Magical Blush (Review)

Artwork Magical Blush

Magische Kämpfe und Erkundung im Metroidvania-Stil verspricht Magical Blush. Ich bin auf das neue Topdown-Action-Abenteuer vor allem wegen der Pixelart-Optik und der Perspektive aufmerksam geworden und dank des versprochenen Erkundungsaspekts interessiert geblieben. Nun hatte ich die Gelegenheit, die Welt der Magierin Arnin genau kennenzulernen.

Was heißt hier eigentlich Metroidvania?

Nachdem ich damals Crypt Custodian beendet hatte, habe ich gelernt, dass die Sidescrolling-Perspektive für viele ein wichtiger Bestandteil von Metroidvania-Titeln ist. Abgesehen davon, dass das auch 3D-Titel ausschließen würde, nehme ich persönlich es nicht so eng mit der Einteilung. 

Auch der Weltaufbau wird in Magical Blush nicht strikt durch aneinandergrenzende Räume zu einer großen Gesamtwelt verknüpft. Stattdessen ist die Welt in verschiedene Gebiete aufgeteilt, bei denen ich das nächste Gebiet auf einer Karte auswähle, sofern ich einen entsprechenden Durchgang gefunden habe. Unterdessen sind die Gebiete an vielen Stellen miteinander verbunden, wodurch die Welt durchaus stark in sich verknüpft ist. Auch wenn durch den Zwischenschritt mit der Karte das Gefühl ein wenig verloren geht, auf dem Weg durch ein neues Gebiet unerwartet einen bekannten Ort zu erreichen. 

Einer der klassischen Metroidvania-Aspekte, die in Magical Blush auftreten, ist das Backtracking. Ich treffe auf verschlossene Türen oder unüberwindbare Hindernisse, die mich dazu bringen, woanders einen Weg zu suchen, bis ich irgendwann einen Schlüssel oder eine neue Fähigkeit finde. Allerdings ist das zu Spielbeginn deutlich stärker ausgeprägt als im Verlauf. Die ersten Türen im Eingangsgebiet schalte ich nach und nach frei, um immer mehr neue Orte zu erreichen. Später sind die Nutzungen neuer Fähigkeiten vorwiegend auf das Gebiet beschränkt, in dem ich sie erlerne. 

Die erlernbaren Fertigkeiten selbst sind dabei zu Beginn Zauber verschiedener Elemente und entsprechend auch für den Kampf von Bedeutung. Spätere Fähigkeiten dienen vor allem dazu, Hindernisse zu überwinden und Rätsel zu lösen, um weiter voranzukommen.

Aber auch Kämpfe spielen eine große Rolle. Einerseits durch verschiedene Bosskämpfe, insbesondere aber auch durch Standardgegner. Immer wieder stecke ich in Räumen fest, bis ich mehrere Wellen von Gegnern besiegt habe. Leider habe ich Hollow Knight: Silksong gerade erst vor einem Jahr gespielt und bin noch nicht wieder bereit für endlose Gegnerwellen. 

Norton: "The Elementals! The Elementals have escaped!"
Magie

Die Magie in Magical Blush ist aufgeteilt in die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind, und Geist. Dabei enthält Wasser auch Eis und Wind besteht weitgehend aus Blitz. Eis mit Feuer zu bekämpfen, funktioniert allerdings nicht besonders gut, da es zu Wasser gehört und die Effektivität entsprechend in die umgekehrte Richtung funktioniert.

Davon abgesehen, sind die Wechselwirkungen der Elemente eingängig. Es gibt Stärken, Schwächen und Immunitäten, die auch durch entsprechende Schadenszahlen bei Angriffen sichtbar werden.

Zauber erlernt Arnin im Laufe ihrer Reise eine Menge. Sie kann maximal zwei Sets mit jeweils vier Zaubern aktiv ausgerüstet haben, doch das Spiel lässt sich jederzeit pausieren, um die ausgerüsteten Zauber oder auch Talismane selbst mitten im Kampf zu wechseln. Zwischen den beiden Sets wechsle ich per einmaligem Schultertastendruck, muss also keine Taste gedrückt halten, um die alternativen Zauber einsetzen zu können.

Die simplen Standardzauber eines Elements haben einen Cooldown. Stärkere Zauber benötigen zusätzlich unterschiedliche Mengen an Mana, das ich generiere, indem ich die Standardzauber nutze.

Arnin visiert mit ihrem Zauber automatisch nahegelegene Gegner in Blickrichtung an. Hin und wieder greift sie dadurch andere Gegner an, als ich gern angreifen würde. Zumeist sind Gegner, die sich im selben Raum aufhalten, schwach gegen dasselbe Element, also fällt das eher in Ausnahmen ins Gewicht.

Leider sorgen Cooldowns bei mir dafür, dass ich nicht nach dem Angriff suche, der theoretisch am meisten Schaden zufügt. Was Schaden zufügt, setze ich ein, sobald der Cooldown abgelaufen ist, egal wie effektiv. Bei der überschaubaren Anzahl an Elementen und Wechselwirkungen nutze ich in Magical Blush aber immerhin auch oft effektive Zauber.

In Verbindung mit einem Sprint zum Ausweichen funktioniert das Kämpfen mit Zaubern weitgehend gut, selbst wenn der schnelle Wechsel zwischen zwei Zaubersets und gezieltes Angreifen und Ausweichen ein wenig Gewöhnungszeit brauchen.

Erklärung zu Schadenswerten, Manaverbrauch und Cooldown des Zaubers Lightning Bolt in Magical Blush.
Gegner in Wellen

Denn das Problem mit den Kämpfen liegt nicht an Arnins Zaubern. Stattdessen leiden die Kämpfe vor allem unter den häufigen Gegnerwellen, in denen auch sehr bald schon sehr viele Gegner gleichzeitig auftauchen. Setzen diese dann auch noch Angriffe ein, die anschließend Geschosse in mehrere Richtung schießen, ist es gerade zu Beginn schwierig, den Überblick zu bewahren. Gerade wenn mehrere Gegner gleichzeitig auf diese Art angreifen. Später ist es einfacher, auf bekannte Muster zu reagieren, aber dafür treten je nach Gebiet Gegner auf, die sich von außerhalb des Bildschirms direkt in Arnin hineinteleportieren. Dann hilft es auch nicht mehr, wenn die Animation vor dem Teleport eigentlich gut erkennbar wäre.

Ganz zu schweigen davon, dass viele Gegnerräume wieder aktiviert werden, sobald ich den Bildschirm verlasse und wieder zurückkehre. Da das nicht jedes Mal passiert, vermute (hoffe!) ich, dass das nicht absichtlich geschieht. Nachdem ich einmal direkt nach Verlassen des Raums zurückgekehrt bin, weil ich Energie und Heiltränke aufladen wollte, und wieder im Gegnerraum festhing, habe ich mich schon ein wenig geärgert. Nachdem ich im finalen Dungeon, der viel zu kampflastig ist, durch einen falschen Rücksetzpunkt und andere technische Probleme sehr viele Gegnerräume mehrfach wiederholen musste, habe ich mich noch ein wenig mehr geärgert. Insbesondere, da manche Gegnerwellen einfach nicht enden wollen. Zumal die Gegnervarianz auf Dauer doch etwas gering ist und ich ohnehin schon immer wieder dieselben Gegner bekämpfe.

Außerdem gab es zwei Stellen, an denen ich vor einer verschlossenen Tür stand, während die Gegner auf der anderen Seite waren, sodass ich die Kampfherausforderung gar nicht abschließen konnte.

Arnin setzt einen Zauber gegen einen Gegner ein.
Ausnahmsweise nicht mein Screenshot, weil das während der Kämpfe schwierig war.
Erkundung und Rätsel

Ließen sich die Gegner ignorieren, würde mir die Erkundung der Welt von Magical Blush gut gefallen. Die Rätsel bleiben keine simplen Schlüssel für verschlossene Türen, wie sie es zu Beginn noch sind. Gibt es physische Schlüssel, schweben diese hinter Arnin her. Mal muss ich herausfinden, wie ich den Schlüssel überhaupt erreiche (oder mit ihm auf sicheren Boden zurückkehre). Mal finde ich die Tür und suche anschließend bewusst nach einem Schlüssel.

Anfangs habe ich noch einige halbversteckte Wege gefunden, hinter denen sich ein paar kleine Belohnungen befinden. Später kommt das allerdings nicht mehr vor.

Am meisten habe ich mich gefreut, wenn ich eine neue Fähigkeit erlernt habe und mir sofort viele neue Wege offenstanden, die vorher Sackgassen waren. Manchmal war ich richtig überrascht dabei. Springen kann Arnin nicht, doch um Abgründe zu überwinden, gibt es verschiedene Wege.

Gleichzeitig haben viele Orte auch sehr spezifische Eigenheiten, die die Fortbewegung durch den Ort beeinflussen. So leite ich im Geisterwald einen Lichtstrahl mithilfe von Spiegeln durch das gesamte Gebiet, muss dabei aber nicht bloß den nächsten Spiegel finden. Zwischendurch wird der Weg auch durch Abzweigungen aufgelockert, in denen ich Truhen, Talismane und mehr entdecke. Wichtige Gegenstände oder Herausforderungsportale werden dabei auf der Karte markiert, falls ich erst später zurückkehre.

Es gibt auch Orte, die mit unterschiedlichen Höhenebenen spielen. Dabei ist die Anzahl an Ebenen zum einen auf zwei begrenzt, zum anderen sind die beiden Ebenen farblich unterschiedlich gestaltet. Dadurch ist zumeist gut ersichtlich, auf welcher Höhe sich Arnin gerade befindet. In Verbindung mit beweglichen Plattformen entstehen dabei ein paar spaßige Herausforderungen.

Allerdings gibt es insbesondere im Eisgebiet Stellen, die nicht ganz funktionieren. Beim Rutschen über das Eis kann ich versehentlich an Kanten hängen bleiben. An mehreren Stellen habe ich definitiv Wege gefunden, Hindernisse so zu überwinden, wie es nicht möglich sein sollte. 

Arnin umgeben von Stacheln, die aus dem Boden fahren und wieder verschwinden. Über ihr schwebt ein aufgesammelter Schlüssel.
Companion Key
Freunde wiederfinden

Auch wenn sich viele Monster überall tummeln, ist die Welt in Magical Blush nicht komplett menschenverlassen. Arnin kann Überlebende finden und sie an einen sicheren Ort zurückschicken. Dort warten sie anschließend und bei den meisten von ihnen kann ich Geld gegen Hinweise eintauschen. Das Geld besteht dabei aus Münzen verschiedener Elemente, die ich auch für Verstärkungen der Zauber verwenden kann.

Der erste Überlebende gibt Hinweise auf weitere Überlebende. Diese wiederum können mir beispielsweise Truhen, Talismane oder Herausforderungsportale auf der Karte markieren.

In den Truhen finde ich ausschließlich weiteres Geld. Mit den Talismanen sorge ich beispielsweise dafür, dass ich wahrscheinlicher Herzen bei besiegten Gegnern finde (die genau wie Geld ungesammelt lange auf dem Boden liegen bleiben). Oder erhöhe die Reichweite von Zaubern. Oder ich mache Arnim fast unsterblich, was so sicherlich nicht gedacht war. Aber als ich nach dem Abspann noch nach Dingen gesucht habe, war mir das wegen der Gegnerwellen ganz recht so.

Die Herausforderungsportale führen zu zwei verschiedenen Minispielen. Eines davon ist eine Art Breakout, bei dem Arnins Zauber den Ball wieder nach oben schleudern, um die Blöcke zu zerstören. Das macht erstaunlich viel Spaß, es ist manchmal aber auch ein wenig knifflig, den Ball rechtzeitig anzugreifen. Bei dem anderen Minispiel fliegen manchmal ein wenig zu viele Geschosse über zu wenig Untergrund durch die Gegend, um gezielt ausweichen zu können. Die meisten Herausforderungsportale belohnen mit weiteren Manaslots.

Die NPCs erzählen auch ein wenig zur Welt oder warum sie sind, wo Arnin sie findet. Die meisten Hintergründe erhalte ich allerdings durch auffindbare Steintafeln. So erfahre ich mehr über die Welt und darüber, wie Arnin in ihre Situation gelangt ist. Das fängt sehr harmlos an, bringt aber später auch ein paar Erkenntnisse mit sich.

Mir gefällt diese Art, ein Hinweissystem umzusetzen, auch wenn manche Überlebende etwas überflüssig wirken.

Ball-Minispiel in Magical Blush.
Technische Umsetzung

Magical Blush ist mit Maus und Tastatur spielbar, empfiehlt jedoch die Nutzung eines Controllers. Meinen Dualsense (am Kabel) erkennt das Spiel auch, allerdings werden Xbox-Tasten angezeigt. Interessanterweise wird jedoch auch das Touchpad unterstützt, und dabei mehrfach belegt. Links öffne ich die Karte und rechts das Menü. Das funktioniert zwar nicht immer zuverlässig, aber doch meistens.

Die Framerate blieb bei mir stabil, selbst wenn mehr auf dem Bildschirm los war. 

Allerdings hatte ich einige Spielabstürze. Die allerersten jedes Mal direkt nach dem Laden eines neuen Spielstandes, und dank der Anzeige von Fehlerbeschreibungen konnte ich herausfinden, wie ich das Problem beheben konnte. Denn die Anzeige des Introtextes hat nicht funktioniert, weil ich die Spielsprache auf Deutsch gestellt hatte. Entsprechend habe ich auf Englisch gespielt, weil ich unvermittelte Abstürze vermeiden wollte.

Was nur mäßig funktioniert hat. Im Verlauf der nächsten zwölf Stunden habe ich fünf Abstürze dokumentiert, auch wenn davon zwei jeweils zweimal passiert sind. Zweimal ist das Spiel mitten in einem Gegnerraum abgestürzt, während ich denselben Gegner bekämpft habe. Einmal mitten in einer langen Rätselpassage bei einem davon unabhängigen Rätsel, aber glücklicherweise war der letzte Speicherpunkt in der Nähe.

Zudem ist einmal ein Bossgegner aus dem sichtbaren Bereich geflogen und nicht zurückgekehrt, weshalb ich den Kampf erneut starten musste. Ein anderer Boss starb am Bildschirmrand, und leider war er einer der wenigen, die nach dem Besiegen reden. Seine Textbox war dadurch nur halb zu sehen. Und auch wenn ich aus dem Zusammenhang schließen konnte, worum es ging, hätte ich trotzdem lieber alles gelesen.

Fazit

Dem Spielspaß in Magical Blush stehen vor allem technische Probleme und endlose Gegnerwellen im Weg. Insbesondere dann, wenn beide aufeinandertreffen und ich nicht nur die immergleichen Gegner in unterschiedlichen Räumen besiegen muss, sondern wiederholt im selben Raum. Das Kampfsystem selbst überzeugt mich nicht ganz mit Cooldowns und Mana, die im Zusammenspiel dazu verleiten, weniger effektive, aber häufiger verfügbare Zauber zu verwenden. Rätsel und Interkonnektivität innerhalb und zwischen Gebieten inklusive freischaltbarer Wege in früheren Gebieten sind gut gelungen. Doch aufgrund der langwierigen Kampfherausforderungen reicht es für mich nur für eine eingeschränkte Empfehlung.

Herzlichen Dank an Dangen Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters. Erkundet auf PC via Steam.