Planet of Lana II: Children of the Leaf (Review)

Titelartwork zu Planet of Lana II: Children of the Leaf

Vor 893 Tagen endete meine abenteuerliche Reise in Planet of Lana. Ein Ende, was mich verwirrt zurückließ. Die positiven Kritiken und Bewertungen rieben mich zum Spiel, damals integriert als Gamepass-Häppchen. Und ich ging mit einer eher seltenen Diskrepanz zwischen meiner eigenen Wahrnehmung des Spiels und der öffentlichen Resonanz daraus hervor. Vor 12 Stunden und 47 Minuten liefen nun bei Planet of Lana II: Children of the Leaf die Endcredits. Und ich bin nicht weniger verwirrt. Zwar gibt es – Stand jetzt, während ich dies schreibe – keine öffentliche Resonanz für das Spiel. Vielmehr hat es das Spiel selbst geschafft, mir eine Achterbahnfahrt der Gefühle zu präsentieren. Dennoch glaube ich, dass sich Geschichte wiederholen und meine Meinung eher zu den Außenseitern zählen wird.

Planet of Lana II ist ein Nachfolger, den ich nicht erwartet hätte

Denn wenn es nach mir gegangen wäre, gäbe es wohl Planet of Lana II nicht. Ich mochte das Worldbuilding und die künstlerischen Werte des ersten Teils. Die Invasions-Story rund um Roboter, die Menschen entführen, gab mir narrativ, aber auch bildlich starke Krieg der Welten-Vibes. Und ich rede hier von den ersten dreißig Minuten Spielberg-Krieg der Welten, nicht dem Rest des Films.

Am Ende gab es sicherlich offene Fragen, gerade die Herkunft der Roboter und Menschen auf dem Planeten wurde angedeutet. Doch das Ende war in meinen Augen rund und stimmig, die Katastrophe trotz zahlreicher Opfer abgewendet. Vielmehr hatte ich damals meine Probleme mit dem häufigen spielerischen Leerlauf. Es war, wie jetzt auch Teil 2, kein langes Spiel, aber verlor sich zu oft darin, die Bilder und Momente zu zeigen. Und zum Kontrast dazu standen die Puzzle-Platforming-Sequenzen, die mich immer wieder frustriert haben. Nicht, weil sie zu schwer gewesen wären – das waren sie ganz und gar nicht. Sondern weil das Movement von Lana und die Kollisionskontrolle vielfach zu unpräzise war. Und die Puzzle zu stark von Stealth abhängig waren.

Und vorab: Planet of Lana II adressiert meine spielerischen Kritikpunkte vom Erstling! Wie bereits der Vorgänger bewegen wir uns als Lana durch schöne Welten entlang einer zweidimensionalen Ebene und versuchen dabei kleinere Rätsel zu lösen, um weiter voranzukommen. Dies bestand im Erstling vor allem daraus, einem Gegner auszuweichen, Tore zu öffnen und Mui, unser kleines schwarzes Bömmelchen, an die richtigen Stellen zu schicken. Solche Sequenzen gibt es auch jetzt noch in Planet of Lana II, werden aber ergänzt durch so viele andere Arten der Wegfindungs-Puzzle. 

Klick, schieb, spring, schwimm

Planet of Lana II bot in den gerade einmal knapp acht Stunden, die mir die Xbox angezeigt hat (spielintern ist es als 5 einhalb Stunden markiert) eine ganze Bandbreite an spielerischen Herausforderungen. Zwar gibt es abseits des Bosskampfes zum Ende des Spiels stets “nur” die Aufgabe, den weiteren Weg für uns zu öffnen. Doch wie so oft ist der Weg das eigentliche Ziel!

So gibt es neben den erwähnten “wie komme ich am besten an dem Gegner vorbei”-Leveln zahlreiche Variationen dieser sowie kreativere Ideen. Mir gefiel in der ersten Hälfte das wiederkehrende Format gut, in dem wir kleine, klebrige Fellwesen kontrollieren durften. Diese hinterließen mit ihrer Spezialfähigkeit eine Spur, die sich entzünden konnte. Auf diese Weise konnten wir brennbare Barrieren zerstören und besonders cool fand ich es, als wir gegnerische Laser nutzen mussten, um uns selbst in Brand zu stecken.

Allgemein übernehmen wir in Planet of Lana II mit den Fähigkeiten von Mui sowie der in Teil 1 errungenen Hacking-Melodie etliche Kreaturen und Maschinen, um spezielle Herausforderungen zu bewältigen. Fische, die von einem Teich zum nächsten hüpfen oder gefräßigen anderen Fischen mit ihrer Tinte die Sicht versperren.

Screenshot zu Planet of Lana II
Action-Setpieces sind meist Platforming-Sequenzen, die auf Timing, nicht Geschick basieren

Drohnen, mit denen Mui durch enge Korridore fliegen und unerreichbare Stellen erreichen kann. Die Abwechslung tut Planet of Lana II gut, auch wenn sich in der Kürze der Spielzeit zugegebenermaßen nicht allzu viel Schwierigkeit entwickeln kann. 

Gleichzeitig weiß das Spiel sehr gut, seine Ideen auf andere Weisen auszuspielen. Hier fand ich den finalen Boss des Spiels sehr spannend, da man hier zwischen zwei Akteuren wechseln muss. Leider viel zu schnell zu Ende gegangen. 

Und das Platforming? Fühlt sich zumindest besser an als beim ersten Ableger. Es gab zwar immer noch kleinere Passagen, in denen mich Ungenauigkeiten genervt haben. Diese basierten aber zumeist auf dem richtigen oder vielmehr falschen Timing.

Krieg der Welten war gestern

Und doch hat ein seltsames Gefühl in mir genagt, während ich Planet of Lana II gespielt habe. Ein Gefühl, das trotz aller Freude über die spielerische Weiterentwicklung mit zunehmender Spieldauer immer stärker wurde. Und vieles hat auch damit zu tun, dass meine Eindrücke im Vergleich zum Vorgänger eine 180-Grad-Wende gemacht haben. 

Planet of Lana II erzählt davon, wie nach den Ereignissen des Erstlings Lana und Mui mit ihrer neuen Familie ein ruhiges und beschauliches Leben führen. Und dabei gleichzeitig weiterhin versuchen, den Mysterien der Welt auf den Zahn zu fühlen. Doch jede Idylle findet einmal ihr Ende, als ein anderer Menschenstamm plötzlich eine “radioaktive” Substanz (weiß nicht, was da der bessere Begriff dafür wäre) in der Nähe unseres Dorfes ablegt. Leider nähert sich unsere Freundin Anua diesem Stein und erkrankt schwer.

Während also die älteren Personen des Dorfes auf Rache aus sind, weil die Fremden die Natur rund um unsere Heimat beginnen zu zerstören, ist es unsere Aufgabe ein Heilmittel für Anua zu finden. Drei Zutaten gilt es daher an verschiedenen Orten zu finden. 

Screenshot zu Planet of Lana II

Und selbstverständlich laufen wir den Fremden auf unserer Reise wiederholt über den Weg. In der Theorie schwingen hier zahlreiche Themen des Erwachsenwerdens mit, besonders Verantwortungsbewusstsein wird hier immer wieder mal thematisch in den Szenen und dem Plotverlauf widergespiegelt. Doch in seinem Kern offenbart sich Planet of Lana II als lineare, nicht allzu vielschichtige Geschichte. Die Geschichte eines Mädchens, welches einen Fehler wieder gut zu machen versucht. Und dabei immer wieder in das alte Muster zurückfällt, der eigenen Neugier unterliegt und lernen muss, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

Fehlende Wucht

Diese eigentlich ganz passable Idee haben wir schon öfter in diversen Medien erleben dürfen und ist im Grunde nichts allzu nennenswertes. Beeindruckend ist vielmehr, dass es Planet of Lana II auf vielen Ebenen nicht gelingt, diese Narrative für das, was sie sein will, und das, was sie sein kann, zu vermitteln. 

Wie bereits der Vorgänger erzählt Planet of Lana 2 seine Geschichte vorwiegend über Bilder sowie die Körpersprache, da eine fiktive Sprache für die Dialoge genutzt wird. Dies gelingt auch in der Regel gut und es lässt sich der Handlung gut folgen. Allerdings wirkte dieses Stilmittel im Rahmen der Isolation und Machtlosigkeit, die uns Planet of Lana fühlen lassen wollte, weitaus passender. Planet of Lana 2 will eine positive Charakterentwicklung von Lana zeichnen und schafft dies nicht, weil die eigenen Mittel für die dazu notwendige Tiefe zu limitiert wirken.

Dazu passt auch, dass die Diorama-Momente – also lange Laufsequenzen mit opulenten oder bedrückenden Bildern – in Planet of Lana II weit zurückgefahren wurden. Es geht jetzt nicht um Lana im Kontext ihrer Welt. Sondern um Lana, die einen inneren Konflikt im Rahmen der äußeren Handlung austrägt. Wenn mal solch eine Sequenz eingespielt wird, fehlt die Wucht oder Ästhetik, die dem Erstling an diesen Stellen für mich seine Höhepunkte gegeben hat. Visuell ist der Artstyle noch immer hübsch anzusehen, aber ohne diese Momente fehlte mir in Planet of Lana II eindeutig etwas.

Das Ende für Planet of Lana II sprengt mein Review-Format

Doch der wirklich schlimmste Fauxpas von Planet of Lana II passiert zum Schluss. Das nagende Gefühl hat mir nämlich noch zwei weitere Dinge zugeflüstert: Einerseits den großen Twist, der mal so gar nicht unmöglich zu übersehen war für mich. Und andererseits – subtiler und somit weitaus frustrierender – das Ende per se. All dies, was ich hier von der Narrative geschrieben habe, was Charakterentwicklung oder die Themen unter der Oberfläche angeht, werden nämlich komplett obsolet durch das Ende. Ich gebe auf der nachfolgenden Seite für euch einen kurzen mit Spoilern versetzen Abschnitt, weil ich euch an dieser Stelle – sofern ihr Interesse an Planet of Lana II habt – nicht den Spaß verderben will.

Denn Planet of Lana II ist in der Summe seiner Teile ein Spiel, was sich gerade für Genre-Fans zum Spielen lohnt. Und wer – wie ich – mit dem spielerischen Material des Vorgängers seine Probleme hatte, der findet hier eine klare Verbesserung auf kreativer Ebene. Lana und Mui sowie andere Akteure der Level machen die Puzzle komplexer und die optimierte Kollisionskontrolle macht Timing weitaus weniger frustrierend. Es fehlt zwar in meinen Augen das visuelle Highlight, welches wir vorher bekamen, aber Planet of Lana II ist weiterhin grundsätzlich hübsch anzusehen. Lediglich die Narrative ließ mich sprachlos ob ihrer Oberflächlichkeit und dem Finale zurück.

Aber dafür lade ich euch dann lieber auf Seite 2 ein…

Die Heimat von Lana und Mui auf Xbox Series X durchstriffen. Ein herzlicher Dank geht an Thunderful Publishing und Wishfully für die Bereitstellung eines Mustercodes.