Auch wenn die Idee nicht ganz neu ist – Sonic hat sie bereits auf dem Sega Saturn exploriert – so ist sie doch eine, die nur höchst selten Anwendung findet: Ein 3D Jump & Run mit den Regeln eines Rennspiels auszustatten. Nachdem Rayman 2 auf allen zeitgenössischen Plattformen zum Hit avancierte, gab sich Ubisoft experimentell und nutzte die Spielmechanik von Rayman 2 für den als Mehrspielerspiel beworbenen Titel Rayman M.
Rayman M ist in zwei verschiedene grundsätzliche Spielmodi unterteilt: Rennen und Kampf. Für jeden dieser Spielmodi gibt es zudem drei verschiedene Aufgabentypen. Beim Kampf verwendet man Items, um sich mit bis zu drei Mitspielern gegenseitig aufs Korn zu nehmen. Ziel ist es entweder, als erster fünf in der Arena auftauchende Lums zu sammeln, als erster fünf Gegnern alle fünf Energiepunkte abgenommen zu haben – nach jedem Verlust aller Energiepunkte kommt man zurück in die Arena, so dass diese Zielmarke nicht durch die Spielerzahl unmöglich wird – oder aber eine Fee, die man durch Kontakt einsammelt und durch körperliche Angriffe abluchst, lang genug in Besitz zu haben, bis ein Zähler die 10 erreicht hat.

Die Kämpfe sind im Einzelspielermodus durch ihren etwas zufälligen Charakter leider weniger unterhaltsam. Insbesondere im Death Match ist es so, dass die ersten vier Treffer, die ein Charakter erhält, völlig irrelevant sind und nur der letztendlich tödliche Treffer dem Gegenüber einen Punkt beschert. Da man mit den meisten Waffen nur maximal 3 bis vier Trefferpunkte landen kann, wenn man seine sämtliche Munition verschießt, ist ein gewisser Glücksfaktor hier nicht zu vermeiden. Im Mehrspielermodus hingegen können viele Spieler über so einen Makel eher hinwegsehen und freuen sich über einen zügigen Spielablauf und reichlich chaotische Kämpfe.
Für Jump & Run-Freunde das klare Highlight sind jedoch die Rennen, die insbesondere auch im Einzelspielermodus zu gefallen wissen. In insgesamt fünfzehn Strecken – wobei die letzten drei Strecken nur Bonusmaterial sind – tritt man gegen drei andere Charaktere an und muss als erster die Ziellinie überschreiten. Dabei ist auffällig, dass immer wenn alle vier Charaktere auf dem Bildschirm sind – und das ist beispielsweise beim Start einer Strecke immer der Fall – die Framerate, jedenfalls auf der PlayStation 2, in die Knie geht. Da Rayman M in Europa nur für die PS2 (und die PS1) erschienen ist, ist das ein signifikantes Problem. Zum Glück kommt es im späteren Verlauf des Rennens nur selten vor, dass man alle drei Computergegner auf einmal im Bild hat.

Neben dem einfachen Rennen gibt es noch die Varianten Popolopoi – einem Time Attack, bei dem man die zur Verfügung stehende Zeit durch das Abschießen von auf der Strecke verteilten Schmetterlingen am Laufen halten kann – und Lums-Rennen, bei dem man im Rennen gegen nur einen Computer-Gegner nebenbei eine vorgegebene Zahl an Lums sammeln muss. Während es bei dem normalen Rennen hinreichend ist, einfach die schnellste Route drei Runden lang entlang zu rennen, muss man bei den beiden anderen Modi seine Routen sinnvoll planen, denn im Normalfall muss man alle Alternativrouten erkunden, um die notwendigen Schmetterlinge, respektive Lums auflesen zu können.
Das Leveldesign wirkt auf den ersten Blick sehr linear, allerdings gibt es stets zahlreiche Abzweigungen und mehr oder weniger geheime Alternativrouten, die das wiederholte Spielen der Strecken lohnend macht. Auffällig ist, dass Rayman M kein sehr kulantes Spiel ist: In den drei Rennmodi muss man schon ziemlich makellos spielen, um erfolgreich zu sein. In der Konsequenz kann Rayman M trotz der geringen Levelzahl dank des hohen Wiederspielwerts der einzelnen Level und der anspruchsvollen Missionen für etwa 10 Stunden im Eintelspielermodus an die Konsole binden. Mit mehreren Spielern ist das Limit natürlich schwer abzuschätzen, allerdings leidet das Spiel in der Hinsicht in Europa ein wenig darunter, dass es nur auf Konsolen erschienen ist, die standardmäßig nur zwei Controller unterstützen.

Rayman M ist ein gutes Performance-Jump & Run mit einem Leveldesign, das voller Geheimnisse steckt und bei dem die Planung der Routen über die Strecken und die makellose Ausführung bisweilen etwas kniffliger Manöver – sei es das Abbrechen eines Sprungs mithilfe des Helikopter-Flugs, oder das rutschen in hoher Geschwindigkeit auf einem schmalen Pfad – im Mittelpunkt steht. Leider fehlt dem Spiel aber ein wenig der zusammenführende Faden, denn alle Strecken stehen mehr oder weniger für sich allein, so dass die Präsentation, jedenfalls im Einzelspielermodus, ein wenig leer, gar lieblos wirken kann.

Getestet auf PlayStation 2.