Planet of Lana II: Children of the Leaf (Review)

Willkommen! Ein letztes Mal weise ich euch darauf hin, dass gewisse Elemente, die ich hier erwähnen werde, euren Spielspaß mindern wird. Sofern ihr selbstverständlich auf die Narrative einen ähnlich oder ansatzweise so großen Stellenwert legt, wie ich. Also wenn ihr das Spiel unvoreingenommen spielen wollt, Husch husch! Weg hier! Alle anderen lade ich ein, einen Blick direkt auf die Story zu werfen.

Kurze Spoiler-Besprechung von Planet of Lana II

Der erste Planet of Lana baute das Mysterium auf, dass die Menschen gemeinsam mit den Robotern vor einer unbekannten Zeit auf den Schauplatz der Handlung gekommen sind. Lana erkundet zu Beginn von Planet of Lana II das abgestürzte Raumschiff. Sie entdeckt dabei erste Hinweise darüber, was sich zugetragen haben könnte. Dann setzt die Haupthandlung ein, die Fremden vergiften Anua und wir befinden uns auf der Suche nach den Heilmitteln. 

Ganz besonders toll fand ich, dass es in einem Levelabschnitt dazu kam, dass wir auf einen weiteren Stamm von Menschen getroffen sind, die ein ähnlich beschauliches Leben wie wir führen. Auch hier haben die Fremden begonnen, die Natur zu vernichten, um Ressourcen für ihre eigenen Pläne zu gewinnen. Dass im Zuge dessen Lana entschließt, ihre Maschinen zu vernichten, passt in Lanas jugendlichen Leichtsinn. Dass daraufhin die Fremden Rache üben, diesen Stamm dem Erdboden gleichmachen und auch unsere Mentor-Figur töten, ist literarisch betrachtet eine solide Konsequenz des Motivs der Geschichte.

Screenshot zu Planet of Lana II
Dreh- und Angelpunkt

Nach dieser Sequenz ging es für mich leider auf mehrere Weisen bergab. Zuerst die gar nicht mal so schwerwiegende: der große Twist.

Wann sind Rückblenden sinnvoll?

Das fremde Volk wird angeführt von einer maskierten Gestalt, deren Identität offensichtlich nicht bekannt ist. Der große Twist offenbart die Person, die sich als Roboter darstellt. In Isolation eine nette Idee, aber leider zeigt uns Planet of Lana II viel zu offensichtlich die Richtung. Diverse Male schauen wir durch eine Rückblende in die Vergangenheit, als Mui als Teil der Crew des abgestürzten Raumschiffs eine Art Schutztier für ein Neugeborenes war.

In diesen Rückblenden erfahren wir von diesem speziellen Roboter im Grunde die wichtigsten Punkte: Der Roboter ist nicht nur Teil der Crew. Sondern auch Vater des Babys und Partner der Mutter, die ihrerseits Kapitän des Schiffes ist. Leider ist sie schwer krank, weswegen sie den Roboter – entgegen der Erwartung aller – zu ihrem Nachfolger ernennt.

Weitere Rückblenden erzählen davon, warum das Schiff abgestürzt ist. Sie öffnen das Worldbuilding und Mysterium weiter und sind eigentlich ganz spannend, wenn auch enorm offensichtlich. Aber es stellt sich die Frage: Wenn Mui nicht Hauptakteur dieser Rückblenden ist, wozu erzählt Planet of Lana II diese Segmente dann? Und die Antwort liegt auf der Hand: Damit wir nicht wie der Ochs vorm Berg stehen. Zugleich wird eine andere Figur als klarer Antagonist gezeichnet, u.A. indem es dieser Person “vergönnt” ist, den Mentoren von Lana zu töten. Wishfully hat sich offensichtlich gar nicht die Mühe gemacht, der Anführer-Persona mehrere Facetten zu geben.

Lustig finde ich dies vor dem Hintergrund, dass die Reaktion der antagonistischen Person auf die Enthüllung genug vom Schrecken erzählen könnte – wenn man nur wie bereits in Planet of Lana den Robotern die bösen Attribute zu verleihen…anstatt sie nahezu komplett auszusparen.

Und…das war es?

Artwork zu Planet of Lana II

Und nach diesem Twist? Kommen noch fünf Minuten, vielleicht ein paar zerquetschte mehr, ohne Gameplay, und dann ist Planet of Lana II vorbei. Fehlte nur ein “Lana will return in Planet of Lana III” am Ende der Credits…

Planet of Lana II endet komplett unverhofft, beinahe schon mitten in der Handlung. Und dazu kommt, dass das Schicksal von Lana und Mui komplett im Ungewissen gelassen wird. Ein Cliffhanger, wie er im Buch steht, um die Erwartungen an und Vorfreude auf die Fortsetzung zu steigern. Moment, gibt es noch keine Bestätigung von Planet of Lana III? Oha!

Das abrupte Ende lässt all meine Kritik an der Narrative in einem neuen Licht erstrahlen. Für das Finale wiederholt Lana nämlich den Fehler, dass sie auf eigene Faust loszieht. Wie schon bei der Zerstörung der Maschinen, die zum Tod zahlreicher Menschen geführt hat, wendet sich Lana ab. Das Ziel, Anua zu heilen, ist geschafft, sie wacht auch später parallel zur letzten Szene des Spiels aus ihrem Krankheitsschlaf auf. Natürlich ist Lanas Charakterentwicklung noch nicht zu Ende. Sie muss den Tod ihres Mentors und Freundes rächen. Das daran anschließende Kapitel hat den treffenden Titel “Revenge”. Wir wären sogar ohne Mui losgezogen, das kleine schwarze Bömmelchen ist weitaus besonnener! (Okay, die Rückblenden bestätigen ja auch, dass Mui mehrere hunderte Jahre alt ist)

Aber lernt Lana im Finale denn für ihre Charakterentwicklung etwas? Nein, denn wie der Plot durch den Cliffhanger zum Erliegen kommt, bleibt auch Lanas Charakter in der Schwebe. Es gibt auch keinen markanten Punkt, welcher hervorgehoben werden kann, der als ein Schritt gewertet wird, da hier nur noch Plot und Twist übernommen werden. Wer Planet of Lana II gespielt hat, könnte hier einwenden: »Aber Sascha, am Ende entscheidet sich Lana doch gewichtig!«, worauf ich entgegne: »Tut sie das?«

Der letzte Moment, als wir Lana und Mui sehen, passiert mit dem Roboter im Cockpit eines neu gebauten Raumschiffes. Lana versucht, Mui dazu zu bewegen, zu fliehen. Aber bevor sich die Tür schließen kann, bevor die Szene ihr natürliches Ende findet…schneidet das Bild weg. Wir sehen dann nur noch, wie das Raumschiff – beobachtet von der wiedererwachten Anua – in den Himmel aufsteigt.

Wir wissen null darüber, wie es um Lana und Mui steht, wie deren Entscheidungen sich auswirken. Der Cliffhanger, den Planet of Lana II nutzt, baut einen Berg von Fragen auf, ohne die viele weitere abzuschließen. Fast als würde es sich um eine TV-Serie handeln, die von den nächsten Einschaltquoten abhängig ist. Dies ist in Ordnung, wenn wir zuversichtlich sein können, dass die Geschichte zu Ende erzählt wird. Aber können wir das? In der heutigen Stimmungslage der Gaming-Industrie? Konnten wir das je? Wo bleibt mein The Order: 1886 – Part 2 Boogaloo?