Rayman ist zwar mit einem 2D Abenteuer bekannt geworden, ist aber in seinem zweiten Auftritt bereits in die dritte Dimension gesprungen. Rayman 2: The Great Escape ist eine Zeit lang für zahlreiche Plattformen portiert worden, nach Erscheinen der Nintendo 3DS-Version gab es aber jetzt bereits viele Jahre keine neue Fassung des Spiels mehr, so dass es sich auch lohnt, im Zuge dieser Besprechung auf die verschiedenen Versionen des Spiels einzugehen.
Zu Beginn des Spiels müssen wie mit ansehen, wie Globox, Raymans großer aber nicht sehr intelligenter Froschfreund, vom bösen Roboterpiraten Klingenbart (nicht zu verwechseln mit Finanzminister Klingbeil) ins Gefängnis geworfen wird. Doch war es keine gute Idee der Roboterpiraten, Globox in die gleiche Zelle zu sperren wie Rayman, denn Globox hat ein Geschenk von der guten Fee Lily dabei: Raymans Hände. Diese sind ihm bei der Verhaftung abhanden gekommen und haben jeden Versuch, aus dem Gefängnis zu entkommen, aussichtslos werden lassen.

Kurzerhand ergreifen die beiden also die Flucht und machen sich auf, Klingenbarts fiese Pläne zu durchkreuzen. Hierzu muss Rayman nicht nur möglichst viele der 1000 goldenen Lums (außer in der PlayStation-Version, dort sind es nur 800) zu retten, sondern muss sich durch unzählige düstere und skurrile Welten kämpfen. Rayman 2 setzt auf eine größtenteils lineare Spielstruktur, das heißt, dass man auf der Oberweltenkarte, abgesehen von einigen abzweigenden Geheimlevels, die Level weitgehend nacheinander abarbeitet. In der PlayStation 2-Fassung, die den Untertitel „Revolution“ trägt, wurde die Struktur ein wenig aufgebrochen und es gibt eine dreidimensionale Oberwelt, über die man das Spiel erschließt
Allerdings wird das ganze verknüpft mit einem wachsenden Moveset. Die Fee Lily versieht Rayman an verschiedenen Stellen im Spiel mit neuen Fähigkeiten, die ihm nicht nur helfen in nachfolgenden Levels neue Hindernisse zu überwinden, sondern teilweise auch erlauben, in alten Levels zusätzliche Levelausgänge zu erreichen, die den Zugang zu teilweise wichtigen Zusatzlevels erlauben. Die Kombination aus linearem Ablauf aber fähigkeitbasiertem Rückgriff auf alte Level funktioniert auf Grund einer durchdachten Planung der Level sehr gut, ohne den Spieler allzu oft in unklare Sammel-Situationen zu bringen wie in Banjo-Tooie.

Die Level selbst folgen, trotz des Sammelaspekts um die goldenen Lums, nicht dem klassischen Collectathon-Prinzip. Es gibt zwar durchaus einige größere Areale, die man frei erkunden kann, die meisten Level haben aber einen klar ersichtlichen kritischen Pfad, von dem man auch nur vereinzelt abweichen kann. Die Lums fungieren oft als Wegweiser oder belohnen kleine Zusatz-Sprungpassagen, dominieren aber nicht die Spielstruktur. Andererseits fühlt Rayman 2 sich bei weitem nicht so beengt an wie Crash Bandicoot, das gelegentlich wirkt, als würde man ein 2D Jump & Run mit gedrehter Kamera spielen. Die dritte Dimension wird in Rayman 2 ausführlich und sinnvoll genutzt.
Die lineare Struktur hat das Team um Michel Ancel allerdings dazu genutzt, dem Spiel ein verdammt starkes Pacing zu verleihen. In nahezu jedem Level reihen sich intensive Spielereignisse und Aufgabenstellungen aneinander, dynamische Situationen wie zerfallende Plattformen auf Grund von Kanonenbeschuss, eingestreute Raketenritte und schwungvolle Luftakrobatik sorgen dafür, dass Rayman 2 immer spannend bleibt. Im Hinblick auf die Intensität des Spielablaufs ist Rayman 2 einer der stärksten Vertreter seines Genres und insbesondere seiner Generation.

Neben dem reinen Platforming, das in Rayman 2 aber klar den Löwenanteil des Spiels ausmacht, gibt es auch eine Reihe von Kämpfen, die vor allem auf Raymans Mobilität und fliegende Fäuste setzt. Man kann Gegner per Schaltertaste anvisieren, um ihren Geschossen auszuweichen und mit seinen eigenen losen Fäusten Geschosse auf den Weg schicken. Die Roboterpiraten verhalten sich für ein frühes 3D Jump & Run ungewöhnlich komplex und können durchaus eine nennenswerte Gefahr darstellen. Allerdings verzichten die Entwickler zum Glück darauf, den Spieler mit langen Gegnerwellen aufzuhalten und die Lebensenergieleiste von Rayman ist recht großzügig bemessen, so dass auch Kampfmuffel keine Sorgen zu haben brauchen, vom Spiel überfordert zu werden.
Im Hinblick auf die verschiedenen Versionen des Spiels gibt es im Wesentlichen drei verschiedene Versionen zu betrachten, die PlayStation-Version, die PlayStation 2-Version und die übrigen Versionen. Wenngleich die übrigen Versionen sich im Detail unterscheiden, sind sie spielerisch weitgehend identisch. Die PlayStation-Version kommt hingegen mit gekürzten und weniger Levels daher, bietet im Gegenzug aber eine Ein-Level-Demo zu dem 2D-Prototypen von Rayman 2. Die PlayStation 2-Version mit dem Untertitel Revolution hingegen bietet zwar im Grunde alle Inhalte der Versionen für die anderen Plattformen, verbindet sie aber mit einer etwas kleinschrittigeren Progression was das Bewegungsrepertoire anbelangt und einer frei begehbaren Oberwelt. Meines Erachtens sind das eher Veränderungen zum Schlechteren denn zum Besseren, allerdings ist Rayman 2 Revolution nichtsdestotrotz eine gute Wahl. Die beste Version des Spiels ist nach wie vor die Dreamcast-Version, die stabile 60 Bilder in der Sekunde liefert und das auch mit der klarsten Optik unter allen Versionen verbindet. Sehr nah dran ist die Nintendo 3DS-Version, die ein Port der Dreamcast-Version ist und nur selten und im überschaubaren Rahmen unter die Zielmarke von 60 Bildern in der Sekunde rutscht. Im Gegenzug bietet diese Version stereoskopes 3D, was für ein 3D Jump & Run auch spielerisch eine gute Unterstützung ist. Ein besonderes Wort des Lobes verdient schließlich aber noch der Soundtrack des Spiels, der äußerst eingängig ist und die mysteriöse Atmosphäre des Spiels gekonnt unterstreicht, ohne eine gewisse Verspieltheit missen zu lassen.

Rayman 2 ist ein äußerst durchdacht designtes 3D Jump & Run mit einer sehr hohen Schlagzahl an hervorragenden Ideen, einer exzellenten Spielbarkeit und abwechslungsreichem Leveldesign. Gepaart wird das mit einer gerade für die Zeit imposanten Präsentation, die mit den Leveldesignideen Hand in Hand geht. Wer die Wahl hat, dem sei die Dreamcast oder Nintendo 3DS-Version des Spiels ans Herz gelegt, aber auch die emulierte Nintendo 64-Fassung die derzeit bei Switch Online verfügbar ist, ist eine gute Wahl.

Getestet auf Nintendo 64, PlayStation, Dreamcast, PlayStation 2, Nintendo DS und Nintendo 3DS.