Es war einmal eine Welt in der Pokémon und Menschen im Einklang miteinander lebten. Voneinander lernten. Sich gegenseitig halfen. Und 25 Jahre lang einen nicht alternden Jungen zu seinem Traum führten. Und dann wurde es mit einem Mal sehr sehr still. Die Menschen verschwanden. Und auch die Pokémon sah man nicht mehr. Bis eines Tages ein kleines Ditto erschien und nach seinem Trainer suchte.
Und damit startet man auch schon durch. Nur Ditto und ein einsames Tangoloss, welches sich zügig dem kleinen Glibbermonster anschließt, um Menschen und Pokémon wieder zurückzuholen. Zunächst hilft man im Charaktereditor Ditto dabei sich an seine:n Trainer:in zu erinnern, indem man seine Verwandlung in ebendiese Person genauer anpasst. Haut- und Haarfarbe, Kleidung und Frisur sind schnell durchforstet und ein passender Name sollte auch nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Dann kann es losgehen.
Zunächst findet man sich in Welkwüstia wieder. In dieser Landschaft gab es einst viele Wiesen, Wasserplätze und Blumen. Jetzt ist es das reinste Ödland. Kein Wunder also, dass weder Mensch noch Pokémon zu finden sind. Neben Hausruinen liegt auch das Pokémon Center dort in Schutt und Asche. Nach und nach gilt es alles wieder aufzubauen. Aber dafür benötigt es erst einmal ein paar Pokémon. Die ersten sind mit dem Bau von passenden Habitaten schnell angelockt. Am Anfang fallen die noch sehr poplig aus und lassen sich an nahezu jeder Stelle errichten. Hier eine kleine Wiese, dort ein paar Blümchen unterm Baum. Aber nicht alle Taschenmonster sind so genügsam.
Mit den ersten Pokémon erlangt man auch die ersten Fähigkeiten: Schiggys Aquaknarre zum Bewässern, Bisasams Ranken zum Gras heranziehen und Nockchans Handschuhe zum Zertrümmern zum Beispiel sind wesentliche Skills, die benötigt werden, um die Umgebung zu manipulieren und neben Wegen auch Ressourcen freizulegen. Dittos Imitationstalent wird jedoch niemals als Waffe verwendet. Anders als in anderen Pokémonspielen ist das besondere, dass dieses Spiel komplett ohne Kampfsystem auskommt. Hier gibt es keine Trainer, die ihre Pokémon in den Kampf schicken. Hier gibt es nur Pokémon, die alles daransetzen, um ihr altes Weltbild wieder aufzubauen.

Dazu benötigt es noch einige weitere Fähigkeiten, die Ditto selbst mit seinem Wahnsinnstalent nicht erlernen kann. Aber das ist nicht weiter schlimm, schließlich sollen die neu angelockten Kolleg:innen ja auch etwas zu tun haben. Während die einen besser im Verarbeiten von Rohmaterialien sind, laufen andere gerne hinter einem her, um spezifische Aktionen an den nötigen Stellen auszuführen. Ob es nun darum geht frisch angepflanztes zu düngen oder ein Lagerfeuer anzuzünden – wie wir es schon aus anderen Spielen gewohnt sind, hat jedes Pokémon seine eigene Stärke und Aufgabe.
Dafür bleibt Ditto dann mehr Zeit die Rätsel zu lösen, die von Mensch und Pokémon hinterlassen wurden. Dabei geht es nicht nur um den Verbleib ebendieser, sondern meistens einfach um das individuelle Befinden der einzelnen mal mehr und mal weniger niedlichen Bewohner. Steigt dieses ins Positive, erhöht sich auch das Umgebungslevel und es öffnen sich im PC Menü weitere Challenges und Einkaufsmöglichkeiten.

Diese Listen sind vor allem dann interessant, wenn man gerade bei den verschiedenen Quests nicht weiter weiß. Das Wohlbefinden der Pokémon sollte daher immer mit die oberste Priorität sein. Dazu zählt vor allem die Qualität der Unterkunft. Natürlich kann man sein Zubat im hohen Gras leben lassen. Es wird allerdings am Tage ziemlich unglücklich über die Helligkeit sein. Daher kann man Pokémon in verschiedene Behausungen einziehen lassen, die zuvor jedoch von einer Gruppe von ihnen gebaut werden müssen. Und wer muss das Material ankarren? Richtig! Ditto! Das schöne ist, dass nicht jedes einzelne eine eigene Behausung braucht. Es gibt einige schöne Exemplare, die auch von mehreren auf einmal verwendet werden können.
Etwas, das ich sehr spät realisiert habe war, dass die Umgebung für solche Wohngemeinschaften bereits viel anbietet. Man muss es nur erkennen, instandsetzen und dann entsprechend gestalten. Hat man dann wieder einige Pokémon untergebracht, werden die vorher angelegten Habitate wieder frei für potenzielle neue, noch nicht entdeckte Kameraden. Jedoch kann man von jedem Pokémon auch nur ein einziges Exemplar anlocken. Ein Strand voller Lahmus’ lässt sich also leider nicht anlegen. Sehr, sehr schade.

Im Verlauf des Spieles schaltet man neben vielen kurzen und einigen vernetzten Quests dann auch weitere Städte frei. Durch große Tore können diese erreicht werden. Jede Stadt hat ihre eigenen Probleme und Erkennungsmerkmale. Am Ende kann man aber jedes spezielle Etwas auch in die anderen Städte tragen und dort nutzen. Und mit jedem entdeckten Pokémon ist man ein Stückchen näher an der Frage, was zur Hölle hier nur passiert ist.
Technisch gesehen läuft all das einwandfrei. Die Steuerung ist sehr einfach und auch zwischen den Fähigkeiten ist es leicht zu wechseln. Die Energieleiste ist nicht zu knapp bemessen aber lässt auch keinen unendlichen Einsatz der verschiedenen Techniken zu, bevor Ditto wieder Energie tanken muss.

Was mich allerdings zum Teil wirklich sehr stört, sind die Zeiten die für die Erbauung von Häusern u.ä. benötigt werden. Pokopia spielt in Echtzeit. Also passt sich genau wie in Animal Crossing die Tageszeit an die eingestellte Zeit der Nintendo Switch 2 an. Je nachdem wie groß die Bauten sind, die gewerkelt werden, kann es einen ganzen Tag bis zur Vervollständigung dauern. Für den Bau muss man einzelne Pokémon herbringen und der Baustelle zuteilen. Diese kann man dann nicht mehr einfach so herausziehen, wenn man sie für Quests ansprechen oder irgendwo hinführen soll. Das heißt, dass man sich auch selbst ins Knie schießen kann, wenn man eigentlich schnell mit der Story vorankommen möchte, aber keine Glaskugel hat, um vorherzusehen welche Pokémon besser NICHT auf die Baustelle geschickt werden sollten.
Eine weitere Sache, über die ich nicht glücklich bin, ist der Pokédex. Mir fehlt hier eine Gesamtschau der Pokémon und Habitate die man entdecken kann. Selbst, wenn man noch weit davon entfernt ist, sie zu finden. Vor allem dann, wenn man einen höheren Fokus auf den Ausbau der Städte legt und entsprechend planen möchte, wie viele Häuser man an welcher Stelle bauen oder wo man beispielsweise einen Markt errichten möchte. Freies Verschieben ist nicht möglich und man benötigt spezielle Items, um bereits gebaute Häuser verschieben zu können. Kurzum: es ist nervig.

Ebenfalls nervig sind zu einem beachtlichen Teil die Soundeffekte. Vor allem das Laufgeräusch macht mich irre. Glücklicherweise gibt es ein paar Audioeinstellungsmöglichkeiten. Hier hätte ich mir ein paar mehr Feinheiten gewünscht, um beispielsweise nur das Laufgeräusch zu dämpfen. Aber hier sind wir schon auf einem hohen Niveau des Jammerns angekommen.
Für viele Menschen stellt sich vor dem Kauf des Spieles die Frage, wann sich der Kauf zum Vollpreis überhaupt lohnt. Ich persönlich sehe das so: wenn man bereits eine Nintendo Switch 2 besitzt, Sandbox Spiele wie Minecraft richtig richtig richtig geil findet und nebenher auch noch ganz entspannt die Story erleben will – das ist der richtige Zeitpunkt für einen Kauf. Am besten gestern.
Wer schon Animal Crossing kennt und wenig bis gar keine Lust hatte seine Insel bis in die kleinste Ecke anzupassen – der sollte definitiv warten. Die Story allein würdigt den Preis meiner Meinung nach nicht. Aber es ist auf jeden Fall möglich viele Stunden Spaß zu haben, wenn man es genießt Areale in Themengebiete aufzuteilen, Ressourcen zu sammeln und diese weiterzuverarbeiten, um die neu eingeteilten Gebiete entsprechend zu gestalten.

Ein herzliches Dankeschön geht an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters. Verzweifelt nach Enton gesucht auf Nintendo Switch 2.