Zutaten sammeln, schneiden und in den Topf werfen. So verbringe ich meine Zeit (rund 4 Stunden) im VR-Abenteuer Umami Grove. Ich schneide gern Gemüse und spiele gern verschiedene VR-Spiele, also habe ich mich auf das kleine, farbenfrohe Abenteuer mit kleinen, putzigen Tiermädchen gefreut. Beim Blick auf den doch etwas gruseligen Händler mit starrem Grinsen hätte ich vielleicht etwas besser auf die schaurigen Momente vorbereitet sein sollen.
Vier Jahreszeiten
Umami Grove ist in vier Level aufgeteilt, die den vier Jahreszeiten entsprechen. Jedes Level besteht aus mehreren Abschnitten, zwischen denen ich mit kurzer Ladezeit wechsle. Oder, wie in einem Fall, begleitet von Grafikfehlern, die in VR nicht weniger gruselig sind als bei flachem Bild.
Optisch sind die Gegenden deutlich von einander abgegrenzt, wobei der Herbst mit Nebel, Spinnenweben und Friedhof deutlich am gruseligsten ist. Zwar ist das noch weit davon entfernt, ein Horrorspiel zu sein, aber eine plötzliche Bewegung am Rand meines Blickfeldes fand ich dann doch unheimlicher als erwartet (und ich weiß bis heute nicht, was das war).
Grafisch sind mir viele Stellen aufgefallen, die unfertig wirken. Ganz normal erreichbare Orte führen zu Ausblicken mit texturlosen Felswänden oder Flüssen mit Wasserfällen, bei denen der umgebende Berg nicht sichtbar ist. Zudem befinden sich viele Grashalme und sitzende Vögel in der Luft.

Zutaten sammeln
Jede Gegend birgt ihre eigenen Zutaten, wobei einzelne jahreszeitenspezifische Varianten der gleichen Frucht sind. Neben Standardzutaten wie Karotten und Äpfeln finde ich auch Pilzwesen (die aber nicht zwingend gekocht werden müssen) und düstere Rüben, aus denen beim Schneiden kleine Geister emporsteigen. Fische greife ich einfach aus dem Wasser. Lasse ich Zutaten hinter meinen Rücken fallen, packe ich sie ins Inventar, falls es nicht schon wieder voll ist.
Durch die Level bewege ich mich per Stick. In den Einstellungen findet sich zwar auch eine Option für Teleportation, die allerdings nicht überall verfügbar ist. Ich konnte nicht herausfinden, wann sie nutzbar sein soll.
An Ästen, Seilen und spezifischen Wänden klettere ich in die Höhe, um weitere Gebiete zu erreichen. Leider kann ich mich nicht an Kanten festhalten, weshalb der Wechsel von Seil oder greifbarem Stein in der Felswand auf festen Boden sehr mühselig ist.
Niedrige Kanten auf dem Untergrund sind leider auch nicht viel besser. Zwischen zu großer Entfernung, bei der mich ein Sprung nicht nach oben befördert, und zu geringer Entfernung, bei der ich gar nicht oder sehr weit in die Höhe springe, befindet sich nur ein schmaler Zwischenraum, bei dem ich erfolgreich und ohne Höhenflug oben lande.
Kletterwerkzeuge
Wo das allgemeine Klettern schon mehr frustriert als unterhält, legt das Winterklettern mit Eispickeln noch eine Schippe obendrauf. Allgemein ist die Erkennung von Bewegungen in Umami Grove sehr ungenau, auch wenn sie beim Klettern normalerweise ausreicht. Dabei bin ich lediglich einmal wegen fehlerhafter Erkennung abgestürzt.
Das Erklettern von Eiswänden ist allerdings eine völlig andere Erfahrung. In der Theorie ist das Klettersystem dabei sehr viel ausgereifter als die meisten anderen Spielmechaniken. Allerdings brauche ich häufig zwei Schläge, ehe ein Eispickel im Eis stecken bleibt, damit ich ihn per Knopfdruck festhaken kann. Anschließend schlage ich einen zweiten Eispickel mit der anderen Hand in die Wand.
Das Eisklettern ist an einer Stelle auch mit einem Minispiel verbunden, bei dem ein Timer läuft. Obwohl das eher mit einer (lokalen) Bestenliste als mit einem Zeitlimit zusammenhängt, setzt das doch etwas unter Druck. Verbunden mit den Mühen, einen Eispickel in die Wand zu schlagen, hatte ich mit dem Klettersystem schnell keinen Spaß mehr.
Zumal hinzu kommt, dass sich die Eispickel auch nicht immer auf Anhieb aus der Wand lösen lassen. Bei meinem ersten Anlauf, das Minispiel zu spielen, ist einer meiner Eispickel außerhalb meiner Reichweite in der Wand stecken geblieben. In anderen Fällen sind die Werkzeuge nach kurzer Zeit an meiner Hüfte (oder zumindest ungefähr in diesem Bereich) aufgetaucht, damit ich sie erneut nutzen konnte.
Die Snowboard-Fahrt habe ich dafür allerdings auch beim ersten Mal neben meinem Snowboard gestartet, nur um dann in einer Versenkung stecken zu bleiben.

Kochen
Ein wenig gekocht wird in Umami Grove auch. Sonst bräuchte ich die Zutaten schließlich nicht. Tiefgründig ist das Kochsystem nicht unbedingt.
Rezepte schalte ich bei den Tiermädchen frei, für die ich koche, oder kaufe sie beim grinsenden Händler. Sofern ich die richtigen Zutaten bereits im Inventar habe, kann ich mit dem Kochen beginnen. Ansonsten schaue ich mich noch ein wenig genauer um oder kehre an Orte zurück, an denen ich fehlende Zutaten zuvor gesehen habe.
Das Kochbuch befestige ich in der Luft, damit ich es aufgeschlagen im Blick behalte. Dort habe ich sofort den Überblick, wie viele Zutaten ich bereits habe und wie weit verschiedene Arbeitsschritte vorangeschritten sind. Die meisten Zutaten schneide ich in mehrere Stücke oder halbiere sie, ehe ich sie in den Kochtopf gebe. Als zwei Hälften zählt hier alles, was aus zwei Stücken besteht und zusammengesetzt eine ganze Zutat ergeben würde. Was praktisch ist, da ein kleiner Fehlschnitt, der sich kaum vermeiden lässt, ansonsten die gesamte Zutat ruinieren würde. Zerteilte Karotten dürfen allerdings keine zu großen Stücke haben.
Im Topf köcheln die Zutaten vor sich hin. Sind sie komplett gar, passiert mit ihnen nichts weiter, also muss ich nicht darauf achten, alle Zutaten rechtzeitig im Topf zu haben. Dann warte ich ab, bis das Gericht fertig ist.
Die Pfanne kann ich in die Hand nehmen, um sie zu schwenken, allerdings ist das nicht empfehlenswert. Es lässt sich kaum vermeiden, dass Zutaten bei der geringsten Bewegung aus der Pfanne fallen und unwiederbringlich verloren sind. Aber ein erfolgreiches Schwenken würde auch keinen Unterschied beim Ergebnis machen.
Immerhin sehen die fertigen Gerichte niedlich aus.
Für jedes gewünschte Gericht und geschaffte Minispiel, aber auch zum Kauf beim Händler, erhalte ich eine Eichel. Eine bestimmte Anzahl an Eicheln benötige ich pro Level, um das nächste Gebiet freizuschalten. Dabei benötige ich deutlich weniger als die maximal erreichbare Anzahl an Eicheln.

Finale
Nachdem ich im Winter beim Klettern fast verzweifelt war, war ich dankbar dafür, so viel Freiraum beim Erfüllen von Kochaufträgen und Spielen von Minispielen zu haben. Zwar sind die Minispiele abwechslungsreich, allerdings funktionieren die meisten von ihnen nicht einwandfrei.
Entsprechend lief der finale Abschnitt von Umami Grove auch nicht reibungslos. Stattdessen bestand der Höhepunkt darin, dass ich erst ins Wasser gefallen bin und anschließend unendlich durch den Himmel. Außerdem konnte ich mich an einer Stelle nicht mehr selbst fortbewegen, sollte allerdings mit etwas interagieren, das außerhalb meiner Reichweite geblieben ist. Dieser Fehler blieb auch nach mehrmaligen Versuchen vorhanden, weshalb ich mich selbst im Zimmer bewegen musste, um im Spiel an mein Ziel zu gelangen.
Fazit
Umami Grove könnte ein weitgehend entspanntes VR-Abenteuer mit Fokus auf das Sammeln von Zutaten und skurrilen Charakteren sein. Die düsteren Abschnitte sind vielleicht ein wenig unheimlicher als erwartet, halten sich zumeist jedoch in Grenzen. Allerdings trüben verschiedene Bugs und die ungenaue Erkennung von Bewegungen den Spielspaß deutlich. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich daher nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen.

Herzlichen Dank an Dangen Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters. Gesammelt, gekocht und gefallen auf PlayStation 5 Pro mit PSVR2.