DYNASTY WARRIORS: ORIGINS (Review)

Die „Warriors“-Reihe hat nicht nur Ableger für Fans diverser Franchises anderer Unternehmen zu bieten. KOEI TECMO GAMES und ω-Force haben auch eigene Reihen. Nachdem sie in Teil 9 der „Dynasty-Warriors“-Reihe mit einer offeneren Welt experimentiert haben, geht es in DYNASTY WARRIORS: ORIGINS zurück zum bekannteren Aufbau.

Passend zum großen Downloadcontent „Visions of Four Heroes“ erscheint das Spiel am kommenden 22.01.26 auch für Nintendo Switch 2. In dieser Version habe ich mich durch das feudale China gekämpft.

Ein Wanderer und drei Helden

Während es in den Warriors-Spielen oft eine bunte Auswahl allerlei spielbarer Charaktere gibt, findet sich in DYNASTY WARRIORS: ORIGINS ein vorgegebener Hauptcharakter, den wir spielen. Der Standardname ist Wanderer, wer möchte kann einen anderen eingeben.

Gerade in diesen schweren Zeiten.

Unser Charakter hat Gedächtnisverlust, aber gute Kampffertigkeiten und ist hilfsbereit. Hungersnöte und Unterdrückung durch korrupte Staatsdiener belasten das Volk im alten China. Unser Protagonist schreitet bei einem Übergriff ein und erlebt dabei den Anfang einer Rebellion. Die gelben Turbane erheben sich gegen die Unterdrückung. Bessert sich die Lage für das Volk?

Doch schon bald kämpfen die gelben Turbane nicht nur gegen Truppen korrupter Staatsdiener. Sie plündern und brandschatzen auch bei der Bevölkerung. Zur Niederschlagung werden allerlei Truppen zusammengerufen. Darunter finden sich Cao Cao, der Sun-Clan sowie die Schwurbrüder Liu Bei, Guan Yu und Zhang Fei.

Man muss es genießen, solange man kann.

Unser Protagonist nimmt an einigen Kämpfen teil und erfährt auch mehr über die eigene Vergangenheit. Und schließlich muss der Weg für die Zukunft gewählt werden. Die obigen drei Fraktionen stehen zur Auswahl. Diese haben ihre eigenen Ideale und Ziele. Welche möchte man unterstützen? Ich finde die Charaktere und Erzählung unterhaltsam. Wer mit der Romance of the Three Kingdoms Kontakt hatte, wird vermutlich auch so manche Ereignisse und Charaktere schon kennen.

Einer unter tausenden

Das Kampfsystem ist nicht übermäßig komplex und man findet sich gut rein. Normale Angriffe lassen sich aneinanderreihen, starke Angriffe als Finisher oder einzeln nutzen. Im Kampf erhält man Bravery, die man für Battle Arts genannte Angriffe einsetzen kann. Knappes Ausweichen und parieren bringt dabei mehr Bravery als bloße Angriffe.

Manchmal fliegen angegriffene Gegner durch die Luft.

Des weiteren füllt sich die Musou-Leiste, die für noch stärkere Musou-Angriffe genutzt werden kann. Aber mit höherem Füllstand kann man auch einen unverwundbaren Rage-Modus aktivieren, der mit einem weitläufigen starken Angriff endet. Unter Umständen kann man sogar hunderte Gegner so besiegen. Denn normale Fußsoldaten treten in großen Mengen auf, sind für sich aber weniger gefährlich.

Starke Gegner, oft als Offiziere bezeichnet, bieten mehr Widerstand. Auch unter diesen gibt es große Unterschiede in der Stärke. Offiziere haben Fortitude, dargestellt durch Schildsymbole. Diese kann man durch diverse Angriffe und Parieren leeren und schließlich einen starken Assault-Angriff ausführen, der auch umstehende Gegner trifft. Reicht dieser zum Besiegen aus und handelt es sich um Gegner mit Namen, wird er mit besonderer Animation in Szene gesetzt.

Offiziere haben auch komplexere Angriffsmuster. Manche Angriffe lassen sich blocken, anderen sollte man ausweichen. Bei weißem Glühen der Gegner kann man sie unter anderem mit stärkeren Angriffen und Battle Arts unterbrechen. Bei orangem Leuchten sollte man Battle Arts nutzen, die extra gekennzeichnet sind. Das stoppt sie effektvoll und wird schön mit einer Art hellem Gong-Klang untermalt. Das lässt sich auch gegen Sturmangriffe normaler Truppen einsetzen, wenn sie durch Offiziere dazu angeleitet werden.

Kein einfacher Fußsoldat.

Das Kampfsystem geht gut von der Hand und macht Spaß. Neben klanglichem Feedback unterstützen auch gezielte Slowmotion und Kamerafahrten diverse erfolgreiche Kampfhandlungen.

Für Heilung setzt man in der Regel Meat Buns ein, die man in Basen und teils als Beuteitem finden kann. Weitere Items zum Beispiel für Heilung oder kurzzeitige Buffs lassen sich kaufen, aber nur stark begrenzt mitführen. Scheitert man, kann man den Verlauf bis dahin auf der Übersichtskarte ansehen und zu diversen Zeitpunkten als Checkpoint zurückkehren und es nochmal versuchen.

Kleine und größere Kämpfe

DYNASTY WARRIORS: ORIGINS behandelt nicht nur drei Fraktionen. Auch Kämpfe haben eine Dreiteilung. Zum einen gibt es Story-Kämpfe, die zu den komplexeren Schlachten gehören. Zu diesen gibt es vorher ein Meeting über den geplanten Ablauf und Ziele sowie gegebenenfalls Gefahren. Gegnerische Basen zu erobern kann Vorteile bringen und gegnerischen Nachschub hemmen. Im Verlauf kommt es zu Veränderungen von Truppenbewegungen, starke Nachschubtruppen können auftauchen oder Hinterhalte auftreten.

Nicht der Master of the Universe.

In der Regel muss man bestimmte gegnerische Offiziere besiegen und bestimmte eigene Offiziere schützen. Teils muss man auch Zielpunkte erreichen oder Gegner abhalten. Während Verbündete ihren Weg gehen, hat der Spieler in der Regel freie Entscheidung, wie er am besten hilft. Teils kann es hilfreich sein, bestimmte Basen schnell zu erobern. Oder auch Offiziere in Gefahr zu retten, deren Niederlage noch nicht die Schlacht entscheidet. Bei schlechten Entscheidungen kann es in Einzelfällen auch auf dem normalen Schwierigkeitsgrad passieren, dass die eigenen Kräfte überrant werden.

Für schnellere Bewegung kann ein Pferd helfen, was man im Spielverlauf freischaltet. Verschiedene Pferde sind unterschiedlich schnell und ausdauernd. Gegnerische Truppen und teils Objekte lassen sich im schnellen Galopp umrennen. Allerdings habe ich persönlich das Problem, dass ich bei schnellen Richtungseingaben den linken Stick oft unabsichtlich drücke und das Pferd gerufen wird. Das ist unter Umständen nachteilig.

Bald kann die Mauer überwunden werden.

Während Story-Kämpfe oft im Rahmen von 10-20 Minuten geblieben sind, sind Geplänkel kurze Kämpfe, die auf der Weltkarte auftauchen können. Dort kann man zum Beispiel etwas üben oder schnell an Aufgaben wie „Besiege 100 Gegner mit Battle Arts mit dem Schwert“ arbeiten, wenn man vor dem nächsten großen Kampf fertig sein möchte. Als Mittelding gibt es Missionen, die optional im Storyverlauf oder durch Gespräche auftauchen. Am interessantesten und am meisten ausgearbeit bleiben aber natürlich die Story-Kämpfe. Missionen habe ich dennoch gern abgeschlossen, Geplänkel eher weniger bestritten.

Nicht nur mit dem Schwert

Für Abwechslung sorgen in DYNASTY WARRIORS: ORIGINS nicht wählbare Charaktere, sondern diverse Waffenarten, die im Spielverlauf freigeschaltet und per Einsatzerfahrung verbessert werden können. So kann man längere Kombos, aber auch mehr und mehr Battle Arts für die Waffen lernen. Man kann vier Battle Arts gleichzeitig ausrüsten und sollte auf eine gewisse Balance achten. Nur teure Battle Arts könnte man nicht oft einsetzen. Und mindestens eine Battle Art gegen orange gekennzeichnete Angriffe sollte man ebenfalls haben.

Waffen haben auch diverse Boni.

Die Waffen haben natürlich auch unterschiedliche Angriffe und Angriffsbereiche. Aber zusätzlich haben manche noch speziellere Mechaniken, die aber nicht zu kompliziert sind.

Ein zusätzlicher Anreiz Waffen zu wechseln ist die Tatsache, dass jedes Waffenlevel auch das Ranglevel des Protagonisten erhöht und ihn so stärker macht. Und je niedriger das Waffenlevel noch ist, desto schneller lässt es sich erhöhen.

In manchen Missionen kann man mit bestimmten Partnercharakteren gemeinsam kämpfen und mit gefüllter Leiste für eine kurze Zeit diese steuern. Unter Umständen benutzt man so Waffen, die man für den Hauptcharakter noch nicht freigeschaltet hat.

Große Streitkräfte und Taktik

In manchen Kämpfen trifft man neben kleineren Gruppen auf große Streitkräfte mit vielen hundert Soldaten und einigen Offizieren. Da ist es teils nicht so sinnvoll, sich einfach reinzustürzen. Sonst bekommt man schnell Angriffe aus aller Richtung zu spüren. Es kann sogar passieren, dass man auf gegnerischen Truppen hilflos eine Art Stagedive hinlegt und erst mal nicht handeln kann.

Ihr und welche Armee? …Diese Armee?

Ausserdem sollte man bei großen Taktiken aufpassen. Innerhalb einer Zielzeit muss man Bedingungen erfüllen, um diese zu stoppen. Sonst ergibt sich ein starker Vorteil für den Gegner. Bei manchen großen Taktiken können besonders starke Offiziere oder wilde Sturmangriffe es etwas schwerer machen. Große Taktiken von Verbündeten dagegen bringen einen großen Vorteil.

Sobald man als Spieler eigene Truppen erhalten hat, kann man eigene „Taktiken“ einsetzen. So kann man diese zum Beispiel vorstürmen lassen oder Pfeilangriffe befehlen. Manche Taktiken haben Bedingungen für einen stärkeren dramatischen Erfolg, zum Beispiel Pfeilangriffe aus erhöhter Position auszuführen. Drei Taktiken lassen sich ausrüsten und mit Cooldown einsetzen. Allerdings können Truppen im Kampfgeschehen besiegt werden. Ohne Truppen keine Taktik. Aber mit der Zeit, vor allem in eigenen Basen, füllen sich Truppen wieder auf.

Nicht mehr so groß.

Moral und Mut – kampfentscheidend?

DYNASTY WARRIORS: ORIGINS hat zudem ein Moralsystem, das mit einer zweifarbigen Leiste für Verbündete und Gegner dargestellt wird. Je stärker die Moral ist, umso besser Kämpfen Soldaten und Offiziere. Moral lässt sich zum Beispiel durch Erobern von Basen, aber auch Erfolg oder Misserfolg von großen Taktiken beeinflussen.

Zudem können Offiziere eine Art Pfeilsymbole haben, deren Zahl ihren Mut anzeigt. Auch das hat Einfluss auf ihre Stärke und kann durch Kampfhandlungen beeinflusst werden. Je nach Moral- und Mutunterschieden können Kämpfe von Verbündeten und Gegnern schnell in eine Richtung kippen.

Fazit

Ich mochte meine Zeit im alten China. Das Kampfsystem macht Spaß, diverse Aktionen werden durch Effekte gut untermalt. Charaktere und Erzählung wissen zu unterhalten. Die drei Pfade bieten unterschiedliche Blickwinkel auf den Verlauf und Abwechslung, auch wenn es teils zu Überschneidungen kommt. Die Fraktionen haben eben teils gemeinsam, teils gegeneinander gekämpft.

Einfach unvergesslich, der Protagonist.

Wer alles sehen möchte, wird mehrere dutzend Stunden beschäftigt sein. Ich habe dabei aber keine übertriebenen Längen verspürt und blieb immer motiviert. Ich habe vielmehr auch Lust auf den Downloadcontent bekommen.

Die Performance auf Nintendo Switch 2 ist aus meiner Sicht gelungen. Ich habe weder am Fernseher noch im Handheldmodus spielerische Probleme verspürt, obwohl ich mit variabler Framerate statt fixen 30 fps gespielt habe.

Somit ist DYNASTY WARRIORS: ORIGINS auf Nintendo Switch 2 von mir eine Empfehlung wert.

Vielen Dank an KOEI TECMO GAMES für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Nintendo Switch 2.