Diablo II: Resurrected – Infernal Edition (Review)

Ich weiß es nicht genau, aber ich bin mir relativ sicher, dass Diablo 2 das zweit meist gespielte Spiel meines Lebens ist. Als Jugendlicher suchtete ich gefühlte Jahre jede Nacht am PC meines Vaters (der einzige mit einem Internetanschluss im Haus) dieses Spiel und schlachtete Mephisto, Diablo und Baal immer und immer wieder ab. Unzählige Male fing ich von vorne an, weil ich mit der Skillung meiner Zauberin doch nicht ganz zufrieden war und ich etwas optimieren konnte – so etwas wie respecen gab es zu der Zeit noch nicht, das wurde erst viel später eingeführt. In der Realität waren es sicherlich keine Jahre, denn ich glaube ich habe in meinem Leben nie das höchste Level 99 erreicht, aber es kam mir so vor! Falls sich jetzt jemand fragt, was mein meist gespieltes Spiel ist: das ist ebenfalls von Blizzard und es hätte mir damals sicher gutgetan, wenn ich zu dessen Release auch noch kein Internet in meinem Zimmer gehabt hätte, denn dann wäre meine Sucht nach World of Warcraft vermutlich nie so eskaliert, dass mein komplettes Sozialleben und meine Schullaufbahn darunter litt. 

Fast 25 Jahre ist es jetzt her, dass mit Lord of Destruction eines der wohl besten und ikonischsten Erweiterungen der Spielegeschichte erschienen ist und fast 5 Jahre seit das damals schon sehr gelungene Remaster Diablo 2 Resurrected kam. Aus heiterem Himmel kündigte Blizzard jetzt jedoch an, dass das Spiel zukünftig als Infernal Edition auch auf Steam und nicht nur im hauseigenen Battle.net erscheint und sogar einen neuen DLC erhält, der neben einer neuen spielbaren Klasse zahlreiche quality of life Features so wie ein Steam Deck verified Zertifikat bringt. 

Ein etwas in die Jahre gekommener Klassiker kann auch heute noch überzeugen!

Ich denke über das Spiel an sich brauche ich nicht mehr viel erzählen. 25 Jahre nach release gibt es wohl kaum noch jemanden, der sich mit Videospielen beschäftigt, der nicht weiß, worum es in dieser Reihe geht. In immer wieder neu generierten Welten schnetzelt man sich durch massenhaft Monster und hofft dabei immer darauf, noch besseren Loot zu erhalten, mit dem man im nächsten Run dann noch effizienter Monster metzeln kann. So bescheuert dieses Konzept auch klingt, wenn man es aufschreibt, so süchtig macht es bis heute, was die tollen Fortsetzungen bewiesen haben.

Das Remaster bleibt dem Grundspiel sehr treu setzt es so um, wie ich mich daran erinnere. Dies freut natürlich Puristen und alle, die es hauptsächlich aus Nostalgiegründen spielen wollen sehr. Neueinsteiger muss man jedoch warnen: man merkt dem Spiel sein Alter durchaus an. Es ist etwas sperriger, träger und wird besonders später auf den höheren Schwierigkeitsstufen (man spielt diese nacheinander und kriegt immer besseren Loot) passend zum Namen der Schwierigkeit höllisch schwer. Dies bewegt sich nicht auf dem Level der modernen souls likes, einfach den Kopf ausschalten und alles wegmetzeln wird für Anfänger jedoch erstmal nichts. Doch gerade dieses gnadenlose, den Spieler ernstnehmende Konzept kann um so belohnender sein, wenn man endlich eine Ausrüstung zusammen hat, mit der es dann plötzlich doch leicht wird und man seine Machtphantasie voll ausleben kann. 

Neuerungen durch den DLC

Die prominenteste Neuerung des DLCs ist zweifelsfrei der Warlock. Dass ein so altes Spiel plötzlich einen komplett neuen spielbaren Charakter erhält ist etwas, das man selten bis nie erlebt. Für Gelegenheits-Diablospieler wie mich ist das eine fantastische Nachricht, denn wann kann man schon ein Spiel, das man so geliebt hat und quasi auswendig kennt komplett neu erleben? In der Community wurde diese Neuerung auch größtenteils positiv aufgenommen, einige kritische Stimmen gibt es allerdings schon, da das jahrzehntealte Balancing durcheinandergeraten könnte. Ob dies wirklich der Fall ist wird sicher erst der Langzeittest deutlich talentierterer Diablospieler zeigen, aber nach meinen Eindrücken ist der Warlock hervorragend gelungen. Er spielt sich sehr eigenständig und ist nicht einfach nur ein weiterer Zauberer im anderen Skin. Er ist sehr Variantenreich und kann je nach Skillung als Beschwörer, Debuffer oder doch mit einem Fokus auf direkten Schaden gespielt werden. Auch hier wird erst der Langzeittest zeigen, welche Variante oder welcher Hybrid am effizientesten ist, fest steht jedoch, dass es eine Menge Spaß macht mit ihm zu experimentieren und zu kämpfen.

Blizzard hat dem Spiel ein paar quality of life features gegönnt, die hauptsächlich das etwas in die Jahre gekommene Interface betreffen. So kann man endlich den Loot auf dem Boden filtern, sodass wertlose Gegenstände nicht mehr den ganzen Bildschirm blockieren, die Truhe wird nach Kategorien sortiert, es gibt mehr Charakter Slots, ein neues Chronicle System, bei dem alle Items die man je hatte dokumentiert werden und vieles mehr. Außerdem gibt es sogar neuen Endgamecontent, mit neuen Items, Sets und Runenwörtern. Die größte Featureneuerung sind die sogenannten Collosal Ancients encounter. Ein Modus, bei dem die Gegner immer stärker werden, je mehr man von ihnen tötet. Hierfür wird man mit einzigartigen Gegenständen wie Juwelen belohnt.

Wer das Spiel schon besitzt kann den neuen Charakter und die QoL Features übrigens für 20 Euro dazukaufen. Ein durchaus stolzer Preis für etwas, das man woanders auch schon als Update gesehen hat.

Steam Deck verified! 

Ich habe das Remaster als es kam, nicht gespielt und kenne das Spiel daher nur in seiner ursprünglichen Form, in der es nur mit Maus und Tastatur gespielt werden konnte. Obwohl ich primär ein Konsolenkind war, war dies immer ein Paradebeispiel dafür, dass es einfach Spiele gibt, die man mit Controller niemals spielen kann, weswegen man zusätzlich einen PC haben sollte. Auch ich dachte sehr lang, dass das so sein muss, bis Blizzard mich mit einer Konsolenversion von Diablo 3 überrascht hat, die sich nicht nur sehr gut spielt, sondern mir auch noch mehr Spaß macht als die Maussteuerung. Doch lässt sich das auch das ältere, nicht darauf ausgelegte Diablo 2 übertragen? Ich war skeptisch und wollte ursprünglich versuchen mit den PC ähnlichen Steuerungselementen des Steam Decks Dinge zu simulieren, um zum Beispiel gezielt Loot vom Boden aufzusammeln. Wie sich herausgestellt hat, ist dies allerdings überhaupt nicht nötig. Na klar, manchmal ist es etwas fummelig, wenn der ganze Boden voller Gegenstände liegt und man kann nicht so punktgenau feuern wie mit der Maus. Auch das Inventarmanagement kann manchmal ein wenig nerven, aber das alle ist wirklich erstaunlich gut gelöst. Wenn man nicht wüsste, dass das Spiel früher nicht mit dem Controller spielbar war, würde man es kaum merken. 

Auf dem Steam Deck läuft das Spiel übrigens absolut problemlos und das tragbare Gerät ist perfekt dafür, um mal eben schnell einen Run zu machen, wenn man etwas Freizeit hat. Im Grunde sind das Deck und ein Spiel wie dieses ein absolutes Dream Team, der Traum wird hier nur ein wenig unterbrochen, da man das Spiel nicht dauerhaft offline spielen kann. Es ist eine regelmäßige Anmeldung mit einem battle.net Account notwendig. Ich verstehe, dass dieser für die Ladder Spiele und auch die Synchronisierung der Charaktere nützlich und teilweise sogar notwendig ist, wer allerdings nur offline spielen möchte, sollte dies können und zwar ohne extra einen Account zu erstellen, denn wir haben ja schon einen Steam Account. 

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass Diablo 2 auch 25 Jahre nach seinem Erscheinen nichts von seinem alten Charme verloren hat und es macht einfach Spaß in Nostalgie zu schwelgen, wenn man alte Gesichter und Orte wiederentdeckt. Trotz einiger etwas veralteter Mechaniken kann man das Spiel auch heute noch empfehlen, insbesondere Veteranen, die in der alten Zeit schwelgen wollen. Die neue Klasse ist interessant und die QoL Features sind sehr willkommen. Interessierte Anfänger müssen keine Angst haben, man kann sich schon schnell zurechtfinden, ich würde aber dennoch eher empfehlen Diablo 4 zu spielen. Wenn ihr damit jetzt beginnt seid ihr rechtzeitig zur bald erscheinenden zweiten Erweiterung „Lord of Hatred“ damit fertig und habt direkt neues Futter. Wenn ihr erfahren wollt, wie gelungen dies sein wird, müsst ihr Anfang Mai das Gaming-Village besuchen, denn auch dieses Diablo werde ich natürlich für euch unter die Lupe nehmen!

Getestet auf dem Steam Deck OLED. Vielen Dank an Blizzard Entertainment Inc für die Bereitstellung des Testmusters.