Geht es nur mir so, oder wird man als Cozy Gamer in der letzten Zeit mit einer krassen Welle an Dekorationssims geflutet? Niedliche kleine Spiele, die mal mehr und mal weniger unserer Kreativität freien Lauf lassen und hübsche Räume, Häuser oder Inseln zu gestalten und hoffentlich die ein oder andere ebenso niedliche Kreatur damit glücklich zu machen.
Auch Twinkleby bietet das alles. Allerdings gibt es hier keine zusammenhängende Nachbarschaft, die umgestaltet werden soll. Vielmehr öffnet sich der Sternenhimmel nach und nach und legt dabei kleine Inseln frei. Auf diese locken wir einige Leute, die sich hoffentlich dort wohlfühlen. Das Ziel des Spiels besteht außerdem auch darin, im besten Fall den kompletten Katalog an Nachbarn anzulocken und unterzubringen. Für viele müssen dafür jedoch erstmal die Rahmenbedingungen hergestellt werden.

Alle Gegenstände, die man platziert, haben gewisse Eigenschaften oder gehören zu einem bestimmten Set an Gegenständen. Diese schaltet man nach und nach als Belohnungen frei. Oder man erwirbt sie im Antiquitätenladen. Die Währung in diesem Spiel sind Sterne, die immer mal wieder vom Himmel fallen. Fährt man mit dem Cursor darüber werden sie automatisch eingesammelt. Je mehr man platziert und je glücklicher die Bewohner sind, desto mehr Sterne fallen vom Himmel.
Nicht nur die Ausstattung ist ausschlaggebend für die Auswahl der Bewohner. Am Anfang liegt der Fokus noch darauf, aber schon nach kurzer Zeit lassen sich auch die Jahreszeit, das Wetter oder auch der Weltraum rund um die im All schwebende Insel anpassen. Manche bevorzugen Schnee und Kaltgetränke, andere kümmern sich wenig um das Wetter und fühlen sich nur in Unordnung und Schmutz wohl. Oft muss man sich auch gedulden, um den ein oder anderen Nachbarn anlocken zu können, weil die entsprechenden Voraussetzungen noch gar nicht freigeschaltet sind.

Wenn aber alles stimmt, kommt ein kleines Boot angefahren mit einem potenziellen neuen Bewohner. Damit sie aber auch bleiben muss er oder sie es sich dort auch gemütlich machen. Vincent zum Beispiel kommt nur auf die Insel, wenn auch eine Staffelei dort steht. Um sich wohlzufühlen, braucht er eine Weile allein für sich und muss sich eine gewisse Zeit seiner Kunst widmen. Dann aber ist er zufrieden und lässt es sich gut gehen. Jede Insel hat eine feste Bewohnerzahl, die sie beherbergen kann. Sind alle glücklich und zufrieden versammeln sie sich an der Anlegestelle und singen ein Liedchen. Und dann erfährt man auch was sich in den Taschen befindet, mit denen sie angereist sind. Neben Sternen und einigen seltenen bis gewöhnlichen Gegenständen können sich hier auch Kartenteile verbergen. Hat man davon eine gewisse Anzahl kann man mit diesen wiederum auf der Sternenkarte eine spezielle Insel freischalten.
Man muss sich übrigens nicht mit den Leuten zufrieden geben die angeschippert werden. Manchmal versucht man die Voraussetzungen für eine bestimmte Person zu erfüllen und dann kommt jemand daher den man gar nicht auf seiner Insel haben möchte. Kein Problem! Einfach die Tasche schnappen und über den Rand werfen und das Problem ist gelöst. Okay, der Besitzer der Tasche fängt an zu weinen und wirft sich auch von der Insel, aber er oder sie zückt vorher noch einen Schirm für einen sicheren Abgang. Genauso einfach lassen sich zudem auch Gegenstände entfernen. Nur landen diese im Inventar.
Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass jeder geschenkte bzw. erworbene Gegenstand auf der nächsten Insel wieder im Inventar auftaucht. Ich hatte die Befürchtung, dass ich stumpf Sterne sammeln und im Laden immer wieder mein Inventar aufstocken muss. Ich bin aber froh, dass das Spiel keinen unnötigen Grind voraussetzt. Stattdessen habe ich den Großteil meiner Sterne für Schlüssel ausgegeben, mit denen ich die Kisten öffnen konnte, die immer wieder vom Himmel gefallen sind.

Für weitere Abwechslung sorgen zudem auch Upgrades für einzelne Gegenstände. Leere Tische verwandeln sich mit einem Anstrich plötzlich zu Abendessen mit Kerzenlicht, Kartentischen oder Pflanzbänken. Dieser Aspekt gefiel mir sofort. So macht es direkt viel mehr Spaß sich noch einmal genauer mit den einzelnen Teilen im Inventar auseinanderzusetzen und auf diese Weise noch das ein oder andere Anpassungsmerkmal zu finden das fehlt, um eine bestimmte Person auf die Insel zu locken.
Für die besonders detailverliebten Spieler:innen gibt es aber auch eine Menge optischer Anpassungsmöglichkeiten die jedoch keinen direkten Einfluss auf das Spiel haben. Ob es die Farbe der Früchte eines Obstbaumes oder das Muster auf der Tapete sind. Hier gibt es für jedes Level an Kontrollsucht etwas. Zum Zeitpunkt des Reviews habe ich es noch nicht geschafft wirklich jeden einzelnen Charakter anzulocken, aber ich bin noch hochmotiviert das zu ändern. Es erinnert mich an eine Mischung von Tomodatchi Life und diesen knuffigen kleinen Spielfiguren von Fisher Price. Die Wortspiele und Anspielungen auf die klassische Literatur sind auch voll mein Ding.
Twinkleby ist das perfekte Spiel für Zwischendurch, wenn man mal keine Lust auf Logikrätsel hat. Längere Spielsessions haben mir zwar auch gefallen, allerdings hat mich die extreme Ruhe in diesem Spiel jedes mal sehr schläfrig gemacht. Was ich nicht kritisieren will. Manchmal braucht man auch genau das.

Ein herzliches Dankeschön an Might and Delight für die Bereitstellung des Testmusters. Getestet für den PC mit ROG Ally.