Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition – Nintendo Switch 2 Edition (Review)

Das ursprünglich auf der WiiU erschienene Open-World-RPG Xenoblade Chronicles X hat letztes Jahr eine Definitive Edition für Nintendo Switch erhalten. Neben technischen Upgrades gab es auch spielerische Änderungen und eine erweiterte Geschichte. Nun folgte mit Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition – Nintendo Switch 2 Edition eine nur leicht bearbeitete Version für die Nachfolger-Hardware. Für Besitzer der Switch-Version gibt es ein Upgrade-Pack zu kaufen. Eine höhere Bildrate bis zu 60 fps und Auflösung bis zu 4k wird versprochen. Während die Switch-Version schon ein Review bei uns erhalten hatte, durfte ich mir die neue Version ansehen.

Gestrandet im All

In Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition – Nintendo Switch 2 Edition wurde die Erde in einen intergalaktischen Konflikt verwickelt und zerstört. Nur wenige Fluchtschiffe konnten den Planeten überhaupt verlassen, darunter auch der Weiße Wal. Doch einige Zeit später griffen die Außerirdischen erneut an und beschädigten das Schiff stark. Glücklicherweise konnte eine Notlandung auf einem bewohnbaren Planeten durchgeführt werden.

Noch etwas Wirr von der Stasis.

Unser selbsterstellter Protagonist wird wenige Monate nach der Landung in einer der verstreuten Stasiskapseln gefunden und geweckt. Zwar erinnern wir uns nicht an die vorigen Ereignisse, werden aber bald Teil des Eliteteams unter Leitung von Elma. Die junge talentierte Lin ist ebenfalls Teil davon. Schon bald stößt der Nopon Tatsu als Comic Relief dazu. Als Teil der Organisation BLADE erkunden wir den Planeten Mira, erweitern das Sondennetzwerk und sorgen für Sicherheit. Denn das einheimische Leben ist teilweise gefährlich, aber auch höher entwickelte Außerirdische trachten uns nach dem Leben. Dabei suchen wir auch noch einen wichtigen Teil des Raumschiffs, in dem die meisten Menschen noch in Stasis sein sollten.

Die Geschichte ist durchaus unterhaltsam, die Szenen teilweise aber lang genug, dass meine Switch 2 die Helligkeit reduziert hat. Manche Spieler mögen nicht zufrieden damit sein, dass Hauptmissionen oft einen gewissen Erkundungsfortschritt verlangen, aber für mich ist das völlig in Ordnung. Zum einen gehört es für mich in einem offeneren Spiel dazu, die Welt zu erkunden und Quests zu erldedigen, zum anderen sind die Anforderungen auch nicht allzu hoch.

15% sind nicht viel, ein bisschen mehr wird es später auch mal.

Die zusätzliche Geschichte findet nach Schluss der ursprünglichen Version statt und fügt neue Details dazu. Sie ist eine nette Erweiterung als Teil der Definitive Edition.

Erkundung einer neuen Welt

Der betretbare Teil des Planeten Mira besteht aus mehreren Kontinenten, die natürlich nicht so groß sind wie unsere. Diese sind thematisch gut voneinander abgegrenzt und bieten auch innerhalb Abwechslung. Zudem wird das Thema einer fremden Welt für mich auch durch fremdartige Flora und Fauna gut dargestellt.

Die relevanten Gebiete sind in Sechsecke aufgeteilt. In jedem Sechseck gibt es eine Aufgabe, die den Erkundungsfortschritt steigert. Zum einen platzieren wir Sonden. Teilweise muss man auch bestimmte Truhen, Wracks oder ähnliches finden. Auch besondere Gegner, Tyrants, oder das Erledigen von Quests kann eine Aufgabe eines Sechsecks sein. Sonden und Landmarks dienen dabei auch als gut verteilte Schnellreisepunkte, damit wir uns nicht unnötig lange nur von A nach B bewegen.

Je nach Spielweise dauert es auch mal mehrere dutzend Stunden, bis wir fliegen dürfen.

Die Welt ist durchaus groß, aber spätestens mit dem Flugmodul der Skell-Mechs gut zu erschließen. Allerdings können Komplettisten viele Stunden damit verbringen, den Erkundungsfortschritt auf 100% zu bringen. In Einzelfällen sind dabei besonders starke Gegner im Weg, die weit über dem Level bei Spielabschluss liegen. Manchmal will auch das Wetter für bestimmte Gegner nicht mitspielen. Die Zeit kann man in Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition – Nintendo Switch 2 Edition im Gegensatz zum WiiU-Original umstellen, aber nicht das Wetter. Das ist aber nur in Ausnahmefällen ein Problem, und auch die Uhrzeit ist nur manchmal wichtig. Trotzdem ist die Möglichkeit, die Zeit überall ändern zu können eine gute Änderung, um zusätzliche Wege von Ruheorten einzusparen.

Questmarker für Zielorte, Zielgegner und auch nötige Sammelobjekte erleichtern das Abschließen von Quests zudem. Auch eine Anzeige des Weges ist möglich, die in den allermeisten Fällen auch funktioniert. Bei seltenen Höhlen kann sie an ihre Grenzen stoßen, insgesamt fällt es aber nicht wirklich ins Gewicht.

Halbautomatische Kämpfe mit Cooldown

Das Kampfsystem erinnerte mich im Original schon daran, wie ich mir früher MMOs vom Hörensagen her vorgestellt hatte. Charaktere greifen automatisch an, Treffer werden durch Zahlenwerte bestimmt, auch ohne dass optisch getroffen werden muss. Bis zu acht Fertigkeiten lassen sich ausrüsten, die von der genutzten Klasse beziehungsweise von genutzten Waffen abhängig sind. Die Fertigkeiten lassen sich innerhalb eines Kampfes erst nach Ablaufen eines Cooldowns von wenigen Sekunden bis über eine Minute wieder einsetzen.

Hier setzt aber eine Neuerung an, der Quick Cooldown. Dafür haben wir eine extra Leiste, die durch Erkundung erhöht wird. Durch deren Einsatz können wir Fertigkeiten direkt wieder einsetzen.

Allerdings gibt es über den normalen Cooldown hinaus noch einen sekundären Cooldown, wenn wir einsatzbereite Fertigkeiten ruhen lassen. Ist dieser gefüllt, werden Fertigkeiten verstärkt oder schlicht ein weiteres Mal benutzbar.

Im Hintergrund ein viel stärkerer Gegner, zum Glück weit weg.

Schließlich gibt es im Spielverlauf noch den Overdrive. Mit 3.000 TP kann man diesen aktivieren, wodurch zeitweise Cooldowns stark beschleunigt und diverse Boni ermöglicht werden. Manchmal möchte man die TP aber auch andersweitig nutzen. So kostet das Wiederbeleben eines Charakters ebenfalls 3.000 TP, manche Fertigkeiten kosten 1.000 TP. TP erhält man durch normale Angriffe, aber auch bei gutem Abschluss von Quick Time Events. Das Maximum von 3.000 kann abhängig von Ausrüstung und Skills erhöht werden.

Je nach Kampfaktion kann eine Aufforderung auftauchen, bei der man einen Knopf drücken soll, wenn sich Kreise überlappen. Allzu harsch ist das Timing dabei zwar nicht, aber oft habe ich nur gut statt perfekt getroffen. Dann bekommt man keine TP, aber die Gruppe wird etwas geheilt. Das ist auch eine Besonderheit des Kampfsystems. Es gibt kaum Heilfertigkeiten, die meiste Heilung läuft über diese Quick Time Events und „Soul Voices“. Im Spiel werden Soul Voices oft als Aufforderung anderer Teammitglieder dargestellt. Zum Beispiel soll man innerhalb einer gewissen Zeit eine Nahkampffertigkeit einsetzen. Dabei hilft das „Quick Cooldown“-System natürlich ebenfalls. Oft folgt dann ein Quick Time Event.

Erfolg bei Quick Time Events kann das Morallevel steigern, was wiederum die Häufigkeit von Soul Voices und Quick Time Events erhöht. Gerade bei stärkeren Gegnern kann das entscheidend sein, um den erlittenen Schaden zu heilen.

Die bekämpft man beim ersten Treffen besser nicht.

Auch mit Skells kann man kämpfen, diese haben ein von den TP getrenntes aber analoges GP-System. Zudem kosten Angriffe Treibstoff, gerade starke Angriffsfertigkeiten können teuer werden. Das Overdrive-Pendant der Skells negiert dabei den Treibstoffverbrauch. Außerdem kann im Skell eine Cockpitansicht zufällig ausgelöst werden, die den Cooldown der Skell-Fertigkeiten abschließt.

Skells halten in der Regel mehr aus als die Teammitglieder zu Fuß. Bei Zerstörung taucht ein Quick Time Event auf, das wir möglichst perfekt abschließen sollten. Denn sonst sinkt unsere Versicherung, und ohne Versicherung wird Ersatz teuer. Allerdings kann man auch vorher aussteigen, und Verluste CPU-gesteuerte Skells belasten die Versicherung nicht. Außerdem kann man im Zweifelsfall vor starken Gegnern speichern und bei Bedarf neu laden, schließlich handelt es sich nicht um ein Soulslike oder Servicespiel.

Insgesamt finde ich das Kampfsystem durchaus gut, aber manchmal könnte es trotz Quick Cooldown vielleicht noch etwas mehr Tempo gebrauchen.

Ausrüstung und Klasse

Natürlich wird man auch hier durch Erfahrung stärker, sollte sich aber auch um seine Ausrüstung kümmern. Je nach Klasse des Charakters können unterschiedliche Waffenarten ausgerüstet werden, wobei wir stets eine Nahkampf- und eine Fernkampfwaffe tragen. Der Hauptcharakter hat eine Auswahl bei der Klasse und kann mit Klassenerfahrung weitere Klassen freischalten. Mit den höchsten Klassen kann man dann auch die zugehörigen Waffen für andere Klassen freischalten. Denn zumindest für allgemein ausrüstbare Skills kann es sich lohnen, andere Klassenzweige zu erlernen.

Extra passend gekleidet.

Desweiteren wollen wir auch defensiv gerüstet sein. Fünf Rüstungsteile lassen sich anlegen. Waffen und Rüstung wirken sich optisch aus, was beim Outfit eine wilde Mischung ergeben kann.

Glücklicherweise gibt es „Fashion Gear“. Jedes gefundene Rüstungsteil wird dafür freigeschaltet, und wir können es rein für die Optik auswählen. Wer zum Beispiel unbedingt in Badebekleidung rumlaufen möchte, ohne defensiv Kompromisse eingehen zu müssen, kann das im Spielverlauf machen. Da Ausrüstung relativ teuer sein kann und man einige Teammmitglieder zur Auswahl hat, sollte man im Zweifelsfall Fashion Gear nutzen, wenn man die tatsächliche Ausrüstung beim Tausch abnimmt. Sonst kann es in manchen Szenen etwas seltsam werden, wenn plötzlich Leute in Unterwäsche dabei sind.

Skells sind nochmals teurer und wollen auch noch mit teurer Skellausrüstung bestückt werden. Aber die nötigen Charakterlevel für Skells sind weiter gestreut als bei Waffen und Rüstung, man soll nicht so oft wechseln müssen. Das reduziert den finanziellen Aufwand etwas, macht die Statuswertsprünge beim Wechsel aber umso deutlicher.

Ein eher seltenes Wetterphänomen, meist bleibt die Sichtbarkeit erhalten.

Geld sparen lässt sich natürlich mit etwas Glück durch Ausrüstung aus Truhen oder als Beute von Kämpfen. Skells bekommt man zwar nicht, aber Skellausrüstung.

Wer noch tiefer in das System einsteigen möchte, kann sich um Bonusfähigkeiten der Ausrüstung und zusätzlich in Ausrüstungsslots einsetzbare Verbesserungen kümmern. Das kann die Kampfeffektivität je nach Angriffselement und Gegnern stark beeinflussen, ist für die Geschichte und die allermeisten Quests aber nicht nötig. Für die stärksten optionalen Gegner und spezielle Herausforderungen kann es aber sehr empfehlenswert sein.

Technischer Eindruck

Was macht nun die Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition – Nintendo Switch 2 Edition zu einer „Nintendo Switch 2 Edition“, abseits des Namens? Versprochen wird wie eingangs erwähnt eine Bildrate von bis zu 60 fps und eine Auflösung bis zu 4k. Mit der Bildrate bin ich auch quasi völlig zufrieden, die wahrgenommenen Einbrüche könnte ich an einer Hand abzählen und erfolgten im Grunde nur zwischen Abschluss einzelner Kämpfe und der folgenden Szenen sowie in einer Szene am Ende des ursprünglichen Spiels.

Bei der Auflösung dagegen sah es für mich anders aus. Gerade Kanten von Objekten und Texturen wirkten öfter mal etwas unruhig, gerade in Bewegung. Im Handheldmodus leidet die Bildqualität stärker. Davon abgesehen ist manche Textur nicht unbedingt dafür gemacht, sie von nahem zu sehen. Vereinzelt trifft das zum Beispiel auch auf Waffen in Szenen zu.

Zwar nicht Teil des Upgrades, aber für mich erwähnenswert sind auch teilweise Pop Ups von Charakteren und Objekten sowie Detailaufbau mancher Umgebungsobjekte beim Annähern. In manchen Fällen muss man auch nach einer Schnellreise erst mal etwas warten, bis entsprechende NPCs auftauchen, die man gerade ansprechen wollte.

Fazit

Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition – Nintendo Switch 2 Edition bietet eine flüssigere Framerate als die Switch-Version, die meiner Ansicht nach größtenteils stabil bleibt. Ladezeiten sind angenehm kurz. Die Bildqualität kann im Detail leider nicht so recht überzeugen. Aber das grundlegende Spiel ist für mich weiterhin überzeugend. Die Welt ist vom Design her ansprechend gestaltet und bietet schöne Anblicke. Der Kontrast von Erkundung zu Fuß und mit Skells, gerade fliegend, ist schön deutlich. Das überarbeitete System ermöglicht es im Gegenzug zum Original auch, dass man fast nie vor noch nicht zu öffnenden Truhen oder ähnlichem steht.

Manche Quests sind eben etwas weniger ernst.

Das Kampfsystem mag nicht jedem zusagen, der Quick Cooldown ist eine gute Erweiterung. Gerade gegen schwächere Gegner wird es so etwas beschleunigt und aktiver. Die musikalische Untermalung des Spiels gefällt mir in aller Regel, nur einzelne Lieder die mehr in Richtung Hip Hop oder Rap gehen, sagen mir weniger zu. Der zusätzliche Storyinhalt ist eine nette Erweiterung, die auch Details hinzufügt.

Insgesamt ist Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition – Nintendo Switch 2 Edition aus meiner Sicht empfehlenswert und bietet auch eine Menge optionalen Inhalt.

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet auf Nintendo Switch 2.