Mit den Sportspielen von Nintendo verbindet mich schon seit einigen Jahren eine intensive Hassliebe, wie man zum Beispiel in meinem Review zu Mario Strikers nachlesen kann. Einerseits sind sie immer extrem spaßig und das Gameplay kann überzeugen, doch es fehlt ihnen fast immer an Content. Oft gibt es nur einen sehr rudimentären Storymode oder direkt nur Turniere wie in Mario Kart und die Multiplayer Modi decken noch nicht einmal die Mindeststandards der Industrie ab. Trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich mich auf den nächsten Titel freue – so auch auf Mario Tennis Fever.

Das Gameplay
Beginnen wir direkt mit der größten Stärke des Spiels. Das Gameplay ist wirklich fantastisch und man hat sich enorm viel einfallen lassen. Es gibt eine Menge freischaltbarer Charaktere mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, diverse verschiedene Schläge, etliche Schläger, die alle einen besonderen Feverschlag mitbringen, unterschiedliche Spielfelder, die das Ballverhalten spürbar verändern, und vieles mehr. Das alles im Detail zu erklären würde vermutlich mehrere Seiten benötigen, daher beschränke ich mich auf das wichtigste Feature: die Feverschläge. Sobald sich durch erfolgreiche Ballwechsel die Fever Bar gefüllt hat, kann man je nach Schläger einen besonders starken Spezialschlag nutzen. Dieser kann zum Beispiel Feuerbälle auf dem Feld verteilen, an dem der Gegner sich verbrennen kann, Eiskugeln, bei deren Kontakt man kurz einfriert, Wirbelstürme, die über das Feld rasen und sowohl den Spieler als auch den Ball ablenken, ein ausbrechender Vulkan und viele mehr. Besonders spannend: wenn der Gegner den Ball per Volley direkt aus der Luft fischt, wird er umgekehrt und könnte das eigene Feld treffen, wenn man ihn denn nicht direkt wieder zurück schlägt. Das funktioniert alles hervorragend und kann teilweise richtig chaotische und spaßige Ballwechsel provozieren. Man könnte meinen mit einem so soliden Fundament kann eigentlich nicht mehr schief gehen, oder?

Der Story Modus
Natürlich erwartet niemand eine wirklich tiefgründige Story von einem Mario Tennis, aber die Story dieses Spiels ist wirklich bemerkenswert dumm. So dumm, dass ich sie hier mit euch teilen muss, damit ihr dieses Juwel auch dann kennenlernt, wenn ihr das Spiel nicht spielen werdet. Prinzessin Daisy wird schwer krank und Mario überlegt sich gemeinsam mit seinem Bruder, was sie machen können. Zufällig wissen Wario und Waluigi aber von einer goldenen Zauberfrucht, die sie sofort heilen kann. Die vier machen sich also gemeinsam auf den Weg diese zu pflücken. Das funktioniert auch direkt auf Anhieb, leider geht auf dem Rückweg aber etwas schief und die vier werden in Babys verwandelt. Bevor sie sich an dem Monster, das sie verwandelt hat rächen können müssen sie aber erst wieder zu Kräften kommen und um das zu erreichen entscheiden sie sich, wie sollte es auch anders sein, auf eine Tennis Akademie zu gehen.
Was in der Akademie folgt ist ein derart langgezogenes Tutorial, dass ich am Ende wirklich dachte, dass das Spiel vorbei ist. Wirklich überrascht hätte es mich nicht, denn viel länger waren andere Sporttitel auch nicht. Aber eins nach dem anderen. In der Akademie angekommen lernen wir nach und nach die verschiedenen Schläge. Hierfür müssen wir uns durch sehr lange und belanglose Dialoge klicken und ständig quer durch die Akademie laufen. Aufgelockert wird dies durch gutgemeinte, aber meist recht triviale Minispiele, bei denen wir zum Beispiel möglichst oft durch Ringe schlagen müssen. Hier hat man sich wirklich Mühe gegeben Abwechslung zu schaffen, allerdings sind die Spiele so einfach und so schnell vorbei, dass dies gar nicht richtig gewürdigt werden kann. Auf den weiten Wegen um einen neuen Schlag zu lernen oder ein paar Theoriefragen zu beantworten begegnen uns auch optionale Übungsmatches, die allerdings überhaupt nichts bringen und ebenfalls sehr einfach sind, sodass es nicht wirklich einen Grund gibt sie zu bestreiten. Glücklicherweise ist das Spiel nach der Akademie noch nicht vorbei und kann endlich richtig losgehen. Zumindest denkt man das. Nachdem man über Stunden so viel über Plätze, Schläge und Charaktere gelernt hat, reicht es leider für die gesamte Kampagne den Ball mit A über das Netz zu hämmern. Man wird trotzdem jedes Spiel gewinnen und mit etwas Reihenerfahrung vermutlich nicht einmal einen einzigen Ballwechsel verlieren. Das ist wirklich schade, denn das Spiel hat so viel Potential, wie man nach der etwa vier- bis fünfstündigen Kampagne herausfinden wird.

Die Turniere und der Missionsturm
Wieder mit dabei sind Turniere, je drei für Einzel oder Doppel Matches. Doppel finde ich persönlich nicht sonderlich gelungen, weil es da einfach um Zufall abhängt, wie gut der Mitspieler spielt, sodass man am besten versucht möglichst alles allein zu machen. Beide Spielmodi bestehen aus drei Cups mit je drei Matches. Die ersten beiden Cups sind auch hier wieder absolut trivial und es reicht, einfach auf A zu hämmern. Richtig spannend wird das Spiel im letzten Cup. Ich habe zwar auch hier keinen einzigen Satz verloren, ich musste aber wirklich hart für meine Siege arbeiten und hatte so viel Spaß wie in der ganzen Kampagne nicht. Schade, dass das im ganzen Spiel nur in drei regulären Matches so ist.
Der kreativste Spielmodus ist aber definitiv der Missionsturm. Auch hier gibt es wieder drei Schwierigkeitsstufen und die letzte war tatsächlich das erste Mal, dass ich in diesem Spiel etwas nicht auf Anhieb geschafft habe. Man hat im Turm drei Leben und muss mit diesen auf jedem Stockwerk spezielle Aufgaben erledigen. Dies sind häufig Tennismatches mit besonderen Regeln, teilweise aber auch Minispiele wie den Ball durch Ringe schlagen und spezielle Bossgegner, die am Ende des Turmes auf einen warten. Dieser Modus macht tatsächlich jede Menge Spaß und insgesamt muss man wirklich anerkennen, wie viel Mühe und Content insgesamt in dieses Spiel geflossen ist, denn es gibt zusätzlich auch noch einen Modus in dem man in alter Wii Sports Manier selbst den Schläger schwingen kann oder gegen andere Minispiele absolviert.

Der Multiplayer
Nachdem ich jetzt sehr viel über den Singleplayer geschrieben habe würde ich das am liebsten auch über den Multiplayer machen, doch da sind meine Erfahrungen leider schnell erzählt. Es gibt freie und ranked Matches, für Einzel und Doppel, man kann auswählen, ob man mit oder ohne Feverschläge spielen will und – anders als in meinem letzten Sporttest- man wählt jetzt schon vor der Gegnersuche seinen Charakter und Schläger aus. Das würde den Spielstart sicherlich deutlich beschleunigen. Wenn es denn Gegner gäbe. Ich habe an einem Sonntagnachmittag trotz wiederholter Versuche leider nicht ein einziges Onlinespiel machen können. Das Spiel hat immer wieder versucht einen Gegner zu finden und irgendwann verzweifelt aufgegeben. Dies kann jetzt natürlich zwei Gründe haben.
- Das Matchmaking ist wirklich richtig richtig schlecht
- Es spielt einfach keiner.
Ich bin mir nicht sicher, was von beiden schlimmer wäre. Gehen wir einfach davon aus, dass es einfach keiner spielt. Hier könnte man sagen, dass Nintendo dafür ja nichts kann, ich finde aber, dass es man es ihnen damit zu leicht macht. Onlinemultiplayer ist einfach etwas, das in heutigen Mulitplayerspielen das A und O ist und Nintendo ist dafür verantwortlich, dass es genügend Spieler gibt, ansonsten lohnt es sich einfach nicht, ihre Spiele dafür zu kaufen. Warum es keiner spielt kann verschiedene Gründe haben. Einer ist sicherlich, dass der Onlinemodus in vorherigen Sportspielen dermaßen schlecht war, dass die Leute die diesen nutzen wollen das Spiel vorsichtshalber nicht mehr kaufen. Das hätte mich ohne Testmuster ehrlicherweise auch betroffen, denn ich hätte zumindest gewartet, bis ich es irgendwo günstiger kaufen kann. Der zweite und sicherlich noch gewichtigere Grund, der mir einfällt ist, dass das Spiel für den modernen Multiplayer Markt einfach zu teuer ist. Ich will gar nicht darauf eingehen, ob es das wert ist oder nicht, das muss jeder für sich entscheiden. Aber die Onlinekonkurrenz ist so massiv und es ist so wichtig genügend Spieler anzulocken, dass die meisten Multiplayertitel sogar kostenlos sind und sich durch ingame shops finanzieren. Das möchte ich Nintendo sicherlich nicht empfehlen, wohl aber, dass das Spiel massiv günstiger sein sollte, damit man es sich für ein paar Runden zwischendurch kauft und dann vielleicht merkt, dass das Gameplay wirklich fantastisch ist. So findet man dann hoffentlich auch Gegner.
Wenn man im lokalen Multiplayer oder mit Freunden online spielt, dann ist das Spiel sicherlich hervorragend. Ich muss aber gestehen, dass ich niemanden kenne, mit dem ich dies testen konnte, wodurch ich nichts dazu schreiben kann. Ich mach das alles aber schon lang genug, um durch das Gameplay darauf zu schließen, dass das ein großer Spaß sein muss.
Fazit:
Es ist wirklich schwierig, dieses Spiel zu bewerten, weil es so viel Licht, aber ebenso viel Schatten gibt. Die Kampagne ist bemüht, aber viel zu leicht und belanglos, die Turniere schnell durchgespielt, aber im letzten Cup wirklich toll, der Missionsturm macht durchgehend Spaß, aber ist auch in höchstens zwei Stunden beendet. Der Onlinemodus funktioniert überhaupt nicht. Bis hierhin klingt das alles wirklich sehr durchwachsen. Aber damit tut man dem Spiel unrecht, denn man vergisst, dass das Gameplay wirklich fantastisch und das wohl beste Arcade-Tennis aller Zeiten ist. Es hängt also stark davon ab, ob man jemanden hat, mit dem man spielen kann oder ob es einem Spaß macht, immer wieder gegen KI Gegner zu spielen. Da bei mir beides nicht der Fall ist, muss das Fazit durchwachsen ausfallen.

Getestet auf der Switch 2. Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.