Griechische Mythen, Match-3-Gameplay und Städtebau treffen in Mythmatch aufeinander. Ich schlüpfe in die Rolle von Artemis, die eine Anstellung als Göttin auf dem Olymp anstrebt. Doch während ihr Bruder Apollo sofort einen Göttertitel verleiht bekommt, ohne dafür etwas tun zu müssen, wird Artemis gesagt, die Gottheit der Jagd müsse schon ein Gott sein und keine Göttin. Von Hermes ins Reich der Sterblichen geschleudert, versucht sie fortan, mit ihren speziellen Fähigkeiten ihren Platz im Olymp zu erarbeiten.
Tag
Mythmatch ist aufgeteilt in zwei Abschnitte. Tagsüber befindet sie sich auf Ithaka, des Nachts kann sie in den Olymp reisen. Beide Orte teilen sich das Match-3-Gameplay, aber jeweils unterschiedlich umgesetzt.
Ithaka, Heimatinsel des Odysseus, ist ein kleines Örtchen, in dem gerade nur Frauen und Kinder leben. Ihr wisst schon, Trojanischer Krieg und so. Seine Frau Penelope verschanzt sich und Sohn Telemachos im Palast. Thermusa ist mit ihrer Tochter allein, was die Schmiedearbeiten erschwert. Doch glücklicherweise ist Artemis hier, um ihnen allen zu helfen. Schließlich schickt Hermes sie sehr nachdrücklich immer wieder zurück.
Zwar haben die Tage ein Zeitlimit, doch das Gameplay auf Ithaka ist weitgehend entspannt. Artemis besondere Fertigkeit ist es, drei identische Objekte (oder Tiere), die sie miteinander verknüpft, in etwas anderes zu verwandeln. Genretypisch lösen sich verbundene Objekte meist auf und ermöglichen Kombos, in Mythmatch dagegen spielen Kombos und Punkte eine untergeordnete Rolle.
So verwandelt Artemis etwa Lehm in Ziegel oder Käfer in Waschbären. Ein Objekt verfügt zumeist über drei oder vier Stufen, wobei drei Gegenstände einer Stufe verknüpft in einem Gegenstand der nächsthöheren Stufe resultieren.
Doch nur durch Verwandlung kann Artemis auch nicht alles erschaffen. Hin und wieder benötigt sie auch die Hilfe der Einwohnerinnen Ithakas. Während die Schmiede Hämmer, Glas und mehr herstellt, sobald Artemis die entsprechenden Materialien liefert, stellt Penelope beispielsweise Stoffe und Tinte her. Story und Fähigkeiten sind hier oftmals verknüpft, wodurch sich die Stadt und die Charaktere gemeinsam weiterentwickeln und auch neue Charaktere hinzukommen.
Außerdem kann Artemis nichts aus dem Nichts erschaffen, also liefern ihr die Leute auch Grundmaterialien. Je mehr Materialien sie liefern, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie auch Materialien auf einer höheren Stufe liefern. Dadurch erreicht Artemis schneller noch höhere Stufen von Gegenständen.
Spezifische Gegenstände benötigt Artemis für Haupt- und Nebenaufgaben oder um weitere Gegenstände zu erhalten.

… und Nacht
Als Göttin benötigt Artemis keinen Schlaf, anders als die Frauen und Kinder auf Ithaka. Deshalb kann sie ihre Nächte auf dem Olymp verbringen. Hier ist das Verwandlungsgameplay deutlich stressiger als auf der Insel.
Vier Gottheiten bieten auf dem Olymp vier unterschiedliche Minispiele, sobald Artemis auf Ithaka bestimmte Fortschritte erreicht. Umgekehrt sorgen die Minispiele des Olymp auf der Insel für verschiedene Boni wie schnelleres Crafting oder längere Tage.
In Demeters Minispiel geht es darum, auf einem begrenzten Feld lange zu überleben und möglichst viele Verwandlungen und Kombos auszulösen, um höhere Punktzahlen zu erreichen. Das ist gar nicht so simpel, auch wenn ich Hephaestus’ Schmiedenminispiel durch die tickende Uhr noch stressiger fand. Bei Bedarf gibt es aber auch ein paar kleine Einstellungsmöglichkeiten, die dabei aushelfen können. Außerdem erhält Artemis auf Ithaka auch Glaubenspunkte, die sie gegen verschiedene Modifikatoren für die Minispiele eintauschen kann.
Auch wenn Artemis’ Hauptziel in Mythmatch ist, Göttin der Jagd auf dem Olymp zu werden, tritt der Olymp gegenüber dem Geschehen auf Ithaka etwas in den Hintergrund. Artemis läuft nicht frei durch den Olymp, sondern hält sich nur in einzelnen Stockwerken eines Geschäftsgebäudes auf. Dort spielt sie die Minispiele und erhält anschließend die Gelegenheit, mit den Gottheiten über verschiedene Dinge zu sprechen. So werden Olymp und Gottheiten zwar auch ausgebaut, aber eine Nacht fühlt sich deutlich kürzer und ereignisärmer an als ein Tag. Gespräche auf Ithaka finden nur zum Teil erst abends statt, wenn die Leute nicht mehr arbeiten.
Die Minispiele selbst sind abwechslungsreich gestaltet, auch wenn ich die Einfachheit von Demeters Minispiel vermutlich am meisten mag.
Trotzdem habe ich hin und wieder die nächtlichen Besuche ausfallen lassen, um stattdessen auf Ithaka die Geschichte noch etwas voranzutreiben. Vor allem aber, weil ich an den Dialogen meine Freude hatte und daran, Gegenstände durch die Gegend zu werfen.

Hüpfen und Pfeile schießen
Das einzige, was sich in Mythmatch deutlich unrund anfühlt, ist die Steuerung. Artemis bewegt sich hüpfend auf einem Kachelsystem vorwärts, wo auch die Objekte auf dem Boden liegen. Mit ihrem Pfeil kann sie ein kleines Stück weit entfernte Gegenstände zu sich heranziehen und auf ihrem Kopf tragen (oder sie hebt auf, was direkt vor ihr liegt). Ihre Wurfweite auf freiem Feld ist festgelegt. Befinden sich Gegenstände auf der Linie, bleibt ein geworfener Gegenstand direkt davor liegen. Liegt unmittelbar vor Artemis ein Gegenstand, kann sie beim Werfen ausweichen, sofern ein freier Platz vorhanden ist, und den gehaltenen Gegenstand auf ihren ursprünglichen Platz befördern.
Soweit funktioniert auch alles. Allerdings hüpft Artemis bei einem Richtungswechsel gezwungenermaßen und kann sich nicht auf der Stelle drehen. Dadurch musste ich so manches Mal ihre Position noch einmal korrigieren, um einen Gegenstand in eine Lücke zwischen zwei anderen zu befördern, statt ihn daran vorbei zu werfen.
Später erhält Artemis ein Inventar, um mehr als einen Gegenstand gleichzeitig quer über die Insel zu befördern. Das Inventar wird mit der gleichen Taste geöffnet, mit der ich Gegenstände in die Tasche packe, nur mit unterschiedlich langem Tastendruck. Dadurch habe ich mehr als einmal versucht, nicht vorhandene Gegenstände in die Tasche zu packen, wenn ich sie eigentlich nur öffnen wollte.
Davon abgesehen, verfügt Mythmatch aber über viele Komfortfunktionen, die das Spielen angenehmer gestalten. Mit fortschreitender Handlung werden auch benötigte Gegenstände immer komplexer und vielzähliger. Zum einen hilft dabei eine Questliste, die per Tastendruck aufklappt, aber dann auch wieder verschwindet. Im Menü kann ich jederzeit nachlesen, woraus ich bereits hergestellte Objekte noch einmal verwandeln kann. Teilweise gilt das auch für Objekte, die ich noch nicht gefunden habe.
Über eine Prioritätenliste entscheide ich bei Bedarf zudem, welche Materialien die Leute auf Ithaka bevorzugt liefern sollen. Das ist vor allem deshalb hilfreich, weil die meisten Charaktere sehr unterschiedliche Objekte liefern können. Fällt es doch einmal etwas schwerer, den Überlick zu behalten, ist er so schnell wiedergefunden.
Daneben werden auch Gegenstände auf dem Boden, die ich für eine Aufgabe benötige, sichtbar markiert, so dass ich sie nicht versehentlich in eine höhere Stufe verwandle (später lassen sich Gegenstände aber auch wieder zerbrechen). Eine andere Markierung zeigt mir zudem, wenn ein Gegenstand für eine Werkbank zur Verarbeitung durch die Bewohnerinnen benötigt wird.

Fazit
Die größte Stärke von Mythmatch besteht darin, wie eng Handlung und Gameplay über Ithaka und den Olymp hinweg miteinander verknüpft sind. Fortschritte in beiden Orten bringen gegenseitige Vorteile. Der Ausbau der Stadt ist fast gleichbedeutend mit dem Ausbau der Beziehungen zu den Bewohner:innen Ithakas, schaltet aber auch neue Minispiele auf dem Olymp frei.
Das Match-3-Gameplay wird vielseitig umgesetzt und ist mal mehr, mal weniger entspannt, wobei der vielstufige Verwandlungsaspekt überzeugt. Highscores spielen auf dem Olymp eine kleine Rolle, ohne dabei entscheidend zu sein. Die Story selbst ist auf Ithaka noch ein wenig ansprechender als auf dem Olymp, da Artemis auf der Insel richtig anpackt und viel mehr mit den Charakteren interagiert.
Vor allem aber habe ich mich immer wieder dabei erwischt, “nur noch einen weiteren Tag” spielen zu wollen. Sowohl für die Geschichte, als auch für das Verschmelzen und Verwandeln von Objekten in immer wieder Neues.

Herzlichen Dank an Team Artichoke für die Bereitstellung des Testmusters. Verwandelt auf PC via Steam.