Ein kleines Geständnis vornweg: ich bin ein riesiger Fan vom seit einigen Jahren geschlossenen Studio CING und habe alles von ihnen gespielt was Japan verlassen hat. Ja, auch Again. Ja, auch Glass Rose. Allen voran der wunderschöne Artstyle, der einen Großteil der Spiele verband, hatte es mir angetan. Nun, für den Stil ist Taisuke Kanasaki verantwortlich, der nach der Studioschließung zu Arc System Works wechselte. Sein neuestes Werk Dear me, I was… erschien bereits letztes Jahr auf der Switch 2 und wurde da gründlich von Janine unter die Lupe genommen. Nun, etwas mehr als ein halbes Jahr später, verlässt die interaktive Geschichte die Switch 2 und ist nun neben mobilen Plattformen auch auf dem PC erhältlich. Tauchen wir doch mal ein!
Wir starten im Leben eines jungen Mädchens. Sie spielt mit ihren Eltern im Park, eine liebevolle Szene spielt sich vor unseren Augen ab. So deutlich wird die innige Beziehung unserer Protagonistin zu ihren Eltern. Kurz darauf verstirbt ihr Vater bei einem Autounfall und das Mädchen erhält von ihrer Mutter eine Box mit Stiften. Und sie beginnt damit ihre Erinnerungen in Bildern festzuhalten. Von da an begleiten wir sie auf weiteren Stationen in ihrem Leben. Als Teenager, als Erwachsene. Es sind keine heroischen Taten, keine überraschenden Twists. Nur ehrliche Momentaufnahmen, die vielleicht klein wirken, aber stark prägen können.
Jeder Frame ein Gemälde
Mehr möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht über die Geschichte von Dear me, I was… erzählen. Wer vorhin aufmerksam gelesen hat, der hat bereits bemerkt, dass ich nicht als Spiel, sondern als interaktive Geschichte bezeichnet habe. Und das aus gutem Grund: denn viel „Spiel“ darf man bei dem knapp einstündigen Erlebnis nicht erwarten. Hin und wieder werden kurze Interaktionen erwartet: mal können wir auf einer Leinwand das Gemälde freilegen. Mal den Auslöser einer Kamera betätigen und zu Beginn eines jeden der neun Kapitels entscheiden in welcher Reihenfolge wir unser Frühstück verspeisen. Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte haben diese Interaktionen allerdings nicht, sie sind vor allem dazu da, um zum einen die Erzählung ein wenig aufzulockern und zum Anderen uns ein bisschen mehr in das Geschehen einzubeziehen.

Erwählt wird all das nur durch die wunderschön animierten Zeichnungen und sanften Klaviertönen. Die gesamte Geschichte kommt dabei ohne Text aus, die Bilder sprechen dabei genug. Farben werden bewusst eingesetzt um bestimmte Bereiche zu betonen, mal bleiben manche Objekte oder Personen auch grau. In Kombination mit dem weichen Aquarellstil und einem unaufdringlichen Farbprofil werden die Emotionen der Charaktere gekonnt eingefangen. Die gelungenen Animationen – wie schon in anderen Arbeiten von Taisuke Kanasaki – setzen auf Rotoskopie und lassen die Figuren dadurch lebensecht wirken. Visuell ist Dear me, I was… einfach wunderschön.
Kurz und intensiv
Und da sitze ich nun. Und habe schon länger über den kurzen Titel nachgedacht, als ich gebraucht habe um ihn zu erleben. Die Geschichte ist kurz, aber pointiert und emotionsgeladen. Es ist ein Werk, mit dem sicherlich viele nichts anfangen können. Kurz, interaktionsarm und dann erzählt die Geschichte eigentlich nichts besonders. Und doch bin ich froh, dass das Medium „Videospiele“ uns auch solche kleinen Kurzausflüge beschert. Denn als Buch oder Film würde Dear me, I was… nicht in diesem Ausmaß wirken können. Und am Ende trifft die Geschichte da, wo sie treffen will. Ins Herz.

Herzlichen Dank an Arc System Works für die Bereitstellung des Testmusters. Viele Lebensphasen auf dem PC via SteamDeck begleitet.