Gegnerkategorie unterschiedliche Buffs, verliert aber stetig HP. Deshalb sollte man den Zustand nicht zu unbedacht einsetzen. Ein spezieller Kombofinisher beendet das. Allerdings heilt der Einsatz von Break Soul den Charakter, was das Risiko ausgleichen kann. Rokurou zum Beispiel hat eine Konterhaltung als Break Soul, ein anderer Charakter kann Schaden für mehrere Sekunden halbieren und heilt die Gruppe anschließend. Break Soul sind zwar in aller Regel für bestimmte Situationen gedacht, können aber meist frei eingesetzt werden und heilen dabei trotzdem. Lediglich ein Charakter ist seltsamerweise dabei eingeschränkt und auf gestunnte oder zu Boden geworfene Gegner angewiesen.

Das Kampfsystem und die charakterspezifischen Break Souls sind unterhaltsam, es klingt auch komplizierter als es ist. Der normale Schwierigkeitsgrad ist zudem recht vergebend, wer es halbwegs beherrscht sollte den Schwierigkeitsgrad gegebenenfalls erhöhen. Die höchsten Schwierigkeitsgrade schaltet man durch Besiegen bestimmter optionaler Gegner frei.

Der Name kommt mir bekannt vor.

Gut vorbereitet?

Das Zuweisen der verschiedenen Artes je nach Gegnern ist natürlich nicht alles, was man vorbereitend machen kann. Es gibt jede Menge Ausrüstung zur Auswahl. Fast jeder Gegner hat sogar ein eigenes Ausrüstungsstück als mögliche Beute. Natürlich ist spätere Ausrüstung tendenziell stärker, aber auch die Ausrichtung der Statuswerte kann sich stark unterscheiden. Zudem hat jedes Ausrüstungsstück einen Master Skill, den der Charakter für sich lernen kann, indem er mit der Ausrüstunggenug kämpft.

Zwar sind einzelne Master Skills nicht allzu mächtig, aber man kann so durch häufigen Wechsel der Ausrüstung ein breites Arsenal kleinerer Boni für den Charakter erhalten. Diese stapeln sich zudem mit gleichen Boni der aktuellen Ausrüstung. Neben den Master Skills hat Ausrüstung noch zwei Boni, die beim Verstärken des Ausrüstungsstücks freigeschaltet werden können. Außerdem können noch mehrere zufällige Boni zusätzlich vorhanden sein.

Ausrüstung verstärkt man bei Händlern mit Materialien und Geld, die Materialien erhält man zum Teil durch das Auseinandernehmen von Ausrüstung. Manche höhere Materialien erhält man erst bei höherer Upgradestufe des auseinandergenommenen Ausrüstungsstücks. Ausrüstung kann je nach Fortschritt bis zu zehnmal verbessert werden. Abhängig von der Summe der Verbesserungen kann man im Kampf auch noch zusätzliche Vorteile erhalten. Allerdings ist das System so ausbalanciert, dass man sich auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden nicht wirklich darum kümmern muss.

Neben freischaltbaren Outfits sind auch frühere DLCs enthalten.

Fazit

Auch nach fast zehn Jahren kann das Spiel in seiner leicht aufpolierten Fassung überzeugen. Ich habe den Weg von Velvet und ihren Verbündeten gerne mitverfolgt. Die Welt habe ich ordentlich erkundet und vielerlei optionale Inhalte mitgenommen, komplexere Rätsel sollte man aber nicht erwarten. Die japanische Sprachausgabe gefällt mir und die Musik ist toll, unterstreicht auch oft die Atmosphäre. Das Kampfsystem macht Spaß und das Balancing ermöglicht es einerseits, nach Bedarf ohne viel nachzudenken durchzukommen, ermöglicht für höhere Schwierigkeitsgrade aber auch optimierte Builds. Ich kann Tales of Berseria Remastered für Fans actionreicher JRPGs gut empfehlen.

Vielen Dank an Bandai Namco Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf PlayStation 5.